Je nach Zeitrechnung liegt es in diesen Tagen 14 oder drei Jahre zurück, dass der Missbrauchsskandal an der reformpädagogischen Odenwaldschule im hessischen Heppenheim ans Licht kam. 1999 hatte die Frankfurter Rundschau erstmals über sexuelle Übergriffe an Schülern berichtet, doch an der Schule und in der Öffentlichkeit blieben die Schilderungen weitgehend ohne Gehör. Erst elf Jahre später, im Frühjahr 2010, wurde das Ausmaß der systematischen pädosexuellen Gewalt an der einstigen Vorzeigeinstitution in vollem Umfang öffentlich.

Drei Jahre sind seitdem vergangen. Jahre, in denen weniger erreicht wurde, als möglich gewesen wäre. Stattdessen gab es sehr viel Streit in dieser Zeit. Um die Verantwortlichkeiten und die Strukturen an der Schule, um reformpädagogische Konzepte wie das Familienprinzip, von dem viele sagen, es hätte den sexuellen Missbrauch und die Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Schülern und Lehrern überhaupt erst möglich gemacht. Vor allem aber stritt man sich immer wieder um Geld, um die Aufarbeitung der Missbrauchsgeschichte und den angemessenen Umgang mit den Opfern.

Um die Unterstützung der Opfer, die Anerkennung ihres Leids, sollte sich nach dem Willen der Odenwaldschule die von ihr und der Altschülervereinigung gegründete Stiftung »Brücken bauen« kümmern. Ins Leben gerufen wurde sie erst im Juli 2011, den Opferverein »Glasbrechen«, den ehemalige Odenwaldschüler als Antwort »auf die unerträgliche Praxis der Vertuschung und der Unterlassung« gegründet hatten, gab es da längst. Eine Annäherung zwischen der Stiftung der Schule und dem Verein der Opfer, die sich ja beide als Anwälte der Betroffenen sahen, schien lange Zeit aussichtslos.

Nun aber gibt es Bewegung: In der vergangenen Woche hat zum ersten Mal ein Beirat aus Vertretern der Odenwaldschule und des Opfervereins getagt, der die wissenschaftliche Aufarbeitung der Missbrauchsgeschichte in Gang bringen soll.

Außerdem saßen Glasbrechen und Brücken bauen vier Monate lang am Verhandlungstisch. Das Ergebnis: Die Stiftung wird an Glasbrechen weitere 50.000 Euro für ihre Arbeit mit den Betroffenen zahlen, vorher wurden bereits 60.000 Euro angewiesen. Brücken bauen erklärte außerdem, den Opferverein nun auch langfristig unterstützen zu wollen. Adrian Koerfer, der Vorsitzende von Glasbrechen, begrüßt diese Ergebnisse, nennt die Summe gleichzeitig aber »schmerzhaft gering«. »Wir kennen so viele erschütternde Einzelschicksale, dass dieses Geld nicht ausreichen wird, allen zu helfen.«