Papst-WahlDer Papst geht, sein Amt aber bleibt

Vor dem Konklave: Der Vatikan hat seine Gesetze. Es wird nicht alles neu. von 

In Wahrheit warten jetzt alle auf das große Drama. Sie hören Konklave und hoffen auf ein Kardinalstheater, das bitte so geheimnisvoll und weltbewegend sein möge wie damals, als die Erde sich noch um den Papst drehte. Keiner will, dass die Papstwahl so profan wie ein Parteitag und der Vatikan so durchsichtig wie ein Parlament wird. Seit den Papstkrimis von Dan Brown glaubt das Publikum, dass keinem Camerlengo zu trauen ist, der "Schlüsselgewalt" über das ultimative Kardinalstreffen besitzt.

Deshalb hat die Nachricht von einer möglichen Verschiebung des Konklaves wilde Fantastereien ausgelöst. Es könnte vom 15. auf den 7. März vorgezogen werden, sagte der Vatikansprecher Federico Lombardi. Aber wozu? Will da wer die Kardinäle an der Fraktionsbildung hindern? Gibt es einen Geheimplan für die rasche Überrumpelung der Wahlversammlung? Oder wem nützt die Eile? In katholischen Internetforen streiten selbst Theologen lustvoll über das seltsame Konklave, das bei lebendigem Leib Benedikts stattfinden wird – und nun auch noch verfrüht! Die Deutung, dass der Heilige Stuhl nur kurze Zeit vakant sein sollte, damit der Vatikan weiterarbeiten kann, wäre plausibel – aber sie ist langweilig, also nicht populär.

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Nur ein paar einsame katholische Kirchenrechtler sind genervt vom Geraune und weisen auf die Fakten hin: Die Situation ist mitnichten neu! Der Papst geht, aber das Papstamt bleibt – samt seiner Gewaltfülle. So sieht der Codex Iuris Canonici den freiwilligen Papstrücktritt ausdrücklich vor, und die Übergangsregelungen gelten nach Tod wie Rücktritt des Stellvertreters Christi.

Ja, ab dem 28. Februar 2013, 20 Uhr, wird es keinen Papst mehr geben. Aber während der Sedisvakanz können die Kardinäle Rom nicht neu erfinden. "Die bestehende Ordnung gilt", sagt der Kirchenrechtler Norbert Lüdecke, "sede vacante nihil innovetur – während der Papststuhl leer ist, darf nichts geändert werden." Denn in Rom entscheidet der Papst. Und wo kein Papst, da keine Entscheidung. Dazu passt, dass mit der Abdankung Benedikts automatisch auch die höchsten römischen Würdenträger ihre Ämter verlieren: der Präfekt der Glaubenskongregation ebenso wie der Kardinalstaatssekretär und die Leiter sämtlicher Dikasterien, quasi die vatikanischen Minister. Ausgenommen vom Kahlschlag sind nur der Camerlengo, der Organisator des Konklave, und der Großpönitentiar, der Verwalter des Gnadenwesens. Zur Wahl treffen sich die Kardinäle dann am 15. Tag "nach dem Tod" des Papstes. So steht es im Gesetz. Man kann und soll es auch auf den Rücktritt übertragen, sagt Lüdecke. Aber da das Kardinalskollegium das Konklave nach hinten verschieben darf, um etwa auf fehlende Kardinäle zu warten, kann man fragen, ob es das Konklave nicht auch vorziehen darf.

Am einfachsten wäre es, wenn Benedikt den Termin festzurrte. Denn, sagt Lüdecke, der Papst allein legt das Gesetz verbindlich aus. Sinnvoll wäre eine Änderung des Konklavetermins aber nicht, weil sie nur Spekulationen anheizte. Lüdecke sieht die Banalisierung und Boulevardisierung des Konklaves längst im Gange. Allein die Debatte über den künftigen Namen, Status und Wohnort Benedikts! Dass er Kardinal bleibe, sei ja geregelt. Und was nicht geregelt sei, regele der künftige Papst. Joseph Ratzinger wird ihm gewiss folgen, denn er war stets ein Beispiel an Papstgehorsam. Er weiß: Es kann an der Spitze seiner Kirche nur einen geben. Mag das Publikum auf das Drama vom doppelten Papst hoffen, der alte Papst spielt gewiss nicht mit.

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    • Schlagworte Joseph Ratzinger | Papst | Vatikan | Konklave | Rom
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