Katholizismus : Was wir vom neuen Papst erwarten

Kurz nachdem Benedikt XVI. seinen Rücktritt angekündigt hatte, fuhr ein Blitz in die Kuppel des Petersdoms. Ob das Konklave auch für solche Knalleffekte sorgen kann?

Raum für Streit und Versöhnung

Eine Papstwahl ist kein Wunschkonzert, aber in der Sache lassen sich Wünsche benennen: Ad intra brauchen wir einen Versöhner als Papst, der Räume schafft für offenen Streit und Versöhnung der Streitenden. Das alte Bild der Kirche als "streitender Kirche" – das sollte doch anderes meinen als eine in sich zerstrittene Kirche. Es ist eine Kirche, die mit Argumenten und nicht mit Machtspielen zu überzeugen lernt und genau darüber die offene Auseinandersetzung wagt. Viele Gläubige verspüren eine Diskrepanz zwischen Lebenswelt, Kirche und Glaube. Hier liegt der tiefe Graben, der Katholiken trennt, die kaum noch miteinander reden können. Er muss überwunden werden.

Johanna Rahner

50, ist katholische Theologin und lehrt Systematische Theologie an der Uni Kassel.

Ad extra bedarf es einer kritischen Zeitgenossenschaft und keines Rückzugs aus der Welt in eine Parallelgesellschaft. Es hilft nicht, der späten Moderne mit ihrer komplexen, pluralen, säkularen Gesellschaftsstruktur sofort das Etikett des Antichristlichen zu geben. Die Moderne ist zunächst einmal andersgläubig, aber nicht zwangsläufig ungläubig.

Auf diese Welt gilt es sich einzulassen – mit der seelsorgerlichen Sensibilität und dem gläubigen Optimismus eines Johannes XXIII. Zugleich bedarf es eines mutigen Reformers, der sich der Herkules-Aufgabe der kurialen und kirchlichen Reformen stellt, aber auch der Kirche vor Ort wieder ein Gesicht gibt in ihrem Ringen um eine glaubwürdige Verkündigung. Denn dazu brauchen wir den Papst: um Vorsorge zu leisten für das Kommende.

Johanna Rahner

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Kommentare

20 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Wenn Papst Benedikt sagt, nur die Organisation Kirche zählt

und jeder hat sich dieser Organisation unterzuordnen
und sich zurückzunehmen, dann beschreibt dieser Papst ein totalitäres Regime. Ich bin in der Nachkriegzeit zur Schule gegangen und in der 8. Klasse hatten wir ein Aufsatzthema,
mit der Überschrift: Der Staat ist alles, der Einzelne nichts - was halten Sie von so einem Staat.

Doch in seiner Abschiedsrede wünscht sich Papst Benedikt genau diese Unterordnung für die Zukunft der Christen.
Das ist genau das Gegenteil was Jesus gepredigt hat.

Islam bedeutet Unterwerfung, Katholizissmis bedeutet nach den Worten des scheidenden Papstes ebenfalls Unterwerfung.
Die Einzelnen Religionen haben in ihren Kernrichtlinien keine Unterschiede