KatholizismusWas wir vom neuen Papst erwarten

Kurz nachdem Benedikt XVI. seinen Rücktritt angekündigt hatte, fuhr ein Blitz in die Kuppel des Petersdoms. Ob das Konklave auch für solche Knalleffekte sorgen kann? von Johanna Rahner, Bernd Hagenkord, Johannes B. Kerner, Manuel Herder, David Berger, Nikolaus Schneider, Wolfgang Thierse, Monika Grütters, Norbert Denef und Dieter Graumann

Raum für Streit und Versöhnung

Eine Papstwahl ist kein Wunschkonzert, aber in der Sache lassen sich Wünsche benennen: Ad intra brauchen wir einen Versöhner als Papst, der Räume schafft für offenen Streit und Versöhnung der Streitenden. Das alte Bild der Kirche als "streitender Kirche" – das sollte doch anderes meinen als eine in sich zerstrittene Kirche. Es ist eine Kirche, die mit Argumenten und nicht mit Machtspielen zu überzeugen lernt und genau darüber die offene Auseinandersetzung wagt. Viele Gläubige verspüren eine Diskrepanz zwischen Lebenswelt, Kirche und Glaube. Hier liegt der tiefe Graben, der Katholiken trennt, die kaum noch miteinander reden können. Er muss überwunden werden.

Johanna Rahner

50, ist katholische Theologin und lehrt Systematische Theologie an der Uni Kassel.

Ad extra bedarf es einer kritischen Zeitgenossenschaft und keines Rückzugs aus der Welt in eine Parallelgesellschaft. Es hilft nicht, der späten Moderne mit ihrer komplexen, pluralen, säkularen Gesellschaftsstruktur sofort das Etikett des Antichristlichen zu geben. Die Moderne ist zunächst einmal andersgläubig, aber nicht zwangsläufig ungläubig.

Anzeige

Auf diese Welt gilt es sich einzulassen – mit der seelsorgerlichen Sensibilität und dem gläubigen Optimismus eines Johannes XXIII. Zugleich bedarf es eines mutigen Reformers, der sich der Herkules-Aufgabe der kurialen und kirchlichen Reformen stellt, aber auch der Kirche vor Ort wieder ein Gesicht gibt in ihrem Ringen um eine glaubwürdige Verkündigung. Denn dazu brauchen wir den Papst: um Vorsorge zu leisten für das Kommende.

Johanna Rahner

Leserkommentare
  1. Was ich vom neuen Papst erwarte sind drei Dinge.
    1.: Zölibatabschaffung
    2.: Positive Entscheidung zur Frage der Empfängnisverhütung
    3.: Priesterinnen

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich finde, man sollte von einem Papst etwas mehr erwarten, als die alleinige Konzentration auf das Geschlecht des Menschen. Irgendwie erscheint mir die Fixierung vieler Deutscher auf diese Thematik immer öfter als ein Luxusproblem. Wer sonst keine Sorgen hat.........

  2. ... viele warme Worte und ein paar Dinge sind sicher widersprüchlich.

    Die einzig wirklich Fundierte kommt auf Seite 8 von Herrn Denef: Erwartet wird nichts. Wozu auch? Mit welchem Recht?

    Erwartungen würde ich ebenso wie Herr Denef einzig an die deutsche Politik stellen, die die Hofierung der katholischen Kirche mal abstellen könnte und dafür sorgen sollte, dass die Kirche kein rechtsfreier Raum ist, in dem nur kircheneigene Sondergesetze gelten. Wie die Katholiken sich innerkirchlich organisieren, ist deren Sache, aber sobald Schutzbefohlene betroffen sind und es um Ausbeutung in Arbeitsverhältnissen geht, geht es den Staat und den Rest sehr wohl etwas an.

    Eine Leserempfehlung
  3. Johannes B. Kerner:

    "seine missverständliche Regensburg-Rede"

    die war nicht missverständlich, und die Zitate auch nicht gefälscht

    Bernd Hagenkord:

    "Sich selbst nicht so wichtig nehmen"

    Eben! Das sollte für alle Glaubensgemeinschaften und für jeden Menschen gelten

    Ich wünsche dem nun Ex-Papst einen ruhigen und erfüllten Lebensabend!

    Eine Leserempfehlung
  4. Ich erwarte, dass die Finanzverwaltung sowie die Arbeitgeber nicht mehr als Gebühreneinzugsstelle für zwei Religonsgemeinschaften herangezogen werden.

    Ebenso erwarte ich, dass die oberste Kirchenleitung in Deutschland (Bischöfe etc.) nicht mehr vom Staat alimentiert werden. Darüber hinaus sollten jenen kirchlichen Einrichtungen alle staatlichen Subventionen gestrichen werden, die den Angestellten ihre Konfession aufdrängen bzw. die Angestellte bei Scheidung sogar entlassen.

    Eine Leserempfehlung
    • zimra1
    • 28. Februar 2013 17:19 Uhr

    und jeder hat sich dieser Organisation unterzuordnen
    und sich zurückzunehmen, dann beschreibt dieser Papst ein totalitäres Regime. Ich bin in der Nachkriegzeit zur Schule gegangen und in der 8. Klasse hatten wir ein Aufsatzthema,
    mit der Überschrift: Der Staat ist alles, der Einzelne nichts - was halten Sie von so einem Staat.

    Doch in seiner Abschiedsrede wünscht sich Papst Benedikt genau diese Unterordnung für die Zukunft der Christen.
    Das ist genau das Gegenteil was Jesus gepredigt hat.

    Islam bedeutet Unterwerfung, Katholizissmis bedeutet nach den Worten des scheidenden Papstes ebenfalls Unterwerfung.
    Die Einzelnen Religionen haben in ihren Kernrichtlinien keine Unterschiede

  5. Ich erwarte vom neuen Papst rein gar keine Änderungen! Im Gegenteil: Ich hoffe sogar, dass die katholische Kirche an ihrem erz-konservativen Stil festhält. In letzter Zeit war die katholische Kirche nämlich auch aufgrund dieser Reformangst in schwierige Probleme geraten und ich möchte nicht, dass sich an diesem erfreulichen Trend etwas ändert!

    Meiner Meinung nach brauchen wir keine Kirche und deshalb ist es gut, sehr gut sogar, wenn sie -konservativ und teilweise verfassungsfeindlich wie sie ist- endlich untergeht bzw. zumindest ihr immenser Einfluss auf Politik und Gesellschaft abgeschwächt wird!!

    Das geht nur, wenn die Leute endlich anfangen, ihre alten Glaubenssysteme und Moralvorstellungen zu hinterfragen. Unter Benedikt XVI. haben das viele getan, gerade weil er so konservativ und rückwärtsgewandt war. Ich hoffe, dieser Trend des Hinterfragens der katholischen Kirche setzt sich fort und die Menschen lassen sich nicht vom Pseudo-Liberalismus eines 'Obama-Papstes' blenden und abspeisen (sollte ein solcher gewählt werden).

    2 Leserempfehlungen
  6. Ich finde, man sollte von einem Papst etwas mehr erwarten, als die alleinige Konzentration auf das Geschlecht des Menschen. Irgendwie erscheint mir die Fixierung vieler Deutscher auf diese Thematik immer öfter als ein Luxusproblem. Wer sonst keine Sorgen hat.........

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Papst 2.0"
    • dachsus
    • 28. Februar 2013 18:16 Uhr

    Wenn der neue Papst jetzt aus Nigeria oder Ghana kommt, glaubt hier wirklich einer, das dieser sich mit europäischen Befindlickeiten anfreunden kann ? Könnte es nicht eher sein, das so ein Papst, die moraltheologischen Zügel weiter strafft?
    Bei den Erwartungen an einen neuen Papst sollte man die sprichwörtliche Kirche im sprichwörtlichen Dorf lassen, denn nach der Papstwahl wird sich trotz aller guten Wünsche, die häßliche Realität zu Wort melden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    und die glauben die Welt besteht aus den deutschen Befindlichkeiten.

    Die Orthodoxe Kirche vergessen die feinen Herren total und meinen das sich alle an dem was sich noch evangelische Glaubensgemeinschaft nennt orientieren zu müssen.

    Die Berichterstattung in Deutschland darüber ist schon sehr ätzend. Na gut Journalisten sehen sich ja seit neusten sowieso als GestalterInnen, GötterInnen und PolitikerInnen in einem, hoffentlich gehen noch viel mehr Verlage und Zeitungen pleite.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service