Philipp Rösler: "Die Union hat keine Alternative"
Ein Gespräch mit FDP-Chef Philipp Rösler über Rainer Brüderle, die Energiewende – und Abraham Lincoln
© John Macdougall/AFP/Getty Images

Philipp Rösler im Gespräch mit Angela Merkel
DIE ZEIT: Herr Rösler, Sie haben sich Steven Spielbergs Lincoln angeschaut. Haben Sie bei dem Film über den 16. US-Präsidenten etwas gelernt?
Philipp Rösler: Ein starker Film. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass es die Republikaner und nicht die Demokraten waren, die gegen die Sklaverei gekämpft haben.
ZEIT: War Ihnen Lincoln sympathisch?
Rösler: Ja, weil er als Mensch dargestellt wurde. Es wurde gezeigt, wie er mit seinem kleinen Sohn umgeht, wie sich die Politik auf sein Leben auswirkt.
ZEIT: Vor allem wurde ein Politiker gezeigt, der alles tut, der sogar einen Bürgerkrieg verlängert, um seine Idee vom Richtigen durchzusetzen.
Rösler: So weitgehend würde ich das nicht interpretieren, aber es stimmt, Lincoln hatte eine absolute Überzeugung. Dafür hat er gekämpft.
ZEIT: Wie weit würden Sie gehen?
Rösler: Ich will mich nicht mit Lincoln vergleichen. Aber es ist meine Aufgabe, die Partei in einer Situation, die kaum jemals so schwierig war, zu stärken. Darauf konzentriere ich mich mit voller Kraft, da gehe ich momentan auch weit.
ZEIT: Es geht also darum, den Liberalismus zu retten?
Rösler: Zumindest den organisierten politischen Liberalismus. 1982 war ein Krisenjahr, als das Ende der sozial-liberalen Koalition in der Partei heftig umstritten war. Aber bereits ein Jahr später war diese Krise weitgehend überwunden. Nun ist die Lage anders. In Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und zuletzt Niedersachsen haben wir gute Wahlergebnisse erzielt, aber bis zur Bundestagswahl müssen wir bei den Umfragen zulegen. Ich bin aber zuversichtlich, dass das gelingt.
ZEIT: Sie sagen, dass Sie momentan weit gehen. Was heißt das für Sie: weit gehen?
Rösler: Als Wirtschaftsminister und Parteivorsitzender trage ich eine enorme politische Verantwortung. Danach richte ich mein gesamtes Leben aus. Ein Beispiel: Innerhalb von vier Tagen war ich bei einem Neujahrsempfang in Minden, danach im Silicon Valley in Kalifornien, dann in Brüssel wegen der europäischen Rohstoffpolitik, anschließend standen die Gespräche über die Strompreisbremse in Berlin an, und zuletzt war ich zu Wirtschaftsterminen in Algerien. Zwischendurch läuft die Wahlkampfplanung auf Hochtouren, und jetzt sitze ich hier mit Ihnen. Die Arbeit macht viel Freude, auch wenn ein Politiker mit dieser Verantwortung manches aufgibt.
ZEIT: Wann wäre für Sie eine Grenze erreicht?
Rösler: Wenn meine Frau zum Beispiel sagen würde, jetzt reicht es. Aber es ist gut zu wissen, dass sie voll hinter mir steht.
ZEIT: War das nicht der Fehler der Jungen in der FDP: dass sie nie wirklich so weit gegangen sind, mit aller Konsequenz für ihre Überzeugungen zu kämpfen? Jetzt haben Sie mit Brüderle den Mann als Spitzenkandidaten installiert, den Sie schon vor Jahren überwinden wollten.
Rösler: Von überwinden wollen kann keine Rede sein.
ZEIT: Mit Verlaub: Für Ihr Alter funktioniert Ihr Gedächtnis erstaunlich schlecht!
Rösler: Ich kann mich gut daran erinnern, dass Rainer Brüderle seit Jahren hervorragende Politik gemacht hat und dies auch weiter tut. Er und ich ergänzen uns hervorragend. Wir sprechen unterschiedliche Wähler an und vergrößern so die Erfolgschancen der FDP. Und die Jüngeren sind ja nicht weg. Im Gegenteil: Wir führen die Partei und treten für unsere Überzeugungen ein.





Herr Rösler ist das Ihr Ernst?
Es geht hier um die Rettung des politischen Neoliberalismus. Warum sollte man den retten? Ich wäre froh, wenn wir ihn endlich ein für alle mal los wären.
Ich könnte mich erinnern, dass sie verschiedene Maßnahmen zur Verhinderung freier Märkte getroffen haben. Mich erinnert das eher an Klientelpolitik als an Neoliberalismus...
Die FDP hat mit Liberalismus so viel am Hut, wie die Kirche (die Institution) mit dem Geist Jesus.
Die CDU ist nicht christlich und die SPD nicht sozial. Das sind Begriffe aus dem letzen Jahrhundert.
Seit dem Wegfall des real existierenden Kommunismus bauen die großen Parteien (wobei dei FDP nicht mehr groß ist) den Zweiklassenstaat weiter aus.
Was in 40 Jahren erreicht wurde, von Gewerkschaften erstreikt werden konnte, war nur möglich, weil es mit dem Kommunismus eine Alternative gab.
Hätte der Kapitalismus bereits zwischen 1950 und 1990 sein Gesicht gezeigt, hätten viele Leute in der DDR geholfen die Maurer zu erhöhen anstatt sie einzureissen.
Früher arbeiteten viele für die Parteibonzen, heute arbeiten sie für die Kapitalbonzen. Früher mußten sie Pläne erfüllen - heute müssen Sie Wachstumraten erzielen. Den Lohn für ihre Arbiet erhalten wieder mal andere.
Die FDP ist nicht schlimmer als SPD oder CDU - nur dümmer.
Den Midestlohn von 8,50 € zum Beispiel verkaufen Grüne und SPD als soziale Errungenschaft. Dabei ist es nur eine Festschreibung der ARmut für Arbeiter und Rentner.
Die Gewinne sind um jährlich 150 Milliarde gestiegen und die Löhne um 150 Milliarden gefallen. Das finden SPD, CDU, CSU, Grüne und FDP als richtig, gerecht, sozial ausgeglichen und alternativlos.
Daß die Banken das Geldsystem an die Wand fahren konnten, war nur durch die Politik der o.g. Parteien möglich.
Das Letzte, was liberalisiert (privatisiert) wird, wird die Atmenluft sein.
Ich könnte mich erinnern, dass sie verschiedene Maßnahmen zur Verhinderung freier Märkte getroffen haben. Mich erinnert das eher an Klientelpolitik als an Neoliberalismus...
Die FDP hat mit Liberalismus so viel am Hut, wie die Kirche (die Institution) mit dem Geist Jesus.
Die CDU ist nicht christlich und die SPD nicht sozial. Das sind Begriffe aus dem letzen Jahrhundert.
Seit dem Wegfall des real existierenden Kommunismus bauen die großen Parteien (wobei dei FDP nicht mehr groß ist) den Zweiklassenstaat weiter aus.
Was in 40 Jahren erreicht wurde, von Gewerkschaften erstreikt werden konnte, war nur möglich, weil es mit dem Kommunismus eine Alternative gab.
Hätte der Kapitalismus bereits zwischen 1950 und 1990 sein Gesicht gezeigt, hätten viele Leute in der DDR geholfen die Maurer zu erhöhen anstatt sie einzureissen.
Früher arbeiteten viele für die Parteibonzen, heute arbeiten sie für die Kapitalbonzen. Früher mußten sie Pläne erfüllen - heute müssen Sie Wachstumraten erzielen. Den Lohn für ihre Arbiet erhalten wieder mal andere.
Die FDP ist nicht schlimmer als SPD oder CDU - nur dümmer.
Den Midestlohn von 8,50 € zum Beispiel verkaufen Grüne und SPD als soziale Errungenschaft. Dabei ist es nur eine Festschreibung der ARmut für Arbeiter und Rentner.
Die Gewinne sind um jährlich 150 Milliarde gestiegen und die Löhne um 150 Milliarden gefallen. Das finden SPD, CDU, CSU, Grüne und FDP als richtig, gerecht, sozial ausgeglichen und alternativlos.
Daß die Banken das Geldsystem an die Wand fahren konnten, war nur durch die Politik der o.g. Parteien möglich.
Das Letzte, was liberalisiert (privatisiert) wird, wird die Atmenluft sein.
>> Innerhalb von vier Tagen war ich bei einem Neujahrsempfang in Minden, danach im Silicon Valley in Kalifornien, dann in Brüssel wegen der europäischen Rohstoffpolitik, anschließend standen die Gespräche über die Strompreisbremse in Berlin an, und zuletzt war ich zu Wirtschaftsterminen in Algerien. <<
... hat er es sogar noch ins Kino geschafft, um seine lückenhaftes Wissen über Lincoln aufzupolieren? Respekt, der Mann gibt wirklich alles.
>> Nehmen Sie unser Bildungs- und Ausbildungssystem, das ist viel besser, als es oft dargestellt wird. <<
Wer bisher nicht daran zweifelte, wird nach diesem Interview möglicherweise umdenken müssen.
Ich sag's mal ganz platt: Da hat die sogenannte FDP jahrelang daran gearbeitet ihr liberales Profil zugunsten von diversen Wirtschafts-, Finanz- Steuersparerlobbies herunterzufahren, und als diese Politgaukler bemerken, dass ihnen darob die wirklichen Wähler ausgehen, da gibt's mal wieder eines der so beliebten 180 Grad-Wendemanöver. Eine Übung, die die Vertreter dieser Partei in Pflicht und Kür beherrrschen.
Als "Gurkentruppe" ward sie mal von einem anderen Politbonzen beschrieben. Das war untertrieben.
Aber wir bekommen eben das, was wir verdienen!
sind ein integraler Bestandteil von Poltischem Handeln und insofern absolut legitim
sind ein integraler Bestandteil von Poltischem Handeln und insofern absolut legitim
"Hinzu kommt unser Eintreten für die Bürgerrechte"... wenn sie nicht der Wirtschaft im wege sind. Ansonsten ist dafür jemand anderes zuständig.
Ich denke mal das hat er vergessen.
"Einspruch: Die Stimmung in der Koalition und bei den Menschen ist anders als Ihre Wahrnehmung."
DAS ist meine absolute Lieblingsstelle. :D
"Ansonsten ist dafür jemand anderes zuständig."
---------------
Wer?
"Ansonsten ist dafür jemand anderes zuständig."
---------------
Wer?
Wenn es wirklich darum ginge, den politischen Liberalismus zu retten, müsste Rösler zuallererst einmal die FDP zum politischen Liberalismus bekehren. Rawls zur Pflichtlektüre machen.
Was in der FDP heute abgeht hat damit allerdings nichts zu tun, ja entbehrt wohl gar jeglicher möglichen Theorisierung.
Also bitte, Rawls ist nicht liberal. Sein egalitärer "Liberalismus" leugnet zudem die Tatsache das die Spieler in der Mehrheit sind.
Es reicht wenn jeder Mensch ab und an aufrichtig in sich hinein horcht, wir sind alle liberal, ganz gleich welche Bücher wir lesen.
[Wenn es wirklich darum ginge, den politischen Liberalismus zu retten, müsste Rösler zuallererst einmal die FDP zum politischen Liberalismus bekehren. Rawls zur Pflichtlektüre machen.]
Die FDP muss nicht zum politischen Liberalismus bekehrt werden. Von allen etablierten Parteien, ist die FDP mit Abstand am ehesten liberal zu nennen. Und an Rawls sollte sich die FDP bestenfalls am Rande orientieren. Rawls kann man nur mit viel Wohlwollen als liberal bezeichnen.
Also bitte, Rawls ist nicht liberal. Sein egalitärer "Liberalismus" leugnet zudem die Tatsache das die Spieler in der Mehrheit sind.
Es reicht wenn jeder Mensch ab und an aufrichtig in sich hinein horcht, wir sind alle liberal, ganz gleich welche Bücher wir lesen.
[Wenn es wirklich darum ginge, den politischen Liberalismus zu retten, müsste Rösler zuallererst einmal die FDP zum politischen Liberalismus bekehren. Rawls zur Pflichtlektüre machen.]
Die FDP muss nicht zum politischen Liberalismus bekehrt werden. Von allen etablierten Parteien, ist die FDP mit Abstand am ehesten liberal zu nennen. Und an Rawls sollte sich die FDP bestenfalls am Rande orientieren. Rawls kann man nur mit viel Wohlwollen als liberal bezeichnen.
Lieber Herr Rösler,
der Liberalismus steckt gesellschaftlich gesehen mit Sicherheit in keiner Krise. Das Problem ist vielmehr, dass das Führungspersonal der FDP nicht mehr fähig oder willens ist, konsequent für diese wichtigen Werte einzustehen. Sie sind ein Teil dieser Führungsmannschaft und viele sehen sie mit Recht als den "Problembären" der FDP, der neben Westerwelle die Partei in den Untergang treibt. Machen Sie endlich Paltz für einen gescheiten Neuanfang. Das Wählerpotential für eine reformierte FDP ist weit über 10 Prozent!
Wählerpotenzial von weit über 10%? das geht nur mit 8%+ der 2. Stimmen.
Wählerpotenzial von weit über 10%? das geht nur mit 8%+ der 2. Stimmen.
Rösler: "Ich wusste zum Beispiel nicht, dass es die Republikaner und nicht die Demokraten waren, die gegen die Sklaverei gekämpft haben."
Der Mann ist deutscher Vizekanzler...
eines ziemlich deutlich, dass wir einen Vizekanzler und Wirtschaftsminister haben, der nicht einmal über historische Kenntnisse verfügt wie sie auf der Hauptschule vermittelt werden. Das ist ein Armutszeugnis für einen Minister.
Die FDP hat mit dem Liberalismus wie er im 18. und 19. Jahrhundert entstand überhaupt nichts mehr zu tun, deutlich wird das an der Preisgabe von Bürgerrechten und daran, dass Liberale Monopole zulassen. Liberale haben sich immer gegen Monopole gewehrt und haben versucht diese zu verhindern, nicht die FDP. Wenn man den geschichtsunkundigen Herrn Rösler noch erzählt, dass es die Liberalen waren, die mit der Kommunalisierung von Betrieben anfingen, dann würde er mich der Lüge bezichtigen.
Dieses Interview macht deutlich, dass unser Herr Minister von den Zuständen auf unseren Universitäten, Schulen und übrigen Ausbildungseinrichtungen keine Ahnung hat. Zudem hat er keine Ahnung über die Probleme, die die meisten von uns belastet. Die großen Vertreter (Adam Smith, Kant, Hugo Preuss, Gustav Stresemann, Ludwig Quidde, Harry Graf Kessler, Max Weber, etc.) des politischen Liberalismus würden sich im Grabe rumdrehen.
eines ziemlich deutlich, dass wir einen Vizekanzler und Wirtschaftsminister haben, der nicht einmal über historische Kenntnisse verfügt wie sie auf der Hauptschule vermittelt werden. Das ist ein Armutszeugnis für einen Minister.
Die FDP hat mit dem Liberalismus wie er im 18. und 19. Jahrhundert entstand überhaupt nichts mehr zu tun, deutlich wird das an der Preisgabe von Bürgerrechten und daran, dass Liberale Monopole zulassen. Liberale haben sich immer gegen Monopole gewehrt und haben versucht diese zu verhindern, nicht die FDP. Wenn man den geschichtsunkundigen Herrn Rösler noch erzählt, dass es die Liberalen waren, die mit der Kommunalisierung von Betrieben anfingen, dann würde er mich der Lüge bezichtigen.
Dieses Interview macht deutlich, dass unser Herr Minister von den Zuständen auf unseren Universitäten, Schulen und übrigen Ausbildungseinrichtungen keine Ahnung hat. Zudem hat er keine Ahnung über die Probleme, die die meisten von uns belastet. Die großen Vertreter (Adam Smith, Kant, Hugo Preuss, Gustav Stresemann, Ludwig Quidde, Harry Graf Kessler, Max Weber, etc.) des politischen Liberalismus würden sich im Grabe rumdrehen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren