Steuertricks: Gewinne@Oase.com
Große Konzerne aus Amerika vermeiden Steuern, wo sie nur können – jetzt stoßen sie auf Widerstand.
Die meisten Kunden merken es wohl nicht: Wer auf amazon.de ein Buch, eine DVD oder etwas anderes bestellt, schließt einen Vertrag mit einer Firma in Luxemburg. Der Name: Amazon EU Sarl. So steht es dann auch auf der Rechnung (wobei Sarl das französische Kürzel für eine GmbH ist).
Warum Luxemburg? Es sind nicht die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze in Deutschland (19 Prozent) und in Luxemburg (15 Prozent), die Amazon vor Jahren bewogen haben, seine Europazentrale in dem Großherzogtum anzusiedeln. Deutsche Kunden zahlen bei dem amerikanischen Onlinehandelshaus in aller Regel deutsche Mehrwertsteuern. Die Steuer fällt da an, wo der Konsument wohnt.
Es sind aber auch nicht die Steuersätze für Unternehmensgewinne, die Amazon nach Luxemburg lockten. Sie liegen dort effektiv bei 25 Prozent und bei etwas über 28 Prozent in Deutschland – kein allzu großer Unterschied.
Die eigentliche Attraktion für Amazon ist die besondere Luxemburger Art, Gewinne aus der Nutzung von geistigem Eigentum zu besteuern. Solche Profite, die aus dem Einsatz von Patenten, Marken, Design und einigen Urheberrechten entstehen, werden dort mit effektiv nur 5,7 Prozent besteuert.
Die Gewinne werden dahin geschoben, wo die Steuern niedrig sind
Die entscheidende Rolle beim Steuersparen spielt die Amazon Europe Holding Technologies. In diese Firma hat der Konzern 2005 Markenrechte, Patente und anderes geldwertes Know-how eingebracht. Diese immateriellen Vermögenswerte hatten zuvor einer Amazon-Firma im US-Bundesstaat Nevada gehört. Sie bekam im Gegenzug erhebliche Summen aus Luxemburg überwiesen. Diese fielen aber wohl geringer aus als die Beträge, die die Luxemburger Firma ihrerseits von anderen Amazon-Gesellschaften kassierte. Im Ergebnis ist es dem amerikanischen Multi nach einer Recherche von Reuters gelungen, in Luxemburg rund zwei Milliarden US-Dollar weitgehend steuerfrei zu bunkern – Kapital für die weitere Expansion des Handelsriesen.
- Und die Deutschen?
Wie steht es mit den Steuerzahlungen großer deutscher Unternehmen? Besonders negativ aufgefallen ist bisher keines. Allerdings sind bei vielen die Steuerzahlungen gar nicht bekannt. Nur einige börsennotierte Aktiengesellschaften machen detaillierte Angaben.
- Zum Beispiel: SAP
Im Geschäftsjahr 2011 hat der Softwareriese aus Walldorf nur 16 Prozent seines Umsatzes in Deutschland erzielt. Trotzdem zahlte er 55 Prozent seiner Steuern von insgesamt 1,2 Milliarden Euro an deutsche Finanzämter. Insofern kann sich der hiesige Fiskus eigentlich nicht beklagen. Dennoch gibt es Streit. Die Auseinandersetzung dreht sich um Finanzströme im Konzern und wird vor Gericht geführt. Sollte sich der Fiskus mit seiner Sicht durchsetzen, müsste SAP 130 Millionen Euro für die Jahre 2003 bis 2006 nachzahlen.
- Zinsschranke hilft
Manchmal helfen nationale Alleingänge im Kampf gegen Steuervermeider. Deutschland hat 2008 eine Regel eingeführt, um Gewinnverlagerungen einzudämmen. Die Tochterfirmen von Multis können Zinsausgaben über eine Freigrenze von drei Millionen Euro hinaus nicht von den Gewinnen absetzen.
Das Nachsehen hatten dabei nicht nur viele europäische Staaten, in denen Amazon hohe Umsätze macht, sondern auch die Steuerbehörden der Vereinigten Staaten. Der Internal Revenue Service, die Bundessteuerbehörde der USA, hat von Amazon deshalb im Oktober 2011 zusätzliche Steuern in Höhe von 1,5 Milliarden Euro gefordert und das mit den Gewinnen der ausländischen Töchter begründet. Aber die Firma wehrt sich mit allen rechtlichen Mitteln.
Amazon ist bei Weitem nicht der einzige Multi, der mit einer gezielten Strategie der Steuerminimierung in die Kritik geraten ist. Apple, Google, Microsoft und viele andere Unternehmen aus der Digitalwirtschaft gelten ebenfalls als aggressive Steuervermeider.
Aber auch konventionelle Firmen beherrschen die Tricks. In Großbritannien hat der Fall Starbucks für Empörung gesorgt. Die in Amerika beheimatete Kaffeehauskette hat in Großbritannien in den vergangenen 14 Jahren keine neun Millionen Pfund Steuern gezahlt, obwohl sie in diesem Zeitraum mehr als drei Milliarden Pfund eingenommen hat.




noch verstärkt: Der beschäftigt sich ja bekanntlich gar nicht mit der Einnahme-Seite des Fiskus.
Und da dachte ich, dass Wettbewerb gewünscht sei im "(Wett-)Kampf der Nationen".
Gesetze wirken zwar wie in Stein gemeißelt, aber in Wirklichkeit gilt: Die Gesetzgebung und deren Anwendung (auch durch Unternehmen) sind im ständigen Fluß.
Aufgabe der Politik ist es, immer wieder von neuem zu prüfen, ob der langfristige Wille der Gesellschaft und die Wirkung der Gesetze übereinstimmen. Wenn sich schädliche Auswüchse ergeben, dann müssen Gesetze angepasst werden.
Der Freihandel und die Vielfalt in der EU hat uns in den letzten Jahrzehnten eine Verbesserung der Lebensverhältnisse gebracht. Wenn andererseits einige Unternehmen die neuen Möglichkeiten (Internethandel, ausgefeilte Logistik etc.) zwar im Einklang mit der Gesetzeslage, aber gegen den Willen der Gesellschaft ausnutzen, muss eine Änderung der Gesetze angestossen werden.
Genau dies wird durch Artikel wie den vorliegenden angestossen.
"Aufgabe der Politik ist es, immer wieder von neuem zu prüfen, ob der langfristige Wille der Gesellschaft und die Wirkung der Gesetze übereinstimmen"
ist bei linken sozialromantischen Gutmemschen u.ä. weit verbreitet.
Aber natürlich falsch.
Aufgabe der Politik ist eielmehr, eine Mehrheit für die herrschenden Bedingungen zu schaffen und sie dadurch zu legitimieren.
So besteht die Aufgabe der Politik ja nicht darin, ein vertrauenswürdiges Finanzsystem zu schaffen. Sondern darin, Vertrauen is das bestehende Finanzsystem zu schaffen. Wozu auch das im Artikel beschriebene bestehende Steuersystem gehört.
Das sind die Folgen der Globalisierung. Und des demografischen Wandels.
Das hatte ich in meiner Liste negativ-abwertender Metaphern noch vergessen.
"Aufgabe der Politik ist es, immer wieder von neuem zu prüfen, ob der langfristige Wille der Gesellschaft und die Wirkung der Gesetze übereinstimmen"
ist bei linken sozialromantischen Gutmemschen u.ä. weit verbreitet.
Aber natürlich falsch.
Aufgabe der Politik ist eielmehr, eine Mehrheit für die herrschenden Bedingungen zu schaffen und sie dadurch zu legitimieren.
So besteht die Aufgabe der Politik ja nicht darin, ein vertrauenswürdiges Finanzsystem zu schaffen. Sondern darin, Vertrauen is das bestehende Finanzsystem zu schaffen. Wozu auch das im Artikel beschriebene bestehende Steuersystem gehört.
Das sind die Folgen der Globalisierung. Und des demografischen Wandels.
Das hatte ich in meiner Liste negativ-abwertender Metaphern noch vergessen.
Große deutsche Firmen wie Daimler sind hier doch auch nicht viel besser. Es gab schon genug Artikel wie auch diese Firmen es schaffen so gut wie keine Steuern zu zahlen.
... gilt eben auch für steuerpflichtige Gewinne.
Dann schaffen wir den eben wieder ab und stellen wieder Zöllner an die Grenzen.
Leitungen kann man an den Grenzen unterbrechen.
Ah, und der sog. „kleine Mann“ und die „kleine Frau“ tut das nicht? Oder große Konzerne aus Belgien, Italien oder Schweden? Mir fiele da ganz spontan Ikea ein, zahl in Deutschland m.W. keine (oder so gut wie keine) Steuern. Verzichtet irgend einer von denen, die sich darüber aufregen, freiwillig auf den Einkauf bei Ikea, Amazon, Apple oder Winzigweich?
Hauptsache, mal wieder „den Ami“ an den Pranger gestellt, nach alter (Groß-)Väter Sitte?
Jeder, absolut jeder versucht, Steuern zu sparen. Niemand gibt freiwillig mehr Geld an den Staat, als er unbedingt müsste. Niemand verzichtet freiwillig auf Abschreibemöglichkeiten, weil der Staat ja nun mal Geld brauche (kann ja jeder mal auf die eigene Steuererklärung schauen).
Es mag ärgerlich sein, wenn Leute solche „Schlupflöcher“ finden, zeigt aber nur, dass sie findiger gearbeitet haben als diejenigen, die die Gesetze gemacht haben. Wenn Politiker diese Steuerschlupflöcher nun stopfen wollen (heißt: Ihr eigenes Werk nachbessern), sollen sie das bitte gerne tun. Diesmal hoffentlich gründlicher und effektiver als das mal davor.
Diese Steueroasen sind überall: Es gibt sogar eine auf USA-Gebiet: Delaware.
Und in Europa gibt es noch die Kanalinseln, die zu GB gehören.
Da ist also Luxemburg, das immerhin ein eigener Staat ist, noch gar nicht das Unverschämteste.
Komisch finde ich aber, dass auch die großen Wirtschaftsnationen diesen Missbrauch mit sich machen lassen. Die USA haben keine Probleme damit, den Handel mit Kuba oder den Iran zu boykottieren, oder mit jedem anderen Land, was ihnen nicht in den Kram passt. Aber der Handel mit parasitären und asozialen Steueroasen die kaum eigene Bevölkerung und nur eine kleine Grundfläche hat und deren "Nebenkosten" gering sind, wird geduldet.
Pervers!
"Aufgabe der Politik ist es, immer wieder von neuem zu prüfen, ob der langfristige Wille der Gesellschaft und die Wirkung der Gesetze übereinstimmen"
ist bei linken sozialromantischen Gutmemschen u.ä. weit verbreitet.
Aber natürlich falsch.
Aufgabe der Politik ist eielmehr, eine Mehrheit für die herrschenden Bedingungen zu schaffen und sie dadurch zu legitimieren.
So besteht die Aufgabe der Politik ja nicht darin, ein vertrauenswürdiges Finanzsystem zu schaffen. Sondern darin, Vertrauen is das bestehende Finanzsystem zu schaffen. Wozu auch das im Artikel beschriebene bestehende Steuersystem gehört.
Das sind die Folgen der Globalisierung. Und des demografischen Wandels.
Politiker und Politik.
Politiker sind die, auf die wir die Last der Politik abwälzen wollen und auf die wir dann gerne schimpfen.
Politik ist, wenn eine Gesellschaft sich Regeln gibt. Dazu zählt auch die gesellschaftliche Diskussion (und wir beide sind zwei klitzekleine Teilchen davon).
Politiker und Politik.
Politiker sind die, auf die wir die Last der Politik abwälzen wollen und auf die wir dann gerne schimpfen.
Politik ist, wenn eine Gesellschaft sich Regeln gibt. Dazu zählt auch die gesellschaftliche Diskussion (und wir beide sind zwei klitzekleine Teilchen davon).
dass zb wenn ich bei .it bestelle der Karton doch mit deutscher oder eben auch luxemburger Adresse ankommt.
Ich frage mich nur, warum man sich dann den Aufwand antut länderspezifische Websites zu unterhalten und nicht gleich alles in einen europäischen Shop mit Sprachenwahl wirft - gibt man bei .de zb den Begriff audiolibri (hörbuch) ein folgen 227 Treffer, bei .it hingegen über 70.000. So ein Käse wenn das Zeug dann doch im gleichen Karton bei mir ankommt ...
...hmm gibts da vielleicht dann doch Steuerprobleme?
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