StilkolumneFabelhafte Fliegerjacken

Eine Stilkritik von 

Pilotenkleidung auf dem Laufsteg: Blousonjacke von Max Mara, 1355 Euro

Pilotenkleidung auf dem Laufsteg: Blousonjacke von Max Mara, 1355 Euro  |  © Peter Langer

Ganz aus der Mode waren Blousonjacken wohl noch nie, gerade sind sie wieder ziemlich in. Auf den Präsentationen der Sommermode stachen Stella McCartney, Max Mara und Fendi mit aufwendigen Blousons hervor. Bei Max Mara erinnerte eine Variante im Camouflage-Stil daran, woher das Jäckchen eigentlich stammt – nämlich direkt aus dem Krieg. Fliegerkleidung ist die Mutter aller Blousons.

Zu Beginn der Luftfahrt saßen die Piloten recht ungeschützt in ihren Flugmaschinen. Als die Motoren dann stärker wurden, nahm auch der Gegenwind zu, und man brauchte etwas Warmes anzuziehen. So flog man im Ersten Weltkrieg noch in langen Mänteln. Wenig später setzten sich dann Lederjacken durch, wie sie auch Motorradfahrer trugen: Sie waren eng geschnitten und gingen nur bis zur Taille. 1927 führte die US-Luftwaffe das Modell A-1 ein – eine Jacke aus Pferdeleder mit Strickbündchen an Ärmeln, Taille und Kragen; das Futter war aus Satin. Später kam noch ein Reißverschluss hinzu, und in den vierziger Jahren wurde die Jacke komplett aus Nylon gefertigt.

Anzeige

Heute ist der Blouson ein modischer Allrounder, beliebt bei Männern und Frauen – und vor allem bei Designern. Denn schließlich bietet der Blouson vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und lässt sich wie eine Leinwand großflächig mit jedem Muster und Motiv bedrucken. Er ist vielseitig einsetzbar und passt sich dem Körper seines Trägers an. Mit Jeans und T-Shirt wirkt er lässig und zwanglos, in Kombination mit einem Kleid oder Bleistiftrock gibt er auch formellen Looks einen sportlichen Akzent. Im Sommer bieten luftige Seidenblousons mit Netz-Einsatz einen leichten Schutz. Im Winter wärmen mit Fell gefütterte Modelle oder solche aus wasserabweisend beschichtetem Leder den Träger. Wer es einem so bequem macht, sich gut zu kleiden, muss einfach beliebt sein.

Stilkolumne
Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick   |  © Peter Langer

Der entscheidende Vorteil der Blousonjacke besteht jedoch darin, dass sie jeden Menschen gut in Form bringt: Durch ihren voluminösen Schnitt und den engen Bund lässt sie den Oberkörper im Verhältnis zur Taille mächtiger erscheinen – oder auch den Hintern knackiger. Vielleicht war das der Grund, warum Piloten das Teil einst unbedingt haben wollten.

Zur Startseite
 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Serie Stilkolumne
    • Schlagworte Jeans | Körper | Luftfahrt | Mode | Motor | Stella McCartney
    • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

      Vom Rand des Laufstegs

      Aktuelle Berichte von den Schauen in New York, London, Mailand, Paris und Berlin auf ZEIT ONLINE

      • Kochblog: Nachgesalzen

        Nachgesalzen

        Die Meisterköche Karl-Josef Fuchs, Jürgen Koch und Christian Mittermeier verraten ihre Tipps und Tricks

        • : Hinter der Hecke

          Hinter der Hecke

          Eine Schrebergarten-Kolonie ist ein eigener Kosmos. Unser Kolumnist Ulrich Ladurner erforscht ihn und seine Bewohner mit Demut, Feinsinn und Humor.

          • ZEITmagazin: Heiter bis glücklich

            Heiter bis glücklich

            Oft sind es die einfachen Dinge, die uns heiter bis glücklich stimmen. Im "Heiter bis glücklich"-Blog stellt die ZEITmagazin-Redaktion täglich ihre Entdeckungen vor.

            Service