Diesen Haushaltstipp kann man auf vielen Internetseiten mit Namen wie frag-mutti.de lesen. Man solle den Topf mit Wasser ausspülen und (wichtig!) nicht abtrocknen. Eine Begründung wird selten mitgeliefert. Wenn doch, dann wird gesagt, die Wasserschicht würde sozusagen einen »Puffer« zwischen Milch und Topfboden bilden und so das Anbrennen verhindern.

Geglaubt habe ich das noch nie – schließlich löst sich Milch sehr gut in Wasser, und schon nach kurzer Zeit wird von der Wasserschicht nicht viel übrig sein. Jetzt bin ich zum Experiment geschritten: Habe unter kontrollierten Bedingungen (0,2 Liter Milch aus derselben Packung, derselbe Topf, Platte gut vorgeheizt) zweimal Milch gekocht, einmal mit und einmal ohne vorheriges Ausspülen. Ich habe die Hitze auf die höchste Stufe gestellt und die Milch noch drei Minuten kochen lassen, nachdem sich die ersten Blasen gezeigt haben.

Erstes Ergebnis: Es ist gar nicht so einfach, Milch zum Anbrennen zu bringen, solange sie nicht überkocht. Es muss schon sämtliches Wasser verdunstet sein, bevor es im Topf so heiß wird, dass sich ein zäher schwarzer Bodensatz bildet.

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In meinen Versuchen dagegen war auch nach drei Minuten noch Flüssigkeit im Topf, am Boden hatte sich eine hellbraune Schicht gebildet, die sich mit dem Topfkratzer leicht entfernen ließ. Und sie sah in beiden Fällen gleich aus. Die Milch war auch unter beiden Bedingungen gleich hoch aufgewallt. Fazit: Das Ausspülen ist eine symbolische Handlung. Wer das Anbrennen vermeiden will, sollte die Herdleistung nicht zu hoch drehen. Und sich vielleicht einen Wecker stellen, um den Topf nicht auf dem Herd zu vergessen.

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