Stimmt's?Brennt Milch nicht so leicht an, wenn man den Topf vorher mit kaltem Wasser ausspült?

...fragt Leila Bing aus Freinsheim. von 

Diesen Haushaltstipp kann man auf vielen Internetseiten mit Namen wie frag-mutti.de lesen. Man solle den Topf mit Wasser ausspülen und (wichtig!) nicht abtrocknen. Eine Begründung wird selten mitgeliefert. Wenn doch, dann wird gesagt, die Wasserschicht würde sozusagen einen »Puffer« zwischen Milch und Topfboden bilden und so das Anbrennen verhindern.

Geglaubt habe ich das noch nie – schließlich löst sich Milch sehr gut in Wasser, und schon nach kurzer Zeit wird von der Wasserschicht nicht viel übrig sein. Jetzt bin ich zum Experiment geschritten: Habe unter kontrollierten Bedingungen (0,2 Liter Milch aus derselben Packung, derselbe Topf, Platte gut vorgeheizt) zweimal Milch gekocht, einmal mit und einmal ohne vorheriges Ausspülen. Ich habe die Hitze auf die höchste Stufe gestellt und die Milch noch drei Minuten kochen lassen, nachdem sich die ersten Blasen gezeigt haben.

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Erstes Ergebnis: Es ist gar nicht so einfach, Milch zum Anbrennen zu bringen, solange sie nicht überkocht. Es muss schon sämtliches Wasser verdunstet sein, bevor es im Topf so heiß wird, dass sich ein zäher schwarzer Bodensatz bildet.

Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

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In meinen Versuchen dagegen war auch nach drei Minuten noch Flüssigkeit im Topf, am Boden hatte sich eine hellbraune Schicht gebildet, die sich mit dem Topfkratzer leicht entfernen ließ. Und sie sah in beiden Fällen gleich aus. Die Milch war auch unter beiden Bedingungen gleich hoch aufgewallt. Fazit: Das Ausspülen ist eine symbolische Handlung. Wer das Anbrennen vermeiden will, sollte die Herdleistung nicht zu hoch drehen. Und sich vielleicht einen Wecker stellen, um den Topf nicht auf dem Herd zu vergessen.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. Ein wenig Zucker nach dem Einfüllen der Milch in den Topf, sodass er sich auf dem Boden absetzt, und die Milch brennt ganz sicher nicht an. Selbst wenn man mit voller Leistung heizt.

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    Verstehe ich nicht - warum sollte sicher der Zucker absetzen und nicht in der Milch auflösen, zumal wenn man noch Wärme zuführt? Tut er doch sonst auch, wenn ich z.b. Pudding koche...

    • Xarx
    • 04. März 2013 14:36 Uhr

    ...aber das ist doch der gleiche Quatsch wie der im Artikel beschrieben.
    Milch ist ein disperses System, bestehend aus Fetttropfen sowie Wasser(auch als Emulsion bezeichnet). Der Wasseranteil beträgt dabei 88%. Sprich wenn man der Milch Zucker hinzufügt wird dieser sich so lange lösen bis die Lösung übersättigt ist und er daraufhin ausfällt (Stichwort Kristallisation). Zucker löst sich aber verdammt gut in Wasser. Um mal Wikipedia als Quelle zu verwenden: auf einen Liter Wasser kommen bei 20°C 1970g Zucker. Bei höheren Temperaturen steigt die Löslichkeit sogar noch (bei 75°C sind's 3,46kg auf 1 Liter). Man müsste somit ne ganze Menge Zucker der Milch hinzufügen bevor sich da überhaupt auch nur irgend etwas absetzt könnte.

    Also wie gesagt, nichts für ungut, aber die Idee mit dem Zucker ist genauso wirkungslos wie die mit dem Wasserfilm.

  2. Verstehe ich nicht - warum sollte sicher der Zucker absetzen und nicht in der Milch auflösen, zumal wenn man noch Wärme zuführt? Tut er doch sonst auch, wenn ich z.b. Pudding koche...

    12 Leserempfehlungen
  3. Es ist weniger die Milch die anbrennt, sondern eher das sich absetzende Gut (Pudding, Gries, Reis...) welches in der Milch zubereitet wird.

    Milch als Heißgetränk oder mit Kakao muss und soll nicht kochen. Ähnlich wie beim Kaffee sollte die Zubereitungstemperatur zwischen 90 und 95 Grad liegen.

    4 Leserempfehlungen
  4. >> Fazit: Das Ausspülen ist eine symbolische Handlung. <<

    ... war falsch. Funktioniert nur um Mitternacht. Sprecht dazu die Zauberwörter Simsalabimbamba Saladu Saladim. Und keine Eier!

    P.S.: Das mit dem Zucker mache ich auch. Funktioniert prima - ich stehe allerdings die ganze Zeit daneben und passe auf ;-)

    5 Leserempfehlungen
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    Weniger der Zauberspruch bereitet mir Probleme, als der exakte Kochzeitpunkt um Mitternacht.

    Aber wofür werden sonst Draht- und Spülschwämme hergestellt? Vor Mitternacht denke ich beim kochen an genau diese Arbeitsplätze, und Zack, schon ist ein Arbeitsplatz gerettet:-)

    • devise
    • 07. März 2013 23:41 Uhr

    ... funktioniert nur um Mitternacht, bei Vollmond und Gewitter. Unbedingt zu beachten: Jupiter und Mars müssen in einer Linie stehen und dann " peace will guide the planets and love will steer the stars" oops "...will stirr the milk" ;-)

  5. Weniger der Zauberspruch bereitet mir Probleme, als der exakte Kochzeitpunkt um Mitternacht.

    Aber wofür werden sonst Draht- und Spülschwämme hergestellt? Vor Mitternacht denke ich beim kochen an genau diese Arbeitsplätze, und Zack, schon ist ein Arbeitsplatz gerettet:-)

    3 Leserempfehlungen
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    >> ... und Zack, schon ist ein Arbeitsplatz gerettet :-) <<

    ... lasse ich nichts anbrennen - wenn doch, nehme ich Soda. War mir bis heute nicht klar, dass das Arbeitsplätze gefährdet. Voll ätzend.

    Ich gelobe Besserung: einmal die Woche Milch anbrennen lassen und danach Schrubben fürs soziale Gewissen ;-)

    weg.........

  6. Da gibt es keine braunen Rückstände.

    2 Leserempfehlungen
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    > Da gibt es keine braunen Rückstände.

    Nach der "Behandlung" in einer Mikrowelle gibt es noch viel mehr nicht mehr...

    >> Ich erhitze meine Milch in der Microwelle
    Da gibt es keine braunen Rückstände. <<

    ... extra fürs Bundesamt für Verfassungsschutz? Auch nicht schlecht.

  7. >> ... und Zack, schon ist ein Arbeitsplatz gerettet :-) <<

    ... lasse ich nichts anbrennen - wenn doch, nehme ich Soda. War mir bis heute nicht klar, dass das Arbeitsplätze gefährdet. Voll ätzend.

    Ich gelobe Besserung: einmal die Woche Milch anbrennen lassen und danach Schrubben fürs soziale Gewissen ;-)

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  8. Einen Simmertopf. Dann brennt garantiert nichts an.

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  • Serie Stimmt's?
  • Schlagworte Milchprodukte | Kochen | Physik
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