Kampala. Es gibt Tage, da wird er nicht gehasst und geächtet, sondern gefeiert. Weit weg von zu Hause. Im vergangenen Sommer war Frank Mugisha in Kopenhagen, auf dem Christopher Street Day hielt er eine Rede, fuhr bei der Parade im ersten Wagen, Tausende jubelten ihm zu. Minister und Abgeordnete empfingen ihn, bewunderten seinen Mut. In seinem Büro in Kampala hängen Fotos von diesem Tag und Urkunden aus New York, England, Norwegen. Ehrungen für seine Arbeit. Aber das Büro liegt in einem Haus weitab vom Zentrum der ugandischen Hauptstadt, versteckt hinter Mauern, an der Tür kein Schild mit einem Hinweis auf die Organisation, für die er arbeitet. Es wäre zu gefährlich.

Frank Mugisha, 30, ist schwul und seit vier Jahren Direktor von Sexual Minorities Uganda (SMUG), eines Verbands von Hilfsorganisationen für Schwule und Lesben. Er übernahm den Posten zu einer Zeit, als immer mehr Homosexuelle in Uganda begannen, gegen ihre Diskriminierung zu protestieren. Sie wussten, dass sie in diesem erzkonservativen Land Ressentiments provozieren würden. Aber sie ahnten nicht, dass ihnen Ugandas Politiker und Pastoren den Krieg erklären würden.

Mugishas Büro ist ein ständig wachsendes Archiv dieses Krieges. SMUG sammelt Berichte von Sonntagspredigten, in denen zur Jagd auf Homosexuelle aufgerufen wird, und von Ministern, die diese als »Terroristen« bezeichnen. Der Verband protokolliert Polizeiübergriffe gegen Schwule und Lesben, archiviert Zeitungsartikel, wie die Titelseite eines Boulevardblattes, das im Oktober 2010 Fotos, Namen und Adressen von »Ugandas Top-Homos« veröffentlichte mit der Schlagzeile: Hang them!, »Hängt sie!«. Wenig später wurde einer der Gründer von SMUG mit eingeschlagenem Schädel in seiner Wohnung gefunden. »Ich bin mir sicher«, sagt Frank Mugisha, »er wurde umgebracht, weil er schwul war.«

In Mugishas Büro liegt auch ein Gesetzentwurf mit dem Titel »The Anti-Homosexuality Bill«, erstmals im Parlament eingebracht im Jahr 2009. In den kommenden Wochen wollen Ugandas Parlamentarier erneut darüber beraten. Sollten sie den Entwurf in seiner ursprünglichen Fassung verabschieden, wäre jeder Bürger unter Strafandrohung verpflichtet, Homosexuelle anzuzeigen. Als Höchststrafe für homosexuelle Kontakte sieht der Entwurf lebenslange Haft vor. »Wiederholungstäter« könnten in bestimmten Fällen zum Tode verurteilt werden. »Früher habe ich keine Angst gehabt, einen Freund zu haben«, sagt Frank Mugisha, »denn vor 2009 wurden wir vor allem verbal angegriffen. Seitdem hat die physische Gewalt gegen Homosexuelle in Uganda zugenommen.«