BundestagswahlIst Rot-Rot-Grün realistisch?

Die Linkspartei wirbt für ein Bündnis mit SPD und Grünen nach der Bundestagswahl. Dafür spricht jedoch so gut wie nichts.

Die Parteivorsitzende der Linken, Katja Kipping

Die Parteivorsitzende der Linken, Katja Kipping

Es klingt so plausibel. Immer mehr Linkspolitiker fordern derzeit, die SPD solle sich mal locker machen und endlich offensiv über ein rot-rot-grünes Bündnis nachdenken. Erstens sei es rechnerisch die einzige Möglichkeit, die Regierung von Angela Merkel abzulösen. Zweitens sei der vermeintliche Tabubruch längst geschehen: Hannelore Kraft habe sich schließlich von der Linken in Nordrhein-Westfalen mitwählen lassen, ohne dafür bestraft worden zu sein. Es gibt eine neue rot-grüne Mehrheit im Bundesrat. Und weil die Linke in Brandenburg mitregiert, ist sie längst Teil dieses informellen Bündnisses – eine Mehrheit im Bundestag wäre dessen praktische Vollendung.

Drittens sei die sektiererische Westlinke längst irrelevant geworden; die künftige Bundestagsfraktion der Linken werde vorwiegend aus ostdeutschen Pragmatikern bestehen, die Sigmar Gabriel selbst schon zu "rechten Sozialdemokraten" geadelt hat.

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Aber Koalitionen sind keine reine Frage der Arithmetik. Die vermeintliche Mehrheit, die aus dem Addieren der jetzigen Umfragewerte von SPD, Grünen und Linken entstehen soll, wäre schneller perdu, als man Andrea Ypsilanti sagen kann. So hieß die letzte sozialdemokratische Spitzenkandidatin, die es mit einer solchen Bündnisaussage versucht hat.

Es finden sich bundesweit gerade vier Prozent der Wähler, die von Rot-Rot-Grün regiert werden wollen; unter den Wählern der Grünen sind es sogar nur zwei Prozent. In der Sozialpolitik – dem einzigen Feld, auf dem der Linken überhaupt ein Kompetenzvorsprung zugetraut wurde – wird sie mittlerweile wieder von der SPD überrundet. In der europäischen Finanzkrise mit einer Partei zu paktieren, die die Schuldenbremse für eine Art Menschenrechtsverletzung hält, wäre die vorprogrammierte Handlungsunfähigkeit.

Dem SPD-Spitzenkandidaten Peer Steinbrück, der seit seiner Kandidatur einen Fehler nach dem anderen macht, von Pinot Grigio bis Eierlikör, würde es endgültig das Genick brechen. Nun auch noch die Partei zu hofieren, die kürzlich mit einem Steuersatz von 100 Prozent hantierte – da könnte er sich die Mühen des Wahlkampfes wohl gleich sparen. Steinbrück ist ein Befürworter einer wachstumsfreundlichen Sozialpolitik; unmöglich kann er die SPD im 150. Jahr ihres Bestehens einer Partei öffnen, die sie von Anfang an für die Verräterin der Arbeiterklasse gehalten hat.

Es stimmt zwar: Etliche Forderungen, für die die Linke vor Jahren noch ausgelacht wurde, sind heute bis in die CDU hinein mehrheitsfähig: Mindestlohn, Abzug aus Afghanistan, Bankenregulierung, Finanztransaktionssteuer. Doch die Linke profitiert davon nicht, kaum jemand wählt sie dafür. Das liegt an dem gedanklichen Umfeld, in dem diese Forderungen entstehen: dem Misstrauen gegen die westlichen Demokratien, den Individualismus und die Globalisierung; dazu der autoritäre Umgang miteinander. Und schließlich, speziell bei Oskar Lafontaine, liegt es an dem nie versiegenden Hass auf die Sozialdemokraten.

Erst vor ein paar Tagen hat der frühere SPD-Vorsitzende wieder erklärt, warum er sich Rot-Rot-Grün vorstellen kann: "SPD und Grüne darf man nie allein lassen, es kommt nur Mist dabei heraus." Dass Lafontaine jetzt wieder öffentlich mit einer Rückkehr in die Bundespolitik liebäugelt, ohne sich bislang eindeutig dazu bekannt zu haben, macht ein solches Bündnis für die SPD vollends unattraktiv. Es ist schwer vorstellbar, dass ein Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier mit ihm über den Einsatz der Bundswehr in Mali verhandeln würde.

Leser-Kommentare
  1. >> eine Politik vor, die durch MärkteMärkteMärkte endlich die Menschheit abschafft <<

    ... uns gar nicht abschaffen. Wir sollen nur endlich einsehen, dass wir uns mit frühkapitalistischen Arbeitsbedingungen abzufinden haben.

    2 Leser-Empfehlungen
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    ein kleiner Scherz meinerseits - würde Georg Schramm sagen.

    ein kleiner Scherz meinerseits - würde Georg Schramm sagen.

  2. 170. Das war

    ein kleiner Scherz meinerseits - würde Georg Schramm sagen.

    Antwort auf "Die wollen ..."
  3. Möglicherweise bleibt die Die Linke ja unter 5% bundesweit und die FDP landet bei 7%, wie sich heute bei der Handelsblatt Prognosebörse schon andeutet.

    Mal sehen! Eine Schwalbe macht zwar noch keinen Sommer, aber alleine, wenn ich mein Umfeld checke, könnte es so passieren (obwohl - da käme die Die Linke auf 0,00%)

    Handelsblatt
    "Auch die Union hat sich mit 37,3 Prozent vergleichsweise gut gehalten. Zusammen kämen CDU und FDP auf 44,8 Prozent. Rot-Grün liegt mit 42,4 Prozent knapp dahinter."

  4. "...Was ist eigentlich die Steigerungsform von schwarz-weiss-denken? ..."

    Rot-rot-grünes Denken!

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    • Oakham
    • 29.03.2013 um 14:40 Uhr

    Links bergab geht, dann geht es Rechts bergauf, wie man sieht.
    Na dann: Gute Nacht, Deutschland.

    • Oakham
    • 29.03.2013 um 14:40 Uhr

    Links bergab geht, dann geht es Rechts bergauf, wie man sieht.
    Na dann: Gute Nacht, Deutschland.

    • Oakham
    • 29.03.2013 um 14:13 Uhr

    Rot-Grün im Bund, vielleicht mit einem kleinen Bisschen mehr Rot, also Rot-Ost-Rot und Grün.

    Wir schicken die nette Frau Merkel aufs Altenteil in ihr Häuschen in MeckPom, die FDP versinkt in der Vergessenheit.
    Ein Traum, eine Hoffnung, ein Erwachen: Alles bleibt so, wie es ist. Auch nach dem Herbst.
    Und für meine englischen Feunde und Verwandten, die immer wieder gerne ihren verständlichen Spaß an Tante Angela haben: Sie bleibt, extra für euch, damit ihr auch weiterhin was zu Lachen habt ...

    • Oakham
    • 29.03.2013 um 14:40 Uhr

    Links bergab geht, dann geht es Rechts bergauf, wie man sieht.
    Na dann: Gute Nacht, Deutschland.

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