Mindestlohn : Einer für alle?

Schwarz-Gelb, Rot oder Grün: Alle wollen einen anderen Mindestlohn.

Nun will auch die FDP einen Mindestlohn. Stundenlöhne von drei Euro hätten "nichts mehr mit Leistungsgerechtigkeit zu tun", sagt Außenminister Guido Westerwelle. Das sei keine Wende, beteuern die Freidemokraten, denn branchenbezogene und von den Tarifparteien vereinbarte Mindestlöhne unterstütze man seit Längerem.

Tatsächlich wurden mit Zustimmung der FDP in den vergangenen Jahren für acht Branchen Mindestlöhne festgesetzt, unter anderem in der Zeitarbeit und in der Pflege. Neu ist aber, dass die Koalition bald Lohnuntergrenzen für die Wirtschaftszweige vereinbaren könnte, in denen es keine starken Tarifpartner gibt. Dann gäbe es in Deutschland über kurz oder lang keine Mindestlohn-freien Zonen mehr. Der Mindestlohn wäre also flächendeckend, aber einheitlich wäre er nicht.

Eine Lohngrenze für alle, bei der weder zwischen Regionen noch Branchen unterschieden wird, lehnen die Koalitionspartner nämlich weiterhin ab. Die Oppositionsparteien dagegen wollen genau das, die Grünen fordern einen allgemeinen Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde, die Sozialdemokraten verlangen 8,50 Euro und die Linkspartei 10 Euro.

In 20 von 27 EU-Mitgliedstaaten gilt ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn. An der Ostgrenze Deutschlands liegt er bei rund zwei Euro (Tschechische Republik und Polen), im Westen bei neun Euro (Niederlande, Belgien, Frankreich), im Norden und Süden gibt es keinen gesetzlichen Mindestlohn (Österreich, Schweiz, Dänemark). Zuletzt senkten einige Länder in Europa unter dem Druck der Wirtschaftskrise ihre Mindestlöhne, in Griechenland wurde er gar um 23 Prozent verringert (auf 3,35 Euro).

Wichtig für die Beurteilung eines Mindestlohns ist nicht nur dessen absolute Höhe. Wie stark der Staat in die Lohnfindung eingreift, lässt sich auch daran erkennen, wie viele Arbeitnehmer im jeweiligen Land zu dem festgesetzten Satz beschäftigt sind. In Großbritannien beziehen vier bis fünf Prozent aller Beschäftigten ein Gehalt in Höhe des Mindestlohns, in Frankreich sind es vergleichsweise hohe 13 Prozent. Würde in Deutschland ein Mindestlohn von 8,50 Euro gelten, beträfe er 19 Prozent der Arbeitnehmer, bei 10 Euro wären es sogar 29 Prozent.

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Kommentare

31 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Das ist nicht relevant

Die regionale Unterscheidung von Lebenskosten ist bei einem Mindestlohn nicht zu berücksichtigen, denn dieser stellt nur die Untergrenze dar.
Das heißt nicht, das man dann auch überall für dieses Geld arbeiten muss.

Ich glaube nicht das sie eine Reinigungskraft finden, die in München für 8,50 Euro arbeiten würde. Hier werden sie, wie in den anderen Gewerken, schon einen ordentlichen Aufschlag zahlen müssen um diese Dienstleistung zu erhalten.

Anders sieht es eben z.B. in Mecklenburg Vorpommern aus. Aber dort liegen die untersten Löhne ja auch deutlich unter den 8,50 Euro.