GorlebenDie Lager-Frage

Wohin mit dem Atommüll? Die Politik wagt sich erneut an das Thema des deutschen Endlagers und hört doch nicht auf zu taktieren. von 

In knapp neun Jahren, am 31. Dezember 2022, endet in Deutschland das Atomzeitalter. Dann laufen die Betriebsgenehmigungen der letzten drei Kernkraftwerke aus. Doch was bleibt, ist das nukleare Ewigkeitsproblem: Wohin mit dem Atommüll?

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang ist Atomstrom produziert worden, mehr als ein halbes Jahrhundert lang ist die Entsorgungsfrage verschoben worden.

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Schon die beiden ehemaligen Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) und Sigmar Gabriel (SPD) wollten sich als Wegbereiter eines Endlagerkonsenses feiern lassen – ebenso wieder baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), der bereit ist, sein Bundesland für die Suche nach einem Endlager-Standort freizugeben. Nun trommelt Peter Altmaier (CDU) öffentlich für Eile bei der Gesetzgebung: "Ich erwarte, dass es vor der Bundestagswahl zu einer Lösung kommt", sagt er. "Die Chancen für einen Konsens über die Endlagersuche waren nie so groß wie derzeit. Es wäre grob fahrlässig, wenn wir diese Chance verpassen würden." Tatsächlich muss die Politik sich schnell einigen, sonst kann der Bundesrat am 5. Juli bei seiner letzten Plenarsitzung vor der Bundestagswahl ein Endlagersuchgesetz nicht mehr beschließen.

Zu einer Lösung hätte es womöglich sogar in Kürze kommen können, wenn die niedersächsischen Wähler nicht einen mehrheitlich rot-grünen Landtag gewählt hätten. Der will zwar nicht ganz Niedersachsen, aber das niedersächsische Gorleben aus der Endlagersuche ausschließen – während SPD und Grüne sich im Bund mit Peter Altmaier halbwegs einig sind, bei der Endlagersuche um Gorleben nicht von vornherein einen Bogen zu machen.

Altmaier spricht von Chance und Konsens, aber bei einem Projekt für mehrere Jahrzehnte kann davon gar nicht die Rede sein.

Auch dürfte das Einverständnis der grün-roten Landesregierung in Stuttgart zur Standortsuche im Südwesten Deutschlands umso mehr schwinden, je größer die Zugeständnisse in punkto Gorleben an die rot-grüne Landesregierung in Hannover wären. Kurzfristig eine Lösung zu finden, die mehr als ein Formelkompromiss ist, scheint illusorisch. Die Lage ist verfahren.

Wie hat es so weit kommen können?

Leserkommentare
  1. Nutzt doch den aktuellen Status Quo. Der Atommüll lagert in Zwischenlagern an den AKW Standorten. Ertüchtigt doch diese Zwischenlager und verteilt den gesamten Atommüll auf eine handvoll dieser Lager. Natürlich sicher vor Terrorismus oder Naturkatastrophen.

    Die Kosten dafür übernehmen die AKW Betreiber und die Lebensdauer dieser Lager legt man auf 50 Jahre an. Bis dahin sind wir technologisch ein ganz großes Stück weiter und können uns dann Gedanken machen. Wieso diese Eile?

    Und wieso um Himmels willen das Zeug für eine Million Jahre vergraben???

    2 Leserempfehlungen
  2. Ein vernünftiger Neubeginn der Endlagersuche sollte aber auch komplett offen sein, und neben anderen auch den Standort Gorleben mit einbeziehen.
    Sollte sich - wie viele vermuten - herausstellen, dass Gorleben ungeeignet ist, sind doch alle zufrieden. Aber es dürfen keine Standorte - egal, ob Gorleben oder irgendwelche potentiellen Standorte in Baden-Württemberg, Bayern oder sonstwo - von Beginn an ausgeschlossen werden.

    Generell liegt der Fehler aber meiner Meinung nach schon über ein halbes Jahrhundert zurück. Wenn man keine Ahnung hat, wo man den auf jeden Fall anfallenden Müll lagert, darf man mit so einer Technologie gar nicht erst anfangen. Probleme auf spätere Entscheidungsträger abzuschieben, darf niemals der richtige Weg sein.

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    Es ist, und war nie, eine Vermutung; der Salzstock ist schlicht unbrauchbar. Eine Eignungshöffigkeit war schon aus Gründen der Halokinese für hochaktiven Nuklidmüll nie gegeben!

    Aus materialwissenschaflicher, geologischer und hydrologischer Sicht sind dynamische Strukturen wie Salz-Diapire grundsätzlich höchst beschränkt brauchbar, außer für schwerlößliche nicht aktive Feststoffe.....

    Das konnte, wer wollte, auch schon 1980 wissen!

    Beste Grüße CM

  3. Es ist, und war nie, eine Vermutung; der Salzstock ist schlicht unbrauchbar. Eine Eignungshöffigkeit war schon aus Gründen der Halokinese für hochaktiven Nuklidmüll nie gegeben!

    Aus materialwissenschaflicher, geologischer und hydrologischer Sicht sind dynamische Strukturen wie Salz-Diapire grundsätzlich höchst beschränkt brauchbar, außer für schwerlößliche nicht aktive Feststoffe.....

    Das konnte, wer wollte, auch schon 1980 wissen!

    Beste Grüße CM

    Antwort auf "Endlagersuche"
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    Wenn der Salzstock so unbrauchbar ist, dann können die Gorleben-Gegner einem bundesweiten Suchverfahren OHNE Ausschlussstandorte sehr gelassen entgegen sehen.

    Gorleben aufgrund seiner mutmaßlichen Unfähigkeit als Endlager auszuschließen, aber fordern dass es von dem Suchverfahren ausgeschlossen werden soll, ist höchst unglaubwürdig und auch für die Demokratie ein Problem.

    ohne Scheuklappen nach einem geeigneten Standort zu suchen? Tut mir leid, aber das sehe ich anders.

  4. Die Endlagerfrage ist lösbar. Man muss nur dafür sorgen, dass die Wissenschaft ihre Arbeit macht und die Politik ihren Beitrag liefert. Was nicht geht, und das ist jetzt nach 36 Jahren bewiesen: Das Hin- und Hergeschiebe zwischen Wissenschaft und Parteipolitik als Wahlkampftaktik.
    Ein vernünftiger Neubeginn kann nicht mit einem Gesetz beginnen, denn darin kommt Wissenschaft nicht vor. Es ist gerade einmal ein parteiideologischer Kompromiss.

    Ein Neubeginn müsste die wissenschaftliche Suchmethode zum Gegenstand machen. Eine entsprechende politische Übereinkunft könnte im Bundesrat verabschiedet werden und nach dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik lauten:

    "Die Regierungschefs von Bund und Ländern kommen überein, dass entgegen der Festlegung auf Gorleben am 28.09.1979 die Suche nach einem bestmöglichen Endlager für radioaktive Abfälle aus wissenschaftlichen Gründen und insbesondere zur Einhaltung des Strahlenschutzgrundsatzes der Minimierung nach § 6 Strahlenschutzverordnung in allen Bundesländern notwendig ist. Dem liegt zugrunde, dass für eine möglichst sichere Endlagerung die natürlichen geologischen Barrieren mit höchster Priorität herangezogen werden müssen. Eine nur an einem Standort geführte Argumentation zur Langzeitsicherheit kann wegen der enormen Unsicherheiten und des Nichtwissens bei den notwendigen Prognosezeiträumen von einer Million Jahren und mehr keine rationale Entscheidungsgrundlage sein."

    Siehe auch http://endlagerdialog.de

    Eine Leserempfehlung
  5. "Ein nukleares Endlager zu planen und zu errichten ist deshalb nicht nur eine "schwere Hypothek für die nachfolgenden Generationen", wie es im Bericht der Ethik-Kommission heißt; es ist eine einmalige Herausforderung, die besonderer Sorgfalt bedarf."

    ...und schlichtweg unmöglich, wenn man 1Mio., oder 100.000, oder 10.000 oder auch nur 1.000 Jahre Sicherheit garantieren soll.
    Die Vergangenheit (Asse) hat gezeigt: Wir schaffen nicht einmal 40 Jahre.

  6. Warum denn erst großartig ein Endlager suchen. Lass uns doch jmd. beauftragen der es entsorgt (am besten der, der am billigsten macht). Dann landest das Zeug einfach in Afrika, wie der sontige hochgiftige Müll auch und alle sind glücklich. :X

  7. Wenn der Salzstock so unbrauchbar ist, dann können die Gorleben-Gegner einem bundesweiten Suchverfahren OHNE Ausschlussstandorte sehr gelassen entgegen sehen.

    Gorleben aufgrund seiner mutmaßlichen Unfähigkeit als Endlager auszuschließen, aber fordern dass es von dem Suchverfahren ausgeschlossen werden soll, ist höchst unglaubwürdig und auch für die Demokratie ein Problem.

    Eine Leserempfehlung
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    ist die mangelnde Eignungshöffigkeit bereits nachgewiesen.

    Schon die Probleme durch die thermische Migration von "Kristallwasser", Gasmigration aus dem Liegenden und ein sehr inkonsitentes Fließverhalten des aufsteigenden Salzgemischs; von der Korrosionproblematik nicht zu reden, stellen solche Diapirstrukturen außerhalb jeder Diskussion.

    Beste Grüße CM

  8. ohne Scheuklappen nach einem geeigneten Standort zu suchen? Tut mir leid, aber das sehe ich anders.

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    dynamische Diapire überhaupt nur für Nuklidabfälle zu erwägen.

    Das hat mit "Scheuklappen" nichts zu tun, sondern mit den Gesteinseigenschaften im weitesten Sinn.

    Beste Grüße CM

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