Gorleben : Die Lager-Frage

Wohin mit dem Atommüll? Die Politik wagt sich erneut an das Thema des deutschen Endlagers und hört doch nicht auf zu taktieren.
Wohin mit dem Atommüll? ZEIT-Redakteur Frank Drieschner über die schwierige Endlagersuche Seit fast 50 Jahren streitet Deutschland um mittlerweile mehr als 12.000 Tonnen strahlendes Material, das sicher untergebracht werden muss. ZEIT-Redakteur Frank Drieschner über die schwierige Suche nach einem geeigneten Endlager.

In knapp neun Jahren, am 31. Dezember 2022, endet in Deutschland das Atomzeitalter. Dann laufen die Betriebsgenehmigungen der letzten drei Kernkraftwerke aus. Doch was bleibt, ist das nukleare Ewigkeitsproblem: Wohin mit dem Atommüll?

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang ist Atomstrom produziert worden, mehr als ein halbes Jahrhundert lang ist die Entsorgungsfrage verschoben worden.

Schon die beiden ehemaligen Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) und Sigmar Gabriel (SPD) wollten sich als Wegbereiter eines Endlagerkonsenses feiern lassen – ebenso wieder baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), der bereit ist, sein Bundesland für die Suche nach einem Endlager-Standort freizugeben. Nun trommelt Peter Altmaier (CDU) öffentlich für Eile bei der Gesetzgebung: "Ich erwarte, dass es vor der Bundestagswahl zu einer Lösung kommt", sagt er. "Die Chancen für einen Konsens über die Endlagersuche waren nie so groß wie derzeit. Es wäre grob fahrlässig, wenn wir diese Chance verpassen würden." Tatsächlich muss die Politik sich schnell einigen, sonst kann der Bundesrat am 5. Juli bei seiner letzten Plenarsitzung vor der Bundestagswahl ein Endlagersuchgesetz nicht mehr beschließen.

Zu einer Lösung hätte es womöglich sogar in Kürze kommen können, wenn die niedersächsischen Wähler nicht einen mehrheitlich rot-grünen Landtag gewählt hätten. Der will zwar nicht ganz Niedersachsen, aber das niedersächsische Gorleben aus der Endlagersuche ausschließen – während SPD und Grüne sich im Bund mit Peter Altmaier halbwegs einig sind, bei der Endlagersuche um Gorleben nicht von vornherein einen Bogen zu machen.

Altmaier spricht von Chance und Konsens, aber bei einem Projekt für mehrere Jahrzehnte kann davon gar nicht die Rede sein.

Auch dürfte das Einverständnis der grün-roten Landesregierung in Stuttgart zur Standortsuche im Südwesten Deutschlands umso mehr schwinden, je größer die Zugeständnisse in punkto Gorleben an die rot-grüne Landesregierung in Hannover wären. Kurzfristig eine Lösung zu finden, die mehr als ein Formelkompromiss ist, scheint illusorisch. Die Lage ist verfahren.

Wie hat es so weit kommen können?

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Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Endlagersuche

Ein vernünftiger Neubeginn der Endlagersuche sollte aber auch komplett offen sein, und neben anderen auch den Standort Gorleben mit einbeziehen.
Sollte sich - wie viele vermuten - herausstellen, dass Gorleben ungeeignet ist, sind doch alle zufrieden. Aber es dürfen keine Standorte - egal, ob Gorleben oder irgendwelche potentiellen Standorte in Baden-Württemberg, Bayern oder sonstwo - von Beginn an ausgeschlossen werden.

Generell liegt der Fehler aber meiner Meinung nach schon über ein halbes Jahrhundert zurück. Wenn man keine Ahnung hat, wo man den auf jeden Fall anfallenden Müll lagert, darf man mit so einer Technologie gar nicht erst anfangen. Probleme auf spätere Entscheidungsträger abzuschieben, darf niemals der richtige Weg sein.

Das ist Unfug vom Feinsten!

Es ist, und war nie, eine Vermutung; der Salzstock ist schlicht unbrauchbar. Eine Eignungshöffigkeit war schon aus Gründen der Halokinese für hochaktiven Nuklidmüll nie gegeben!

Aus materialwissenschaflicher, geologischer und hydrologischer Sicht sind dynamische Strukturen wie Salz-Diapire grundsätzlich höchst beschränkt brauchbar, außer für schwerlößliche nicht aktive Feststoffe.....

Das konnte, wer wollte, auch schon 1980 wissen!

Beste Grüße CM

Aslo aus geologischer Sicht

ist die mangelnde Eignungshöffigkeit bereits nachgewiesen.

Schon die Probleme durch die thermische Migration von "Kristallwasser", Gasmigration aus dem Liegenden und ein sehr inkonsitentes Fließverhalten des aufsteigenden Salzgemischs; von der Korrosionproblematik nicht zu reden, stellen solche Diapirstrukturen außerhalb jeder Diskussion.

Beste Grüße CM

Sehr geehrter Pseudonormo,

das Chaos hat sich schon in den 80´er abgezeichnt. Damals tobte noch die Debatte über die Zweckmäßigkeit von Glascores, zumal durch Lagerversuche schon bekannt war das diese garnicht so langzeitstabil sind und "beladen" zur Entglasung (und Freisetzung des Inhalte) neigen.

Die zugrundeliegende Spaltspurenproblematik ist auch damals nicht neu gewesen, wurde aber aus wissenschaftlich nicht nachvollziehbaren Gründen persistent ignoriert.

Das gebe ich Ihnen Recht, die ganze Handhabung hat ein übeles Geschmäckle.

Beste Grüße CM

Nachvollziehbarkeit

Das glaub ich Ihnen gerne und mag für Sie auch nachvollziehbar sein. Sie hätten Ihren Kommentar aber auch in Chinesisch schreiben können, denn ich verstehe von Geologie so viel wie Elefanten von Stricken.

Und genau deshalb möchte ich als Bürger, dass man eine offene Suche startet und dann in einem Bericht sagt: Standort A,B,C und Gorleben sind nicht geeignet.

Ich besteh doch gar nicht darauf, dass Gorleben das Endlager werden soll, aber vor allem soll es keine Vorzugsbehandlung geben. Weder in die eine, noch in die andere Richtung.

Nur so aus Interesse: Sind Sie Geologe oder woher haben Sie dieses Wissen?

Sehr Geehrter Pseudonormo,

habe Chemie und Geologie studiert. Die aufgeführten Stichwörter sind sozusagen Teil der Fachdebatten aus den 80-90 er Jahren.

Da besteht bis Heute offenkundig ein erhebliches Informationsdefizit in der Politik. Und dieses ist von der Polituk sozusagen gewollt herbeigeführt, denn durch die jeweiligen Regierungsparteien wurde immer ordentlich Druck auf BGR & Co ausgeübt. Eben um nicht zu viele Informationen amtsbekannt werden zu lassen.

Denn von "Endlager" sprechen eigentlich nur noch politische Traumtänzer und deren Sprachrohre. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es derzeit dafür keinen tragfähigen Ansatz was das "Vergraben und Vergessen" angeht.

Beste Grüße CM

1. Mio. Jahre Sicherheit

"Ein nukleares Endlager zu planen und zu errichten ist deshalb nicht nur eine "schwere Hypothek für die nachfolgenden Generationen", wie es im Bericht der Ethik-Kommission heißt; es ist eine einmalige Herausforderung, die besonderer Sorgfalt bedarf."

...und schlichtweg unmöglich, wenn man 1Mio., oder 100.000, oder 10.000 oder auch nur 1.000 Jahre Sicherheit garantieren soll.
Die Vergangenheit (Asse) hat gezeigt: Wir schaffen nicht einmal 40 Jahre.