Bio-Kontrollen"Eier kann man schließlich zählen"

Landwirte in Niedersachsen haben ihre Ware falsch deklariert. Wie werden Hühnerbestände kontrolliert? Zwei Bioproduzenten aus Hessen gewähren Einblick. von 

DIE ZEIT: Können Sie uns erklären, wie Sie die Hühner in ihren Ställen zählen?

Thomas Häde: Wenn die schon im Stall rumlaufen, wird es schwierig mit Zählen. Das brächte viel zu viel Unruhe in den Stall.

Anzeige

Leonhard Häde: Man müsste die Hühner erst einfangen, und das geht eigentlich nur, wenn es dunkel ist. Gut, man könnte sie natürlich fotografieren und dann auf dem Foto nachzählen...

ZEIT: Wie wissen Sie denn dann überhaupt, wie viele Tiere bei Ihnen rumrennen?

Thomas und Leonhard Häde

leiten den Hof, der die Marke Sonnenei produziert.

Thomas Häde: Wir kriegen die Hühner als Eintagsküken und ziehen sie selber auf. Wenn sie groß genug sind, werden sie in den Stall reingezählt. Das ist kein Problem, da behält man die Übersicht. Auch ein Tierarzt von der Uni-Klinik Gießen ist an dem Tag dabei, so hat das auch immer einen offiziellen Charakter.

ZEIT: Wie aber überprüft ein Kontrolleur später die Bestände? Er war ja nicht dabei, als Sie »reinzählten«.

Leonhard Häde: Er entnimmt den Unterlagen, wie viele Tiere wir haben.

Arten der Hühnerhaltung: Käfighaltung

Klassische Legebatterien, in denen Hühner weniger Platz haben als die Fläche eines DIN-A-4-Blattes, sind in der EU seit 2012 nicht mehr erlaubt, in Deutschland schon seit 2010 nicht mehr.

Rund 13 Prozent der Hennen werden heute aber in Kleingruppenkäfigen gehalten. Diese bieten nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes Hennen "geringfügig mehr Platz", in etwa die Fläche von eineinhalb A4-Blättern. Diese Käfige haben Sitzstangen, bieten Hühnern Platz zum Scharren und zum Baden im Sand. Tierschützer monieren, dass der Platz trotzdem nicht ausreicht, damit die Tiere natürliches Verhalten zeigen können.

Quelle: afp

Bodenhaltung

Mit knapp 64 Prozent ist die Bodenhaltung in Deutschland die vorherrschende Haltungsform für Hennen. Bei der Bodenhaltung handelt es sich nach Angaben der Informationsgemeinschaft Deutsches Ei um eine Stallhaltung. Die Hühner können sich frei bewegen. Neun Tiere teilen sich dabei einen Quadratmeter Boden.

Jedoch dürfen Agrarbetriebe bei der Bodenhaltung in den Ställen auch Ebenen einbauen und so auf der gleichen Grundfläche mehr Tiere unterbringen. Bei der Bodenhaltung muss der Boden zu mindestens einem Drittel mit Stroh, Sand oder Torf bestreut sein.

Freilandhaltung

Im Gegensatz zur Bodenhaltung haben Hennen bei der Freilandhaltung zusätzlich zum Stall Auslauf an der freien Luft. Vorgesehen ist eine Freifläche von mindestens vier Quadratmetern pro Huhn. Diese Freifläche sollte größtenteils bewachsen sein, etwa mit Gras, und nicht zusätzlich noch zu anderen Zwecken genutzt werden, allenfalls als Obstgarten oder Weide.

Der Tierschutzbund bewertet die Freilandhaltung als "vergleichsweise tiergerechteste" Haltungsform. Die Hennen können scharren und im Sand baden. Knapp 15 Prozent der Legehennen leben in Freilandhaltung.

Ökologische Produktion

Die Anforderungen für die ökologische Haltung gehen über jene der Freilandhaltung hinaus. Vorgesehen ist, dass nicht mehr als 3.000 Hennen je Stall gehalten werden und das Platzangebot die Größenordnung von maximal sechs Hennen pro Quadratmeter nicht unterschreitet. Die Tiere müssen zu mindestens 95 Prozent mit Biofutter gefüttert werden. Nur etwa acht Prozent der Legehennen in Deutschland werden nach diesem Prinzip der Ökohaltung gehalten.

ZEIT: Schaut er sich nur die Zahl an, die Sie ihm vorlegen – und glaubt Ihnen einfach?

Leonhard Häde: Der guckt, wie viele Eier gelegt werden. Eier kann man schließlich zählen. Außerdem weiß er: Junge Hühner legen mehr, an 90 Prozent der Tage eins. Im Alter geht die Legeleistung langsam runter.

ZEIT: Der Kontrolleur rechnet.

Thomas Häde: Exakt. Holt ein Produzent mehr Eier aus dem Stall als Hühner hineinpassen, dann sind zu viele Hühner drin.

ZEIT: Greift der Kontrolleur auch zum Zollstock und misst nach, ob die Größe des Stalls stimmt?

Thomas Häde: Der Stall hat eine Zulassung, dort stehen die Maße so drin, wie das Bauamt sie genehmigt hat. Aber es kommen verschiedene Kontrollbehörden. Und ab und zu ist auch ein Beamter darunter, der mit dem Zollstock nachmisst. Zu uns kommen Kontrolleure vom Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen, außerdem Vertreter der Bio-Kontrollstelle und der Zulassungsstelle des Regierungspräsidiums.

Leserkommentare
    • keibe
    • 08. März 2013 20:54 Uhr

    "ZEIT: Wie aber überprüft ein Kontrolleur später die Bestände? Er war ja nicht dabei, als Sie »reinzählten«.

    Leonhard Häde: Er entnimmt den Unterlagen, wie viele Tiere wir haben.

    ZEIT: Schaut er sich nur die Zahl an, die Sie ihm vorlegen – und glaubt Ihnen einfach?

    Leonhard Häde: Der guckt, wie viele Eier gelegt werden. Eier kann man schließlich zählen. Außerdem weiß er: Junge Hühner legen mehr, an 90 Prozent der Tage eins. Im Alter geht die Legeleistung langsam runter.

    ZEIT: Der Kontrolleur rechnet.

    Thomas Häde: Exakt. Holt ein Produzent mehr Eier aus dem Stall als Hühner hineinpassen, dann sind zu viele Hühner drin."

    Dazu ein paar Fragen:

    1. Lassen sich Eier leichter zählen als Hühner? Kann man nicht -wie in der Stochastik üblich- Stallausschnitte mit Hühnerbesiedlungsdichte bilden und auf die Gesamtfläche hochrechnen?

    2. Wieviel Hühner passen denn in einen Stall? Wird das zwei- oder dreidimensional berechnet?

    3. Woran ersieht der Kontrolleur das Alter der Hühner, um zu ermitteln, ob das Eiaufkommen jüngeren Hühnern geschuldet ist oder einer übermäßigen Dichte eines Althuhnbestandes?

    4. Wie kann der Kontrolleur feststellen, ob Unterlagen echt sind oder variiert wurden?

    5. (aber eher weit hergeholt) Wie ist sichergestellt, dass der Kontrolleur rechnen kann?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Oyamat
    • 08. März 2013 22:39 Uhr

    Zitat: "1. Lassen sich Eier leichter zählen als Hühner?"
    Ja, sie bewegen sich nämlich nicht so hektisch und flattern nicht durcheinander.

    Zitat: "2. Wieviel Hühner passen denn in einen Stall? Wird das zwei- oder dreidimensional berechnet?"
    Wie sich aus der Angabe in Quadratmetern ergibt, wohl zweidimensional. Sonst wären die Angaben in Kubikmetern. Die normale Höhe von ca. 2 m ist vermutlich der menschlichen Scheitelhöhe angepasst.

    Zitat: "3. Woran ersieht der Kontrolleur das Alter der Hühner, um zu ermitteln, ob das Eiaufkommen jüngeren Hühnern geschuldet ist oder einer übermäßigen Dichte eines Althuhnbestandes?"
    Aus den Unterlagen. Hühner altern im Schnitt mit 1 Tag pro Kalendertag, das läßt sich also recht komfortabel umrechnen.

    Zitat: "4. Wie kann der Kontrolleur feststellen, ob Unterlagen echt sind oder variiert wurden?"
    Kann er nicht.

    Zitat: "5. Wie ist sichergestellt, dass der Kontrolleur rechnen kann?"
    Zunächst durch die Mobiltelefon-App oder MS Excel. Sekundär dadurch, daß seine Prüfberichte wiederum von anderen gelesen und geprüft werden.

    Mit Gruß von
    Oya

    Zitat: "1. Lassen sich Eier leichter zählen als Hühner?"
    Ja, sie bewegen sich nämlich nicht so hektisch und flattern nicht durcheinander.

    Klar, der Kontrolleur kann zählen, zumindest bis zwhn, denn so viele Finger hat er! Dummerweise kann er aber auch nur das zählen, was man ihm vorsetzt. Wenn ich also zu viele Hühner im Stall habe und der Kontrolleur anhand der Eier die Zahl feststellen will, stelle ich ihm so viele Paletten Eier hin, wie Hühner in meinem Stall sein dürfen.

    Wenn Jemand jemanden betrügen will, dann schafft er das. Besonders leicht geht das bei Beamten!

  1. das ging zu schnell und komprimiert. Da bin ich nicht mitgekommen. Also nochmal bitte, wieviele Prüfer darf man auf einem Quadratmeter Stall halten, und für wieviel Bargeld darf man ihnen die Trinknippel stutzen?

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zu schnell ? Ach was,

    schaun Sie Mal, es ist doch noch viel einfacher:
    Wenn Sie Bioeier produzieren, dürfen höchstens sechs Hühner auf einen Quadratmeter Stall kommen (..) . Schnäbel zu stutzen ist verboten.

    Sich gegenseitig Federn ausrupfen oder hacken dann wohl aber nicht. Mit einiger Phantasie dürfte jedem normaldenkenden Menschen klar werden, was ein gemeinsamer Quadratmeter für 6 Hühner zu bedeuten hat.

    Und dass des den Kohl nicht wirklich fetter macht, als die paar Zentimeter weniger, dafür aber mit Schnabel-ab ...

    Die Hölle ...
    und das nur, weil wir ohne Eierkuchen nicht satt werden können ?

  2. Tierärtze zum Hühner Zählen.

    Die sind doch dafür ein bisschen überqualifiziert.

    " es kommen verschiedene Kontrollbehörden "

    Ist denn Landwirtschaft nur noch dazu da, das die Beamtenkaste zu beschäftigen ?

    Es ist ein großer Unterschied zwischen Bio und Bio.

    Es gibt Bioland und Demeter.

    Und es gibt das ganze andere Zeugs an Bio-Siegeln, wo z.B. Äpfel nur 13 mal statt 15 mal gespritzt werden und dann Bio draufsteht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Oyamat
    • 08. März 2013 22:42 Uhr

    Zitat: "Tierärtze zum Hühner Zählen.

    Die sind doch dafür ein bisschen überqualifiziert."
    Ja und? Sie müssen ohnehin jedes einzelne Tier impfen, und zwar regelmäßig, vor allem in den ersten zwei Wochen. Da können sie auch zählen - das brauchen sie nämlich eh, um zu wissen, wieviele Impf-Dosen sie mitbringen müssen.

    MGv Oyamat

    • Oyamat
    • 08. März 2013 22:39 Uhr

    Zitat: "1. Lassen sich Eier leichter zählen als Hühner?"
    Ja, sie bewegen sich nämlich nicht so hektisch und flattern nicht durcheinander.

    Zitat: "2. Wieviel Hühner passen denn in einen Stall? Wird das zwei- oder dreidimensional berechnet?"
    Wie sich aus der Angabe in Quadratmetern ergibt, wohl zweidimensional. Sonst wären die Angaben in Kubikmetern. Die normale Höhe von ca. 2 m ist vermutlich der menschlichen Scheitelhöhe angepasst.

    Zitat: "3. Woran ersieht der Kontrolleur das Alter der Hühner, um zu ermitteln, ob das Eiaufkommen jüngeren Hühnern geschuldet ist oder einer übermäßigen Dichte eines Althuhnbestandes?"
    Aus den Unterlagen. Hühner altern im Schnitt mit 1 Tag pro Kalendertag, das läßt sich also recht komfortabel umrechnen.

    Zitat: "4. Wie kann der Kontrolleur feststellen, ob Unterlagen echt sind oder variiert wurden?"
    Kann er nicht.

    Zitat: "5. Wie ist sichergestellt, dass der Kontrolleur rechnen kann?"
    Zunächst durch die Mobiltelefon-App oder MS Excel. Sekundär dadurch, daß seine Prüfberichte wiederum von anderen gelesen und geprüft werden.

    Mit Gruß von
    Oya

    11 Leserempfehlungen
    • Oyamat
    • 08. März 2013 22:42 Uhr

    Zitat: "Tierärtze zum Hühner Zählen.

    Die sind doch dafür ein bisschen überqualifiziert."
    Ja und? Sie müssen ohnehin jedes einzelne Tier impfen, und zwar regelmäßig, vor allem in den ersten zwei Wochen. Da können sie auch zählen - das brauchen sie nämlich eh, um zu wissen, wieviele Impf-Dosen sie mitbringen müssen.

    MGv Oyamat

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Teirärzte"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zitat:
    "Da können sie auch zählen - das brauchen sie nämlich eh, um zu wissen, wieviele Impf-Dosen sie mitbringen müssen."

    Die werden schon freiwillig zählen, denn daraus ergibt sich das Honorar, und wer verschenkt schon gerne was?

    • wauzi
    • 09. März 2013 2:52 Uhr

    ich verstehe nicht, warum das nicht mit einer verkehrsüberwachungs-ähnlichen anwendung gehandhabt wird.
    muss doch ein klacks sein, mehrere kameras zu inSTALLieren und eine bestimmte anzahl von stall-shots am tag von einem zählprogramm auswerten zu lassen.

  3. Wenn gestandene Menschen einer Branche behaupten etwas wäre nicht zählbar, so scheinen diese eher mangelnde Eigeninitiative an den Tag zu legen.

    Methodik wäre so simpel wie einfach und ist in der Tierhaltung auch nicht unbekannt!

    Jedes Küken bekommt - ähnlich Kuh, kennt man auch bei Tauben - eine laufende Nummer. Praktischer Weise einen Metallring um den Fuss mit RFID-Tag.

    Somit ist der aktuelle Besatz sogar Onlinedokumentierbar in Echtzeit.

    Da ein Metallring genutzt wird gibt es auch keine Probleme im Schlachthof, Stückabrechnung und Nachverfolgbarkeit sind gewährleistet.

    Per Magnet bzw.später Metalldetektor können im Schlachthof die Metallringe separiert/detektiert werden. Bleiben also fern der Lebensmittelkette ( sauberer Bereich ).

    Rechnen wir die Kosten!
    Besatzzahlen gehen in die Millionen, ergo Massenprodukt, also geringer Preis. 1 Metallring mit RFID-Tag kostet WENIGER als ein Ei!!!

    Falls jemand dies simple und einfache Lösungsmodell zum Patent anmelden möchte und eine Firma damit gründet....bitte denkt an mich, könnte nen Job gut gebrauchen.

    Nur so am Rande, nebenbei

  4. Zum Impfen braucht man auch keine Teirärzte. Das können die Bauern auch selbst.

    Tierärzte verkaufen höchstens die Mittel.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service