Bio-Kontrollen : "Eier kann man schließlich zählen"

Landwirte in Niedersachsen haben ihre Ware falsch deklariert. Wie werden Hühnerbestände kontrolliert? Zwei Bioproduzenten aus Hessen gewähren Einblick.

DIE ZEIT: Können Sie uns erklären, wie Sie die Hühner in ihren Ställen zählen?

Thomas Häde: Wenn die schon im Stall rumlaufen, wird es schwierig mit Zählen. Das brächte viel zu viel Unruhe in den Stall.

Leonhard Häde: Man müsste die Hühner erst einfangen, und das geht eigentlich nur, wenn es dunkel ist. Gut, man könnte sie natürlich fotografieren und dann auf dem Foto nachzählen...

ZEIT: Wie wissen Sie denn dann überhaupt, wie viele Tiere bei Ihnen rumrennen?

Thomas und Leonhard Häde

leiten den Hof, der die Marke Sonnenei produziert.

Thomas Häde: Wir kriegen die Hühner als Eintagsküken und ziehen sie selber auf. Wenn sie groß genug sind, werden sie in den Stall reingezählt. Das ist kein Problem, da behält man die Übersicht. Auch ein Tierarzt von der Uni-Klinik Gießen ist an dem Tag dabei, so hat das auch immer einen offiziellen Charakter.

ZEIT: Wie aber überprüft ein Kontrolleur später die Bestände? Er war ja nicht dabei, als Sie »reinzählten«.

Leonhard Häde: Er entnimmt den Unterlagen, wie viele Tiere wir haben.

ZEIT: Schaut er sich nur die Zahl an, die Sie ihm vorlegen – und glaubt Ihnen einfach?

Leonhard Häde: Der guckt, wie viele Eier gelegt werden. Eier kann man schließlich zählen. Außerdem weiß er: Junge Hühner legen mehr, an 90 Prozent der Tage eins. Im Alter geht die Legeleistung langsam runter.

ZEIT: Der Kontrolleur rechnet.

Thomas Häde: Exakt. Holt ein Produzent mehr Eier aus dem Stall als Hühner hineinpassen, dann sind zu viele Hühner drin.

ZEIT: Greift der Kontrolleur auch zum Zollstock und misst nach, ob die Größe des Stalls stimmt?

Thomas Häde: Der Stall hat eine Zulassung, dort stehen die Maße so drin, wie das Bauamt sie genehmigt hat. Aber es kommen verschiedene Kontrollbehörden. Und ab und zu ist auch ein Beamter darunter, der mit dem Zollstock nachmisst. Zu uns kommen Kontrolleure vom Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen, außerdem Vertreter der Bio-Kontrollstelle und der Zulassungsstelle des Regierungspräsidiums.

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Kommentare

16 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Ich sehe da gewisse mathematische Schwierigkeiten.

"ZEIT: Wie aber überprüft ein Kontrolleur später die Bestände? Er war ja nicht dabei, als Sie »reinzählten«.

Leonhard Häde: Er entnimmt den Unterlagen, wie viele Tiere wir haben.

ZEIT: Schaut er sich nur die Zahl an, die Sie ihm vorlegen – und glaubt Ihnen einfach?

Leonhard Häde: Der guckt, wie viele Eier gelegt werden. Eier kann man schließlich zählen. Außerdem weiß er: Junge Hühner legen mehr, an 90 Prozent der Tage eins. Im Alter geht die Legeleistung langsam runter.

ZEIT: Der Kontrolleur rechnet.

Thomas Häde: Exakt. Holt ein Produzent mehr Eier aus dem Stall als Hühner hineinpassen, dann sind zu viele Hühner drin."

Dazu ein paar Fragen:

1. Lassen sich Eier leichter zählen als Hühner? Kann man nicht -wie in der Stochastik üblich- Stallausschnitte mit Hühnerbesiedlungsdichte bilden und auf die Gesamtfläche hochrechnen?

2. Wieviel Hühner passen denn in einen Stall? Wird das zwei- oder dreidimensional berechnet?

3. Woran ersieht der Kontrolleur das Alter der Hühner, um zu ermitteln, ob das Eiaufkommen jüngeren Hühnern geschuldet ist oder einer übermäßigen Dichte eines Althuhnbestandes?

4. Wie kann der Kontrolleur feststellen, ob Unterlagen echt sind oder variiert wurden?

5. (aber eher weit hergeholt) Wie ist sichergestellt, dass der Kontrolleur rechnen kann?

Soweit zum Zählen...

Zitat: "1. Lassen sich Eier leichter zählen als Hühner?"
Ja, sie bewegen sich nämlich nicht so hektisch und flattern nicht durcheinander.

Klar, der Kontrolleur kann zählen, zumindest bis zwhn, denn so viele Finger hat er! Dummerweise kann er aber auch nur das zählen, was man ihm vorsetzt. Wenn ich also zu viele Hühner im Stall habe und der Kontrolleur anhand der Eier die Zahl feststellen will, stelle ich ihm so viele Paletten Eier hin, wie Hühner in meinem Stall sein dürfen.

Wenn Jemand jemanden betrügen will, dann schafft er das. Besonders leicht geht das bei Beamten!

@2 Hu hu !

Zu schnell ? Ach was,

schaun Sie Mal, es ist doch noch viel einfacher:
Wenn Sie Bioeier produzieren, dürfen höchstens sechs Hühner auf einen Quadratmeter Stall kommen (..) . Schnäbel zu stutzen ist verboten.

Sich gegenseitig Federn ausrupfen oder hacken dann wohl aber nicht. Mit einiger Phantasie dürfte jedem normaldenkenden Menschen klar werden, was ein gemeinsamer Quadratmeter für 6 Hühner zu bedeuten hat.

Und dass des den Kohl nicht wirklich fetter macht, als die paar Zentimeter weniger, dafür aber mit Schnabel-ab ...

Die Hölle ...
und das nur, weil wir ohne Eierkuchen nicht satt werden können ?

Teirärzte

Tierärtze zum Hühner Zählen.

Die sind doch dafür ein bisschen überqualifiziert.

" es kommen verschiedene Kontrollbehörden "

Ist denn Landwirtschaft nur noch dazu da, das die Beamtenkaste zu beschäftigen ?

Es ist ein großer Unterschied zwischen Bio und Bio.

Es gibt Bioland und Demeter.

Und es gibt das ganze andere Zeugs an Bio-Siegeln, wo z.B. Äpfel nur 13 mal statt 15 mal gespritzt werden und dann Bio draufsteht.