CharakterMiss Verstanden

Frauen sind sanftmütiger, klüger, teamfähiger, ach, sie sind einfach die besseren Menschen. Unsere Autorin erklärt, warum das nicht stimmt. von Elisabeth Raether

Sind Frauen nicht nur schöner anzuschauen, haben sie auch den edleren Charakter? Dieser Frage muss man mal nachgehen in einer Zeit, in der viele glauben, Frauen könnten mit "weiblichen Tugenden" die Welt zu einem besseren Ort machen. Frauen gelten wie Hannelore Kraft und Angela Merkel als besonnene Politikerinnen, während Gerhard Schröder, der das Staatsbürgerschaftsrecht reformierte und die Eingetragene Lebenspartnerschaft für Homosexuelle einführte, nur noch "Testosteron-Kanzler" genannt wird. Das Deutsche Ärzteblatt schreibt, dass es Ärztinnen im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen nicht um Geld und Macht gehe, sondern um "Sinnfindung". Professorinnen seien frei von Forschernarzissmus, glaubt die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken, sie forschten aus Leidenschaft für ihre Disziplin. Frauen hätten ein "nicht so großes Ego", sagt Beiersdorf-Personalchef Ulrich Schmidt, sie verbreiteten "positiven Teamgeist". Sie seien überhaupt die besseren Vorgesetzten, behauptet die Journalistin Wibke Bruhns, eine ehemalige Ressortleiterin, und verweist auf sich selbst. Frauen seien die besseren Hedgefonds-Manager, schreibt die FAZ, die besseren Polizisten, schreibt der Spiegel, die besseren Friedensvermittler in Krisengebieten, schreibt die Frankfurter Rundschau.

Es hat immer Frauen gegeben, die gar nicht in dieses Bild passen, das sich viele derzeit von Weiblichkeit machen. Diese Frauen sind keine Extremfälle, die wir als untypisch abtun können. Dafür gibt es zu viele Beispiele in der Geschichte und in der Gegenwart, die belegen, dass jede schlechte Eigenschaft, die man Männern zuschreibt, auch bei Frauen vorkommt. Frauen sind gewalttätig, eitel, verlogen, unbeherrscht, habgierig, herablassend, unbelehrbar, fahrlässig, grob, laut, unordentlich, niederträchtig, egozentrisch. Frauen sind genauso böse wie Männer.

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Aus dem Alltag weiß das jeder. Genau wie Männer brechen Frauen Herzen, machen Witze auf Kosten anderer, lassen ihre Laune an Schwächeren aus. Sie können nicht zuhören, nehmen einem den Parkplatz weg und drängeln sich beim Bäcker vor. Sie vergessen Geburtstage und ein Dankeschön. Und fragt man einen Detektiv wie Marcus Lentz, Geschäftsführer der Detektei Lentz, einer der größten in Deutschland, stellt sich heraus, dass es auch beim Ehebruch in der Häufigkeit keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt. Trotzdem ist es den Frauen gelungen, sich das Image zu verleihen, sie seien empathischer als Männer – als hätten sie stets ein offenes Ohr für die Sorgen ihrer Mitmenschen.

Einigen Frauen wird es ganz recht sein, dass man annimmt, sie seien harmlos. Beate Zschäpe, die demnächst wegen Mord und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor dem Oberlandesgericht München steht, trat kürzlich im rosa Girlie-Shirt vor die Kamera des Bundeskriminalamtes – als käme es noch darauf an, den Schein zu wahren, so wie sie es laut Anklageschrift jahrelang für das rechtsradikale Terrortrio NSU getan hatte. Zufall, dass für diese Aufgabe eine Frau zuständig war? Sie versorgte die Katzen und grüßte die Nachbarn, während ihre Komplizen Menschen erschossen, die nicht in ihr Weltbild passten. Der Prozess wird zeigen, wie viel positiven Teamgeist Beate Zschäpe im NSU verbreitete.

Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin hieß ein erfolgreiches Frauenbuch von 1994, ein Ratgeber im Plauderton. Man traute Frauen einfach nicht zu, dass sie wirklich schlechte Menschen sein könnten. Das war etwa die Zeit, als die Serbin Biljana Plavšić im Jugoslawienkrieg ethnische Säuberungen anordnete, die Tausende Muslime das Leben kosteten. Plavšić war Stellvertreterin des Serbenführers Radovan Karadžić. Die Biologieprofessorin entdeckte im Krieg ihr Talent zur ultranationalistischen Rhetorik und bezeichnete die Muslime als "genetischen Irrtum im serbischen Körper". Einmal ließ sie 78 muslimische Kinder als Geiseln nehmen, um ihren Bruder und ihre Schwägerin aus dem Gefängnis in Sarajevo freizupressen.

Leserkommentare
    • Tala00
    • 28. Februar 2013 15:02 Uhr

    steht eine starke Frau. Das ist nicht nur ein dummer Spruch, sondern oft wahr, wenn man die Geschichte betrachtet. Kluge Frauen hatten immer Macht, nur halt nicht öffentlich. Aber sie haben ihre Männer beeinflusst, oftmals nicht zu knapp. Kleopatra, Katharina die Große, Frauen im Allgemeinen waren noch nie Heilige, außer vllt. in den Köpfen der Männer. Sie sind nicht besser oder schlechter, nur anders. Die Welt regiert von Frauen wäre nicht besser als die regiert von Männern, aber die Kombination der Beiden bietet durchaus Vorteile.

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    sagen es K.I.Z. im Track "Doitschland schafft sich ab": Hinter jedem bösen Mann, steht eine noch bösere, bösere Frau. Es handelt sich dabei natürlich um bitterböse Ironie und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen wären überraschend und rein zufällig.

  1. Die Denke, dass Frauen die besseren Menschen seien, führt auch zu verheerenden Folgen in der Sorgerechtspraxis. Wenn eine Frau den Vater ausgrenzt, so wird sie schon "gute Gründe" dafür haben, denn kein Mutter würde doch egoistisch handeln, eifersüchtig sein auf die Vater-Kind-Bindung oder den Nachwuchs als persönliches Eigentum betrachten.

    Eingehender und umfassender hat sich schon Arne Hoffmann des Themas in "Sind Frauen bessere Menschen?" angenommen, der zu den Klassikern der Männerrechtsliteratur zählt. Als Dank wird er regelmäßig von der feministischen Fraktion auf's Übelste diffamiert, z.B. als "rechts". Als EBook auf seinem Blog "Genderama" zu haben.

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    ...wird unter konservativen (männlein sowie auch weiblein) noch immer steif behauptet, dass männer keine (klein)kinder erziehen können. entsprechend traurig sieht auch die karenzstatistik aus. solange männer sich sowenig in der kindererziehung engagieren, wird sich auch das sorgerecht nicht ändern. erst wenn der bedarf dringend wird, tut sich was. und selbstmitleid hat auch noch niemals etwas bewirkt.

  2. wenn sein Geschlecht pauschal als gewalttätig, unempathisch, herrschsüchtig, rücksichtslos und unästhetisch dargestellt wird. Denn schließlich ist damit jedes Individuum angesprochen. Geschlechtszuschreibungen kann mann/frau sich schwer entziehen, auch wenn sie eindeutig widerlegt sind.

    Der teils vehemente Widerspruch dagegen (im hiesigen Forum fliegen da regelmäßig die Fetzen) ist verständlich.
    Niemand möchte wegen seines angeborenen Geschlechts mit (vorwiegend) negativen Eigenschaften assoziiert werden.

    Es sollte aber dabei nicht vergessen werden, daß genau das Jahrtausende lang mit Frauen getan wurde. Sie galten als geistig minderbemittelt, ihnen wurden eine Seele (und damit Würde) sowie außer Kindergebären die meisten Fähigkeiten abgesprochen. Aufgrund dieser Zuschreibungen wurden Frauen Bürgerrechte, Bildung, freie Meinungsäußerung und eigener Besitz versagt. Es wird nicht ohne Folgen für das kollektive weibliche Bewußtsein geblieben sein.

    Der - vergleichsweise folgenarmen - rhetorischen Geringschätzung, die Männern heute entgegenschlägt, sind Männer glücklicherweise bei weitem nicht so machtlos ausgeliefert.
    Insofern: Nein, Frauen sind nicht die besseren Menschen.
    Aber auch: Nein, Männer sind keine Opfer.

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    Die Gesellschaftsordnungen wurden schon immer von Frauen mitgetragen, und für jeden Nachteil, den sie erlitt, genoss sie ein exklusives Privileg. Der Historiker Martin van Creveld, der die Geschlechterverhältnisse von der Antike bis zur Moderne unter die Lupe nahm, kam zum Schluss, dass das eigentlich bevorzugte Geschlecht das Weibliche war. Was hätte die Bäuerin im Mittelalter auch schon zu gewinnen gehabt, wenn sie sich gegen das "Patriarchat" aufgelehnt hätte? Das Leben ihres Mannes? Nein danke. Die Frauenbewegung kam erst dann richtig in Fahrt, als es immer mehr gute Jobs gab, erst dann blies man zum Sturm auf "Die Hälfte des Himmels", wohingegen die echten Dreckjobs nach wie vor Männersache bleiben. Noch die Nachkriegsfrauen haben sich gegen die SPD und für die CDU entschieden, ein klares Veto, dass ihnen Heim und Herd lieber waren als außerhäusliche Schufterei.

    • tgoff
    • 28. Februar 2013 18:45 Uhr

    Frauen haben sich von sich selbst ein Idealbild von sich gebastelt, das es so nie gegeben hat. Hierzu ein Link.

    http://www.freitag.de/autoren/sidney-davenport/grunderin-der-frauenhausb...

    Jetzt leiten Sie daraus, das Recht ab, sich zu wehren (!)?
    Aus der Studie von Prof. Budde gibt es ein schönes Beispiel.
    Lehrern werden Fotos vorgelegt.

    Junge schlägt Mädchen. „Junge muss bestraft werden“.
    Mädchen schlägt Jungen. „Mädchen wehrt sich“.

    Die Frau wird immer ohne jede Hinterfragung als Opfer gesehen.

    • ijuedt
    • 28. Februar 2013 20:55 Uhr

    ... dann verteidigen wir eben den nächsten? Nein, Frau Kassandra - auch bei Ihren anderen beiden Behauptungen handelt es sich um Legenden - oder genauer gesagt: um Halbwahrheiten, die aus einer historischen und empirischen Bilanzfälschung resultieren.

    Denn auch in dem "jahrtausende langen" Zeitraum der vormodernen Geschichte zahlen Männer ihren eigenen, spezifischen Preis dafür, Männer zu sein: nur ein Bruchteil von ihnen übt gesellschaftliche Herrschaft aus, und es sind stets Männer, die zur Verteidigung (oder zum kriegerischen Erwerb) von Kollektivgütern der eigenen Gruppe in Krieg und Arbeitssklaverei verheizt werden. Und daher sind Männer hier selbstverständlich auch Opfer!

    Man muss schon ziemlich geschichtsblind sein, um ernsthaft zu behaupten, dass der Ausschluss von "Bürgerrechte, Bildung, freie Meinungsäußerung und eigenem Besitz" historisch immer nur Frauen getroffen habe und nicht auch die Männer der herrschaftsunterworfenen Klassen.

    [...]

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    • minhen
    • 01. März 2013 10:38 Uhr

    Wenn Sie wirklich glauben, die Dämonisierung eines Geschlechts und die Zuschreibung von Gewalttätigkeit und Kriminalität bleibe folgenarm, dann empfehle ich Ihnen folgende Lektüre:
    http://www.zeit.de/2012/16/DOS-Maenner

    Für weitere Auswirkungen aber auch:
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-07/arbeitslose-sanktionen-frauen-maenner

    Wir sind alle Opfer ein und desselben Sexismus. Sexismus gegen Frauen ist eine Seite der Medaille. Sexismus gegen Männer die andere. Sie können nicht die eine Seite beseitigen, ohne auch die andere anzugehen.

    • ijuedt
    • 01. März 2013 10:40 Uhr

    ... ein Teil meines Postings wegen "Unsachlichkeit" gekürzt wurde, fasse ich das, was ich sagen wollte, noch mal in einem Satz zusammen: die Aussage "Nein, Männer sind keine Opfer" stellt in sich selbst einen sexistischen, ideologischen Gewaltakt dar, der an den Tatsachen völlig vorbeigeht.

    • salve
    • 28. Februar 2013 16:12 Uhr

    Sehr guter Artikel!
    Fr.Ceaucescu und Fr.Honecker auf eine Stufe zu stellen verharmlost die eine und dämonisiert grundlos die andere.
    ---
    Noch ein schönes Beispiel für weibliche Realpolitik:
    https://www.youtube.com/watch?v=ApmPMRc_44k

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    • ddorade
    • 28. Februar 2013 16:13 Uhr

    die "gute Frau" ...

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  3. Genau auf den Punkt gebracht: Klarstellende Worte zu einer offensichtlich falschen Grundannahme, die sich auf leisen Sohlen in die Gesellschaft eingeschlichen und inzwischen zu einer erheblich verzerrten Wahrnehmung von Männern und Frauen geführt hat. Diese "Miss Wahrnehmung" führt zu einem Zustand der pauschalen Einteilung in bessere und schlechtere Menschen, hier beliebigerweise nach der Variablen "Geschlecht". Das war noch nie gut! Und das ist bezeichnenderweise genau der Zustand, gegen den v.a. Frauen ihrerzeit (zurecht und überfälligerweise) vorgegangen sind - nur trifft es heute die Männer. Und das soll nun besser sein!? Hier ist man klar über das Ziel hinausgeschossen. Natürlich gibt es auch noch Frauen, die benachteiligt werden, und das sollte sich ändern. Aber ist es heute nicht das Bewusstsein für eine Benachteiligung von Männern, das im Vergleich zum weiblichen Pendant inzwischen viel zu gering ausgeprägt ist? Wir wollen doch nicht noch einen Geschlechterkampf! Bzw. wer das will und aktiv fördert, ob Mann oder Frau, sollte seine Motivation und sein Tun gründlichst hinterfragen (hoffentlich ist das nicht zu viel verlangt). Das Ziel muss ein entspanntes, faires Mit- und Nebeneinander sowie Gerechtigkeit sein - und zwar für alle!

    7 Leserempfehlungen
  4. Die Gesellschaftsordnungen wurden schon immer von Frauen mitgetragen, und für jeden Nachteil, den sie erlitt, genoss sie ein exklusives Privileg. Der Historiker Martin van Creveld, der die Geschlechterverhältnisse von der Antike bis zur Moderne unter die Lupe nahm, kam zum Schluss, dass das eigentlich bevorzugte Geschlecht das Weibliche war. Was hätte die Bäuerin im Mittelalter auch schon zu gewinnen gehabt, wenn sie sich gegen das "Patriarchat" aufgelehnt hätte? Das Leben ihres Mannes? Nein danke. Die Frauenbewegung kam erst dann richtig in Fahrt, als es immer mehr gute Jobs gab, erst dann blies man zum Sturm auf "Die Hälfte des Himmels", wohingegen die echten Dreckjobs nach wie vor Männersache bleiben. Noch die Nachkriegsfrauen haben sich gegen die SPD und für die CDU entschieden, ein klares Veto, dass ihnen Heim und Herd lieber waren als außerhäusliche Schufterei.

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    sowie putzfrau und kranken/altenpflegerin...? sorry, dein kommentar trieft vor ideologie und selbstmitleid.

    Heim undHerd waren eine besonders wichtige, schwere, verantwortliche und nichts weniger für die Familie profitbringende Aufgabe.

    Die Zeiten ändern sich und es ist gut so, aber deswegen einfach zu vergessen wie diese Rolle der Hausfrau unterschätzt war und noch immer ist, spricht nicht von Hausfrauen damals oder heute, sondern von sozialen Wurzeln der Vorurteilen solcher herabsetzenden Meinungen.

    • raflix
    • 01. März 2013 11:15 Uhr

    ... ist nun wirklich lächerlich. Schauen sie sich mal die arabischen Staaten an, wo es immer noch zugeht wie bei uns im Mittelalter - und dann sprechen wir nochmal drüber. Oder was genau ist daran Bevorzugung, wenn man sein Leben lang als unmündig angesehen wird, nicht studieren darf, in der Ehe vergewaltigt werden darf usw.? Also wirklich.

    ..., der wegen seiner zweifelhaften Kampfthesen, die jeden seriösen und methodischen Standard vermissen ließen, von der Uni Trier geflogen ist?

    Ich frage mich, was in Männern wie van Creveld vorgeht, daß sie sich nicht schämen, mit derart unseriösen und erbärmlichen Methoden ihr männliches Selbstwertgefühl aufzupolieren.

    • Davos08
    • 28. Februar 2013 18:13 Uhr

    Oh Gott: Die Männerrechtler haben sogar die Zeit-Redaktion infiltriert: Frau Schwarzer, helfen Sie uns! Sie sind doch eine Frau, und Frauen, haben Sie uns immer weis zu machen versucht, seien ja die besseren Menschen und könnten die Welt retten! Stimmt das etwa nicht? Oder wird die Zeit einfach langsam rechtsextrem..?! *Ironiemodus off* Wär' ja noch schöner gewesen, wenn sich dieser feministische Lieblingsbiologismus- Frau gut, Mann schlecht- in unserer ohnehin schon stark ramponierten Denkkultur durchgesetzt hätte! Langsam nimmt die Geschlechterdebatte richtig menschliche Züge an: Da wird auch die SPD ihren einst gefassten Vorsatz, die männliche Welt überwinden zu wollen, noch einmal überdenken müssen...

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