Integration"Mich hat das angestachelt"

Drei Einwandererkinder über eine gerechtere Schule und ihren eigenen Weg in die große Politik. von  und

DIE ZEIT: In einem halben Jahr wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Sie alle haben eine Einwanderungsgeschichte und sind politisch aktiv. Sind Sie zufrieden mit der Integrationspolitik der Regierung?

Agnieszka Brugger: Nein. Weil ich nicht das Gefühl habe, dass jeder unabhängig von seinem Geschlecht oder seiner Herkunft die gleichen Chancen hat. Das gilt natürlich vor allem auch für Menschen mit Migrationshintergrund. Die Politik könnte noch viel mehr tun, um mehr Chancengleichheit herzustellen. Der entscheidende Hebel ist dabei die Bildung.

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Taner Ünalgan: Ich habe den Eindruck, dass es niemanden in dieser Regierung gibt, der wirklich hinter dem Thema steht und es entsprechend ernst nimmt.

Younes Ouaqasse: Ich glaube schon, dass sich sehr viel in Sachen Integrationspolitik getan hat, gerade unter der Kanzlerin Angela Merkel, es gab Integrationsgipfel und Islamkonferenzen.

ZEIT: Nervt Sie eigentlich der Begriff Migrationshintergrund?

Ouaqasse: Ich benutze den Begriff nicht gern. Seit meinem 16. Lebensjahr sage ich: Ich bin ein deutscher Europäer mit marokkanischen Wurzeln. Ich bin Deutscher, beherrsche die deutsche Sprache besser als die arabische, aber meine Wurzeln liegen in Marokko, und es ist immer gut zu wissen, wo die Wurzeln sind.

Agnieszka Brugger

Agnieszka Brugger wurde 1985 in Legnica, Polen, geboren. Mit vier Jahren kam sie nach Dortmund. Nach dem Abitur studierte sie in Tübingen Politik. Seit 2009 ist sie für die Grünen im Bundestag.

Brugger: Mich stört das gar nicht so. "Menschen mit Migrationshintergrund", das klingt doch auch nach Vielfalt, nach Bereicherung. So empfinde ich auch die beiden kulturellen Hintergründe, die ich habe. Den Großteil meines Lebens habe ich in Deutschland verbracht, und das hat mich geprägt. Ich spreche viel besser Deutsch als Polnisch. Ich fühle mich als Europäerin, in der sich das Polnische und das Deutsche treffen. Das finde ich sehr schön.

Ünalgan: Ehrlich gesagt, mich nervt das total. Und auch, dass es selbst in der SPD Leute gibt, und ich meine nicht die Sarrazins, die mich fragen, ob ich denn jetzt unter die Islamisten gegangen sei, nur weil mein Bart etwas gewachsen ist.

ZEIT: Wenn in Deutschland über Integration und Chancengerechtigkeit gesprochen wird, geht es meist um die sogenannten Bildungsverlierer, junge Menschen, die die Hauptschule ohne Perspektive verlassen. Bei Ihnen war es anders, Sie alle haben Abitur. Was könnte man aus Ihren Geschichten lernen?

Ouaqasse: Bei mir gab es einen Moment auf der Hauptschule, da hat es plötzlich klick gemacht. Ich war in der neunten Klasse, hatte mein Halbjahreszeugnis mit einem Schnitt von 3,7 in der Hand und habe mich auf einmal gefragt: Was machst du denn eigentlich in einem halben Jahr, wenn du hier raus bist?

Leserkommentare
  1. Es kann doch nicht sein, daß sich jemand damit entschuldigt, daß er/sie einen Mirationhintergrund hat. Es muß einfach klar sein, daß in Deutschland halt Deutsch gesprochen wird, weil es die Landessprache ist. Also wäre es gut die Kinder möglichst früh in den Kindergarten zubringen, damit es die Sprache lernt.(Herdprämie ist da sehr sehr ungünstig!) Und wichtig ist bildungsfernen Familien [...] Bildung nahe zubringen. Das ist natürlich auch ein Problem etlicher hiesigen Landsleute (wieder ist die "Herdprämie ungünstig). Ein guter Bekanter von uns lernte deutsch so intensiv, dass er alle Prüfungen in dieser Sprache ablegte. Er hat später eine Frau aus seinem Geburtsland geheiratet, die aber keine Sprache lernen wollte und gerade deshalb wäre er fast gestorben. Sie konnte noch nicht einmal Hilfe per Telefon rufen!

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unnötige Polemik. Danke, die Redaktion/sam

    Eine Leserempfehlung
    • galun
    • 03. Juni 2013 15:24 Uhr

    An dem Bericht oben sieht man das zwischen den Migranten selbst unterschiedliche Einstellungen herrschen.
    Jeder ist anders aufgewachsen hat eine andere Lebensgeschichte. Für die Integration sind deshalb nachfolgende Punkte von großer Bedeutung:
    sozialer Hintergrund
    Bildung
    Kultur
    Religion
    Familie
    Für mich ist es wichtig warum will ich überhaupt auswandern, die wenigsten haben einen wirklich politischen Hintergrund. Und ich finde das Deutschland als Beispiel wirklich nicht ein so tolles Land ist um dorthin zu immigrieren. Ich will niemanden etwas unterstellen, aber gerade von Immigranten hört man sehr viel wie sie sich herablassend über Deutschland unterhalten. Ich denke alle Immigranten haben sehr viele Wünsche und vor allem große Erwartungen an ihr Immigrationsland aber eines wollen sie auf keinen Fall irgendetwas aufgeben oder der Gesellschaft etwas zuführen. Es gibt immer Ausnahmen. Das ist im o.g. Bericht zu erkennen manche wollen zwei Staatsbürgerschaften behalten, das heißt auf zwei Hochzeiten tanzen. Wenn es mit Deutschland nichts wird dann kann man ja wieder in seine Heimat zurückkehren. Es gibt viele Varianten die man sich ausmalen kann.

    • galun
    • 03. Juni 2013 15:25 Uhr

    Dann ein Muslim tritt in eine christliche Partei ein. Wenn sich der Islam auf Judentum, Christentum aufbaut warum besteht dann zwischen ihnen so eine Uneinigkeit. und die Menschen bekämpfen sich einander. Ich finde dass jeder die gleichen Bildungsmöglichkeiten haben sollte, aber auch die gleichen Rechte und Pflichten wie alle Bürger hier.
    Es kann aber nicht sein das Schuldzuweisungen getroffen werden wenn ein Deutscher in seinem Lande mehr Möglichkeiten erhält als ein sogenannter Immigrant. Warum soll es nicht so sein, da kann man doch niemanden einen Vorwurf machen wenn ein Arbeitgeber lieber einen Deutschen als einen Afrikaner einstellt. Das sollte man nicht pauschalisieren und als rassistisch auslegen. Ich bin als deutscher Arbeitgeber nicht verpflichtet einen Immigranten einzustellen. Es zählt Fachwissen, Kompetenz und Überzeugungskraft und trotzdem würde ich mich für einen Deutschen entscheiden, weil es eine deutsche Firma ist und das ist auch mein Recht.

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