Auf Rainer Kling ruhen die Hoffnungen vieler Glühlampenhersteller. Kling ist Ingenieur, und alles, was man von ihm oder über ihn lesen kann, hat mit Licht zu tun: das Thema seiner Doktorarbeit (Untersuchungen an hocheffizienten Excimerentladungslampen), seine Berufserfahrung beim Lampenhersteller Osram, sein Vorsitz bei der Lichttechnischen Gesellschaft Baden. Heute arbeitet Kling am Karlsruher Institut für Technologie.

Zwei Jahre lang haben er und sein Team dort geforscht, bis ein Prototyp fertig war: die weltweit erste Kompaktleuchtstofflampe, die ohne Quecksilber auskommt. Im April wird sie auf der Research-&-Technology-Messe in Hannover der Öffentlichkeit präsentiert.

Tausende Musterlampen haben Kling und seine Kollegen gebaut, bis sie die Lampe hatten, von der sie glauben, dass sie endlich in heimische Wohnzimmer, über Esstische und in Leseleuchten passt. Kling sagt: »Unsere Lampe leuchtet sofort, ihr Licht ist brillant und hat eine Farbe, die der der Glühlampe sehr ähnlich ist. Und sie lässt sich dimmen.« Im vergangenen Jahr, als er das Zwischenergebnis auf einer Messe in Frankfurt präsentierte, waren die Leute begeistert. »Die hätten mir die Lampen aus der Hand gerissen, am Stand hätte ich ohne Probleme Tausende verkaufen können.«

Die meisten Energiesparlampen landen immer noch im Hausmüll

Kein Wunder. Seit 2009 ist die Glühbirne stufenweise verboten worden – ohne dass die Verbraucher eine gute Alternative hatten. LED-Lampen sind (noch) teuer, Halogenstrahler verbrauchen sehr viel Strom und halten nicht lange. Bleibt die Kompaktleuchtstofflampe, genannt: Energiesparlampe. Eine Übergangslösung, bei der es noch viele Probleme gibt. Zu lange dauere es, bis die Energiesparlampe wirklich leuchte, sagen viele. Zu kalt sei ihr Licht. Einer Umfrage des Lampenherstellers Osram zufolge achten Kunden – außer auf einen geringen Stromverbrauch und lange Lebensdauer – auf Helligkeit und Lichtfarbe. Inzwischen haben viele Hersteller reagiert, die meisten Energiesparlampen leuchten nicht mehr ganz so kalt und bläulich.

Aber dann ist da noch die Sache mit dem Quecksilber. 2012 kam der Dokumentarfilm Bulb Fiction in die Kinos, Thema: die Verschwörung der Leuchtmittelindustrie. Genauer: das böse Quecksilber in Energiesparlampen.

Die Hauptfigur des Films heißt Max, ein Kind, das krank wird, als im Haus der Eltern eine brennende Energiesparlampe zerbricht. Bis zum Schluss des Films bleibt jedoch unklar, woran genau Max erkrankt ist – und ob die Erkrankung wirklich durch das Quecksilber ausgelöst wurde.

Trotzdem sind seitdem gerade Eltern besorgt. Zum Jahreswechsel ist der Grenzwert, der festlegt, wie viel Quecksilber in einer Energiesparlampe enthalten sein darf, noch einmal gesenkt worden, auf 2,5 Milligramm. Geht eine Energiesparlampe zu Bruch, verdampft das giftige Schwermetall bei Zimmertemperatur zwar, wer jedoch gut lüfte – empfohlen wird eine Viertelstunde –, dem könne nichts passieren, sagt das Deutsche Umweltbundesamt (UBA).

Bleibt die Frage, wie man das Metall entsorgt. Es ist eine Frage, mit der sich Jochen Flasbarth genauer beschäftigt hat. Flasbarth ist Präsident des Umweltbundesamtes, im Dezember vergangenen Jahres twitterte er: »Warum kann man eigentlich bei dm alte Energiesparlampen zurückbringen (gut!) und bei Rossmann, Edeka, Rewe & Co. nicht?« Man könnte meinen, dass Flasbarth die Antwort kennen müsste, schließlich sind Energiesparlampen ein Umweltthema – und damit sein Thema. Für ihn antwortet Michael Angrick, UBA-Fachbereichsleiter für nachhaltige Produktion: »Im Elektrogesetz ist die sogenannte geteilte Produktverantwortung verankert. Die Hersteller sind für die Entsorgung der Altlampen verantwortlich, aber nicht verpflichtet, alte Energiesparlampen und andere Lampen zu sammeln.«

Dem Elektrogesetz ging die europaweite Regelung der Rücknahme und Verwertung von Elektrogeräten voraus. Alle 27 Mitgliedsstaaten wurden damals angewiesen, die Richtlinien in nationale Gesetze umzusetzen. Das Elektrogesetz sieht vor, dass die Kommunen für die Sammlung und die Hersteller für die Entsorgung verantwortlich sind. Alte Geräte kann der Verbraucher also bei einer kommunalen Sammelstelle abgeben, in der Regel beim Recyclinghof. Aber wegen einer Energiesparlampe extra dorthin fahren?