Doch nicht nur die Drogeriemarktkette dm nimmt ausgediente Energiesparlampen zurück. Bereits seit Mai 2012 bietet auch Rossmann diesen Service an, man muss die Verkäufer jedoch gezielt ansprechen. Nur 50 Filialen haben einen speziellen Rücknahmebehälter; weiße Fähnchen am Lampenregal weisen darauf hin.

Baumärkte wie Toom oder Bauhaus nehmen ebenfalls gebrauchte Energiesparlampen zurück, jedenfalls theoretisch. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) testete kürzlich die Rückgabemöglichkeiten in mehr als hundert Baumärkten, das Ergebnis: »mittelmäßig bis mangelhaft«. Zahlreiche Baumärkte erschwerten den Kunden die Abgabe von Energiesparlampen: »In einem Drittel der getesteten Baumärkte informierten Mitarbeiter auch auf mehrfaches Nachfragen nicht über Entsorgungsmöglichkeiten von Energiesparlampen«, sagt DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch.

In Deutschland gibt es inzwischen mehr als 9.000 Rücknahmestellen, zwei Drittel davon im Handel, ein Drittel sind kommunale Sammelstellen wie Wertstoffhöfe. Das Unternehmen Lightcycle, gegründet von Lichtherstellern, kümmert sich um die Abholung. Die Altlampen werden in eine Entsorgungsanlage gebracht. Doch nur 40 Prozent der Energiesparlampen werden überhaupt zurückgegeben, die gewerbliche Nutzung mitgerechnet, die laut Deutscher Umwelthilfe den größten Teil ausmacht. Das heißt: Der Großteil landet im Hausmüll und das Quecksilber damit in Boden und Grundwasser. Das Öko-Institut rechnet vor, dass das immerhin besser sei, als die eingesparte Energie in Kohlekraftwerken zu produzieren. Auch die emittieren Quecksilber.

Viel Strom wird hierzulande aus Kohleverbrennung gewonnen. Bei der Herstellung treten laut Öko-Institut pro Kilowattstunde 0,0147 Milligramm Quecksilber aus. Ein Beispiel: Bei einer täglichen Brenndauer von drei Stunden emittiert eine 60-Watt-Glühlampe durch ihren Stromverbrauch knapp ein Milligramm Quecksilber pro Jahr, eine vergleichbare 11-Watt-Energiesparlampe dagegen nur 0,2 Milligramm. Selbst wenn sie nicht ordnungsgemäß entsorgt wird: Durch den eingesparten Strom verursacht sie noch immer geringere Quecksilberemissionen als die 60-Watt-Glühlampe. Darüber hat noch niemand einen Film gedreht.

Derzeit wird diskutiert, ob man den Handel zur Annahme von gebrauchten Energiesparlampen verpflichten soll. Bei Batterien ist das schon seit Längerem so, in Deutschland gibt es seitdem zwischen 140.000 und 170.000 Rücknahmestellen.

Der Entwurf des neuen Elektrogesetzes liegt noch immer auf dem Schreibtisch von Umweltminister Peter Altmaier. Darin soll auch die Handelsverpflichtung geregelt werden. Das Umweltbundesamt, das die Bundesregierung wissenschaftlich unterstützen soll, plädiert dafür.

Quecksilber neben Lebensmitteln – eine beängstigende Vorstellung

Ob das Elektrogesetz noch vor der Bundestagswahl im Herbst verabschiedet wird, ist unklar; Deutschland hat noch bis Februar 2014 Zeit, die neue Richtlinie umzusetzen. Unklar ist auch, ob die Handelsverpflichtung enthalten sein wird. Dem Entwurf müsste auch das Wirtschaftsministerium zustimmen, der Handel protestiert schon jetzt. Die Argumente vieler Supermarktketten: Man brauchte mehr Mitarbeiter und mehr Ladenfläche. Kleine Supermärkte, etwa in Bahnhöfen, haben kaum Stellfläche. Um entsprechende Sicherheitsmaßnahmen treffen zu können, brauchte man jedoch mehr Platz. Und anders als in Drogeriemarktketten oder Baumärkten werde im Supermarkt Frischware verkauft – und die vertrage sich nicht mit Quecksilber.

Aber was passiert wirklich, wenn so eine Lampe in einem Supermarkt zerbricht?

Das Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz Aschaffenburg überprüfte jüngst die Sicherheit von Sammelstellen für Altlampen, das Ergebnis: Es sei nicht zu befürchten, dass die Energiesparlampen beim Einwurf in eine solche Box zerbrechen. Sollten sie dennoch zu Bruch gehen und sollte das Quecksilber austreten, sei das gesundheitlich unbedenklich. Es wurde auch gemessen, wie hoch der Quecksilbergehalt ist, wenn 15 Energiesparlampen in einem Verbrauchermarkt bei 32 Grad Celcius Raumtemperatur gleichzeitig zerbrächen. Auch hier: keine Gefahr für die Gesundheit.

Rainer Klings Lampe ist aber ohne Zweifel sicherer, sie kann im Hausmüll entsorgt werden. Nun sollen Gespräche mit großen Lampenherstellern geführt werden.

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