SchiffsfondsVorsicht vor Subventionen

Die Pleitewelle bei Schiffsfonds offenbart, wie gefährlich staatlich gewährte Vorteile für Anleger sein können. von Daniel Schönwitz

Die Bundesbank ist für gewöhnlich zurückhaltend, doch was sich derzeit an den Schiffsmärkten abspielt, veranlasste Vorstandsmitglied Andreas Dombret zu einer recht deutlichen Warnung: Die Schifffahrtskrise stelle ein »beträchtliches« Risiko im Bankensektor dar, sagte er vergangene Woche vor Bankern in Hamburg. Banken, so Dombret, hätten mehr als 100 Milliarden Euro an Krediten für Schiffskäufe bereitgestellt. Die Bankenaufsicht analysiere die betroffenen Institute deshalb »seit einiger Zeit besonders aufmerksam«.

Denn die Beträge, die Reedereien für das Mieten von Schiffen zahlen müssen, sind deutlich gesunken; daher kassieren die Eigentümer – in aller Regel sogenannte Schiffsfonds – deutlich weniger als geplant. Viele können deshalb ihre Kredite nicht mehr bedienen, geschweige denn Renditen an ihre Investoren ausschütten. Auch die Schiffsfonds-Anleger trifft die Krise daher mit voller Wucht: Oft müssen sie ihr Investment komplett abschreiben. Zuletzt blieb rund 7.000 Anlegern der MPC Offen Flotte, mit 14 Schiffen einer der größten Fonds, nichts anderes übrig, als dem Notverkauf der Schiffe zuzustimmen. Von ihrem eingezahlten Geld – insgesamt rund 180 Millionen Euro – sehen sie nun wohl keinen Cent wieder. Das hieße dann: Totalverlust.

Anzeige

Tausenden Anlegern steht dies noch bevor. Fast 300 Fonds seien Sanierungsfälle, hat das Analysehaus Deutsche Fondsresearch ermittelt. Mehr als 150 Pleiten oder Notverkäufe wurden in den vergangenen Monaten gemeldet. »Wöchentlich gibt es neue Hiobsbotschaften«, sagt der Heidelberger Anlegeranwalt Mathias Nittel. Das Desaster ruft nun auch die Politik auf den Plan. »Es ist ein Fehler, Investitionen in Schiffe steuerlich massiv zu fördern«, sagt Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen. »Dadurch war es für die Branche ein Kinderspiel, Scharen von Anlegern anzulocken. Das hat zu erheblichen Überkapazitäten geführt.« Schick fordert deshalb eine Reform der niedrigen Tonnagesteuer für Schiffseigner.

Tonnagesteuer

Schiffsinvestoren müssen nicht ihren Gewinn versteuern, sondern eine pauschale Abgabe zahlen, die sich an der Größe des Schiffes orientiert – genauer gesagt an der Nettoraumzahl oder eben der Tonnage. Das führt in der Regel zu einer Steuerlast von weniger als fünf Prozent des Gewinns. Die Abgeltungssteuer für Kapitalerträge liegt dagegen bei 25 Prozent

Tatsächlich zeigt die Pleitewelle bei Schiffsfonds: Wenn der Staat mit Steuervorteilen oder anderen Subventionen lockt, sollten Anleger vorsichtig werden. Denn die Eingriffe schaffen eine künstliche Nachfrage – und bergen somit die Gefahr, dass eine Blase entsteht, deren Platzen Ersparnisse vernichtet. Was anfangs vielversprechend aussieht, kann deshalb mittelfristig zum Fehlinvestment werden. »Ich rate bei Investitionen auf staatlich beeinflussten Märkten zu größter Vorsicht«, sagt Andreas Zittlau, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Privacon in Bonn. »Es besteht die große Gefahr, dass diese Anreize Fehlallokationen auslösen.« Dieses Problem entsteht durch ein Zusammenspiel von Politik und Finanzbranche: Manager entwickeln eigens Fonds und nutzen die staatlich gesetzten Anreize gegenüber Kunden als Verkaufsargument. Wer so handelt, kann Millionen einsammeln und einen Teil davon als Verkaufsgebühren in die eigene Tasche stecken.

Nach Angaben des Analysehauses Feri haben Schiffsfondsanbieter seit 2003 mehr als 19 Milliarden Euro bei Anlegern eingesammelt. Rund 20 Prozent davon haben laut Rating-Agentur Scope Fondsanbieter und Finanzvermittler abgegriffen. Der Verkauf der Fondsanteile war oft ein Kinderspiel. »Leider werden viele Anleger sehr schnell hellhörig, wenn ihnen jemand steuerliche Vorteile in Aussicht stellt«, sagt Vermögensverwalter Zittlau. »In fast jedem Beratungsgespräch wurde das Thema von den Bankberatern angesprochen«, berichtet Anwalt Nittel, der zahlreiche geschädigte Anleger vertritt.

Die Reeder wehrten sich nicht: Weil die Fonds immer mehr Schiffe kauften und vermieteten, konnten sie ihre Flotten mit geringem Risiko vergrößern; sie waren ja nur Mieter, die Anleger hafteten für Verluste. Viele Fonds hätten auch 2007 und 2008 noch Schiffe geordert, obwohl längst klar war, dass Überkapazitäten entstehen und infolgedessen die Schiffsmieten einbrechen würden, kritisiert Nittel.

Der Investitionsboom in Deutschland sorgte maßgeblich dafür, dass nun zu viele Schiffe auf den Ozeanen kreuzen. Viel zu viele: Der Harper Petersen Index (Harpex), der die Charterraten für Containerschiffe abbildet, liegt derzeit bei weniger als 400 Punkten. Zum Vergleich: Der Durchschnitt der letzten zehn Jahre lag bei knapp 1.000 Punkten. Selbst die jüngste konjunkturelle Erholung hat also nicht für Entspannung gesorgt; zu groß sind die Überkapazitäten, die vor der Krise aufgebaut wurden.

Leserkommentare
  1. "Investitionen auf staatlich beeinflussten Märkten ... "

    Das gilt auch für die Aktien der ehemaligen Behörden Teleschlaf, Schneckenpost und Bimmelbahn.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...und anderen, staatlich geförderten Anlagemist zugunsten Maschmeyers et.al.

  2. Wie ich das Argument verstanden habe.

    "Wenn steuerliche Anreize winken, werden die Investoren deppert und schauen nicht mehr wo sie ihr Geld reinpumpen. Danach verlieren sie es oft.Das ist ein schlechter Zustand und sollte verhindert werden."

    Was bleibt da noch zu sagen außer: Selbst schuld. Man kann die Leute nicht vor ihrer eigenen Dummheit schützen. Eventuell kann man ja am Beratungssystem schrauben, das sieht hier ziemlich mies provisionsgetrieben aus.

    Deswegen zu fordern, dass wir auf die Möglichkeit verzichten sollen gewisse politisch gewünschte Effekte über staatliche Anreize zu schaffen, halte ich für eine Frechheit.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • GDH
    • 12. März 2013 18:11 Uhr

    Sie schreiben:
    "Deswegen zu fordern, dass wir auf die Möglichkeit verzichten sollen gewisse politisch gewünschte Effekte über staatliche Anreize zu schaffen, halte ich für eine Frechheit."

    Bei Anreizen für das Ergebnis (z.B. ins Netz eingespeiste Energie bei Einspeisevergütungen) bin ich bei Ihnen. Hier wird kein Geldanlegen mit Steuervorteilen gelockt (die Solar- und Windinvestoren zahlen die gleichen Steuern auf ihre Gewinne wie bei sonstigen Aktion, Anleihen usw. auch) sondern es werden Anreize für etwas geschaffen, das gewollt ist.

    Bei Schiffs- und Filmfonds hingegen geht es um Anreize für den Anleger (der zahl u.U. weniger Steuern). Sowas ist grundsätzlich kein guter Weg. Wenn man ein bestimmtes Ergebnis will, sollte man für dieses auch bezahlen (egal woher das Geld kommt) anstatt bestimmte Anleger über Steuern dazu zu motivieren, genau ihr Geld in bestimmte Produkte zu stecken. Subventionen für Bausparen und so gehören für mich ebenfalls in letztere Kategorie (und treiben Anleger in Produkte, bei denen besonders viele Gebühren anfallen).

  3. Ich erinnere mich noch sehr gut wie vor etwa 10 Jahren zahlreiche Wirtschaftszeitungen die Schiffsfonds als geniale Investitionsmöglichkeit feierten. Nicht wegen irgendwelcher staatlichen Subventionen, sondern auf Grundlage des Glaubens (damals Überzeugung), dass die Globalisierung ein Selbstläufer sei und ständig mehr und mehr aus dem fernen Osten herangekarrt werden müssen und man dafür viele Schiffe braucht. Ganz sicher.

  4. ...und anderen, staatlich geförderten Anlagemist zugunsten Maschmeyers et.al.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Investitionen"
  5. ... dann sollte man die Finger davon lassen. Ziemlich einfache Regel, denn der kleine Privatanlager ist von seinem Know-How her nahezu immer im Nachteil gegenüber den die Fonds auflegenden Institutionen.

  6. ... traue ich keinem Fond mehr. Hier werden Anleger über den Tisch gezogen und die Fond-Manager leben in Saus und Braus.

    Vielfach werden Fonds in Fonds umgewandelt und in einem wahren Schneeballsystem die Anleger hinters Licht geführt. Auf gut deutsch gesagt: "Verarsche nach Strich und Faden!"

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... wer mehr darüber wissen möchte, schaue doch bitte dort nach:

    http://de.wikipedia.org/w...

  7. ... wer mehr darüber wissen möchte, schaue doch bitte dort nach:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Seit Kornfeld...."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich kannte mal jemanden, der hatte sich seine IOS Zertifikate gerahmt und an die Wand gehängt!

    • Beebo
    • 11. März 2013 10:38 Uhr

    Für den Verkauf von Schiffsfonds haben die Banken und Finanzvertriebe hohe Provisionen eingesteckt. Die Reeder haben Schiffe in Asien gekauft, und diese auch mit Provisionen an den selbst aufgelegten Fonds verkauft. Umso mehr Fonds man aufgelegt hatte, umso mehr Sondergewinne konnte man generieren. Die Reeder hatten nur die Euros in den Augen, und nicht den Schiffsmarkt. Gier frisst Hirn.
    Die Banken haben auch zu lax Kredite vergeben. Jetzt versuchen die ihr Risiko möglichst auf Kosten der Schiffsfond Anleger zu minimieren.

    3 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Geldanlage | Kapitalanlage | Fonds | Subventionen
Service