Die Frage: Marion und Lukas haben zusammen eine PR-Agentur aufgebaut und ziehen drei Kinder groß. Es fehlt die Zweisamkeit, was vor allem Marion bedrückt. Lukas ist dynamisch und ideenreich, denkt aber nie an Kleinigkeiten wie Buchführung und Steuererklärungen. Ähnlich ist es bei den Kindern: Lukas begeistert sich beispielsweise für den Hundewunsch der Tochter. Am Ende ist es dann Marion, die mit dem Labrador spazieren geht, weil alle anderen Wichtigeres zu tun haben.

Lukas ist einverstanden, dass sie mehr für die Zweisamkeit tun müssen. Aber wie durch einen bösen Zauber kommt immer etwas dazwischen, wenn sich Marion auf ein gemeinsames Wochenende freut. "Ich bin dir einfach nicht mehr wichtig", sagt sie betrübt. "Wie kannst du das denken?", antwortet Lukas.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Marion sollte sich nicht beirren lassen, Pläne zu mehr Paar- und weniger Familienbetrieb zu machen. Sie muss aber in ihre Überlegungen einbeziehen, dass Lukas insgeheim Angst vor ihren Wünschen hat. Er braucht viel Anerkennung und neigt dazu, unangenehme Aufgaben wegzuschieben.

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Je mehr er fürchtet, dass auf dem von Marion ersehnten Paar-Wochenende diese Neigung zur Sprache kommt und er die Schattenseiten des Familienunternehmens betrachten muss, desto dankbarer wird er für Ausreden sein, die ihm solche Trauerarbeit ersparen. Wenn er Arbeit oder Kinder mitnehmen kann, hat er Rückzugsmöglichkeiten vor Marions Forderungen. Je weniger Erwartungsdruck Marion aufbaut, desto eher wird sich die Zweisamkeit ergeben.