LiebeskolumneWarum klappt es nie mit der Zweisamkeit?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Wann sind wir endlich mal allein?

Moment der Zweisamkeit

Moment der Zweisamkeit

Die Frage: Marion und Lukas haben zusammen eine PR-Agentur aufgebaut und ziehen drei Kinder groß. Es fehlt die Zweisamkeit, was vor allem Marion bedrückt. Lukas ist dynamisch und ideenreich, denkt aber nie an Kleinigkeiten wie Buchführung und Steuererklärungen. Ähnlich ist es bei den Kindern: Lukas begeistert sich beispielsweise für den Hundewunsch der Tochter. Am Ende ist es dann Marion, die mit dem Labrador spazieren geht, weil alle anderen Wichtigeres zu tun haben.

Lukas ist einverstanden, dass sie mehr für die Zweisamkeit tun müssen. Aber wie durch einen bösen Zauber kommt immer etwas dazwischen, wenn sich Marion auf ein gemeinsames Wochenende freut. "Ich bin dir einfach nicht mehr wichtig", sagt sie betrübt. "Wie kannst du das denken?", antwortet Lukas.

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Marion sollte sich nicht beirren lassen, Pläne zu mehr Paar- und weniger Familienbetrieb zu machen. Sie muss aber in ihre Überlegungen einbeziehen, dass Lukas insgeheim Angst vor ihren Wünschen hat. Er braucht viel Anerkennung und neigt dazu, unangenehme Aufgaben wegzuschieben.

Liebeskolumne
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

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Je mehr er fürchtet, dass auf dem von Marion ersehnten Paar-Wochenende diese Neigung zur Sprache kommt und er die Schattenseiten des Familienunternehmens betrachten muss, desto dankbarer wird er für Ausreden sein, die ihm solche Trauerarbeit ersparen. Wenn er Arbeit oder Kinder mitnehmen kann, hat er Rückzugsmöglichkeiten vor Marions Forderungen. Je weniger Erwartungsdruck Marion aufbaut, desto eher wird sich die Zweisamkeit ergeben.

Die Liebeskolumne

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch Partnerschaft und Babykrise ist im Gütersloher Verlag erschienen.

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de

 
Leser-Kommentare
  1. Herr Schmidbauer zaubert einmal wieder beim Mann eine Angst (vor ihren Wünschen) und ein Bedürfnis nach Anerkennung aus dem Hut. Dabei lässt sich bei Marion (der Frau) ohne große Anstrengung eine Verlustangst konstruieren. Und was das Bedürfnis nach Anerkennung betrifft, so steht sie Lukas in nichts nach. Im Gegensatz zu Lukas' Fall gibt es sogar konkrete Indizien für dieses Bedürfnis. Sie möchte nämlich bei der angestrebten Zweisamkeit Lukas mit dessen "Fehler" unangenehme Dinge beiseite zu schieben konfrontieren. Hinter Kritik steht aber immer die implizite Aussage, dass man selber das kritisierte Verhalten nicht zeigt, sprich, mit ihrer beabsichtigten Kritik möchte sie damit angeben, dass SIE unangenehme Dinge erledigt. Hinter Angeberei steckt aber häufig das Bedürfnis nach Anerkennung, die Anerkennung dafür, dass SIE unangenehme Dinge erledigt.

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    Krame in deinen Klienten-Akten nach griffigen Fällen, tausche die Rollen und fertig ist eine politisch korrekte Kolumne.

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  • Serie Liebeskolumne
  • Quelle ZEITmagazin, 28.2.2013 Nr. 10
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  • Schlagworte Familienunternehmen | Arbeit | MIT | Sprache
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