SchweizDer neue Abzocker-Feind

Auch er will Reiche das Fürchten lehren: Marco Kistler, Erfinder der 1:12-Initiative.

Nein, mit seinem grauen Kapuzenpullover passt er nicht hierhin. Marco Kistler sitzt ganz vorne im großen Saal des Hotels Glarnerhof und referiert über Glarner Steuerpolitik, die Decke ist stuckverziert, die Vorhänge sind rot und schwer. Neben ihm auf dem Podium sitzt die Politprominenz des kleinen Kantons. Der anwesende Regierungsrat, der Landratspräsident, der Gemeindepräsident von Glarus Süd, alle tragen sie Anzug, Hemd und Krawatte. Bedeutungsschwer ist auch das Thema der Matinée, zu der die sozialdemokratische Partei des Kantons Glarus am vergangenen Samstagmorgen geladen hat. Gerade mal zwanzig Gäste interessieren sich für die kantonale Steuerpolitik.

Zum Schluss erinnert Marcos Onkel Thomas Kistler, der Präsident der SP Kanton Glarus, an den kommenden Abstimmungssonntag. Es sei nicht nur über die Abzocker-Initiative zu entscheiden, genauso wichtig seien Raumplanungsgesetz und Familienvorlage. Marco Kistler kann sich für die Abzocker-Initiative wenig begeistern, auch wenn er sie befürwortet. »Ihre Wirkung kommt einem Placeboeffekt gleich«, sagt der schlaksige 28-Jährige. »Initiant Thomas Minder entstammt demselben Filz, den er jetzt zu bekämpfen vorgibt.«

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Viel wichtiger ist Marco Kistler die Initiative, die er vor gut fünf Jahren erfand und über die wohl am 22. September diesen Jahres abgestimmt wird: die 1:12-Initiative. Sie fordert, dass der Meistverdienende in einem Betrieb höchstens zwölfmal so viel kassieren darf wie derjenige, der am wenigsten bekommt. Der Chef darf pro Monat also nicht mehr verdienen als die Putzkraft im Jahr. Diese Forderung, sagt Kistler, sei viel wirksamer und einfacher verständlich als die Änderungen im Aktienrecht, die die Abzocker-Initiative mit sich brächte: »Bei ihr versteht die Bevölkerung doch kaum mehr als das Schlagwort.«

Zuerst wurde über 1:10 nachgedacht

Kistler ist einer dieser Menschen, die man gemeinhin mit dem Wort »schwierig« bezeichnet. Er besucht das Gymnasium in Glarus, stört sich an der »autoritären Schulstruktur«, fühlt sich von den Lehrpersonen nicht ernst genommen. Er rebelliert gegen den Lateinunterricht, schreibt Eingaben an den Kantonsschulrat, streitet mit Lehrern und Behörden. Er muss repetieren. Doch immerhin fällt er den Jungsozialisten auf, die in Glarus gerade eine Sektion eröffnen. »Das Glarnerland ist klein«, sagt Kistler. »Jeder Querulant war für die Juso interessant, jeder kritische Geist ein potenzielles Mitglied.«

Im Juni 2007 überfallen rund dreißig aus der ganzen Schweiz angereiste Neonazis das von der jungen Linken organisierte Open Air »für ein buntes Glarnerland ohne Rassismus« im Glarner Volksgarten. Sie treten mit ihren Springerstiefeln auf Kistler ein und werfen ihn in einen Brunnen. Zum Glück wird er kaum verletzt. Aber sein Wille, auf demokratischem Weg gegen die rechte Gewalt zu protestieren, wird durch die Attacke noch verstärkt. Kistler lässt sich in die Geschäftsleitung der Juso Schweiz wählen. An der Seite des umtriebigen Präsidenten Cédric Wermuth steht er für eine Jungpartei, die mit neuer Freude an der Provokation das Rampenlicht sucht. Während der Aargauer Wermuth schon mal am SP-Rednerpult vor laufender Kamera einen Joint anzündet, bleibt der Glarner lieber im Hintergrund. Dort aber macht er mehr als die meisten. »Marco war und ist sehr kreativ, ein wahrer Antreiber«, sagt Wermuth. »Manchmal muss man ihn fast ein wenig bremsen.«

Die Idee zur 1:12-Initiative schlägt Kistler an einer Retraite der Juso-Spitze in Neuenburg vor. Seine Mitstreiter sind zuerst nicht überzeugt, die Idee – zuerst noch als 1:10 gedacht – wird nicht sofort verfolgt. »Erst, als sich das Ausmaß der einsetzenden Finanzkrise immer deutlicher abzeichnete, hielten wir den Moment für reif«, erinnert sich Wermuth. Die Linke ist jetzt vom Ansinnen begeistert. Die für die Initiative nötigen Unterschriften kommen problemlos zustande, fast ausschließlich werden sie auf der Straße gesammelt. »Wir konnten uns die Briefmarken für einen Postversand der Unterlagen nicht leisten«, sagt Kistler. Seit der Armeeabschaffungs- und der Alpeninitiative habe es keine Vorlage mehr gegeben, schreibt die WoZ , die wie die 1:12-Initiative »mit dem nötigen Utopiegehalt das gängige Denken sprengen könnte«.

Ein Post-it-Zettelchen an jede Haustür

Kistler kennt das Gefühl, wie aus einer visionären Idee auf einmal Realität wird. 2006 sollen aus 25 Glarner Gemeinden zehn werden, da nicht mehr für jede Kommune genügend Behördenmitglieder gefunden werden können. Der Juso geht diese Reform nicht weit genug. Doch selbst ihre Mutterpartei SP traut sich nicht, den Vorschlag, zu drei Großgemeinden zu fusionieren, mitzutragen. Überraschend spricht sich die Glarner Landsgemeinde am 7. Mai 2006 für die entsprechende Einzelinitiative aus. Drei Jahre später wird Marco Kistler mit dem besten Ergebnis des zweiten Wahlgangs in den ersten Gemeinderat der neuen Gemeinde Glarus Nord gewählt. Die Wahlkampftaktik war denkbar einfach gewesen: An jede Haustür hatten Kistler und seine Mitstreiter ein Post-it-Zettelchen geklebt, auf dem sie zur Wahl aufriefen. Als einziger Linker in der siebenköpfigen Exekutive der Gemeinde mit ihren 17.000 Einwohnern steht er dem Ressort Gesundheit, Jugend und Kultur vor. Sein Soziologiestudium bricht er ab, in der Kommunikationsabteilung des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes in Bern arbeitet er mit einem halben Pensum. In manchen Wochen verbringt der Pendler bis zu zwanzig Stunden im Zug.

Leser-Kommentare
    • hladik
    • 28.02.2013 um 18:06 Uhr

    ... aber ich kann mir schon vorstellen, was dann passiert: Alle Kleinverdiener werden "outgesourcet", so lange, bis nur noch die Mitarbeiter direkt bei der Firma angestellt sind, die sowieso schon 1/12 des Chefs verdienen.

    Effektiver waeren allgemeine Mindestloehne, konsequente Bekaempfung der Schwarzarbeit, ein hoher Spitzensteuersatz (der auch jenseits von 100000 Euro noch weiter steigt) und das Stopfen von Steuerschlupfloechern.

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    dass die meisten nicht soweit denken können...
    solche regelungen können immer irgendwie umgangen werden. deshalb werden sogar die meisten der linken in meinem bekanntenkreis gegen diese regelung stimmen!

    Dem kann man einfach entgegen wirken, wenn man das Prinzip "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" gleich mit einem Gesetz festschreibt. Dann darf ein Untenehmen soviel Outsourcing betreiben wie es will, denn jeder Arbeiter egal wo er herkommt, bestimmt das Maximum des Chefes Lohn.

    Ist übrigens eine uralte linke Forderung und immernoch genauso sinnvoll wie vor Jahrzehnten.

    Ich bin aber Realist genug, um zu wissen, dass die erzkapitalistischen Schweizer das niemals umsetzen werden. Die Schweizer haben die wohl gesündeste Demokratie, aber Sozialisten sind sie keine.

    Beim Novartis Boss ist das Verhältnis ungefähr 1:1000, da müsste man ziemlich viele Leutchen outsourcen bis alle verbliebenen im 1:12 Bereich wären. Der niedrigste Lohn jenseits der Milion

    Wenn man diese Regelung wirklich einführen würde, müsste man bei den Gehältern in den Konzernspitzen so gut wie alle Mitarbeiter in Ausland verlagern, weil es kaum jemanden geben dürfte, der auf ein Zwölftel des Jahresgehalts eines Vorstands kommen würde.

    Und die Auslagerung so gut wie aller Mitarbeiter ins Ausland ist ja wohl keine ernst zu nehmende Option. Von daher wäre ich sehr für eine solche Regelung, weil sie das einzige Mittel sein dürfte, den Trend zu immer weiter sinkenden Löhnen wirksam zu bekämpfen.

    Natürlich kann man die 1:12-Vorschrift umgehen. Man kann auch innerorts mit dem Auto 120km/h fahren. Die Frage ist, ob die Regeln die von der Demokratie beschlossen werden, auch umgesetzt werden.
    Die 1:12-Initiative hat eine Formulierung gewählt, bei der Auslagerungen ausserhalb der Lohnspanne 1:12 illegal wären. Vergleiche auch hier: http://juso.ch/files/Irrt...
    Zweitens ist es schon bedenklich, wenn bei der Diskussion um einen politischen Vorschlag bzw. einem Gesetz gleich dessen Umgehung angekündigt wird. Dann kann man es mit dieser Demokratie auch gleich lassen. Es bleibt zu hoffen, dass sich das Volk doch noch gehen die sogenannte Wirtschaftelite behaupten kann.

    dass die meisten nicht soweit denken können...
    solche regelungen können immer irgendwie umgangen werden. deshalb werden sogar die meisten der linken in meinem bekanntenkreis gegen diese regelung stimmen!

    Dem kann man einfach entgegen wirken, wenn man das Prinzip "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" gleich mit einem Gesetz festschreibt. Dann darf ein Untenehmen soviel Outsourcing betreiben wie es will, denn jeder Arbeiter egal wo er herkommt, bestimmt das Maximum des Chefes Lohn.

    Ist übrigens eine uralte linke Forderung und immernoch genauso sinnvoll wie vor Jahrzehnten.

    Ich bin aber Realist genug, um zu wissen, dass die erzkapitalistischen Schweizer das niemals umsetzen werden. Die Schweizer haben die wohl gesündeste Demokratie, aber Sozialisten sind sie keine.

    Beim Novartis Boss ist das Verhältnis ungefähr 1:1000, da müsste man ziemlich viele Leutchen outsourcen bis alle verbliebenen im 1:12 Bereich wären. Der niedrigste Lohn jenseits der Milion

    Wenn man diese Regelung wirklich einführen würde, müsste man bei den Gehältern in den Konzernspitzen so gut wie alle Mitarbeiter in Ausland verlagern, weil es kaum jemanden geben dürfte, der auf ein Zwölftel des Jahresgehalts eines Vorstands kommen würde.

    Und die Auslagerung so gut wie aller Mitarbeiter ins Ausland ist ja wohl keine ernst zu nehmende Option. Von daher wäre ich sehr für eine solche Regelung, weil sie das einzige Mittel sein dürfte, den Trend zu immer weiter sinkenden Löhnen wirksam zu bekämpfen.

    Natürlich kann man die 1:12-Vorschrift umgehen. Man kann auch innerorts mit dem Auto 120km/h fahren. Die Frage ist, ob die Regeln die von der Demokratie beschlossen werden, auch umgesetzt werden.
    Die 1:12-Initiative hat eine Formulierung gewählt, bei der Auslagerungen ausserhalb der Lohnspanne 1:12 illegal wären. Vergleiche auch hier: http://juso.ch/files/Irrt...
    Zweitens ist es schon bedenklich, wenn bei der Diskussion um einen politischen Vorschlag bzw. einem Gesetz gleich dessen Umgehung angekündigt wird. Dann kann man es mit dieser Demokratie auch gleich lassen. Es bleibt zu hoffen, dass sich das Volk doch noch gehen die sogenannte Wirtschaftelite behaupten kann.

  1. 2. Clever

    Ich würd die Initiative sofort unterstüzen wenn ich in der Schweiz leben würde, eher würde ich mich sogar noch zu der 1:10 Regelung aussprechen. Ich wünsche euch gutes gelingen liebe Schweizer Freunde

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  2. an dem man allen Reichen das Fürchten gelehrt hat und sich die Hetzer mit ihresgleichen, in der blauen Arbeiterkutte, alleine in Europa befindet. Viele Reiche haben schon längst dem Neid den Rücken gekehrt und leben heute in Monaco, der Schweiz oder in den USA. Bald wird es in Deutschland nicht nur an gut Ausgebildeten fehlen, nein, es wird auch an grosszügigen Steuerzahlern fehlen.

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    • eSight
    • 28.02.2013 um 19:02 Uhr

    Diese Menschen verstehen einfach nicht, dass damit Investoren den jeweiligen Standort immer uninteressanter finden. Je sozialistischer ein Volk dieser Welt in die eigene Wirtschaft eingreift, desto eher ist zu erwarten, dass das Kapital abwandert. Es ist also keine Lösung mit dem Finger auf die Reichen zu zeigen, denn immerhin sind diese es meistens, welche die Arbeitsplätze erst schaffen. Besser es gibt 1000 Arbeitsplätze die mit 1200€/Monat entlohnt werden, als das es diese überhaupt nicht gibt. Die Welt hat genug Plätze.

    Ihnen ist aufgefallen, daß das Beschriebene in der Schweiz stattfindet? Auch nach Monaco sind die "Reichen" nicht gegangen, um dem Neid zu entgehen, sondern weil es mal en vogue war und steuerliche "Vorteile" bringt. Aber wo wir gerade dabei sind: welche Begründung haben extrem große Einkommen, Kreativität (eher selten) und Verantwortung (da kommt man schnell raus) außen vor gelassen?
    Der Mehrheit der Menschen wird erzählt, sie könnten genauso reich werden wie die Reichsten. Dies ist Quatsch.

    • Gibbon
    • 28.02.2013 um 19:24 Uhr

    und hoffentlich vergisst niemand seinen Privatjet.
    Nichts für ungut, aber Reiche brauchen wir wirklich nicht. Wohlhabende mögen noch Gründe für ein Einkommengefälle aufzählen können, Menschen die monatlich Millionen nach Hause bringen, sicher nicht. Wenn Menschen vernünftige Löhne bekommen sind sie nicht mehr auf Transferleistungen angewiesen und können selber Steuern für ihre Schulen und Straßen bezahlen. Dafür brauchen sie keine Almosen von der Person, die ihnen vorher das Geld vorenthalten hat.

    basieren auf ganz unterschiedlichen Motivationen.
    Bitte mal darüber nachdenken!
    Eine gerechtere Verteilung führt zu weniger Neid!

    • eSight
    • 28.02.2013 um 19:02 Uhr

    Diese Menschen verstehen einfach nicht, dass damit Investoren den jeweiligen Standort immer uninteressanter finden. Je sozialistischer ein Volk dieser Welt in die eigene Wirtschaft eingreift, desto eher ist zu erwarten, dass das Kapital abwandert. Es ist also keine Lösung mit dem Finger auf die Reichen zu zeigen, denn immerhin sind diese es meistens, welche die Arbeitsplätze erst schaffen. Besser es gibt 1000 Arbeitsplätze die mit 1200€/Monat entlohnt werden, als das es diese überhaupt nicht gibt. Die Welt hat genug Plätze.

    Ihnen ist aufgefallen, daß das Beschriebene in der Schweiz stattfindet? Auch nach Monaco sind die "Reichen" nicht gegangen, um dem Neid zu entgehen, sondern weil es mal en vogue war und steuerliche "Vorteile" bringt. Aber wo wir gerade dabei sind: welche Begründung haben extrem große Einkommen, Kreativität (eher selten) und Verantwortung (da kommt man schnell raus) außen vor gelassen?
    Der Mehrheit der Menschen wird erzählt, sie könnten genauso reich werden wie die Reichsten. Dies ist Quatsch.

    • Gibbon
    • 28.02.2013 um 19:24 Uhr

    und hoffentlich vergisst niemand seinen Privatjet.
    Nichts für ungut, aber Reiche brauchen wir wirklich nicht. Wohlhabende mögen noch Gründe für ein Einkommengefälle aufzählen können, Menschen die monatlich Millionen nach Hause bringen, sicher nicht. Wenn Menschen vernünftige Löhne bekommen sind sie nicht mehr auf Transferleistungen angewiesen und können selber Steuern für ihre Schulen und Straßen bezahlen. Dafür brauchen sie keine Almosen von der Person, die ihnen vorher das Geld vorenthalten hat.

    basieren auf ganz unterschiedlichen Motivationen.
    Bitte mal darüber nachdenken!
    Eine gerechtere Verteilung führt zu weniger Neid!

  3. Habe bisher von dieser 1:12 Idee noch nichts gehört. Die Initiative für Deutschland muss folgen.

    Also: Aufruf an begabtere Menschen: Strukturiert, initiiert, sammelt Stimmen.....ich trommele gerne mit.

    Wieviel Millionen Leiharbeiter gibt es hier?

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    Es ist absurd zu fordern, dass die Vorstandsvorsitzenden der DAX-Konzerne dann im Endeffekt weniger verdienen als manche politische Beamte, EU-Sekretäre oder Bundestagsabgeordneten.

    Und ich will in keiner Welt leben, in der Leistung durch Bildung und Wissen auf dem Top-Niveau um ein hundertfaches geringer entlohnt wird, als Leistung durch Sport oder Musik.

    Der Vorstand vom größten Automobilkonzern verdient dann im Jahr, was Tokio-Hotel in einer Woche macht. Und die Tagesschau-Moderatoren brechen jedes Mal in Gelächter aus, wenn sie die Gehälter der Wirtschaftsbosse verkünden müssen. Absolut lächerlich!

    Für Deutschland könnte man die Idee noch etwas umschreiben, da wir ja schon lange den Mindestlohn suchen.

    Jeder Arbeitnehmer muss mindestens 1/12 dessen verdienen, was sein Chef erhält.

    Es ist absurd zu fordern, dass die Vorstandsvorsitzenden der DAX-Konzerne dann im Endeffekt weniger verdienen als manche politische Beamte, EU-Sekretäre oder Bundestagsabgeordneten.

    Und ich will in keiner Welt leben, in der Leistung durch Bildung und Wissen auf dem Top-Niveau um ein hundertfaches geringer entlohnt wird, als Leistung durch Sport oder Musik.

    Der Vorstand vom größten Automobilkonzern verdient dann im Jahr, was Tokio-Hotel in einer Woche macht. Und die Tagesschau-Moderatoren brechen jedes Mal in Gelächter aus, wenn sie die Gehälter der Wirtschaftsbosse verkünden müssen. Absolut lächerlich!

    Für Deutschland könnte man die Idee noch etwas umschreiben, da wir ja schon lange den Mindestlohn suchen.

    Jeder Arbeitnehmer muss mindestens 1/12 dessen verdienen, was sein Chef erhält.

    • Mavel
    • 28.02.2013 um 18:29 Uhr

    Die "Abzocker" sind doch in der Regel nicht die (angestellten) Chefs, sondern die Investoren, welche die Gewinne abgreifen. Nehmen wir an, eine Aktiengesellschaft macht in einem Jahr 5 Mrd. Gewinn und schüttet hiervon 4 Mrd. an die Aktionäre aus. Gleichzeitig werden 1000 Mitarbeiter entlassen, um nächstes Jahr einen höheren Gewinn zu erzielen. Was soll es da bringen, nun dem Vorstand mit dieser 1:12-Regelung das Gehalt zu kürzen? Vorstandsmitglieder bekommen oftmals sowieso nur ein Grundgehalt, welches dann üppig mit Unternehmensanteilen aufgepeppt wird. Auch hier würde die 1:12-Regelung nicht greifen oder habe ich da etwas falsch verstanden?

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    ob bei der Dividende die 1/12 Regel greift oder nicht, denn mit dieser Regelung beteiligt man den Mitarbeiter am Produktionsgewinn und lässt ihn nicht im Regen stehen, wie wir das zur Zeit so vortrefflich machen.

    Sicherlich muss man dann noch ein vernünftiges Entsendegesetz und ein Equal Pay +25% für Leiharbeiter einführen und an den Festpreisangeboten etwas drehen, aber all dies ist machbar wenn der politische Wille dazu vorhanden wäre.

    Und für alle die meinen, die Reichen würden jetzt ihre Zelte abbrechen und woanders hin gehen, sage ich das dies nicht passieren wird, da sich auch die Reichen nach den Orten richten müssen wo die Konsumenten sind.

    Oder weiß einer einen Weg einen neuen Billionen schweren Markt so einfach aus der Hosentasche heraus zu erzeugen??

    ob bei der Dividende die 1/12 Regel greift oder nicht, denn mit dieser Regelung beteiligt man den Mitarbeiter am Produktionsgewinn und lässt ihn nicht im Regen stehen, wie wir das zur Zeit so vortrefflich machen.

    Sicherlich muss man dann noch ein vernünftiges Entsendegesetz und ein Equal Pay +25% für Leiharbeiter einführen und an den Festpreisangeboten etwas drehen, aber all dies ist machbar wenn der politische Wille dazu vorhanden wäre.

    Und für alle die meinen, die Reichen würden jetzt ihre Zelte abbrechen und woanders hin gehen, sage ich das dies nicht passieren wird, da sich auch die Reichen nach den Orten richten müssen wo die Konsumenten sind.

    Oder weiß einer einen Weg einen neuen Billionen schweren Markt so einfach aus der Hosentasche heraus zu erzeugen??

  4. Verhältnis bestehen muss zwischen dem Einkommen der Organisatoren und dem der Ausführenden, ist einzusehen. In jeder Gangsterbande gibts die Regel: x Prozent für den Chef, y und z für Person A und B, der Rest wird gleichmäßig aufgeteilt. In einer großen Firma kann das natürlich nach Funktion noch differenziert werden.

    Aber warum ausgerechnet 1:12 ? M.E. müsste von Fall zu Fall verhandelt werden. Der Eigenanteil der Einfälle von Steve Jobs am Gesamterfolg von Apple war sicher größer als der des Inhabers einer Putzfirma.

    IM PRINZIP sollte also das Gesamteinkommen eines Betriebs für ein bestimmtes Projekt nach zuvor für dieses Projekt ausgehandelten Schlüsseln verteilt werden. Leider muss das auch für Verluste gelten.

    Wer nicht an den Verlusten partizipiren will, muss sich halt als Angestellter mit garantiertem Festeinkommen behandeln lassen. Aber wie da ein prozentueller Anteil ausgehandelt werden kann, entzieht sich mir...

    ... aber klar, hier wird NUR in Angestelltenlogik gedacht: Angestellter A darf max. 12x soviel verdienen wie Angestellter F. Dann wird Angestellter A halt damit "belohnt", dass er zugleich Miteigetümer wird, der am Gewinn zu so und so viel Prozent beteiligt ist, während er in seiner GLEICHZEITIGEN Funktion nur 12x soviel verdient wie F.

    NEIN, nein: Entweder alle Mitarbeiter gelten als in angemessenen Margen beteiligt - mit entsprechendem Risiko, oder das Denken bleibt auf Angestelltennniveau. Aus dem helfen auch keine Gesetze und Paragraphen heraus.

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    Weil 1:10 zu populistisch klang. Der punkt ist der, dass eine Initiative in der Schweiz nicht gleich zur Abstimmung kommt.
    Die Idee dahinter ist, einen vernünftigen Kompromiss im Parlament oder als Gegenvorschlag herauszuholen.
    Ganz nach dem Motto, fordere drei mal soviel wie du willst um dann die Hälfte zu bekommen.
    Nur war das in diesem Fall leider nicht der Fall. Jetzt muss die Initiative halt angenommen werden.
    ..man kanns nur hoffen..

    Weil 1:10 zu populistisch klang. Der punkt ist der, dass eine Initiative in der Schweiz nicht gleich zur Abstimmung kommt.
    Die Idee dahinter ist, einen vernünftigen Kompromiss im Parlament oder als Gegenvorschlag herauszuholen.
    Ganz nach dem Motto, fordere drei mal soviel wie du willst um dann die Hälfte zu bekommen.
    Nur war das in diesem Fall leider nicht der Fall. Jetzt muss die Initiative halt angenommen werden.
    ..man kanns nur hoffen..

  5. dass die meisten nicht soweit denken können...
    solche regelungen können immer irgendwie umgangen werden. deshalb werden sogar die meisten der linken in meinem bekanntenkreis gegen diese regelung stimmen!

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    Antwort auf "Klingt ja schoen..."
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    das das Gesetz wasserdicht ist, denn sonst ist jedes Gesetz sinnlos

    einfach alle Leistungen von extern Einkaufen,
    die den niedrigsten Lohn unter das erwünsche Niveau des obersten Cheffs sinken lassen.

    das das Gesetz wasserdicht ist, denn sonst ist jedes Gesetz sinnlos

    einfach alle Leistungen von extern Einkaufen,
    die den niedrigsten Lohn unter das erwünsche Niveau des obersten Cheffs sinken lassen.

    • eSight
    • 28.02.2013 um 19:02 Uhr

    Diese Menschen verstehen einfach nicht, dass damit Investoren den jeweiligen Standort immer uninteressanter finden. Je sozialistischer ein Volk dieser Welt in die eigene Wirtschaft eingreift, desto eher ist zu erwarten, dass das Kapital abwandert. Es ist also keine Lösung mit dem Finger auf die Reichen zu zeigen, denn immerhin sind diese es meistens, welche die Arbeitsplätze erst schaffen. Besser es gibt 1000 Arbeitsplätze die mit 1200€/Monat entlohnt werden, als das es diese überhaupt nicht gibt. Die Welt hat genug Plätze.

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    <<< Diese Menschen verstehen einfach nicht, dass damit Investoren den jeweiligen Standort immer uninteressanter finden. Je sozialistischer ein Volk dieser Welt in die eigene Wirtschaft eingreift, desto eher ist zu erwarten, dass das Kapital abwandert. Es ist also keine Lösung mit dem Finger auf die Reichen zu zeigen, denn immerhin sind diese es meistens, welche die Arbeitsplätze erst schaffen. Besser es gibt 1000 Arbeitsplätze die mit 1200€/Monat entlohnt werden, als das es diese überhaupt nicht gibt. Die Welt hat genug Plätze. <<<

    Ganz einfache Lösung:
    Enteigen!
    Das Kapital wird an die Angestellten verteilt; die können ihre Arbeitsplätze dann selbst schaffen, ohne dass "Investoren" oder Eigentümer den Großteil des Mehrwertes abgreifen. Der Unternehmer kann ja auch weiterhin den Betrieb leiten, sofern der Betriebsrat dies wünscht.

    Nur ist es doch so, je mehr Zugeständnissen dem Faktor Kapital gemacht werden, desto größer wird die Abhängigkeit von ebendiesen.

    Quatsch, ein Staat, der noch ernst genommen werden will, lässt sich nicht erpressen. Die Verlagerung der Produktion nach China und anderswohin bereuen heute viele Unternehmen. Aber dafür ist es jetzt zu spät. Die Substanz ist unwiderruflich weg. Ein Staat soll für attraktive Bedingungen für Unternehmen sorgen, sich aber niemals erpressen lassen, sonst gibt er sich auf - zum Schaden seiner Bürger und letztlich auch der hier noch produzierenden Unternehmen. Diese wissen sehr genau, was sie an Europa haben, trotz aller momentanen Schwierigkeiten.

    <<< Diese Menschen verstehen einfach nicht, dass damit Investoren den jeweiligen Standort immer uninteressanter finden. Je sozialistischer ein Volk dieser Welt in die eigene Wirtschaft eingreift, desto eher ist zu erwarten, dass das Kapital abwandert. Es ist also keine Lösung mit dem Finger auf die Reichen zu zeigen, denn immerhin sind diese es meistens, welche die Arbeitsplätze erst schaffen. Besser es gibt 1000 Arbeitsplätze die mit 1200€/Monat entlohnt werden, als das es diese überhaupt nicht gibt. Die Welt hat genug Plätze. <<<

    Ganz einfache Lösung:
    Enteigen!
    Das Kapital wird an die Angestellten verteilt; die können ihre Arbeitsplätze dann selbst schaffen, ohne dass "Investoren" oder Eigentümer den Großteil des Mehrwertes abgreifen. Der Unternehmer kann ja auch weiterhin den Betrieb leiten, sofern der Betriebsrat dies wünscht.

    Nur ist es doch so, je mehr Zugeständnissen dem Faktor Kapital gemacht werden, desto größer wird die Abhängigkeit von ebendiesen.

    Quatsch, ein Staat, der noch ernst genommen werden will, lässt sich nicht erpressen. Die Verlagerung der Produktion nach China und anderswohin bereuen heute viele Unternehmen. Aber dafür ist es jetzt zu spät. Die Substanz ist unwiderruflich weg. Ein Staat soll für attraktive Bedingungen für Unternehmen sorgen, sich aber niemals erpressen lassen, sonst gibt er sich auf - zum Schaden seiner Bürger und letztlich auch der hier noch produzierenden Unternehmen. Diese wissen sehr genau, was sie an Europa haben, trotz aller momentanen Schwierigkeiten.

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