BezahlfernsehenBrian auf Sendung

Bezahlfernsehen galt hierzulande als Milliardengrab, aber Sky-Chef Sullivan verbreitet gute Laune. Zu Recht? von  und

Brian Sullivan hat gute Nachrichten: Sein Unternehmen, der Bezahlfernsehsender Sky, hat im vergangenen Jahr nur einen zweistelligen Millionenbetrag verloren. Wie viel es genau ist, gibt der Vorstandschef am Donnerstag bekannt. Aber so viel ist sicher: Die Nachrichten sind gut, der Verlust bei Sky geht zurück.

Nicht nur das. Seit der US-Amerikaner Sullivan vor knapp drei Jahren die Führung des Münchner Pay-TV-Senders übernahm, steigt der Umsatz, die Zahl der Abonnenten und deren individuelle Zahlungsbereitschaft. Während der vergangenen zwölf Monate hat sich der Aktienkurs mehr als verdoppelt. Sollte Sky im laufenden Jahr wirklich Gewinn machen – was nun nicht mehr ausgeschlossen scheint –, wäre es das zweite Mal in der mehr als 20-jährigen Unternehmensgeschichte. Und zum ersten Mal sieht es so aus, als könnte hierzulande mit Bezahlfernsehen auch dauerhaft Geld verdient werden. Es wäre eine unerwartete historische Wende in der deutschen Fernsehlandschaft.

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"Als ich nach München kam, wurde ich mit Argumenten überschüttet, weshalb Bezahlfernsehen hierzulande niemals funktionieren würde", sagt Sullivan. Das Land besitze einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk und zahlreiche Privatsender, anders als etwa die USA oder Großbritannien, wo mit Bezahlfernsehen viele Milliarden umgesetzt würden. Die Deutschen seien nicht bereit, für noch mehr Fernsehen noch mehr Euros auszugeben, bekam er zu hören. Bezahlfernsehen? Vergesst es! Seit Premiere, wie Sky früher einmal hieß, den legendären Filmhändler Leo Kirch in die Pleite riss, hat das kaum jemand noch ernsthaft hinterfragt.

Insofern klingt Sullivan ambitioniert, wenn er sagt: "Wir sind kein Nischenprodukt. Ich möchte jeden Haushalt in Deutschland erreichen." Immerhin 40 Millionen Haushalte wären das insgesamt, wovon Sky zurzeit noch um die 36,6 Millionen fehlen. Aber er ist Amerikaner und offenbar auch Anhänger der Yes we can!- Philosophie. Er stammt aus Philadelphia und verbrachte einen Großteil seiner Karriere beim britischen Bezahlsender BSkyB. Nun sei die Sky-Zentrale im grauen Münchner Vorort Unterföhring seine "Heimat", wie er sagt. Doch im Büro lehnt ein halbes Dutzend Bilder an der Wand, so als würde es sich gar nicht lohnen, sie aufzuhängen. Das vergangene Jahr lief gut für ihn, aber 2013 soll das wirkliche Schicksalsjahr für Sky werden. Dieses sei "ganz entscheidend", sagt Sullivan. "Von da an werden wir Geld verdienen", zunächst operativ, danach auch insgesamt.

Brian Sullivan

Der Amerikaner Sullivan, 51, gilt als Vertrauter von James Murdoch; auch mit dessen mächtigem Vater Rupert spricht er regelmäßig. Gerade wurde Sullivans Vertrag verlängert.

Kann man Sullivan glauben? Warum soll ausgerechnet ihm gelingen, was zwei Jahrzehnte lang niemand vermocht hat?

Es gibt gute Gründe, die Sullivans derzeitigen Erfolg nachvollziehbar erscheinen lassen. Einige davon liegen in seiner Person. Seit seiner Zeit bei BSkyB lautet sein Spitzname "Inspektor Gadget". Es ist der Name einer Zeichentrickfigur aus den Achtzigern; ein schlaksiger, brünetter Polizeiinspektor in beigem Trenchcoat, der seine Finger in allerlei Werkzeuge verwandeln kann: Bohrmaschinen, Stifte, Schraubenzieher. Sullivan ist zwar rothaarig, klein und untersetzt, gilt aber wie der Inspektor als einer, dem technische Spielereien liegen. In England führte er einen Festplattenrekorder namens Sky Plus ein, mit dem Zuschauer das laufende Programm anhalten oder zurückspulen können. Die Idee brachte er mit nach Deutschland. Er ließ eine App entwickeln, mit der Sky-Kunden von unterwegs die Spiele der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika verfolgen konnten, kurz nachdem das iPad gelauncht war. In ihrer Art sei die App "die erste weltweit" gewesen, sagt Sullivan. Und seit Kurzem können Kunden von unterwegs aus Sendungen aufnehmen.

Woran der Vorstandschef arbeitet, ist offensichtlich: Ob Sport, Serien oder Filme – Sky-Abonnenten sollen gucken können, wann und wo sie wollen. Das Programmschema ist nur noch ein unverbindlicher Vorschlag, worin Experten einen der zentralen Fernsehtrends dieser Zeit sehen, und Sullivans Strategie scheint zu wirken. Die Kunden mit Sky-Plus-Rekorder haben sich im vergangenen Jahr auf eine Million verdoppelt. Und die Zahl der Zugriffe von Abonnenten, die unterwegs fernsahen, stieg auf mehr als 33 Millionen. Parallel dazu kletterte auch der Umsatz pro Abonnent unter Sullivan von knapp 29 Euro auf zuletzt rund 32,70 Euro, weil alle zusätzlichen Angebote etwas kosten.

Sky erreicht damit zudem eine jüngere Zielgruppe als früher: Das Durchschnittsalter der Neukunden sank auf 35 Jahre, das der Bestandskunden auf 41. Auch die zahlreichen Serien in Originalsprache dürften dazu beigetragen haben, Beispiel Game of Thrones: Sky wird die dritte Staffel der preisgekrönten Fantasy-Saga kurz nach der amerikanischen Premiere im April ausstrahlen. Ähnlich ist es mit anderen Serien des US-Privatsenders HBO, The Newsroom etwa oder Boardwalk Empire. Sie alle gelten dem deutschen Feuilleton derzeit als Maßstab für gutes Fernsehen – und sie erzielen vor allem bei jüngeren Zuschauern hohe Quoten.

Entertainer Harald Schmidt, seit 2012 bei Sky, ist zwar kein Quotenbringer, aber ein netter Werbeträger.

Einen großen Teil seiner Abonnenten ködert der Bezahlsender ohnehin weiterhin mit Fußball, der wie eh und je das Kerngeschäft des Senders ist. Allein 1,17 Millionen Menschen sahen sich vergangene Woche das Achtelfinale der Champions League an, es war ein Quotenrekord, und die Liveübertragung der Bundesligaspiele hat sich Sullivan von der kommenden Saison an für mehrere Jahre exklusiv gesichert.

Solche Nachrichten stützen die These, dass es mit dem Pay-TV in Deutschland diesmal wirklich klappen könnte. Dennoch bleiben Zweifel an dem wundersamen Aufstieg des Münchner Senders.

Da ist beispielsweise die Sache mit den stark steigenden Abonnentenzahlen. 2010 hatte Sky 2,7 Millionen Kunden, mittlerweile sind es 3,4 Millionen. Neben dem Umsatz pro Abonnent ist diese Zahl die wichtigste Kennziffer für Sky. Selbst für Sullivan persönlich ist sie höchst relevant – den jüngsten Geschäftsberichten zufolge hängt seine variable Vergütung auch "vom Wachstum des Netto-Abonnentengeschäfts" ab.

Leserkommentare
    • deDude
    • 07. März 2013 11:45 Uhr

    "Auch die zahlreichen Serien in Originalsprache dürften dazu beigetragen haben, Beispiel Game of Thrones: Sky wird die dritte Staffel der preisgekrönten Fantasy-Saga kurz nach der amerikanischen Premiere im April ausstrahlen. Ähnlich ist es mit anderen Serien des US-Privatsenders HBO, The Newsroom etwa oder Boardwalk Empire. Sie alle gelten dem deutschen Feuilleton derzeit als Maßstab für gutes Fernsehen – und sie erzielen vor allem bei jüngeren Zuschauern hohe Quoten."

    Ich denke das ist, neben Fussball u.Ä. genau der Grund warum Sky inzwischen durchaus eine Überlegung wert ist. In den Genuss zu kommen, Serien zum Zeitpunkt der US/GB-Erstausstrahlung im Original sehen zu können kann man sich dann auch etwas kosten lassen.

    Um im Vergleich mit HBO & Co. in den USA mithalten zu können liegt aber noch viel - Nein - sehr viel Arbeit vor Sky ;-)

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  1. ...kann Sky einpacken!

    Allerdings wissen wir doch alle, wie wir Fußball und Serien (im Original) schauen können - so ganz ohne Sky.

    Ich denke das ist eine der größten "Herausforderungen" für das Bezahl-TV in Deutschland.

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  2. Sky bräuchte ich wirklich nur zum Fußball schauen, dafür ist es (mir) aber zu teuer und zu unflexibel.

    Filme & Serien sind in absehbarer Zeit bei diversen Streaming-Dienstleistern aus dem Internet wesentlich kostengünstiger und flexibler zu haben. Da kann man dann wirklich jederzeit al das sehen, was man sehen möchte.

    Schade das es nicht die Möglichkeit gibt Fußball über andere Anbieter aus dem EU-Ausland zu sehen. Das wäre dann echter Wettbewerb und man müsste sich nicht an das Monopol von SKY & der DFL binden.

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    Antwort auf "Streaming"
  4. Bei Premiere gab es noch Eishockey DEL und NHL mit deutschem Kommentar,Fußballligen Spanien,Italien.Das viel alles bei Sky weg, bei gleichem Preis für den Bestandskunden.Wenn wie man las ESPN America sich eventuell aus Europa/Deutschland zurückzieht, hätte Sky noch Möglichkeiten sein Angebotsvielfalt zu verbessern.Die ewigen Dauerschleifen gewesener Fußballspiele sind nervig und keine Neukundenwerbung.

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  5. Ich bin seit kurzem auch Sky-Kunde, vor allem wegen Fussball und aktuellen Serien in Originalton.

    Fussball wurde jahrelang gestreamt, bei den interessanten Spielen sind die Streamingdienste jedoch oft völlig überlastet.

    Ohne Sky+ wäre das Film/serien-Angebot für mich auch völlig uninteressant da ich gucken will wann ich Zeit dafür habe.

    Der gelobte Sky-Go Dienst war hingegen ein große Enttäuschung, Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist das Angebot nicht im Originalton verfügbar. Es wird auch damit geworben bis zu vier mobile Devices nutzen zu können, in der Praxis kann man hingegen nicht zwei Tablets gleichzeitig nutzen.

    Im großen und ganzen sind wir mit Sky aber zufriednen. Wenn man in Deutschland auf legalem Weg zeitnah Filme und Serien im Original sehen will gibt es sowieso keine Alternative.

  6. ...gelegentliches "reinschauen" reichen mir die illegalen Angebote völlig aus.
    Gäbe es diese nicht, wäre es mir auch egal.

    Sky/PayTV ist für mich kein Thema, da ich wenig TV schaue - und Fußball gibt es entweder in der Kneipe oder im Stadion.

  7. ich zahle lieber - freiwillig - für ein sky-paket nach wahl, als - gezwungen - gez. für mich wäre sky vorallem wegen der dokus und serien interessant. wobei es auch englischsprachige sender geben soll. in meinen bekanntenkreis jedenfalls wuchs zuletzt die zahl der sky-abonennten.

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