Steinbrück: Wie konnte das passieren?
Seit er Kandidat ist, macht Peer Steinbrück ständig Fehler. Das liegt an ihm – und an seinem Team.
© Reuters/Tobias Schwarz

Ist er am Ende der falsche Kandidat? Peer Steinbrück bei einer Parteiveranstaltung in Berlin
Vortragshonorare, Kanzlergehalt, Pinot Grigio, ein Hedgefonds-Manager als Internet-Berater, Eierlikörgate, Peer-Blog, Stefan Raab – inzwischen summiert sich die Liste von Peer Steinbrücks Patzern auf sieben. Und das sind nur die bekannt gewordenen.
Peer Steinbrück, das war der Mann, der Deutschland zusammen mit Angela Merkel erfolgreich durch die Finanzkrise steuerte. Damals hatte man den Eindruck, dass Steinbrück eher der stärkere Teil des Duos sei. Ein Mann, der es mit Merkel aufnehmen könnte.
Und jetzt? Verfolgt das Publikum staunend, wie der einstige Krisenmanager kein Fettnapf auslässt und fragt sich: Wie kann das bloß sein?
Auch Steinbrück selbst staunt. Über die Kritik, die ihm entgegenschlägt. Denn der Mann hat sich ja gar nicht geändert. Schon als Finanzminister waren Steinbrücks Ausfälle berüchtigt. Einmal hörte er morgens in den Nachrichten, im Finanzministerium werde ein Plan B zur Bankenrettung vorbereitet. "Wer hat da wieder gequatscht?", fuhr Steinbrück erbost seine Leute an. Und musste sich belehren lassen: "Das waren Sie, Herr Minister." Ihm war entfallen, dass er selbst ein Interview zum Thema gegeben hatte.
Zwei Dinge allerdings haben sich geändert: Der Scheinwerfer ist größer geworden. Und der Apparat, der den Mann umgibt, ihn auch mal schützt, ist kleiner geworden. Falls man überhaupt von einem Apparat sprechen kann. Ja, hat der Mann denn keine Berater?, mag man sich angesichts der Pannenserie fragen. Die Antwort lautet: Doch, aber womöglich die falschen.
Als Gerhard Schröder 1998 Kanzlerkandidat der SPD wurde, da arbeitete die Kampa bereits seit fast einem Jahr. Als Steinbrück Ende September 2012 verfrüht und über Nacht zum Kandidaten ausgerufen wurde, weil der Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier sich bei Journalisten verplappert hatte, da war angeblich schon seit einem halben Jahr klar, dass alles auf Steinbrück hinauslaufen würde. Trotzdem hatte niemand ein Umfeld vorbereitet.
Um den Kandidaten tobte längst die Honorardebatte, als Steinbrück endlich ein "Vertrauter" an die Seite gestellt wurde. Der aber war gar kein Vertrauter, sondern der frühere Sprecher von Gerhard Schröder und Klaus Wowereit, Michael Donnermeyer, der nach einem Ausflug in die Privatwirtschaft auf Jobsuche war. Steinbrück kannte er nicht sehr gut.
Zum Thema Geld, das war bald klar, hätte der Kandidat eigentlich nichts mehr sagen dürfen. Donnermeyer jedoch autorisierte ein Interview, in dem Steinbrück verkündete, der Bundeskanzler verdiene zu wenig. Dann ließ der Kandidat verlauten, einen Wein für weniger als fünf Euro trinke er nicht. Seitdem ist Donnermeyer der Erste, den alle anschauen, wenn ein Sündenbock gesucht wird. Und das passiert jetzt öfter.
Auch untereinander schieben sich die Mitglieder aus Steinbrücks sogenanntem Team inzwischen gern die Verantwortung für Fehler zu. Im Reitsport gibt es den Spruch: Lauter Weltmeister an der Bande, und der einzige Idiot sitzt auf dem Pferd. So ähnlich ist es mit Steinbrücks Team. Jeder lässt durchblicken, wie es laufen könnte. Wenn die anderen nicht so unfähig wären.
Weil Steinbrück Steinbrück toll findet, sucht er gern Leute aus, die er entweder von früher kennt, oder Leute, die ihm ähnlich sind. Bei Donnermeyer, der sehr selbstbewusst auftreten kann, vermutete Steinbrück, er sei ein Profi. Matthias Machnig, Wirtschaftsminister von Thüringen und einst Leiter der SPD-Kampa von 1998, strahlt ein Selbstbewusstsein aus, das sich hinter dem von Steinbrück kaum verstecken kann. Mit Hans-Roland Fäßler, einem ehemaligen Journalisten, ist Steinbrück seit 25 Jahren persönlich befreundet. Zum Wahlkampfexperten macht ihn das nicht.
Als der Peer-Blog auftauchte, verbreitete Fäßler in Berlin, das sei seine Idee gewesen. Damit war das Instrument als angeblich unabhängige Unterstützer-Plattform schon erledigt. Als Nächstes tauchte die leidige Frage nach dem Geld auf. Steinbrück erklärte, er kenne die Finanzierer des Blogs nicht, sein Sprecher sagte, er kenne sie doch. Als der Peer-Blog wegen angeblicher Hacker-Angriffe eingestellt wurde, wollte man deshalb lieber gar nicht wissen, wer die Hacker bezahlt hatte.
Steinbrück habe ein Problem mit Frauen, hieß es zu Beginn seiner Kandidatur. Doch anstatt sich mit jungen, kompetenten Beraterinnen zu umgeben, hat Steinbrück einen Stab ausgewählt, der seine Schwächen verstärkt. So wird jeder Versuch einer Attacke auf die Kanzlerin, jeder Versuch, in das Vakuum zu dringen, das die Wendekanzlerin hinterlässt, zu einem missglückten Comeback.
So wie die Reise nach England, mit der Steinbrück seine Finanzkompetenz wieder in den Vordergrund stellen wollte. Donnermeyer wollte in den Urlaub fahren, in Berlin waren Winterferien. Wegfahren wollten auch die beiden anderen Steinbrück-Berater Heiko Geue, der Steinbrück früher als Abteilungsleiter im Finanzministerium diente, und seine Büroleiterin Sonja Stötzl. Denn Frau Stötzl ist nicht nur Mitarbeiterin von Peer Steinbrück, sondern auch die Partnerin von Geue, für die Patchwork-Familie war es die einzige Möglichkeit, gemeinsam Ferien zu machen. Am Ende fuhren alle Berater in den Urlaub – und der Kandidat reiste allein nach England. Die Pressebegleitung übernahm ein Juniormitarbeiter.





Mobbing kommt in den besten Familien vor. Und das bekloppte Beraterteam nur Steinbrück anzulasten, gehört dazu. Da hätte schon die SPD-Zentrale (außer Frau Nahles) ein Auge drauf werfen müssen. Das Steinbrück trotzdem manchmal vom gesunden Menschenverstand verlassen zu sein scheint, ist schade. Die Kurve werden sie (leider) nicht mehr kriegen.
... nur Zufall?
... nur Zufall?
Die SPD wurde durch den seit 1998 eingeschlagenen Kurs zu soetwas wie einer zweiten CDU. Die Wähler haben das nicht vergessen, was sich im Wahlergebnis von 2009 (23,0%) niedergeschlagen hat.
Seitdem ringen innerhalb der SPD die beiden Flügel um die Vorherrschaft. Nach der krachenden Niederlage 2009 hatte ich eigentlich erwartet das die SPD sich selbst eingesteht das die Agenda2010 war notwendig, die finanziellen und gesellschaftlichen Belastungen dabei aber vollkommen ungleich verteilt worden sind. Diese Einsicht ist bei den führenden Verantwortlichen, im Gegensatz zur Basis ganz offensichtlich nicht angekommen.
Wo ist das Problem einen Fehler der Vergangenheit einzugestehen und sich dann tatkräftig an die Beseitigung dieses Fehlers zu machen? Vertrauen gegenüber einer politischen Partei ist etwas das nicht aus blumigen Reden und Steuergeschenken resultiert, sondern etwas das sich Parteien über Jahre hinweg durch solide und ehrliche Politik verdienen müssen. Willy Brandt hat das damals geschafft, Peer Steinbrück wird das nicht schaffen, ganz einfach weil er das Bild das die Menschen von ihm haben nicht über Nacht verändern kann.
Solange die SPD nicht mit einem Kandidaten auffahren kann, dem man den politischen Wandel zurück zu den Traditionen der Sozialdemokratie auch abnimmt werden wir wohl hoffen müssen das Angela nicht zum zweiten Helmut wird.
<<< Vortragshonorare, Kanzlergehalt, Pinot Grigio, ein Hedgefonds-Manager als Internet-Berater, Eierlikörgate, Peer-Blog, Stefan Raab – inzwischen summiert sich die Liste von Peer Steinbrücks Patzern auf sieben. Und das sind nur die bekannt gewordenen.
Peer Steinbrück, das war der Mann, der Deutschland zusammen mit Angela Merkel erfolgreich durch die Finanzkrise steuerte. Damals hatte man den Eindruck, dass Steinbrück eher der stärkere Teil des Duos sei. Ein Mann, der es mit Merkel aufnehmen könnte. <<<
Es sind nicht die medial aufgepusteten Skandälchen um P€€R, es ist sein bisheriges politisches "Lebenswerk", welches sich vorrangig dadurch auszeichnet, von oben herab, denen die schon haben, weiter zu geben, was diesen Mann kaum als Wahlalternative zur Merkelschen Alternativlosigkeit empfiehlt.
Und die Propaganda, von SuPeer, dem Retter der dt. Sparguthaben, achwas, der ganzen Welt, zieht langsam nicht mehr.
Daher, liebe Qualiätsjournalisten:
Hofberichterstatter werden ebensowenig gebraucht, wie Politiker, die nur ihren Parlamentssitz warmhalten können.
Wenn Ihr nicht mitsamt des politischen Establishments mit Schimpf und Schande in der Bedeutungslosigkeit versinken wollt, sollten Ihr vielleicht mal euer Verhältnis zu Big Goverment und Big Business und Big Money, die hinter ersten stehen, überdenken.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
... nur Zufall?
Steinbrücks größter Fan ist Steinbrück - und darin liegt auch sein größtes Problem. Diese Selbstverliebtheit und autosuggestive Genialität klingen in jeder Äußerung an und werden doch gleichzeitig durch seine Verfehlungen im Vorfeld und während der Finanzkrise in Frage gestellt.
Herr Steinbrück, allein mit rhetorischen Kabinettstückchen und polternder Polemik gegen andere Staaten gewinnt man keine Wahlen. Und wenn doch, dann tut es mir um den Wähler leid.
mit journalistisch guten und sachlichen Beiträgen.
Wenn man sich einmal das Abstimmungsverhalten der SPD im BT anschaut, sei es nun zum ESM oder zu einem Verbot der Wasserprivatisierung , so stellt man fest, dass die SPD geschlossen auf einer Linie mit der CDU liegt.
Was hat also die SPD, was die CDU nicht hat?. Die SPD hätte eine Chance gehabt, wenn sie eine deutliche Korrektur ihrer Agenda 2010 vorgenommen hätte und eine sozialere Politik proklamiert hätte.
Es ist ja nun bei Steinbrück nicht nur so, dass er aktuell in ein Fettnäpfchen nach dem anderen tritt, sondern dass ihn seine biographischen Untaten - von einem Kommentator "Lebenswerk" genannt - wieder einholen.
Und die sind dergestalt, dass ich die Frage, ob ich von diesem Mann einen Gebrauchtwagen kaufen würde, eindeutig mit "Nein" beantworten würde.
Und hier noch ein Peerschmankerl. Publziert von der Linksfraktion am 7.3.2013
http://www.linksfraktion....
Auftragnehmern finden sich Banken wie Goldman Sachs, Credit Suisse und Deutsche Bank, oder auch Unternehmensberatungen wie McKinsey und Ernst & Young.
(...) der damalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) dieses Gesetz von der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer schreiben ließ und ihr dafür Honorare in Millionenhöhe zahlen ließ. Die selbe Kanzlei befindet sich nun auch in der Liste der externen Berater der Bundesanstalt. Besonders brisant ist, dass sich Steinbrück wiederum privat von „Freshfields“ für einen Vortrag buchen und fürstlich entlohnen ließ.
jegliche Propagande der Medien stärkt ihn doch. Frau Merkel hat ein sehr dünnes Kabinett und die täglichen Hammermeldungen kommen von FDP und der CDU. Mann kann und sollte ihn auch nicht mit dem Frahm (so wurde Willy Brandt von den CDUlern der damaligen Zeit genannt) vergleichen. Seine Zeit hatte weit andere Probleme zu bekämpfen. Willy Brandt schrieb selber gerne reden und war rhetorisch vielen überlegen. Peer Steinbrück hat sein eigenes Auftreten und seine eigen Rhetorik und diese ist weit authentischer und erlicher als das was uns Lobbypolitker derzeit bieten. Ein weitaus besseren Kandidaten FÜR Deutschland (nicht für die SPD veilleicht) gibt es nicht. Die Probleme unserer Zeit brauchen weit mehr als das was Dr. Merkel bietet ansonsten hätten wir alle das Gefühl es wird besser.
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