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Bislang sollten Trekkingsandalen vor allem schwitzende Füße vermeiden. Jetzt gibt es Modelle von Prada und Céline - mit Pelzbesatz. Von Tillmann Prüfer von 

Keine Alternative zu orthopädischen Latschen: Sandale von Céline, 695 Euro

Keine Alternative zu orthopädischen Latschen: Sandale von Céline, 695 Euro  |  © Peter Langer

Mode und Bequemlichkeit haben nichts miteinander gemein. Dort, wo Komfort beginnt, hört Mode auf. So war es jedenfalls bislang. Mode ist nach außen gerichtet, man zieht sich für die anderen an. Das Bequeme tut man hingegen nur für sich. Wenn sich eine Frau auf 14 Zentimeter hohe Absätze stellt und in einen Rock zwängt, in dem sie sich nur in Trippelschritten bewegen kann, kann man davon ausgehen, dass sie es aus repräsentativen Gründen tut. Sitzt sie im Schlabberpullover vor dem Fernseher, dann ist sie allein und gönnt sich Bequemlichkeit.

Wer in bequemen Kleidern in die Öffentlichkeit tritt, tut dies entweder demonstrativ oder aus Ignoranz. Letzteres kann man ruhig als deutsche Spezialität bezeichnen. Etwa der Auftritt in Fleecejacke und Trekkingsandalen. Trekkingsandalen zählen tatsächlich zu den meistverkauften Schuhen in Deutschland. Ein Zwitter zwischen Halbschuh und Sandale, bequem und atmungsaktiv. Was bedeutet: Darin schwitzt man nicht. Allerdings erinnert der Anblick eines schweißverhindernden Schuhs den Betrachter vor allem an eines – einen schwitzenden Fuß. Dies alles nehmen Menschen in Kauf, die in Trekkingsandalen durchs Leben gehen.

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Das muss man wissen, wenn man einordnen möchte, was verschiedene Modemarken für diesen Sommer vorschlagen. Nämlich Sandalen, die verdammt an Trekkingsandalen erinnern. Man sieht sie beispielsweise bei Christopher Kane. Und Céline präsentiert Modelle, die wie Birkenstock-Sandalen mit einem Fußbett aus farbigem Pelz wirken. Auch bei Miu Miu und der Resort-Kollektion von Prada sind plattfüßige Latschen angesagt. Was die Frage aufwirft: Hatten die Trekkingsandalenträger etwa die ganze Zeit recht? Waren sie geradezu Vorreiter, die die besondere Ästhetik des klobigen, belüfteten Fußes schon vor Miuccia Prada erkannt haben?

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick   |  © Peter Langer

Nein, waren sie nicht. Die Christopher-Kane-Sandale und der Céline-Treter sind ein Zitat. Es gehört zum Handwerk jedes Designers, ein Stilelement aufzunehmen und neu zu interpretieren. Auch die deprimierende Optik von orthopädischen Latschen lässt sich auf diese Weise neu betrachten. Um modisch zu sein, kommt es auf das Motiv an. Ein Trost für alle Trekkingsandalenträger: Das Céline-Modell ist bestimmt weniger bequem. Und dieser Pelz: Schwitzt man da nicht?

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Leserkommentare
    • Mari o
    • 02. März 2013 23:37 Uhr

    Falls mir mal so Pelzlatschen begegnen sollten ,weiß ich sie jetzt wenigstens zu würdigen.
    Ein guter Titel fehlte vielleicht noch
    z.B.
    "Latsche à la dejeuner en fourrure"

    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/c/c1/M%C3%A9ret_Oppenheim_Objec...

    Eine Leserempfehlung
  1. Im "Dossier" wird das Thema behandelt, dass man auch mit "weniger" zufrieden sein kann. Und im Magazin (hier online) schreibt Herr Prüfer über Latschen (!) für 700 Euro. Herr Westerwelle (von dem ich sonst nicht allzu viel halte) hat in anderem Zusammenhang mal von "spätrömischer Dekadenz" gesprochen. Voilà!

    • auk
    • 21. März 2013 9:27 Uhr

    "Mode und Bequemlichkeit haben nichts miteinander gemein"? Mag sein, dass das faktisch leider meist der Fall ist. Für mich besteht das Ziel und die Kunst des Designs aber gerade darin, Zweckmäßigkeit (ich fühle mich gut) mit Schick (die anderen fühlen sich gut) zu vereinen. Good ol' Bauhaus.

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  • Serie Stilkolumne
  • Schlagworte Prada | Absatz | Handwerk | Pelz | Rock | Ästhetik
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