Wenn Inga Wolf erklären möchte, was sie beruflich macht, beginnt sie zu malen. Ein Häuschen, in dem eine kleine Figur steht. "Ein Tante-Emma-Laden", sagt Inga Wolf. Unter das Häuschen kommt ein großes Viereck, in ihm viele kleine Kästchen. "Und das ist ein großer Supermarkt, so ein Wellblech-Palast im Gewerbegebiet." Die kleinen Kästchen, das sind die Kassen.

Tante Emma, erklärt Wolf, wusste, was Herr Meier gerne für einen Wein trinkt und dass Frau Schneider immer darauf achtet, was gerade im Angebot ist. Man kannte sich eben. Das gehe im Supermarkt nicht, "und außerdem: Vielleicht lag Tante Emma ja bei Herrn Meier und Frau Schneider richtig – aber wusste sie, was jüngere Kunden gerne im Sortiment gehabt hätten?"

Inga Wolf weiß das auch nicht, aber wenn sie will, kann sie es ausrechnen. Im Auftrag des Daten-Dienstleisters Emnos hilft sie Supermarktketten auf der ganzen Welt dabei, Tante Emma in ihrer größten Stärke sogar noch zu übertreffen: den Kunden zu kennen, mit seinen Gewohnheiten und Wünschen. Dazu verlässt sie sich auf Zahlen: Über das große Viereck für den Supermarkt hat sie noch ein kleineres gemalt. Den Kassenbon, mit vielen Details. Neben dem Geld lassen die Kunden viele Daten an der Kasse – von der Nummer der Kundenkarte über Datum und Uhrzeit des Einkaufs bis hin zur Kennung der Artikel.

Die Datengräber wissen, wie die Pizzen angeordnet werden müssen

Informationen wie diese sammeln viele Firmen und Institutionen seit langer Zeit: Internetseiten dokumentieren das Surfverhalten und was ihre User einstellen, Handelsketten die aktuellen Regalbestände, Staumelder horten Verkehrsdaten. Viele erhoben solche Daten bislang, ohne richtig zu wissen, was sie damit anfangen sollen – die Menge der Informationen war zu groß, ihre Ordnung zu gering. Das ändert sich nun: "Big Data" – so bezeichnet man diese ungeheuren Mengen an Informationen – ist in der IT-Branche ein neues Modewort geworden. Auf der Cebit, die nächsten Dienstag in Hannover beginnt, ist Big Data eines der fünf wichtigen Trendthemen. Experten rechnen 2013 mit einem Umsatzzuwachs von 38 Prozent bei den Datenanalysten.

Um die Informationsflut sinnvoll auszuwerten, braucht man Spezialisten wie Inga Wolf und ihren Kollegen Harald Dietrich. Man nennt ihren Beruf Data Miner, angelehnt an die Bergleute, die Stollen ins Gestein treiben, um an Rohstoffe zu gelangen. Eine Ausbildung oder ein spezielles Studium gibt es dafür bisher nicht, die Data Miner nähern sich ihren Aufgaben aus verschiedenen Richtungen. "Man kann das als Student auch kaum üben", sagt Harald Dietrich, "welche Universität hat schon so riesige reale Datensätze zur Verfügung, mit denen man ein wenig rechnen könnte?" Bei Emnos arbeiten deshalb Software-Ingenieure, Physiker, Betriebswissenschaftler und sogar Geografen.

Emnos ist eine Tochter des Unternehmens Loyalty Partner, das mit der Payback-Karte Kunden an bestimmte Handelsketten zu binden versucht. Ähnliche Karten gibt es mittlerweile in vielen Ländern. Weil für das Rabattsystem jede Transaktion aufgezeichnet wurde, fielen exakte Informationen über das Einkaufsverhalten an. Seit 2003 analysiert Emnos die gesammelten Daten für seine Kunden "mit dem Ziel, Produkte ideal auszuwählen, zu platzieren, ihren Preis festzulegen und die Werbung zu optimieren".