Nichts ist rechts oder extremistisch an der Idee, den Euro aufzugeben und eine neue, kleinere Währungsunion in den europäischen Nordländern zu gründen. Es sind namhafte, unzweifelhaft demokratisch denkende Politiker, Publizisten und Ökonomen, die aus dieser Idee gerade eine Partei machen wollen. Dass sie es tun, ist ein Gewinn für die Demokratie, weil sie die peinlichste Schwäche des euroskeptischen Lagers endlich überwinden und den Anhängern einer weit verbreiteten Haltung eine wählbare Alternative anbieten. Mit einigem Recht könnte man es infam nennen, diese Idee auch nur in Zusammenhang mit rechtem Extremismus zu erwähnen – wenn es nicht unvermeidlich wäre.

Dass es so ist, hat nichts mit den Gründern der neuen Anti-Euro-Partei zu tun, und auch nicht mit ihren Ideen. Es hat mit ihren Anhängern zu tun – nicht denen, die sie schon haben, sondern denen, die sie demnächst haben werden.

Es ist eine deutsche Besonderheit, dass dieses Land keine erfolgreiche populistische Partei hat. Es gibt keinen deutschen Berlusconi, keinen deutschen Wilders, keine deutsche Kjærsgaard, und das liegt nicht am ungeeigneten Personal. Es liegt an einer kuriosen Spätfolge der deutschen Vergangenheit: Wer immer rechts von der Union eine Partei gründet, mit welchem Anliegen auch immer, der findet sich binnen kürzester Frist in Gesellschaft von Leuten wieder, die spätestens nach dem zweiten Bier der Ansicht sind, dass über den Zweiten Weltkrieg und die Juden auch noch mal gesprochen werden müsse.

Gar nicht erst reinlassen oder später wieder rauswerfen?

Den Gründern der Anti-Euro-Partei ist das übrigens völlig klar. "Da stehen dann schnell die Braunen bei Ihnen im Saal" – das hat Hans-Olaf Henkel selbst gesagt, als er der Versuchung, eine Partei zu gründen, aus nämlichem Grund noch widerstand. Man wolle mit aller Macht Extremisten fernhalten, lässt die neue Partei "Alternative für Deutschland" wissen – ein Satz, der auf geradezu komische Weise das ganze Dilemma offenbart: Braucht eine neue Partei nicht alle Macht, die sie aufbieten kann, um Anhänger erst einmal zu gewinnen?

Als Nächstes kommen Distanzierungen, Unvereinbarkeitserklärungen, Ausschlussverfahren. Die "Freiheitspartei" eines ehemaligen Berliner CDU-Abgeordneten hat es mit schriftlichen Erklärungen versucht: Die Mitglieder mussten versichern, nie einer rechtsradikalen Partei angehört zu haben. Wofür stand doch gleich die "Freiheitspartei"?