Studiumfinanzierung : Vorsicht, Armutsfalle

Wenn Eltern das Studium nicht finanzieren können, springt der Staat ein. Meist klappt das gut. Bis auf Ausnahmen, mit denen viele Studenten nicht rechnen.

Falle 1: Mangelnde Bedürftigkeit: Wenn die Eltern nicht zahlen

Das Bafög-Amt geht davon aus, dass die Eltern für den Unterhalt und die Ausbildung ihrer studierenden Kinder aufkommen, denn nach dem bürgerlichen Recht sind sie dazu verpflichtet, ihnen eine erste Ausbildung zu finanzieren. Das Kind hat im Gegenzug die Verpflichtung, sein Studium möglichst schnell zu absolvieren. Wer also häufig das Studienfach wechselt oder 16 Semester bis zum Bachelor braucht, verliert diesen Anspruch. Für alle anderen gilt: Ihnen stehen, wenn sie nicht mehr zu Hause wohnen, monatlich 670 Euro zu – zuzüglich des Geldes für einen Krankenversicherungsbeitrag und die Studiengebühren. Die rechtliche Regelung ist also eindeutig. Grundsätzlich hat man einen Unterhaltsanspruch gegenüber seinen Eltern. Doch was, wenn die nicht mitspielen?

"Wer verklagt schon seine Eltern?", fragt Svenja Hahn, Sprecherin der Liberalen Hochschulgruppen. Sie plädiert für ein eltern- und vermögensunabhängiges Bafög, für einen Grundbetrag, der jedem Studenten zustehen soll, den er später zurückzahlen muss und der bei Bedürftigkeit aufgestockt wird. So soll gewährleistet sein, dass Studenten mit einer gewissen Sicherheit planen können. In anderen europäischen Ländern wie Dänemark und den Niederlanden gibt es solche Förderungsmodelle bereits.

Falle 2: Überlastete Bürokratie: Zu viele Bafög-Anträge pro Amt

Selbst Studenten, deren Bedürftigkeit eindeutig festgestellt wurde und die somit ein Anrecht auf Bafög haben, können in eine finanzielle Bredouille geraten, wenn die Zahlungen nicht rechtzeitig auf dem Konto ankommen. Das passiert häufiger. In einigen Bundesländern ist die Situation so verfahren, dass Studenten sechs Monate lang auf ihr Geld warten müssen, mit teils schwerwiegenden Folgen: In Berlin beispielsweise konnten einzelne Studenten ihre Mieten nicht mehr zahlen – ihre Wohnungen wurden zwangsgeräumt.

Der Grund dafür, dass die Studenten kein Geld auf ihrem Konto haben, ist ein personeller Engpass bei den Behörden: Mit der Zahl der Schulabgänger steigt auch die Zahl der Bafög-Anträge – es gibt aber nicht mehr Berater als vorher, die diese bearbeiten könnten. Dementsprechend sind sie überlastet. Im Bezirksamt Berlin-Charlottenburg etwa kommen auf einen Mitarbeiter 800 bis 900 Bafög-Anträge pro Jahr, dabei kann er nur 500 Anträge bewältigen. Das Problem besteht nicht nur in Berlin, sondern bundesweit. "Auf einen Berater kommen 750 Fälle", sagt der Vorsitzende des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyde. Lösen könnten diese Misere nur die Landesregierungen, indem sie mehr Geld für Personal bereitstellten.

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Kommentare

78 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Aufgerechnet wird hier nichts

Das wirkliche Problem hier sind die Niedriglohnjobs. Diese Menschen haben, im Vergleich zu Studenten, oft kaum eine Perspektive, wenig Vergünstigungen im täglichen Leben und vielleicht noch eine Familie durchzubringen. Die öffentlichen deutschen Hochschulen bieten dagegen eine hervorragende, international anerkannte akademische Ausbildung gegen einen Unkostenbeitrag. Nur für die Lebenshaltungskosten muss unter Einbeziehung der genannten Mittel irgendwie aufgekommen werden – das kann doch kein Ding der Unmöglichkeit sein. Und wenn doch, gibt es noch so etwas wie ein duales Studium, wenn man auf akademische Freiheit ein Stück weit verzichten kann. Nichtsdestotrotz finde ich es gut, dass auch über (Einzel-)schicksale berichtet wird, die ich auch gar nicht in Abrede stellen möchte. Das System ist an einigen Stellen offensichtlich verbesserungswürdig, ingesamt scheint es aber gar nicht schlecht zu funktionieren. Haben wir nicht mehr Studienanfänger als jemals zuvor?