Banker-BoniBrauchen wir ein Gesetz gegen Gier?

Nein: Die Banker sollen ruhig ihre Boni kriegen, aber bei Versagen müssen sie zur Kasse gebeten werden von 

Auch Marktfreunde geraten in Rage, wenn ein Deutschbanker einen 80-Millionen-Bonus kassiert. Oder wenn dem Chef des Schweizer Pharma-Konzerns Novartis der Abschied mit knapp 60 Millionen Euro vergoldet wird. Solche Summen sind Indiz genug für die Kluft zwischen Lohn und Leistung. Und süß ist die Rache, die sich die EU und das Schweizer Wahlvolk ausgedacht haben. Die EU will die Boni deckeln, die Schweiz "Begrüßungsgelder" und "goldene Fallschirme" verbieten; die Gehälter sollen nicht per Selbstbereicherung, sondern durch die Aktionäre bestimmt werden. Bei näherem Hinsehen tauchen allerdings zwei harte Fragen auf.

Einmal: Wirkt die Strafe für Gier & Exzess erzieherisch, also nachhaltig? Zum Zweiten: Kann sie verhindern, was noch heftiger schrecken müsste als "Abzockerei"? Das ist die nächste Blase, die – wenn sonst alles beim Alten bleibt – so platzen wird wie alle anderen seit dem "Tulpenwahn" im 17. Jahrhundert, als eine Zwiebel so viel brachte wie ein edles Wohnhaus. Die Antworten beruhigen nicht. Vorweg verbietet der Lissabonner EU-Vertrag die staatliche Lohn-Reglementierung; folglich wird vor den Gerichten landen, was die Finanzminister in dieser Woche ratifizieren sollen. Überdies: Warum soll ein Fußballer Millionen an "Begrüßungsgeld" kriegen, der brillante Banker aber nicht? Weiter: Preise, die per Ukas oder Volksentscheid festgesetzt werden, sind nicht "nachhaltig" – ob für Güter oder Arbeit.

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Die eigensüchtigen Argumente der Banker lassen sich nicht so einfach wegwischen. Boni werden sich in höhere Fixgehälter verwandeln oder in Geldwertes wie Pensionen. Oder der Hochgeschwindigkeitshandel wandert aus nach New York und Singapur. Das Kapital, notierte schon Karl Marx, kennt kein Vaterland. Selbst in der Sowjetunion wütete die Ungleichheit: Niedriglöhne für die Masse – Datschas und Privatkrankenhäuser für die Nomenklatura. Wie Wasser fließt Geld an Dämmen und Wehren vorbei, im Kapitalismus wie im Sozialismus.

Letztlich aber sind Boni und "goldene Fallschirme" nicht der Brandherd, sondern nur der Rauch. Den wegzublasen löscht das Feuer nicht – die eigentlichen Ursachen einer Weltkrise, die sich nicht wiederholen darf. Wie entstehen solche Blasen, die Gier & Exzess überhaupt erst ermöglichen? Ihr Treibsatz ist der finanzielle Fehlanreiz, der rationales Handeln zur Katastrophe für das Ganze verdichtet.

Das Desaster muss entstehen, wenn Rendite und Risiko entkoppelt werden. Nehmen wir den Händler, der Hunderttausende von hochriskanten, undurchsichtigen Finanzinstrumenten kauft und verkauft und für das märchenhafte Ergebnis zum Jahresende ein Vielfaches seines Fixums als Bonus einstreicht. Nicht er trägt das Risiko, nicht einmal seine Bank, denn die ist "systemrelevant" – too big to fail. Also beißen die Hunde den Letzten – den Steuerzahler, der die Bank mit Abermilliarden retten muss, weil sonst das weltweite Finanzsystem zusammenbricht. Das Spiel heißt: Zahl, ich gewinne; Kopf, du verlierst.

Auf dem Höhepunkt der Blase haben die Finanzakrobaten an der Spitze der US-Einkommenspyramide dreimal mehr verdient als die Kapitäne der Realwirtschaft, die großen fünf der Hedgefondsmanager mehr als die Top 500 im nichtfinanziellen Bereich. Im Kasino-Kapitalismus verliert nie das Haus, nur der Steuerzahler.

Die Banker sollen ihre Boni kriegen, aber die gehören jahrelang auf Eis gelegt, um Verantwortung zu schärfen. Oder so: Kein Bonus ohne Malus, Bestrafung statt Belohnung. Doch liegt die Schuld mindestens zur Hälfte beim Staat. Er hat in Amerika Billionen an Wackel-Hypotheken abgesichert und so den Roulettetisch bereitet; dem Gewinn stand kein Risiko gegenüber. Den Gläubigern der EU-Krisenländer nahm der Staat in Gestalt der Währungsunion das Abwertungsrisiko ab; jetzt werden sie durch die Europäische Zentralbank gerettet. Schließlich hat der Staat die Banken zu "systemrelevanten" Monstern heranwachsen lassen und so die Branche vor dem eigenen Wahnsinn geschützt.

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