Millionär und Europa-Gegner Frank Stronach auf einer Wahlkampfveranstaltung am 1. März in St. Pölten© Heinz-Peter Bader/Reuters

Frank Stronach kann sich als strahlender Sieger fühlen. Mit dem Einzug in den niederösterreichischen und den Kärntner Landtag hat sich die zusammengekaufte Truppe um den Milliardär als politische Kraft in zwei Bundesländern etabliert. Kein schlechter Start für eine neue Partei, die vorgibt, eigentlich gar keine sein zu wollen.

Doch gerade deshalb hat Stronach Erfolg: Er will alles das sein, was der Politik des demokratischen Alltags widerspricht. Und gewinnt damit all jene, die sich der Mühen dieser Politik nicht unterziehen und sie auch gar nicht beobachten wollen. Die Nichtpartei der Wutbürger will eine Politik der Nichtpolitik.

Das ist das Rezept für den Aufstieg einer Gruppierung, die nach der Nationalratswahl im September bei der Bildung einer Bundesregierung den Ausschlag geben könnte. Etwa, wenn SPÖ und ÖVP zusammen über keine parlamentarische Mehrheit mehr verfügen würden. Das Team Stronach könnte dann vom Nullpunkt in eine Schlüsselposition katapultiert werden: als Unterstützer einer Minderheitsregierung oder als Partner in einer Dreier-Koalition.

Der typische Stronach-Wähler ist in Österreich ein alter Bekannter. Er gleicht dem durchschnittlichen Haider-Strache-Scheuch-Wähler: männlich, eher antiintellektuell und zornig.

Stronach fischt damit im selben Wählersegment wie die Freiheitlichen unter Heinz-Christian Strache und wird in den nächsten Monaten dessen großer Herausforderer. Mit Stronach, nicht mit Werner Faymann, muss der FPÖ-Chef nun in den Ring steigen. Es geht in dem Duell nicht um die Nummer eins, sondern darum, wer die zornigen Modernisierungsverlierer für sich gewinnt, und um die Antwort auf die Frage: Wer ist Österreichs führender Populist?

Für die SPÖ ist das kein Grund zur Freude, denn eine Zuspitzung des Wahlkampf auf ein Duell Faymann gegen Strache hätte die ÖVP zum Zuseher verdammt. Doch dem Bundeskanzler ist der Wunschgegner abhandengekommen. Strache wird wohl, dank Stronach, die SPÖ nicht auf Augenhöhe herausfordern können. Das ist eine schlechte Nachricht für die Freiheitlichen und die Sozialdemokraten gleichermaßen – aber eine gute für die Volkspartei und die Grünen.

Stronach stiehlt Strache die Schau. Er trifft die FPÖ mitten in einer Aufstiegsphase. Die Partei war gerade drauf und dran, die alte Größe der späten 1990er Jahre wieder zu erreichen und Kopf an Kopf mit den beiden Großparteien zum bestimmenden Faktor zu werden. Strache hatte gute Chancen, Haiders Spiel aus den Jahren 1999 und 2000 zu wiederholen, sich als Herausforderer und Gegenspieler der SPÖ zu profilieren, um dann einer geschwächten ÖVP ein Angebot zu machen, das diese nicht hätte ablehnen können.