Frank StronachDer bessere Populist?

Vor allem für die FPÖ wird der Erfolg von Frank Stronachs Millionentruppe zum Problem werden – aber auch für die Sozialdemokratie. von Anton Pelinka

Millionär und Europa-Gegner Frank Stronach auf einer Wahlkampfveranstaltung am 1. März in St. Pölten

Millionär und Europa-Gegner Frank Stronach auf einer Wahlkampfveranstaltung am 1. März in St. Pölten  |  © Heinz-Peter Bader/Reuters

Frank Stronach kann sich als strahlender Sieger fühlen. Mit dem Einzug in den niederösterreichischen und den Kärntner Landtag hat sich die zusammengekaufte Truppe um den Milliardär als politische Kraft in zwei Bundesländern etabliert. Kein schlechter Start für eine neue Partei, die vorgibt, eigentlich gar keine sein zu wollen.

Doch gerade deshalb hat Stronach Erfolg: Er will alles das sein, was der Politik des demokratischen Alltags widerspricht. Und gewinnt damit all jene, die sich der Mühen dieser Politik nicht unterziehen und sie auch gar nicht beobachten wollen. Die Nichtpartei der Wutbürger will eine Politik der Nichtpolitik.

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Das ist das Rezept für den Aufstieg einer Gruppierung, die nach der Nationalratswahl im September bei der Bildung einer Bundesregierung den Ausschlag geben könnte. Etwa, wenn SPÖ und ÖVP zusammen über keine parlamentarische Mehrheit mehr verfügen würden. Das Team Stronach könnte dann vom Nullpunkt in eine Schlüsselposition katapultiert werden: als Unterstützer einer Minderheitsregierung oder als Partner in einer Dreier-Koalition.

Der typische Stronach-Wähler ist in Österreich ein alter Bekannter. Er gleicht dem durchschnittlichen Haider-Strache-Scheuch-Wähler: männlich, eher antiintellektuell und zornig.

Stronach fischt damit im selben Wählersegment wie die Freiheitlichen unter Heinz-Christian Strache und wird in den nächsten Monaten dessen großer Herausforderer. Mit Stronach, nicht mit Werner Faymann, muss der FPÖ-Chef nun in den Ring steigen. Es geht in dem Duell nicht um die Nummer eins, sondern darum, wer die zornigen Modernisierungsverlierer für sich gewinnt, und um die Antwort auf die Frage: Wer ist Österreichs führender Populist?

Für die SPÖ ist das kein Grund zur Freude, denn eine Zuspitzung des Wahlkampf auf ein Duell Faymann gegen Strache hätte die ÖVP zum Zuseher verdammt. Doch dem Bundeskanzler ist der Wunschgegner abhandengekommen. Strache wird wohl, dank Stronach, die SPÖ nicht auf Augenhöhe herausfordern können. Das ist eine schlechte Nachricht für die Freiheitlichen und die Sozialdemokraten gleichermaßen – aber eine gute für die Volkspartei und die Grünen.

Stronach stiehlt Strache die Schau. Er trifft die FPÖ mitten in einer Aufstiegsphase. Die Partei war gerade drauf und dran, die alte Größe der späten 1990er Jahre wieder zu erreichen und Kopf an Kopf mit den beiden Großparteien zum bestimmenden Faktor zu werden. Strache hatte gute Chancen, Haiders Spiel aus den Jahren 1999 und 2000 zu wiederholen, sich als Herausforderer und Gegenspieler der SPÖ zu profilieren, um dann einer geschwächten ÖVP ein Angebot zu machen, das diese nicht hätte ablehnen können.

Leserkommentare
  1. Überraschend kommt dieser Erfolg des "Team Stronach" nicht. Die etablierten Parteien werden von Skandalen geschüttelt, das Land immer wieder von monströsen Verbrechen heimgesucht. Und die Alpenrepublik schnitt bei der Ski-WM im heimischen Schladming schlecht ab. (Das darf in Österreich niemals unterschätzt werden.) Da wird auch einer als Heilsbringer gefeiert, der sein Vermögen in der Schweiz verwaltet, sich regelmäßig aus Steuergründen nach Kanada absetzt und bei Diskussionen einen Totalversager abgibt.
    Zwar bediente sich Stronach beim Zusammenkauf seines Teams vor allem bei den Überresten des korrupten Systems Haider, indem er Hinterbänkler vor allem des BZÖ einkaufte. Zugute halten muss man dem austro-kanadischen Kauz aber, dass er deren Fremdenfeindlichkeit von Anfang an unterband. Wer meinte, in diese gewohnten Denkmuster zurückverfallen zu können, wurde, wie in Tirol, sofort vom Geldstrom abgeschnitten.
    So hat dieses populistische Team der Wendehälse sogar einen Vorteil. Es nimmt der offen fremdenfeindlichen FPÖ Stimmen weg. Es ist noch nicht lange her, da sah sich FPÖ-Chef Strache schon als Vorsitzenden der stärksten Fraktion im Parlament und auf dem Weg ins Kanzleramt. Im völkischen Bauch der FPÖ wird es nun grummeln wegen dieses austro-kanadischen Kauzes.
    Betrüblich allerdings, dass pseudointellektuelle Begriffe aus der Mottenkiste des Neoliberalismus wie "Modernisierungsverlierer" bis in die Alpenrepublik vorgedrungen sind. Wie auch in diesem Artikel.

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  2. "Doch gerade deshalb hat Stronach Erfolg: Er will alles das sein, was der Politik des demokratischen Alltags widerspricht."

    Genau das Gegenteil ist der Fall: Stronach bekämpft die "Eurokratie" in Brüssel. UND DAS MIT RECHT UND ERFOLG!

    Zitat J. C. Juncker: "Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt." - zitiert von Dirk Koch: Die Brüsseler Republik. Der SPIEGEL 52/1999 vom 27. Dezember 1999, S. 136

    "Er gleicht dem durchschnittlichen Haider-Strache-Scheuch-Wähler: männlich, eher antiintellektuell und zornig."

    NEIN - ABSOLUT NICHT - Stronach kämpft gegen eine "globale Elitenpolitik" - für Föderalismus - für Individualität -
    UND DAS IST GUT SO. DANKE HERR STRONACH, DANKE HERR SCHÄFFLER, DANKE HERR HANKEL, DANKE HERR SCHACHTSCHNEIDER - DANKE DASS ES EUCH GIBT!

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    <<< NEIN - ABSOLUT NICHT - Stronach kämpft gegen eine "globale Elitenpolitik" - für Föderalismus - für Individualität - <<<

    Ich denke eher, dass Stronach ganz banal für sich selbst kämpft, und dabei eben den verhassten € und die noch viel verhasstere Nomenklatura zur Profilierung benutzt.
    Kann man machen; ich sehe allerdings nicht, dass Stronach (und Henkels AfD) irgendeinen emanzipatoren, demokratischen Hintergrund hätte, der darauf schließen ließen, das mit deren Mandatierung an die parlamentarischen Futtertröge irgendwas relevant anders werden würde.
    Es sitzen dann eben ein paar andere Schweine am Trog.

    Wenn der politische Betrieb der bürgerlichen Demokratie, also v.a. die Machtlogik innerhalb dieser, idealistische, uneigennützige Bewegungen und Parteien die den Status Quo weitgehend als Unzumutbar ablehnten, kurzzeitig so korrumpiert, dass sie, einmal in der Regierung sämtliche Ideale über Bord werfen, wie soll sich dann eine Partei innerhalb dieser Funktionslogik entwickeln, deren Motivation auf Besitzstandswahrung, Status, Gelderwerb, Karriere und Privilegiensucht gründet?

    Zeitverschwendung, an soetwas Hoffnungen zu knüpfen.

  3. Ach, so macht man heutzutage also Politik. Man kauft sich einfach ein paar Leute und die nötigen Stimmen, und schon kann man bestimmen wo's langgeht. Wir leben tatsächlich in einer Postdemokratie.

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  4. Zu Herrn Stronach uns seiner Partei kann ich mich hier nicht äußern, denn ich weiß nicht (außer aus diesem Artikel), wie er arbeitet und wofür er steht.

    Ich möchte nur darauf hinweisen, dass Politikverdrossenheit kein rein österreichisches Phänomen ist. Die Holländer haben Wilders, die Franzosen Le Pen, die USA die Tea Party-Bewegung; fast jedes Land hat seine eigene Gruppe, die mit Anti-Politik Politik macht. In Deutschland gibt es ebenfalls genug Unzufriedenheit; man muss nur die Masse der abfälligen Politikkommentare im Internet, z.B. Zeit Online, lesen. Zwischen den Politikern und dem Rest der Bevölkerung tut sich ein Graben auf.

    Eine Untersuchung oder Überlegungen dazu, warum das so ist, wären interessant. Und dabei darf man nicht bei bei Einzelparteien oder gar einzelnen Personen hängenbleiben; es muss strukturelle Gründe geben. Übrigens: mit "mangelnder Transparenz" - einem häufigen Vorwurf - hat es wahrscheinlich nichts zu tun; die Politiktransparenz ist viel höher als vor 30 Jahren, die Unzufriedenheit aber auch. Eher könnte es mit der höheren Transparenz zusammenhängen...

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  5. Stronach ist Einer, der wirtschaftlich alles erreicht hat und sich nun in einem Alter, in dem er sich nicht einmal mehr zum Papst wählen lassen könnte, eine neue Spielwiese zum Ausleben seiner Egomanie gesucht hat: die Politik.

    Der Erfolg dieser One-Man-Show zeigt - genau wie frühere Wahlergebnisse von Haider und Strache - zwei negativ zu bewertende Fakten auf:

    1. Die noch immer nur unzulänglich statt findende Aufarbeitung der Rolle Österreichs während der Nazi-Zeit und

    2. Das Versagen beider Großparteien - ÖVP und SPÖ - ihrer wirtschaftlich durchaus sehr erfolgreiche Politik der letzten Jahrzehnte eine adäquate gesellschaftliche Politik folgen zu lassen.

    Noch immer fürchten sich viele ÖsterreicherInnen vor dem Ausland, vor Überfremdung und Fremdbestimmung durch die EU. Ein kleines an der Grenze zu vier Staaten des ehemaligen kommunistischen Machtbereichs mit christlich-westlicher Kultur, das es zu erheblichem Wohlstand gebracht hat und daher etwas zu verlieren hat.

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  6. t Stronach auch nur zu nennen, spricht Bände.

    Selbstverständlich fallen die üblichen Schlagworte wie "Populist", "Nichtpolitik", "FPÖ", "private Millionenaufwendungen".., aber kein Wort zu Stronachs eigentlichem Ziel des Euroausstieges Österreichs.

    siehe: "Euro-Ausstieg je früher umso"

    http://diepresse.com/home...

    Nur eine gewisse Angst des Schreibers vor einem ähnlichem Erfolg der AfD (Alternative für Deutschland), lässt diese journalistisch bedenklichen Weglassungen der Ziele Stronachs, erklärbar werden.

    Die Rechnung wird aber nicht aufgehen, die Euro-Krise/Katastrophe wird das zentrale Thema der Bundertagswahl 2013.

    Ignorieren hilft nicht.

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  7. Warum sind denn diese sog. Populisten so erfolgreich? Weil sie die Wahrheit aussprechen! Immer mehr Menschen, nicht nur die Briten, lehnen die von Brüssel übergestülpte Verwaltung mit ihren absurden Auswüchsen ab. Darüber bin ich sehr froh!
    Das größte Problem ist aber, dass die verfrühte Einführung des Euro Europa zu sprengen droht. Das dürfen wir nicht zulassen. Ich wünsche Herrn Stronach viel Glück und werde mich im eigenen Land der "Alternative für Deutschland" anschließen.

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