FreihandelsabkommenMisstrauische Partner

Japan und die EU wollen ein Freihandelsabkommen vereinbaren. Gar nicht so leicht. von 

Von neuen Welthandelsabkommen, transatlantischen Freihandelszonen und dergleichen ist zurzeit eine Menge zu hören – aber das größte Freihandelsabkommen der Welt, das in naher Zukunft Wirklichkeit werden könnte, ist eines zwischen Japan und der Europäischen Union. Beide Seiten haben in den vergangenen Monaten viel miteinander gesprochen. Und dabei festgestellt: Beide wollen das Abkommen – und beide trauen einander noch nicht über den Weg.

Wer nach Japan kommt und ein ausländisches Telefon benutzen will, stößt schnell auf Probleme. Nicht nur, dass ältere Modelle wegen technischer Standards nicht funktionieren. Eine Sim-Karte für den Zugriff auf das Netz eines örtlichen Telefonbetreibers ist eher unüblich und kaum zu bekommen. Um die Dienste eines japanischen Netzbetreibers zu nutzen, muss in der Regel auch ein japanisches Handy gekauft werden. "So sind unsere Vorschriften", wird man in den Geschäften in freundlichem Ton zu hören bekommen und am Ende tief in die Tasche greifen müssen.

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Das ist eine Form der Handelsbeschränkung: Wenn ausländische Produkte wie zum Beispiel Handys zwar frei importiert werden können, dann aber wegen der örtlichen Vorschriften und Standards kaum eingesetzt werden können.

Vom Frühjahr an will die Europäische Union die offiziellen Verhandlungen mit Japan über ein Freihandelsabkommen beginnen. Alle Handelsschranken zwischen der drittgrößten nationalen Volkswirtschaft und der größten Wirtschaftszone der Welt sollen beseitigt werden. Ein Drittel der weltweiten Wirtschaftskraft wäre direkt betroffen. Ein Freihandelsabkommen dieser Größenordnung gab es noch nie.

Für Verbraucher verspricht man sich niedrigere Preise und eine höhere Produktvielfalt. Die Europäische Kommission schätzt zudem, dass rund 400.000 neue Arbeitsplätze entstehen und die jährliche Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent steigen könnte. Die europäischen Exporte nach Japan könnten um ein Drittel wachsen. Für europäische Unternehmen ist der japanische Markt ohnehin attraktiv. Produkte in Fernost zu verkaufen gilt in zahlreichen Branchen als prestigeträchtig, auch weil dortige Kunden häufig bereit sind, für Qualität hohe Preise zu bezahlen.

Das Problem ist nur: Selbst wenn auf dem Papier nachher freier Handel vereinbart wird, bleiben in der Praxis oft Probleme wie das mit den Handys und den Sim-Karten. Die Japaner sind bekannt dafür, in vielen Geschäftsbereichen ihre eigenen Qualitäts- und Sicherheitsstandards aufzustellen, was Wettbewerbern den Marktzugang erschwert.

Das weiß etwa der Österreicher Martin Glatz. Er vertritt die österreichische Wirtschaftskammer in Japan. "Viele kleine und mittelgroße Betriebe würden gern in den Markt eintreten, aber die Bürokratiekosten sind oft viel zu hoch. Genehmigungsverfahren können Jahre dauern, dann müssen noch Produktanpassungen vorgenommen werden." Das ist im Lebensmittelbereich der Fall, bei Autoteilen und in der Medizintechnik. "Viele unserer Betriebe geben irgendwann auf."

Leserkommentare
    • Lefty
    • 16. März 2013 19:53 Uhr

    am St. Nimmertag wird es soweit sein,zu weit sind Japan und EU auseinander.
    Und wenn man Foristen hier in Ihrer Zeitung glauben darf ist es keineswegs sicher,ob es dann noch die EU geben wird.

  1. die Yakuza läuft in Japan gar nichts.
    Hoffentlich ist das auch der EU klar.
    Was soll dem Freihandelsabkommen im Wege stehen.
    Ein Vertrag hat nur solange Bestand, wie die Unterzeichner einen Vorteil für sich darin sehen.
    Ist einer unzufrieden löst er sich in Luft auf, oder muss nachverhandelt werden.

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    Ich denke nicht, dass die Deutsche Wirtschaft noch große Anstrengungen unternehmen sollte, in Japan Fuß zu fassen. Diese Kräfte sollten lieber auf Indien, Südamerika, und mit Einschränkungen auch China konzentriert werden.
    Warum, weiss jeder, der einmal längere Zeit in Japan gelebt hat, und einen Einblick bekommen konnte, wie das Land hinter der bröckelnden Fassade einer Scheindemokratie tatsächlich funktioniert. Und diejenigen, die Japan nur aus der Ferne - also den völlig verfremdenden da viel zu gutmütigen Berichten der westlichen Medien und Forschung kennen, werden ihr Japanbild spätestens bei Beginn eines Ostasienkrieges einem "Reality Check" unterziehen müssen.
    Gegen Japan ist Italien der reinste Musterknabe, was Korruption und Verflechtungen von Wirtschaft und Politik mit organisierter Kriminalität angeht. Es gibt praktisch nur eine Partei - LDP - gegründet von Yakuza-Größen (z.B. Yoshio Kodama) und heute geführt von den ultranationalistischen Nachfahren verurteilter Kriegsverbrecher (Premier Shinzo Abe) oder Besitzern von Diamantenminen in Sierra Leone (Finanzminister und Ex-Premier Taro Aso).
    Der Westen hat mit der Scheindemokratie Japan lange Zeit gute Geschäfte gemacht und wohlwollend über die erschreckenden Abgründe der Japanischen Gesellschaft hinweggesehen. Leider ist gerade jetzt, wo sich die Frustration in Zulauf zu rechten Demagogen und einem Wiederaufleben des Militarismus äußert, Japan aufs Wirtschaftliche Abstellgleis gefahren und damit aus dem Fokus.

  2. ... stehen wirklich vor dem bahnbrechenden Problem, dass japanische SIM-Karten nicht in Ihren Handys funktionieren?

    Laßt die Japaner ihr Ding machen und wir machen unser Ding!

    Der Verbraucher ist sowieso der Letzte, der profitiert, denn Zölle, die wegfallen, muß er ja z.B. über andere Steuern wieder gegenfinanzieren.

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  3. Hallo,

    >>2011 rutschte das Land erstmals seit mehr als 30 Jahren in ein Handelsdefizit.

    Vielleicht sollte man auch dazu schreiben, dass dieses durch einen starken Energieimport nach dem Reaktorvorfall von Fukoshima bedingt ist (und nicht durch die normale Wirtschaftskraft von Japan).

    Handynetze:
    Die japanischen 3G Netze benutzen zum Teil andere Frequenzen. Das ist aber auch nicht anders, als wenn Sie nach China oder in die USA fahren. Wenn Sie ein modernes Smartphone mit einem Laufzeitvertrag besitzen, so ist die Chance gross, dass ihr Handy in Japan ganz normal funktionieren wird.

    Und für die Viel-Internetnutzer gibt es selbstverständlich auch Daten-SIM-Karten zu kaufen: http://www.bmobile.ne.jp/...
    Wer sich in einem Geschäft etwas anderes aufschwatzen lässt ist nur uninformiert.

    bye Martin

    3 Leserempfehlungen
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    Es geht dabei doch um etwas ganz anderes: Wer Handys auf dem japanischen Markt anbieten will, muss sich an den dortigen Standard anpassen. Die Kosten davon halten europäische Exporteure von solchen Plänen ab.

    Die Benutzung ausländischer Handys in Japan mit Roaming hat damit nur wenig zu tun. Zugegebenermaßen hat sich der Autor mit dem Handy aber ein schlechtes Beispiel herausgesucht angesichts des desatrösen Zustands der europäischen Handyhersteller.

  4. 5. Handys

    Es geht dabei doch um etwas ganz anderes: Wer Handys auf dem japanischen Markt anbieten will, muss sich an den dortigen Standard anpassen. Die Kosten davon halten europäische Exporteure von solchen Plänen ab.

    Die Benutzung ausländischer Handys in Japan mit Roaming hat damit nur wenig zu tun. Zugegebenermaßen hat sich der Autor mit dem Handy aber ein schlechtes Beispiel herausgesucht angesichts des desatrösen Zustands der europäischen Handyhersteller.

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    >>Wer Handys auf dem japanischen Markt anbieten will, muss sich an den
    >>dortigen Standard anpassen. Die Kosten davon halten europäische
    >>Exporteure von solchen Plänen ab.

    Eher minderwertige Produkte. Nokia hatte lange Zeit versucht dort Handys anzubieten. Aber die Bedienführung war sehr anders als die jap. Handys und nicht überragend besser. Warum sollte sich so etwas ein Konsument antun?

    Apple hat in Japan gezeigt, dass es auch anders geht.
    Gefühlt wird heute in Japan die Hälfte des Handyzubehörs für iPhone 4/4S/5 angeboten. Gehen sie einfach mal in Tokyo in einen Laden.
    Auch Samsung oder Google-Handys können Sie direkt in Japan kaufen.

  5. Freihandel ist an sich was Schönes, nur gibt es ein Problem:

    Damit Freihandel fair funktioniert brauchen beide Länder (oder Wirtschaftsräume) ähnliche Löhne und Lebenserhaltungskosten - ob das im Vergleich Japan vs. Europa der Fall ist möchte ich mal bezweifeln - wenn schon in Europa das Niveau sehr unterschiedlich ist.

    Wenn allerdings ein Land wesentlich geringere Lohnkosten anbietet, so wird die Industrie durchaus zuwandern - und aus den teureren Ländern auswandern.
    In Anbetracht der aktuellen finanziellen Situation in Japan würde es mich nicht wundern wenn die Regierung versuchen würde ausländischen Investoren Anreize anzubieten - was dann wiederum für uns in Europa schlecht wäre.

    Andererseits - warum passt man die Zölle nicht regelmäßig an? Zum Beispiel alle 12 Monate für 12 Monate - wenn die Löhne und Lebenskosten ähnlich sind fallen die Zölle auf 0%, je niedriger die Löhne und Lebenskosten beim Handelspartner sind, desto höher der Einfuhrzoll um ein Auswandern zu verhindern. Sind Löhne und Lebenskosten im Ausland höher ist der Zoll bei 0%.
    Damit ließe sich die Ungleichheit der Einkommen und Lebenskosten ein wenig austarieren was auf Dauer sehr positiv wäre.

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    Sorry, Ihre Thesen ueber Freihandel sind gelinde gesagt absolut falsch. Offensichtlich wissen Sie nichts vom komparativen Kostenvorteilen oder? Jedes Land hat in letzter Konsequenz in der Produktion eines Gutes einen komparativen Vorteil. Auch die Loehne sind hier nicht relevant, was relevant ist, sind die relativen Lohnstueckkosten. Am besten Sie lesen mal ein Fachbuch ueber Internationalen Handel. Krugman & Obstfeld: "International Economics" ist sehr empfehlenswert.

    In Ihrem Kommentar gibt es keine Transportkosten oder zumindest nur vernachlissigbare Transportkosten. Das passt zu der Wirtschasfststrheorie, die diese auch gerne vernächlässigt oder zumindest nur in geringem Umfang einkalkuliert.
    Es bedarf schon solcher Lonunteschiede wie zwischen China und Deutshcland, um chinesische Einfuhren in Deutschland rentabel zu machen. Und dann sagen unsere Unternehmer, wir brauchen einen Nideriglohnsektor, um gegen China bestehen zu können.
    Vielleicht sollte man nach gut 100 Jahren mal die Realität in die theoretischen Modelle einfliessen lassen.

    ... ein paar Vorurteile aus den 70er Jahren zu revidieren?

    http://de.kushnirs.org/ma...

    Ihre Daten zur japanischen Wirtschaft sind in etwa so alt wie vereinfachten Modelle, die Sie zitieren.
    Mit Ihrer Argumentation kann man eher den Japanern von einem Freihandelsabkommen abraten, weil Deutschland im Vergleich das Billiglohnland ist.

  6. 7. Handys

    >>Wer Handys auf dem japanischen Markt anbieten will, muss sich an den
    >>dortigen Standard anpassen. Die Kosten davon halten europäische
    >>Exporteure von solchen Plänen ab.

    Eher minderwertige Produkte. Nokia hatte lange Zeit versucht dort Handys anzubieten. Aber die Bedienführung war sehr anders als die jap. Handys und nicht überragend besser. Warum sollte sich so etwas ein Konsument antun?

    Apple hat in Japan gezeigt, dass es auch anders geht.
    Gefühlt wird heute in Japan die Hälfte des Handyzubehörs für iPhone 4/4S/5 angeboten. Gehen sie einfach mal in Tokyo in einen Laden.
    Auch Samsung oder Google-Handys können Sie direkt in Japan kaufen.

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    Antwort auf "Handys"
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    Kann ja sein, dass man heute bereits ausländische Handys in Japan kaufen kann. Die Frage ist nur: Zu welchem Preis für die Produzenten? Es ist schlicht gesamtwirtschaftlich ineffizient, wenn man für jedes Land Anpassungen vornehmen muss. Vielleicht hätten die ausländischen Hersteller ja noch höhere Marktanteile ohne die Handelsbarrieren?

  7. Die Japaner werden nicht mit deutschen Dumpinglöhnen mithalten können. Dass ein Unternehmen nur die Hälfte des Lohns bezahlt, und der Staat mit Steuergeldern aufstockt, dass wird die im Falle einer Freihandelszone sehr zu schaffen machen.

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