Auch Katharina Mick soll gehalten werden. Die 26-Jährige sagt von sich selbst, sie habe in ihrem Leben noch nie gebummelt: "Ich wollte immer, dass es vorangeht. Ich kann mir nicht vorstellen, keine Aufgabe zu haben." Mick war sehr gut in der Schule, spielte obendrein Volleyball in der Verbandsliga, tanzte Ballett und übte Klavier. Jeden Tag stand etwas anderes auf der Freizeitagenda. Zum Schüleraustausch fuhr sie nach Holland, Frankreich, Russland und Amerika. "Meine Eltern haben mich in dieser Hinsicht immer unterstützt", sagt sie. Das ist typisch für die Generation Y, sie übererfüllt die Wünsche ihrer Eltern und denkt nicht daran zu rebellieren. Protest sei dieser höchst konstruktiven Generation sowieso fremd, sagt der Soziologe Hurrelmann.

Dass sie auch als Erwachsene zu den Umworbenen gehört, hat Katharina Mick gemerkt, als sie in Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen studierte. Sie bekam viele Angebote aus der Wirtschaft und entschied sich für ein Traineeprogramm bei BASF: Ihr gefallen die Werte des Unternehmens, sie kann früh gehen und Sport treiben, und außerdem arbeitet ihr Freund in der Nähe. Nun sitzt die High-Potential-Frau in der ältesten Kneipe Ludwigshafens an einem dunklen Holztisch vor gebratenen Serviettenknödeln. Hat sie sich ihr Leben so vorgestellt? "Ja", sagt sie. Sie kann genau beschreiben, wie die ideale Firma für sie aussieht: "Vertrauen führt. Mitarbeiter arbeiten ohne Druck besser." Mick glaubt nicht, dass sich "meine generelle Einstellung zu Arbeit und Freizeit einmal ändern wird. Auch wenn ich 40 oder 50 Jahre alt sein werde, sollte beides in einem ausgewogenen Verhältnis stehen."

Wer so gefragt ist wie die Wirtschaftsingenieurin, kann sich solche Gedanken leisten. Reden wir also nur von Hochschulabsolventen, von Stipendiaten und Erben, also einer Elite, die erst von den Eltern verhätschelt wurde und jetzt von den Unternehmen gepampert wird?

Nein. Zwar hat etwa ein Fünftel der Generation Y heute keinen Schulabschluss und – laut Hurrelmann – sehr schlechte Berufsperspektiven. Unter den Verlierern sind auffällig viele junge Männer. Früher hätten die einen Job als Hilfsarbeiter gefunden, heute sitzen sie vor dem Fernseher oder Computer, weil niemand mehr Ungelernte brauchen kann. Da sieht der Soziologe ein Problem auf die Gesellschaft zukommen. Für alle anderen aber gilt: Sie wollen arbeiten – bloß anders.

Verspielen die Jungen den Wohlstand, den die Älteren aufgebaut haben?

Auch Azubis werden umworben. Die Zahl der Schulabgänger ohne Abitur ist in den vergangenen sechs Jahren von über 700.000 auf rund 550.000 geschmolzen. Firmen in der Provinz fangen damit an, herausragenden Lehrlingen kleine Dienstwagen zu offerieren. Selbst die Auszubildenden haben jetzt ganz andere Erwartungen als früher, hat man auch beim Maschinenbauer Trumpf gelernt: Am ersten Arbeitstag bekommen sie jetzt Metallwürfel, 30 mal 30 Zentimeter, aus denen sie im Team etwas herstellen. Eine Currywurst-Schneidemaschine zum Beispiel, samt Marketingkonzept und Produktionsplan. Vor fünf Jahren noch hätten die Azubis an der Werkbank sitzen und fräsen wollen – jeder für sich allein. Heute wollen sie in der Gruppe arbeiten.

Die Jungen haben die Durchlässigkeit des Bildungssystems kapiert. Im Vorstellungsgespräch fragen die angehenden Azubis nach ihren Karrieremöglichkeiten. Früher wurden sie technischer Meister, wenn es gut lief, heute wollen sie wissen, ob sie auch promovieren können, wenn sie als Mechaniker hier anfangen. Sie können.

Die Haltung des "Ich achte darauf, dass ich bekomme, was mir guttut" ist nicht nur auf eine Elite beschränkt. Die Y-Generation ringt den Unternehmen die eigene Lebensqualität ab, auch weil die Arbeitgeber ihrerseits keine lebenslange Sicherheit mehr versprechen können und wollen. Früher war der Pakt: Ich stelle mich in euren Dienst, und ihr garantiert mir Stabilität und Aufstieg. Die Generation Y kündigt das Versprechen, weil sie das Prekäre der globalisierten Wirtschaft erkennt. Deshalb will sie jetzt auf ihre Kosten kommen.

Und sie hat recht. Glücksstudien relativieren die herkömmliche Überzeugung, dass Status und Besitz selig machen. Der Nobelpreisträger für Ökonomie Daniel Kahneman formuliert das so: "Glück erlebt man in Momenten, in denen man seine Aufmerksamkeit auf etwas Angenehmes richtet. Ich kann mir zwar ein tolles Auto kaufen, aber ich kann mich nicht über lange Zeit darauf konzentrieren." Erleben erzeugt demnach mehr Zufriedenheit als Haben. Enge soziale Kontakte und eine Balance im Leben sind wichtiger als ein etwas besser bezahlter Job, der keine Freude macht.

Unter dem Strich lautet das Fazit für die Jungen: Möglichst alles vermeiden, was mir keinen Spaß macht und für mich keinen Sinn erkennen lässt. Aber was heißt es für die Volkswirtschaft? Verspielen die Jungen im globalen Wettbewerb den Wohlstand, den die Älteren aufgebaut haben? Oder können sie eine nachhaltigere Wirtschaft mit qualitativem Wachstum schaffen, die die Umwelt schont und die Lebensqualität erhöht?

Die Wirtschaft müsste sich gewaltig wandeln, damit die Revolution der Jungen gelingt und aus ihnen wirklich eine "große Generation" wird. Unternehmen müssten sich sehr flexibel organisieren, um ihren Mitarbeitern eine echte Balance zwischen Beruf und Freizeit, zwischen der Entfaltung des Egos und dem Anspruch auf Moralität zu bieten. Erste Firmen tun dies bereits. Beim Maschinenbauer Trumpf zum Beispiel dürfen die Mitarbeiter alle zwei Jahre ihre wöchentliche Arbeitszeit neu bestimmen, je nach Lebensphase und Lust.

Der Umbau könnte sich lohnen. Denn die Jungen haben einiges zu bieten, um Indern und Chinesen Paroli zu bieten. Für sie ist die Gleichstellung der Geschlechter selbstverständlich, sodass die vielen gut ausgebildeten Frauen leichter dorthin gelangen können, wo sie gebraucht werden: in die Führung der Wirtschaft. Neue Zahlen aus den Vereinigten Staaten zeigen, dass junge Frauen die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern bereits schließen und in den Städten im Mittel sogar etwas mehr verdienen als die Männer.

Kämen nun tatsächlich die besten Frauen und Männer nach oben, dann wachse auch der Wohlstand, sagen Ökonomen fast einstimmig. Außerdem benehmen sich die Mitglieder der Generation Y zwar manchmal wie Gören, die nicht erwachsen werden wollen. Aber sie sind auch weltoffen, engagiert und auf eine spielerische Art kreativ. In einer Weltwirtschaft, in der Ideen oft mehr zählen als Produkte und das Neue zunehmend in Sozialen Netzwerken entsteht, sind das keine schlechten Voraussetzungen.