Aufrüstung 1913"Je eher, desto besser"

Sehenden Auges in die Katastrophe des Ersten Weltkriegs: Im viel beschworenen Jahr 1913 wird in Berlin der finale Aufrüstungsschub beschlossen. von Gerd Fesser

Kaiser Wilhelm II. (1859 - 1941) während eines Militärmanövers, vermutlich im Jahr 1914

Kaiser Wilhelm II. (1859 - 1941) während eines Militärmanövers, vermutlich im Jahr 1914  |  © General Photographic Agency/Getty Images

Berlin, den 28. Februar 1913. Im Preußischen Kriegsministerium an der Leipziger Straße wird die neue Heeresvorlage fertiggestellt. Drei Tage später genehmigt Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg den Entwurf. Die Vorlage fordert, die Armee um weit mehr als hunderttausend Mann zu verstärken. Es ist das größte Aufrüstungsprogramm, das es seit 1871 gegeben hat. Doch weder Kriegsminister Josias von Heeringen – ein gebürtiger Hesse – noch Generalstabschef Helmuth von Moltke (der Jüngere), die in den Wochen zuvor heftig gestritten haben, sind zufrieden: Dem Kriegsminister geht die Vorlage viel zu weit, dem Generalstabschef nicht weit genug.

Das Militärsystem des Kaiserreichs ist, man kann es nicht anders sagen, eher chaotisch. Es gibt weder einen Reichskriegsminister noch einen Reichsgeneralstab, sondern nur den Preußischen Kriegsminister und den Preußischen Generalstab. Beide sind aber für die gesamte Armee des Reiches, nicht nur für deren preußisches Kontingent zuständig. Der Preußische Kriegsminister ist für die Verwaltung der Armee, ihre Bewaffnung und Organisation verantwortlich; auf die Planung des Generalstabs hingegen hat er keinen Einfluss.

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Ein drittes "Entscheidungszentrum" ist das Militärkabinett des Kaisers und preußischen Königs. Es übt starken Einfluss auf die Personalangelegenheiten aus. Oberste Instanz in allen Fragen des Militärs bleibt Kaiser Wilhelm II. Leider zeigt Seine Majestät sich zunehmend unfähig, die Tätigkeit seiner drei Entscheidungszentren zu koordinieren.

Am 8. Oktober 1912 begann der erste Balkankrieg. Das Osmanische Reich, das dem deutschen Kaiserreich nahestand, wurde rasch besiegt; die von Russland ermunterten Balkanstaaten erstarkten. Künftig, so stand nun fest, würde das mit Deutschland verbündete Österreich-Ungarn im Kriegsfall einen Teil seiner Armee gegen Serbien einsetzen müssen. Die Mächtebalance in Europa hatte sich zum Nachteil des deutsch-österreichischen Blocks verschoben.

Der Kaiser war beunruhigt. Am 13. Oktober fand in seinem Jagdschloss Hubertusstock bei Berlin eine Besprechung zwischen Reichsregierung und Militärführung statt. Wilhelm forderte eine Verstärkung der Armee, doch Kriegsminister Heeringen und Generalstabschef Moltke wandten sich dagegen.

Das Einvernehmen zwischen Moltke und Heeringen hielt nur einen Tag. Bereits am 14. Oktober verlangte nun auch der Generalstabschef in einer Denkschrift eine erhebliche Vergrößerung des Heeres. Moltke hatte das Schreiben unterzeichnet – verfasst aber hatte es der Obrist Erich Ludendorff: der Mann, der dann im Ersten Weltkrieg zum faktischen Oberbefehlshaber der Armee aufsteigen und nahezu die Machtfülle eines Militärdiktators erlangen sollte.

Gerd Fesser

Der Autor ist Historiker und lebt in Apolda bei Weimar.

Ludendorff war wenige Jahre zuvor zum Chef der Aufmarschabteilung des Generalstabs ernannt worden. Sie hatte die Aufgabe, die Mobilmachungs- und Operationspläne auszuarbeiten und zu aktualisieren. Ludendorff kannte somit den streng geheimen Schlieffenplan.

Dieser von Moltkes Vorgänger Alfred von Schlieffen 1905 präsentierte Plan sah vor: Im Falle eines Zweifrontenkrieges gegen Frankreich und Russland sollte die Masse der deutschen Armee – völkerrechtswidrig – durch die neutralen Länder Belgien, Holland und Luxemburg hindurch in Frankreich eindringen, bis nach Paris vorstoßen, um Paris herum nach Süden und Osten schwenken und die gesamte französische Armee in einer gigantischen Kesselschlacht vernichten. Der ganze Feldzug sollte nur sechs Wochen dauern. Der Plan war letztlich unrealistisch. Schlieffen unterschätzte die Kampfkraft der französischen Armee und überschätzte die möglichen Marschleistungen der deutschen Truppen. Auch war der Plan weder mit der eigenen Marine noch mit der Militärführung des verbündeten Österreich-Ungarn abgestimmt.

Ludendorff begriff: Wenn der Plan überhaupt eine Erfolgschance haben sollte, dann nur bei einer enormen Verstärkung des Heeres. Die Bedenken der konservativen Militärs um Heeringen erschienen ihm zweitrangig.

Der entschlossene Ludendorff war sich der Unterstützung durch die Nationalisten gewiss. Auch rechtsradikale Kreise um den Alldeutschen Verband und den Deutschen Wehrverein sowie pensionierte Militärs wie General Friedrich von Bernhardi forderten eine massive Aufrüstung. Mehr oder minder offen propagierten sie alle den Angriffskrieg. Direkte Kontakte Ludendorffs zu diesen Kreisen sind zwar nicht nachzuweisen, in dem Ziel aber, gegen die konservativen Militärs einen Rüstungsschub durchzusetzen, stimmte er mit ihnen überein.

Leserkommentare
    • Chali
    • 17. März 2013 20:30 Uhr

    "Es war – man kann dem Berner Militärhistoriker Stig Förster nur beipflichten – nichts als eine »nahezu verbrecherische Unverantwortlichkeit«."

    Ein sehr wichtiger Hinweis ist aber untergegangen:
    "Im Falle eines Zweifrontenkrieges gegen Frankreich und Russland sollte die Masse der deutschen Armee usw. "
    Es fehlt der Hinweis, dass es 1913 überhaupt gar keinen anderen Plan als diesen mehr gab.

    Und als die Reichsregierung nun einen erstklassigen, fast schon lokalisierbaren Ost-Krieg mit Russland als Angreifer lieferte, fa ... gab es keinen Aufmarschplan Ost, keine Fahrpläne, keine Magazine, kein Nachschub ... nichts.

    Da musste man, in der Tat völkerrechtswidrig durch Belgien marschieren und England in den Krieg heineinziehen, und damit dann Amerika.

    Sebastian Haffner, Die sieben Totsünden des Deutschen Reiches.
    Die beste Abhandlung öber den Ersten Weltkrieg, kaum 50 Seiten lang.

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    Schon in Tuchmans "August 1914" wird auf den Chef der dt. Eisenbahnlogistik Bezug genommen, der kurz nach dem Krieg gezeigt hat, dass der "Ostaufmarsch" innerhalb von Tagen möglich gewesen wäre.

    Ic ab das Buch hier, ich könnte es nachsehen, aber müsste im Kapitel "Der 1. August in Berlin" zu finden.
    Tuchman, B.: August 1914 S. 89, FFM 2001.
    Die Primärquelle ist:
    von Staab, H.: "Aufmarsch nach zwei Fronten", o. O, 1925

    Das der Schlieffen-Plan zwar Auf den zwei Fronten-krieg gebaut war ist richtig, aber man hätte durchaus auch gegen Russland alleine Krieg führen können.
    Den Plan gegen Russland gab es, der lag bis 1913 fertig in der Schublade.

    So dämlich war niemand im Genrealstab, auch wenn Molthke d. J. ein bisschen mehr Nerven zeigte als sein Onkel.

    Die Probleme lagen eher daran, dass man auf dt. keine "Schauplatz Kommandeure" hatte und sich der Generalstab gleich mit den einzelnen Armeen "ärgern musste".

    • 可为
    • 17. März 2013 21:15 Uhr

    ersten zu sehen bekommt, habe häufig das Gefühl dass gerade dieser wichtige Teil der Geschichte in Anbetracht des 2.WKs oft zu kurz kommt. Vielleicht auch weil er nicht so in das Bild des bösen deutschen Nationalismus passt, da es hier doch eher der böse Nationalismus aller beteiligten war. Leider muss man heute sagen, dass späterem Übel vermutlich jede Grundlage gefehlt hätte wenn es besser für uns ausgegangen wäre...

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    " Leider muss man heute sagen, dass späterem Übel vermutlich jede Grundlage gefehlt hätte wenn es besser für uns ausgegangen wäre..."

    Das glaube ich nicht: ".....Demokratie- und Bürgerbewegungsfeindlichkeit der deutschen Eliten und der Führung. Die Französische Revolution war der Beginn eines Demokratisierungsprozesses in Europa. Der Versuch der nationalen und liberalen Bewegung in Deutschland, mit der Märzrevolution von 1848 ein parlamentarisches System einzurichten, scheiterte. Stattdessen wurde 1871 ein monarchischer deutscher Staat gegründet, der zudem in dieser Form das europäische Mächtegleichgewicht störte, dessen Erhaltung eines der fundamentalen Ziele des Wiener Kongresses gewesen war. Einheit und Freiheit wurden nicht wie in anderen Staaten zusammen verwirklicht, das Bürgertum arrangierte sich im Kaiserreich mit dem Obrigkeitsstaat. Das allgemeine Wahlrecht war bis 1918 durch das einzigartige preußische Dreiklassenwahlrecht eingeschränkt, wodurch die Parlamentarisierung des politischen Systems verzögert wurde, weshalb den Parteien später die Eignung zu staatstragendem Handeln fehlte (Heinrich August Winkler spricht hier von „ungleichzeitiger Demokratisierung“)." (http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Sonderweg)

  1. Es ist an der Zeit, dass diese im kollektiven Bewusstsein verankerte These vom unfreiwilligen "Hineinschliddern" der europäischen Mächte in den Ersten Weltkrieg verschwindet. Schon vor über 50 jahren wurde sie in Fritz Fischers Buch (Deutschlands) "Griff nach der Weltmacht" widerlegt. Dennoch hält sie sich hartnäckig.

    Dazu der Historiker Heinrich August Winkler: „Das Ziel, mit dem die deutschen Eliten in den Ersten Weltkrieg gezogen waren, hieß Hegemonie in Europa und Aufstieg zur Weltmacht. Am Ende stand ein Friedensvertrag, den die Deutschen als schreiendes Unrecht empfanden, obwohl er das Reich bestehen ließ und ihm die Möglichkeit einräumte, wieder zur Großmacht zu werden. Eine selbstkritische Auseinandersetzung mit der deutschen Kriegsschuld fand nicht statt, obschon bereits im April 1919 eine interne Aktensammlung vorlag, die keinen Zweifel daran ließ, dass die Reichsleitung im Juli 1914 alles getan hatte, die internationale Krise zu verschärfen. In Abwehr der alliierten These, Deutschland und seine Verbündeten trügen die alleinige Verantwortung für den Kriegsausbruch, entstand eine Kriegsunschuldlegende, die ebenso viel Unheil stiftete wie ihre Zwillingsschwester die Dolchstoßlegende.“

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    "Eine selbstkritische Auseinandersetzung mit der deutschen Kriegsschuld fand nicht statt, obschon bereits im April 1919 eine interne Aktensammlung vorlag, die keinen Zweifel daran ließ, dass die Reichsleitung im Juli 1914 alles getan hatte, die internationale Krise zu verschärfen."

    UND ?

    Es ist doch recht einfach: Kausal ist was causa sine qua non ist also etwas ohne das der Erfolg (in diesem Fall Weltkrieg) nicht eingetreten wäre und bei dieser Betrachtung wird klar, Deutschland, Österreich, Russland und Frankreich tragen Schuld, denn jeder dieser Staaten hätte den Weltkrieg verhindern können und tat es nicht.

    Deutschlands Unschuld ist falsch, ebenso aber auch die Alleinschuld Deutschlands.
    Zwei Entente Mächte und zwei Mittelmächte haben diesen Krieg verbrochen.

    Unschuldig war von den 4 keiner aber nur Deutschland und Österreich sind sich dieser Schuld zumindest latent bewusst.

    in Europa dachte damals in imperialistischen Kategorien, nicht nur die deutschen Eliten. In England gab es bereits um 1900 Pläne für eine Seeblockade und ein allgemeines Gefühl, dass das deutsche Kaiserreich ökonomisch "vorbeizieht"; verstärkend wirkten hierbei innenpolitische Krisen wie z.B. der Irland-Konflikt. Verbreitet war in allen Ländern ein Gefühl von der eigenen kulturellen Überlegenheit. Keine der europäischen Eliten dachte in Kategorien von Kooperation und friedlicher Zusammenarbeit, sondern war auf Vermehrung des eigenen Imperiums und "In-Schachhalten" der anderen Länder aus.

    Das zeigt auch das Ergebnis des 1. Weltkriegs. UK und Frankreich haben sich großzügig an den Resten des osmanischen Reiches bedient und ihr eigenes Imperium auf den gesamten nordafrikanischen Raum sowie die arabische Halbinsel ausgedehnt. Durch den Zusammenbruch Habsburgs und den Wegfall Russlands und Deutschlands als imperiale Konkurrenten hatte man das Ziel europäischer Dominanz einstweilen erreicht.

    Es war nur so, dass sich Deutschland aufgrund seiner geostrategischen Lage keinen Imperialismus leisten konnte. Das war der Hauptunterschied zu den anderen westlichen Ländern, die keineswegs weniger aggressiv und imperialistisch waren. Das belegt auch die Siegerpolitik nach dem I. Weltkrieg.

  2. So kann man Geschichten schreiben, aber keine Geschichte. Deutschland am Vorabend des Ersten Weltkriegs, das waren nicht Moltke und Ludendorf und auch nicht der Kaiser, das war eine extrem junge Gesellschaft, eine überkritische Masse an jungen Männern, die zur Tat drängte.
    Die nationalistische Jugend Deutschlands zog 1914 mit der gleichen Begeisterung in den Krieg wie schon Jahrhunderte zuvor die Kreuzritten, nicht weil sie hassten, nicht weil sie der Nation einen „Platz an der Sonne“ sichern wollten, sondern weil sie die Aktion, die Tat, den Krieg wollten. Mit aller Deutlichkeit lässt sich an der Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs ablesen, wie die Dynamisierung sozialer Prozesse mobilisierende Ideen hervorbringt. Während des 19. Jahrhunderts war die deutsche Bevölkerung ständig gewachsen und hatte sich dadurch stark verjüngt. Eine solche Gesellschaft ändert ihren Charakter. Sie verfällt in eine immer aggressivere, eine immer stärker zur Tat drängende Rhetorik. Es ist ein Synchronisationsprozess, der aus locker assoziierten Individuen erst eine Gemeinschaft formt. Der deutsche Nationalismus (und schon zuvor die politische Einigung) waren Nebenprodukte auf der Suche nach einer Gelegenheit zur Tat (vgl. Jugendliche Expressivität und soziale Dynamik).

    9 Leserempfehlungen
  3. 5. ......

    "Eine selbstkritische Auseinandersetzung mit der deutschen Kriegsschuld fand nicht statt, obschon bereits im April 1919 eine interne Aktensammlung vorlag, die keinen Zweifel daran ließ, dass die Reichsleitung im Juli 1914 alles getan hatte, die internationale Krise zu verschärfen."

    UND ?

    Es ist doch recht einfach: Kausal ist was causa sine qua non ist also etwas ohne das der Erfolg (in diesem Fall Weltkrieg) nicht eingetreten wäre und bei dieser Betrachtung wird klar, Deutschland, Österreich, Russland und Frankreich tragen Schuld, denn jeder dieser Staaten hätte den Weltkrieg verhindern können und tat es nicht.

    Deutschlands Unschuld ist falsch, ebenso aber auch die Alleinschuld Deutschlands.
    Zwei Entente Mächte und zwei Mittelmächte haben diesen Krieg verbrochen.

    Unschuldig war von den 4 keiner aber nur Deutschland und Österreich sind sich dieser Schuld zumindest latent bewusst.

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    Moin,

    Sie schrieben:
    <em>"Deutschland, Österreich, Russland und Frankreich tragen Schuld, denn jeder dieser Staaten hätte den Weltkrieg verhindern können und tat es nicht."</em>
    Das Problem ist, dass einer der Staaten ein aggressives, kraftmeiersches Verhalten an den Tag legte.
    Sicher hätten Russland und Frankreich den Krieg evt. verhindern können. Sie hätten ja immer schön Ja und Amen zu allen Annektionspänen sagen können.
    Wenn sich aber ein Räuber der seinem Opfer mit der Brechstange die Arme gebrochen so vor Gericht veteidigen will wird er auf wenig Nachsicht rechnen können.

    CU

  4. Wie sich manches ähnelt: Wie man uns glauben machen will, Deutschland sei in die "humanitäre Aktion" in Afghanistan hineingeschlittert; wie gut diese Hilfemaßnahme geplant, kooerdiniert und finanziert sei. Und dass es ein Leichtes sei, wieder herauszukommen.

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    • 可为
    • 18. März 2013 0:56 Uhr

    das war doch ein um eine Winzigkeit größeres Kaliber als Afghanistan...

    aber die Wahrheit stirbt immer zuerst.
    1939 hat man ja "nur" zurückgeschossen.

  5. Schon in Tuchmans "August 1914" wird auf den Chef der dt. Eisenbahnlogistik Bezug genommen, der kurz nach dem Krieg gezeigt hat, dass der "Ostaufmarsch" innerhalb von Tagen möglich gewesen wäre.

    Ic ab das Buch hier, ich könnte es nachsehen, aber müsste im Kapitel "Der 1. August in Berlin" zu finden.
    Tuchman, B.: August 1914 S. 89, FFM 2001.
    Die Primärquelle ist:
    von Staab, H.: "Aufmarsch nach zwei Fronten", o. O, 1925

    Das der Schlieffen-Plan zwar Auf den zwei Fronten-krieg gebaut war ist richtig, aber man hätte durchaus auch gegen Russland alleine Krieg führen können.
    Den Plan gegen Russland gab es, der lag bis 1913 fertig in der Schublade.

    So dämlich war niemand im Genrealstab, auch wenn Molthke d. J. ein bisschen mehr Nerven zeigte als sein Onkel.

    Die Probleme lagen eher daran, dass man auf dt. keine "Schauplatz Kommandeure" hatte und sich der Generalstab gleich mit den einzelnen Armeen "ärgern musste".

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    Antwort auf "In der Tat:"
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    Mag ja gut und gerne sein, dass man in der Lage gewesen wäre, einen einzelnen Krieg gegen Russland zu führen.
    Jedoch war man sich aufgrund der gesamtpolitischen Lage ziemlich sicher, dass die Franzosen sowieso nicht stillhalten würden, was Deutschland wieder in das Problem des Zweifrontenkriegs gebracht hat. In der Perspektive dieses Zweifrontenkriegs erschien es eben am erfolgversprechendsten, die "schwächeren" Kräfte des "kleineren" Frankreich zu werfen, bevor die Russen ihre gesamte Streitmacht mobilisiert hatten.

    • Chali
    • 18. März 2013 9:46 Uhr

    Da hat der Herr Administratot wohl einen nachsichtigen Tag gehabt.

    Zur Sache:
    Es kommt bei einem Aufmarsch eben nicht nur darauf an, da eine "ungeordnete Masse von bewaffneten Menschen" (Moltke zu Willem) irgendwo in der ostpreussischen Pampa abzusetzen. Die müssen versorgt werden, die müssen Marschrouten haben, die müssen Nachschub haben.

  6. 8. Schuld

    Moin,

    Sie schrieben:
    <em>"Deutschland, Österreich, Russland und Frankreich tragen Schuld, denn jeder dieser Staaten hätte den Weltkrieg verhindern können und tat es nicht."</em>
    Das Problem ist, dass einer der Staaten ein aggressives, kraftmeiersches Verhalten an den Tag legte.
    Sicher hätten Russland und Frankreich den Krieg evt. verhindern können. Sie hätten ja immer schön Ja und Amen zu allen Annektionspänen sagen können.
    Wenn sich aber ein Räuber der seinem Opfer mit der Brechstange die Arme gebrochen so vor Gericht veteidigen will wird er auf wenig Nachsicht rechnen können.

    CU

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "......"
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    Ö-U war auch gut mit drin. Und was Machtgewinn auf dem Balkan anging waren die Russen nicht sonderlich zimperlich.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Julikrise

    Und Fr hatte ja auch noch mit D ein paar Dinge zu klären, genauso wie D nur zu gerne in den Krieg mit Fr ging.

    • 可为
    • 18. März 2013 1:09 Uhr

    und überlegen sie sich warum Deutschland dazu neigt als erstes die heraufziehenden Konflikte vom Zaun zu brechen - und natürlich dem entsprechend auch als erstes beginnt mit Derartigem öffentlicher und offensichtlicher zu werden. Um herauszufinden wer wie "kraftmeierisch" war befragen sie am besten einen Inder, Chinesen, oder Afrikaner...

    • zamm
    • 18. März 2013 1:55 Uhr

    Das ist, nett gesagt, nicht ganz richtig, wie das traurige Ende des pazifistischen Politikers Jean Jaurès beweist. Einige Zitate der frz. Presse (die ihn übrigens "Herr Jaurès" nannte) geben einen Ausblick über den damaligen Zeitgeist:
    http://fr.answers.yahoo.com/question/index?qid=20090614055954AAZhs4i

    Von mir frei übersetzte Beispiele:
    "Er hat beschwört, Paris den Preußen zu übergeben."
    "Man muss diesen Verräter stets im Auge behalten."
    "Gibt es in Frankreich zurzeit einen Chef, der ein Mann ist, wird Herr Jaurès gleichzeitig mit den Mobilmachungsbefehlen an die Wand gestellt. Sonst haben die Franzosen den Feind vorne und den Verrat im Rücken."
    "Jaurès hat den Charakter der frz. Nation verloren, und ist zu einer fremden Mentalität verkommen. Er hat selbst die physischen Züge des Deutschen genommen, er hat dessen groben Aufbau, dessen rothaarigen und struppigen Bart, dessen professorische Physionomie, dessen pedantischen und dogmatischen Styl".
    Er wurde beschimpft, da er im kommenden Krieg realistisch ein grausames Gemetzel sah. Natürlich ermordete ihn ein durch diese Diskurs aufgehetzter Extremist, der selbst 1919 freigesprochen wurde, sogar mit der Bemerkung, er habe das Vaterland dadurch gedient!

    Fazit: Es mag stimmen, dass die damalige deutsche Regierung etwas aggressiver handelte, Hauptschuld an das Ganze ist m.E. die damalige ultranationalistische Stimmung, die weit und breit in den führenden Eliten Europas herrschte.

    Was sie hier erzählen grenzt an Geschichtsverfälschung.

    aggressiv war sowohl Russland wie auch Frankreich genauso.
    Russlands ambitionierten Pläne reichten bis zur Rückeroberung Konstantinopels und Frankreich hatte auch seine Pläne.

    Die einzigen vor Beginn des ersten Weltkriegs waren die offensichtlichen französischen im Rahmen eine Revanchekriegs Elsass-Lothringen erneut zu erobern.
    Falls Sie die deutschen Gedankenspiele nach Beginn des Krieges meinen, waren die natürlich von dem Sicherheitsbedürfnis geprägt, nach einem gewonnenen Krieg sich nicht erneut einer feindseligen Übermacht entgegenzusehen. Da Wird aber Ursache und Wirkung auf den Kopf gestellt.

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