TuaregFalsch verbunden

Der Krieg in Mali ist noch längst nicht zu Ende. Frankreichs Allianz mit den Tuareg-Rebellen erschwert die nationale Versöhnung.

Kämpfer der Tuareg-Rebellengruppe MNLA in Kidal im Nordosten Malis

Kämpfer der Tuareg-Rebellengruppe MNLA in Kidal im Nordosten Malis

Es war voreilig, den Krieg in Mali als Erfolg zu feiern. In Gao, der größten Stadt des Nordens, ist das Leben derzeit gefährlicher als vor der Befreiung: Heftige Gefechte mit zurückgekehrten Dschihadisten, Selbstmordattentate, versteckte Minen. Weiter nördlich, in der von Tuareg bewohnten Wüsten-Region Kidal, hat der Krieg jetzt erst seine heiße Phase erreicht, mit schweren Kämpfen und Hunderten von Toten, vor allem aufseiten der Islamisten.

In diesem Gebiet gibt es keine neutralen Beobachter. Die französischen Streitkräfte haben sich diesen Umstand zunutze gemacht, um stillschweigend eine heikle Allianz einzugehen: Sie kooperieren in der Region Kidal mit den bewaffneten Rebellen der »Nationalen Bewegung für die Befreiung von Azawad«, im französischen Kürzel MNLA. Das sind jene Tuareg-Kämpfer, die vor gut einem Jahr den Norden Malis im Handstreich eroberten und dabei den Islamisten und Al-Kaida halfen. Einige Männer, die nun als Frankreichs Verbündete in Kidal patrouillieren, hatten zeitweilig sogar führende Posten bei ebenjenen Islamisten.

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Gewiss, die Tuareg kennen die Wüste; als Kriegspartner sind sie schlicht praktisch. Aber so simpel liegen die Dinge nicht. Der Feldzug der MNLA vor einem Jahr wurde vom damaligen französischen Präsidenten Sarkozy ermuntert, zu Beginn vermutlich sogar alimentiert. Was dabei geschah, hat die ohnehin schwierigen Beziehungen zwischen den Tuareg und den übrigen Maliern schwer belastet. Viele Mädchen und junge Frauen der »schwarzen« Ethnien im Norden klagen über Vergewaltigungen. Außerhalb von Kidal – nur dort stellen die Tuareg die Mehrheit – sollen die Rebellen wie plündernde Söldner aufgetreten sein. Auch wird der MNLA ein Massaker an etwa hundert gefangenen Soldaten angelastet; deswegen hat die Regierung in Bamako den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag angerufen.

Für Moussa Ag Asserid, Repräsentant der MNLA in Paris, sind seine Kämpfer über all diese Anschuldigungen erhaben. Ag Asserid ist Schriftsteller, hat besten Zugang zum französischen Fernsehen, trat gerade bei einem Kolloquium an der Sorbonne auf. Obwohl sich in Mali viele Tuareg von der MNLA distanzieren, gilt sie in Paris als die Vertretung des Tuareg-Volkes. Mit Konsequenzen für das Vorgehen im Kriegsgebiet. Weil die malische Armee »genozidäre Absichten« habe, dürfe sie den Norden nicht betreten, hatte Ag Asserid verlangt. Unter französischem Druck hat sich die malische Regierung darauf eingelassen, die eigene Armee zumindest aus der Region Kidal herauszuhalten. Malische Medien sprechen erzürnt von einem »französischen Diktat«; nach den Wochen der Frankreich-Begeisterung sei dies nun »die Stunde der Desillusionierung«.

Frankreichs Protektion für die verhasste MNLA vertieft den Graben in der malischen Gesellschaft. Erreicht wird so nicht der Schutz vor Übergriffen, sondern eher das Gegenteil: Die Aussöhnung mit den 300.000 malischen Tuareg – etwa zwei Prozent der Bevölkerung – wird eher schwerer. Wie Malis jüngste Geschichte zeigt, war es stets verhängnisvoll, wenn sich Nationalstolz und Tuareg-Stolz als Gegensätze begegneten.

Malis schwarze Bildungselite sieht die Tuareg als rassistische Nomaden

1960, zur Geburtsstunde Malis, war der heutige Nationalstaat zunächst gar nicht vorgesehen. Die postkoloniale Elite dachte panafrikanisch und schloss sich mit dem Senegal zu einer Föderation zusammen. In diesem Staatenverbund wurde den Tuareg eine gewisse Eigenständigkeit in Aussicht gestellt; dazu sollte auch die Anwendung islamischen Rechts gehören. Ein wichtiges Anliegen der Tuareg, die sich als die echten, die besseren Muslime verstanden.

Doch die Föderation zerbrach schnell; Mali war genötigt, sich allein für unabhängig zu erklären. Was dann geschah, würde man heute Nation-Building nennen: Es galt, aus dem Stand ein Nationalbewusstsein zu schaffen. Malis junge Elite war kaum ethnisch orientiert; gleichwohl bediente sie sich, um die nationale Idee zu verankern, aus dem, was ihr selbst nahestand: aus dem kulturellen Gedächtnis der großen Bevölkerungsgruppen des Südens, den Epen und Mythen der Malinke und Bambara.

Nach Norden hin dünnte die Überzeugungskraft aus. Die Songhai, dort die größte Ethnie, ließ sich noch einbinden, denn das mächtige Songhai-Reich war Nachfolger des Mali-Reichs. In Kidal, der Tuareg-Hochburg, geriet das Projekt Nation-Buildung indes zur puren Unterdrückung: Aufführungen in der Tuareg-Sprache Tamashek waren verboten.

Viele Tuareg hatten den Abzug der französischen Kolonialherren mit Bedauern gesehen. Das galt vor allem für die Adelsschicht in Kidal: den bis heute tonangebenden Ifoghas-Klan. Er profitierte von der französischen Politik des »Teile und herrsche«, genoss Privilegien, bekam Waffen. Hellhäutige Tuareg waren damals von Zwangsarbeit befreit, nicht jedoch deren ehemalige Sklaven: Schwarze, die gleichfalls ihre Sprache sprechen. Zur Oberklasse der Tuareg, romantisiert als »edle Ritter der Wüste«, knüpften französische Anthropologen und Offiziere eine spezielle Beziehung, die bis heute andauert. Die schwarze Bildungselite des jungen Mali übernahm die Stereotype der Franzosen unter negativen Vorzeichen. Sie sah die Tuareg als feudale, rassistische, arbeitsscheue Nomaden. Umgekehrt, so der niederländische Soziologe Baz Lecocq, waren die Bewohner des Südens für die Tuareg-Oberschicht »eine Masse von religiös unwissenden und unzivilisierten Schwarzen, mit denen sie nichts gemein hatte«.

Die erste Tuareg-Rebellion von 1963 wurde blutig niedergeschlagen: Kriegsrecht verhängt, Brunnen vergiftet, Herden erschossen – und die Frauen geflüchteter Rebellen zwangsverheiratet an Offiziere aus dem Süden. Der Staat feierte den Sieg über die Unterworfenen in der Tuareg-Hochburg Kidal im September 1964 ausgerechnet am malischen Unabhängigkeitstag.

Bei den Tuareg bewirkte die blutige Unterwerfung ein kollektives Trauma; es wurde an die nächste Generation vererbt und entfremdete viele dauerhaft von dem Staat. Und doch gleichen die Tuareg von heute kaum mehr jenen vor einem halben Jahrhundert. Katastrophale Dürren in den 1970er und 1980er Jahren entzogen nomadischer Lebensweise im Wortsinn den Boden: Weideflächen schrumpften, Verteilungskämpfe brachen auf mit den sesshaften Bauern im Nigerbogen. Vor allem aber zerfiel die soziale Struktur der Tuareg-Gesellschaft. Vasallen und ehemalige Leibeigene fanden bei ihren Herrschaften kein Auskommen mehr; die stolzen Herren von gestern waren nun Verarmte.

Deshalb hat sich bei späteren Aufständen der Kampf gegen den Staat immer mehr mit internen Kämpfen um die Neuverteilung von Einfluss verwoben. Im jüngsten Fall zählt dazu die Frage, wer Nachfolger des betagten Patriarchen von Kidal wird, des traditionellen Oberhaupts. Die Figur des jetzigen Patriarchen illustriert, dass ein Teil der Tuareg durchaus beste Beziehungen zum malischen Staat unterhält. Der 86-jährige Intalla Ag Attaher ist Träger diverser nationaler Orden, war lange Abgeordneter. Während der Rebellion im Frühjahr 2012 gewährte der Alte den flüchtenden Staatsbeamten in seinem weitläufigen Anwesen Asyl.

Dominanz der äußeren Akteure erschwert die Selbstheilung

Zu meinen, die Tuareg seien eine pauschal diskriminierte Minderheit, ist zumindest für die letzten 15 Jahre falsch. In manchen politischen Bereichen sind sie überrepräsentiert, etwa im Parlament, wo der dünn besiedelten Region Kidal zusätzliche Sitze zugeschanzt wurden. Auch die Vorstellung, ganz Nordmali sei ökonomisch marginalisiert, trifft nicht zu. Richtig ist vielmehr, dass das schlechte Regieren im Norden besonders schlimme Folgen hatte; denn Klima, Geografie und die multi-ethnische Zusammensetzung machen die Balance hier besonders empfindlich. So förderte der letzte reguläre Präsident, der im März 2012 gestürzte Amadou Toumani Touré, mafiöse Strukturen, indem er Araber gegen Tuareg ausspielte. Arabische Milizen wurden vom Staat bewaffnet, mit Fahrzeugen ausgestattet, bekamen freie Hand, sich im Drogenschmuggel zu bereichern.

Dabei sollte Nordmali eigentlich ein Vorbild sein für den Rest des Landes. So war es gedacht vor 20 Jahren, als hier Malis Politik der Dezentralisierung begann. Basisdemokratie als Friedenspolitik! Bevor anderswo politische Kommunen entstanden, existierten sie im Raum Timbuktu, Gao, Kidal. »Ein neues Mali der Vielfalt« sollte geschaffen werden. Doch der Widerstand in den Apparaten der Hauptstadt blieb immens.

Heute werden immer noch 93 Prozent aller Ausgaben durch den Zentralstaat getätigt. Nirgendwo ist Mali so arm wie an seiner Basis. »Die Probleme des Nordens sind die Probleme aller Regionen«, meint der Entwicklungsökonom Ousmane Sy, früher Initiator der Dezentralisierung, heute Leiter des Präsidialamts. »Nur greifen die anderen nicht zu den Waffen, weil das nicht Teil ihrer Kultur ist. Wir müssen diesen Typus von Staat ändern, sonst werden wir keine Stabilität finden.«

Gibt es eine zweite Chance? Das neue Nation-Building muss nun wiederum im Norden beginnen: als Versöhnungspolitik, in der keine Ethnie Favoritenstatus hat. Diesmal keine Armeeposten als Belohnung für Rebellen, keine exklusiven Verhandlungen zwischen Staat und Bewaffneten, sondern ein Dialog der Gesellschaft. Ein Kongress soll demnächst die Repräsentanten der Gemeinden im Norden zusammenbringen: Bürgermeister, Zivilgesellschaft, traditionelle Chefs, religiöse Führer, Vertreter der Frauen und der Jugend. Die Tuareg werden Teil davon sein, aber besser nicht vertreten durch die MNLA. Deren Aufwertung durch Frankreich belastet den Friedensprozess.

Die Dominanz der äußeren Akteure erschwert auch in anderer Hinsicht Malis Selbstheilung. Für Juli sind – viel zu früh – Wahlen anberaumt, weil die Geldgeber der Entwicklungshilfe auf einem baldigen Termin bestanden. Das nützt nur der alten politischen Klasse. Ein populärer Präsident, der die Hoffnung auf Erneuerung verkörpern würde, ist nicht in Sicht. Stattdessen droht die Wiedererrichtung jener Fassaden-Demokratie, die zur Krise führte. Einen besseren, transparenten Staat wird es nur geben, wenn die Bürger ihn erzwingen. Von unten. Die 10.000 ausländischen Soldaten, die jetzt in Mali stehen, werden ihnen dabei wenig helfen.

 
Leser-Kommentare
  1. Das ist einer der seltenen Artikel der die Wahrheiten zu relativ großen Teilen darstellt und weitgehend realistisch analysiert.
    Dass die Probleme Malis tiefgründiger sind als in den meisten Presse-und Militärverlautbarungen verkündet, ist kaum jemandem hier bekannt. Propagandistische Erfolgsmeldungen können nicht darüber hinwegtäuschen dass die Gefahren im Land nicht nur von den Djihadisten ausgehen sondern dass diese sie einfach gnadenlos ausnutzen konnten.
    Die kurzfristig angesetzten Wahlen können diese internen Probleme nicht beseitigen, eher im Gegenteil wie bereits von Frau Wiedemann richtig eingeschätzt.

    Eine Veränderung einer Gesellschaft ist nur möglich wenn eine fundierte und öffentliche Selbstreflektion stattfindet welche wiederum eventuell eine neue Generation hervorbringen könnte die auch bereit wäre für einen Fortschritt einzustehen.
    Ob das ohne entsprechende Bildung im Land möglich ist bleibt zweifelhaft, und das Jahr 2013 wird nun zeigen ob dieser Prozess überhaupt gewollt ist.

    Warten wir es ab.

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    der Schlüssel zur Selbstreflektion ist Bildung, eine Auseinandersetzung mit der Geschichte, aber selbst das wird es maximal der Bevölkerung helfen die Spannungsfelder zu verstehen. Diese zu überwinden steht auf einem anderen Blatt. Islamisten, Djihadisten, Tuareg, Opportunisten, Rebellen, postkoloniales Denken, Armut trotz Rohstoffreichtum, Korruption, Clans, mafiöse Strukturen und Schmuggel. Wie sehr steht all das einem Friedensprozess entgegen und dennoch wird es das nationale Bewußtsein prägen, wenn es zu einem erfolgreichen Friedensprozess kommt. Nur habe ich die Befürchtung, dass es eher somalische Verhältnisse werden könnten.

    der Schlüssel zur Selbstreflektion ist Bildung, eine Auseinandersetzung mit der Geschichte, aber selbst das wird es maximal der Bevölkerung helfen die Spannungsfelder zu verstehen. Diese zu überwinden steht auf einem anderen Blatt. Islamisten, Djihadisten, Tuareg, Opportunisten, Rebellen, postkoloniales Denken, Armut trotz Rohstoffreichtum, Korruption, Clans, mafiöse Strukturen und Schmuggel. Wie sehr steht all das einem Friedensprozess entgegen und dennoch wird es das nationale Bewußtsein prägen, wenn es zu einem erfolgreichen Friedensprozess kommt. Nur habe ich die Befürchtung, dass es eher somalische Verhältnisse werden könnten.

    • TDU
    • 17.03.2013 um 12:11 Uhr

    Zit: "Einen besseren, transparenten Staat wird es nur geben, wenn die Bürger ihn erzwingen. Von unten."

    Das ist natürlich richtig. Aber welche Bürger und wie wird er erzwungen? Gehen die Soldaten raus, muss man sowohl die Art und Weise der Durchsetzung als auch das Ergebnis dulden.

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    wie kann man als Bürger in diesem Land etwas erzwingen, was gegen die Führung gerichtet ist? Friedlich mit Demonstrationen, die im Sande verlaufen? Mit Gewalt und dem Risiko eines Bürgerkrieg? Durch den Versuch einer Revolution? Streiks in den Minen, die das Einkommen diverser Schichten sicherstellt? Hilferufe nach Aussen, was auch als Verrat betrachtet werden könnte?
    Ein transparenter Staat würde auch bedeuten, der Frage nachzugehen, wie ein Land, welches viele begehrte Rohstoffe hat, zu den Ärmsten der Welt zählen kann?
    Egal welchen Weg Mali und die Bürger Malis gehen, es wird ein schwerer und im schlimmsten Fall weiter blutiger sein.

    wie kann man als Bürger in diesem Land etwas erzwingen, was gegen die Führung gerichtet ist? Friedlich mit Demonstrationen, die im Sande verlaufen? Mit Gewalt und dem Risiko eines Bürgerkrieg? Durch den Versuch einer Revolution? Streiks in den Minen, die das Einkommen diverser Schichten sicherstellt? Hilferufe nach Aussen, was auch als Verrat betrachtet werden könnte?
    Ein transparenter Staat würde auch bedeuten, der Frage nachzugehen, wie ein Land, welches viele begehrte Rohstoffe hat, zu den Ärmsten der Welt zählen kann?
    Egal welchen Weg Mali und die Bürger Malis gehen, es wird ein schwerer und im schlimmsten Fall weiter blutiger sein.

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  3. Danke,Charlotte Wiedemann.

    Selten liest man derart differenziert über den neokolonialen Krieg der Franzosen in Mali.

    Die französischen Streitkräfte kooperieren also mit "Rebellen",die Islamisten und Al-Kaida halfen und plündern und vergewaltigen ?

    Klingt irgendwie vertraut.

    Burn, burn - Africa's Afghanistan:

    "So this new, brewing mega-Afghanistan in Africa will be good for French neoloconial interests (even though Hollande insists this is all about "peace"); good for AFRICOM; a boost for those Jihadis Formerly Known as NATO Rebels; and certainly good for the never-ending Global War on Terror (GWOT), duly renamed "kinetic military operations".

    http://www.atimes.com/ati...

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  4. ... im Anschluss an obige Kommentare: Schoen, dass es Sie es mit der Komplexitaet des Konflikts eher ernst meinen. Trotzdem ein paar "Aber":
    1) die Situation hinsichtlich der gegenwaertigen Konstellation mit den Tuareg laesst sich nicht aus nationalstaatsorientierten Entwicklungsdynamiken erschliessen. Tuareg Milizionaere stellten die Leibgarde Gaddafis, der sich ihre Aussenseiterstellung zu seinen Gunsten auszunutzen wusste. Mit dem Fall seines Regimes in Libyien war eine ganze Gruppe sehr gut trainierter und bewaffneter Soeldner im politischen Niemandsland angelangt (die NATO-Maechte kümmern sich ja nicht wirklich um Politik). Die Destabilisierung Malis war zumindest dadurch mitprogrammiert.
    2) Es ist zu simpel, in einer transnationalen Konstellation wie der eben beschriebenen (und da hat's durchaus noch weitere Ebenen) das Ziel eines nach Weberschen Vorgaben vorgestellten Nationalstaats als sine qua non anzuvisieren. Mali hat, wie viele andere postkoloniale Staaten, Konfliktbewaeltigungsprobleme, die erst verstanden werden müssten; Interessenausgleiche lassen sich hier durch Gewaltmonopole eben nicht so leicht avisieren, wie es unsereins erscheinen mag.

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    • 345627
    • 17.03.2013 um 14:23 Uhr

    ich kann mich dem Lob nur anschliessen. Das ist der beste Artikel den ich zur aktuellen Lage in Mali gelesen habe. Vielen herzlichen Dank.
    Ich lebe derzeit in Frankreich und bin erschüttert über die Darstellung des Krieges in den hiesigen Medien. Frankreich und Deutschland sind so ähnlich und doch so anders. Vielleicht könnten sie ja mal einen Artikel darüber schreiben, auf welche Art und Weise die Medien beitragen die Hemmschwelle in der Bevölkerung Frankreichs oder den USA Krieg niedrig zu halten.

    3 Leser-Empfehlungen
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    auch hier wird wieder nur ein Bruchteil dieses Konflikts beleuchtet - wenn der Leser nur diesen Artikel kennt und sofort darunter auf die Schlagzeile "Tschadische Regierungstruppen töten Terroristen in Nordmali" stößt wird er sich verwundert die Augen reiben, wie jetzt, in Nordmali sind doch die Franzosen und Tschad grenzt nicht mal an Mali...?
    Die Wahrheit ist eben leider, dass hier ein seit 30 Jahren immer mal wieder aufflammender Krieg gerade mal wieder aufgeflammt ist: Franzosen und Tschadische Regierung mit wechselnden Verbündeten gegen Tuareg, Gaddhafi und wechselnde Verbündete. Gaddhafi hatte den Tschad nicht erobern können (wobei ihm die Tuareg gern geholfen hätten) und begann in den 90ern eine Hinwendung zu den traditionell verachteten Schwarzafrikanern, mit Millionenkrediten an afrikanische Staaten und dem Projekt einer eigenen panafrikanischen Goldwährung. Erst dann wurde sein "menschenverachtendes Regime" weggebombt, und die Anti-Gaddhafi-Rebellen konnten beim Massakrieren von Schwarzafrikanern beobachtet werden. Dass Nordmali jetzt als "Kriegsgebiet" vorgestellt wird lässt jedenfalls nichts Gutes bezüglich Algerien ahnen

    auch hier wird wieder nur ein Bruchteil dieses Konflikts beleuchtet - wenn der Leser nur diesen Artikel kennt und sofort darunter auf die Schlagzeile "Tschadische Regierungstruppen töten Terroristen in Nordmali" stößt wird er sich verwundert die Augen reiben, wie jetzt, in Nordmali sind doch die Franzosen und Tschad grenzt nicht mal an Mali...?
    Die Wahrheit ist eben leider, dass hier ein seit 30 Jahren immer mal wieder aufflammender Krieg gerade mal wieder aufgeflammt ist: Franzosen und Tschadische Regierung mit wechselnden Verbündeten gegen Tuareg, Gaddhafi und wechselnde Verbündete. Gaddhafi hatte den Tschad nicht erobern können (wobei ihm die Tuareg gern geholfen hätten) und begann in den 90ern eine Hinwendung zu den traditionell verachteten Schwarzafrikanern, mit Millionenkrediten an afrikanische Staaten und dem Projekt einer eigenen panafrikanischen Goldwährung. Erst dann wurde sein "menschenverachtendes Regime" weggebombt, und die Anti-Gaddhafi-Rebellen konnten beim Massakrieren von Schwarzafrikanern beobachtet werden. Dass Nordmali jetzt als "Kriegsgebiet" vorgestellt wird lässt jedenfalls nichts Gutes bezüglich Algerien ahnen

  5. der Schlüssel zur Selbstreflektion ist Bildung, eine Auseinandersetzung mit der Geschichte, aber selbst das wird es maximal der Bevölkerung helfen die Spannungsfelder zu verstehen. Diese zu überwinden steht auf einem anderen Blatt. Islamisten, Djihadisten, Tuareg, Opportunisten, Rebellen, postkoloniales Denken, Armut trotz Rohstoffreichtum, Korruption, Clans, mafiöse Strukturen und Schmuggel. Wie sehr steht all das einem Friedensprozess entgegen und dennoch wird es das nationale Bewußtsein prägen, wenn es zu einem erfolgreichen Friedensprozess kommt. Nur habe ich die Befürchtung, dass es eher somalische Verhältnisse werden könnten.

    Antwort auf "guter Artikel"
  6. wie kann man als Bürger in diesem Land etwas erzwingen, was gegen die Führung gerichtet ist? Friedlich mit Demonstrationen, die im Sande verlaufen? Mit Gewalt und dem Risiko eines Bürgerkrieg? Durch den Versuch einer Revolution? Streiks in den Minen, die das Einkommen diverser Schichten sicherstellt? Hilferufe nach Aussen, was auch als Verrat betrachtet werden könnte?
    Ein transparenter Staat würde auch bedeuten, der Frage nachzugehen, wie ein Land, welches viele begehrte Rohstoffe hat, zu den Ärmsten der Welt zählen kann?
    Egal welchen Weg Mali und die Bürger Malis gehen, es wird ein schwerer und im schlimmsten Fall weiter blutiger sein.

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