ManagergehälterBrauchen wir ein Gesetz gegen Gier?

Ja: Boni zu begrenzen ist nicht Folge von Neid, sondern eine Notwendigkeit – dem sozialen Frieden zuliebe. von 

Manchmal erkennt man eine neue Zeit daran, dass die alten Fragen wieder gestellt werden. Das Thema Managergehälter war eigentlich durch. Man hatte sich darauf geeinigt, dass Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt schon dafür sorgen, dass jeder den ihm angemessenen Lohn erhält. So weit die Theorie.

In der Praxis aber entscheiden nicht Märkte über die Bezahlung, sondern Menschen. Und in den Vergütungsgremien der Unternehmen wäscht oft eine Hand die andere. Dabei ist jedes Maß verloren gegangen. Wenn die Deutsche Bank einem Händler 80 Millionen Euro Bonus verspricht, dann lässt sich das mit dem Beitrag zur Wertschöpfung nicht mehr begründen.

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Die Schweizer wollen deshalb die Rechte der Aktionäre stärken, die ein Interesse daran haben, exzessive Gehälter zu untersagen. Jeder Euro, den sich die Manager genehmigen, kann nicht mehr an die Eigentümer ausgeschüttet werden. Die EU will die Bonuszahlungen begrenzen, damit die Banker weniger Anreize haben, ihre Umsätze in die Höhe zu treiben, und so ein höheres Risiko eingehen.

Bonusschranken zur Krisenbekämpfung – daran stört sich nicht einmal die FDP. Die politische Brisanz der Debatte liegt darin, dass es nicht mehr nur um gute Unternehmensführung geht, sondern um Gerechtigkeit.

Gehaltsunterschiede gehören zur Marktwirtschaft, und ob die Vergütung der Spitzenmanager wie in den achtziger Jahren das 20-Fache des Durchschnittseinkommens beträgt oder wie in den Neunzigern das 40-Fache, mag den Staat nichts angehen. Wenn das Verhältnis aber wie derzeit in den Dax-Unternehmen im Schnitt bei 180:1 liegt und wenn zugleich die obersten zehn Prozent der Bevölkerung zwei Drittel des Gesamtvermögens kontrollieren, dann läuft etwas schief. Das betrifft nicht nur den Finanzsektor, wo die unzureichende Regulierung und der mangelnde Wettbewerb die Gewinne explodieren ließen. Automanager, Fernsehmoderatoren, Fußballer – sie alle gehen heute mit Summen nach Hause, die früher unvorstellbar waren.

Wer die Kritik daran als Neid abtut, macht es sich zu einfach. Es gehört nun einmal zur Natur des Menschen, sich mit anderen zu vergleichen. Deshalb ist die Verteilung des Wohlstands für den sozialen Frieden mindestens so wichtig wie das absolute Niveau der Einkommen – und Gerechtigkeit mehr als Chancengleichheit. Das gilt erst recht in einer Zeit, in der sich ein Großteil des Vermögens in Deutschland in Luft aufgelöst hätte, wäre es von der Allgemeinheit nicht mit Steuergeldern geschützt worden. Denn von den Rettungsprogrammen für Staaten und Banken haben insbesondere diejenigen profitiert, die Anleihen dieser Staaten und Banken besitzen – und das sind nicht die Hartz-IV-Empfänger.

Reicht das als Legitimation für staatliche Eingriffe, den den Reichen das Geld wegnehmen? Die Antwort auf diese Frage markiert die vielleicht letzte Trennlinie zwischen rechts und links in einem Wahlkampf, in dem alle in die Mitte rücken und die Unterschiede zwischen den Lagern verwischen. Der Mindestlohn ist allgemein akzeptiert, jetzt geht es um das Maximalgehalt.

Und was spricht dagegen? Die Drohung mit einer Massenabwanderung der Spitzenkräfte ist in der Regel nicht mehr als das: eine Drohung. Bislang jedenfalls flüchten deutsche Manager nicht in Scharen in die USA, obwohl dort mehr Geld verdient wird. Einen Managerexodus gibt es nicht einmal in Frankreich, wo die Regierung eine Reichensteuer eingeführt hat. Dass es viele Franzosen dem Schauspieler Gérard Dépardieu gleichtun und die russische Staatsbürgerschaft annehmen, um dem Fiskus zu entkommen, ist eher unwahrscheinlich.

Genauso unwahrscheinlich ist es, dass die Leistungsbereitschaft Schaden nimmt, wenn die Spitzengehälter gekürzt werden. Ab einer bestimmten Gehaltsstufe geht es viel mehr um Prestige und Anerkennung als um die Frage, ob jemand ein paar Tausend Euro mehr verdient. Die egalitären Volkswirtschaften Skandinaviens gehören zu den dynamischsten der Welt. Und dass der Staat die Reichen jetzt schon überfordere, ist ebenfalls ein Mythos. Zwar wird oft darauf verwiesen, dass die obersten zehn Prozent bereits mehr als die Hälfte der Einkommensteuern bezahlen. Das liegt aber vor allem daran, dass sie inzwischen ein Drittel der Einkommenssumme erhalten – und ist damit auch Ausdruck der wachsenden Ungleichheit.

Als Helmut Kohl Bundeskanzler war, lag der Spitzensteuersatz bei 53 Prozent, der Staat langte bei Erbschaften kräftig zu, und es gab eine Vermögensteuer, mit der der Mittelstand gut leben konnte. Derzeit liegt der Spitzensteuersatz bei 45 Prozent, das Erbschaftsteuerrecht ist voller Ausnahmeregeln, und die Vermögensteuer wurde abgeschafft. Wie sehr sich das Land verändert hat, zeigt sich daran, dass Kohl für eine Wirtschaftspolitik stand, wie sie heute die Linkspartei fordert.

Die Frage nach dem Verhältnis von Arm und Reich ist letztlich keine ökonomische, sondern eine politische. Wenn die Wohlstandsverteilung erhalten werden soll, die das Selbstverständnis der Republik geprägt hat, dann reichen Mindestlöhne nicht aus. Dann müssen auch der Gier Grenzen gesetzt werden.

Josef Joffe: Die Banker sollen ruhig ihre Boni kriegen, aber bei Versagen müssen sie zur Kasse gebeten werden

Auch Marktfreunde geraten in Rage, wenn ein Deutschbanker einen 80-Millionen-Bonus kassiert. Oder wenn dem Chef des Schweizer Pharma-Konzerns Novartis der Abschied mit knapp 60 Millionen Euro vergoldet wird. Solche Summen sind Indiz genug für die Kluft zwischen Lohn und Leistung. Und süß ist die Rache, die sich die EU und das Schweizer Wahlvolk ausgedacht haben. Die EU will die Boni deckeln, die Schweiz "Begrüßungsgelder" und "goldene Fallschirme" verbieten; die Gehälter sollen nicht per Selbstbereicherung, sondern durch die Aktionäre bestimmt werden. Bei näherem Hinsehen tauchen allerdings zwei harte Fragen auf.

Leserkommentare
  1. ...Versagen müssen sie zur Kasse gebeten werden.

    Gut gemeint, leider nicht gut zu machen.

    Das Problem ist schlicht, sobald jemand mal Geld hat (selbst wenn es auf einem Sperrkonto liegt), dann muss man es ihm erst mal wieder abnehmen.

    Dazu muss man klagen, dazu muss man beweisen.
    Das erste ist teuer, das zweite ist schwierig.

    Es ist mittlerweile vollkommen klar das das ganze System mit den amerikanischen Immobilienkrediten Betrug war, an dem alle, vom ersten Vermittler bis zur letzten Ratingagentur wissentlich mitgetan haben.
    Und ?
    Was kann man davon beweisen ?
    Eben.

    Ich glaube, wenn die Firmen der Welt eine Zeit lang von Leuten gesteuert werden, die Willens sind für, sagen wir 500.000 €/Jahr, zu arbeiten, dann wird das sowohl den Firmen als auch uns gut bekommen.

    Jemand der ernsthaft denkt, seine Arbeit sei 5.000.000 €/Jahr wert, ist größenwahnsinnig, egal ob Schauspieler, Fußballer oder Vorstandvorsitzender.

    (lustigerweise kenne ich KEINEN einzigen Wissenschaftler oder Ingenieur der noch FACHLICH tätig ist, der deutlich oberhalb der Mio. Grenze verdient)

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    Ingeniur der mehr als WEIT unter der Million verdient

  2. Mir persönlich ist es eigentlich egal wie viel ein Bänker verdient. Wenn er möchte meinetwegen auch ein paar Millonen!
    Wenn er dann glücklicher ist!

    Was mich ärgert ist, daß ein Arbeiter nachdem er 45 Jahre gearbeitet hat zu hören bekommt, daß es noch nicht reicht um in die Rente zu gehen.

    Ich meine damit es müßte eine Regelung geben wieviel Jahre man arbeiten muß um dann in Rente gehen zu können.

    Wenn aber ein Bänker, Minister etc. 10 Jahre arbeitet und dann gleich soviele Millionen verdient hat, daß da Generationen von leben können ist das für mich ein falschen Signal an die Gesellschaft.

    Geld ist für alle genug da wenn man es nur mal richtig verteilen würde.

    8 Leserempfehlungen
  3. medialen, sportlichen und künstlerischen Elite, Gehälter jenseits der 10 Millionen Marke verdienen, welches dann nicht mal von irgendwem in der Öffentlichkeit kritisiert wird, denke ich, andre Motivationen für die drohende Bänker"-Enteignungen" zu sehen.
    Wenn man bedenkt, dass ein drittel der GEZ Gelder bei den Fussballvereinen des DFB landen, d.h. die ganzen Bürger der BRD werden quasi gezwungen, den Fussballern ihre teuren Autos und Häuser zu finanzieren.
    In dem antisemitischen WAHN vieler BRD-Bürger hinter jedem Bankinstitut jüdische Mitbürger zu sehen, denkt sich jetzt die Allgemeinheit, die angeblichen jüdischen Banker nun zu Kasse zu bitten.

    Eine Leserempfehlung
  4. Das möchte ich gerne noch hinzufügen:

    Wenn unsere Gesellschaft sich so weiter entwickelt wir zurzeit braucen wir bald für alles ein Gesetzt.

    Ein Gesetzt gegen Gier
    Ein Gesetzt gegen Umweltverschmutzung,
    Ein Gesetzt gegen Müllabladen im Wald.
    Ein Gesetzt gegen Rowdietum auf den Straßen.
    Ein Gesetzt gegen Unfreundlichkeit und Resektlosigkeit und gegen Rücksichtslosigkeit
    Ein Gesetzt gegen Dummheit
    Ein Gesetzt gegen dumme Medien, immer stumpferes Fernsehen
    die List kann man bis zum Erbrechen weiterführen.

    Also alle mal an die eigene Nase gefasst.
    Tritt doch mal auf die Bremse und lass die Frau über die Straße gehen.
    Ernährt euch nur noch von lokalen Produkten.
    Einfach mal aufs Fahrrad gesetzt zum nächsten Bäcker auch wenn es regnet.
    Einfach mal etwas Rücksicht nehmen.

    SO SCHWER?????

    6 Leserempfehlungen
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    • Bashu
    • 14. März 2013 18:22 Uhr

    und sie funktionieren auch heute noch nicht.

    Das Streben nach Geld und Reichtum liegt im Menschen - auch der Bauarbeiter würde doch die 5 Mio € pro Jahr nicht ausschlagen wenn sein Chef sie ihm anbieten würde.

    Ich denke also nicht, Manager sind eine schlechte menschliche Spezies. Sie sind einfach Menschen und nehmen sich was sie können, wie alle anderen auch, nur können sie sich halt mehr nehmen.

    Und genau deshalb braucht es stringenter Maßnahmen, die die Selbstbedienung einschränken. Appelle nützen überhaupt nichts.

    und wird es vermutlich auch erst sein, wenn wir von den 'vulkanier' erobert worden sind > also nie!

    ansonsten sind die bettler auf der straße auch nicht neidisch auf die millionäre, bänker -mit oder ohne boni-, oder ..., sondern auf den bettler auf der anderen seite der fußgängerzone, der mehr einnimmt.

  5. Gebt doch der Gier alles.
    Seid nicht geizig.
    Wer Dreck und Schmutz haben möchte wird in diesem Sumpf der
    Primitivität verschwinden.
    Ob Wirtschaftler,ob Politiker oder Herausgeber,ob Arbeiter oder
    Beamter,Trivialität versenkt sich selbst im Sumpf der Begierde.

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    "Die Gier" politisches Kaberett?

  6. aber es muss auch eine moralische Verantwortung geben.

    Wie motiviert man einen Menschen dazu sich noch für "schlecht bezahlte" Arbeit zu begeistern.

    Irgendwann setzt einmal eine Verweigerungshaltung ein, die nur noch besagt, ich will nicht mehr. Wieso wird meine Leistung nicht anerkannt.

    Vielleicht hängt man dem Glauben nach das dies eher ein Anreiz für die Leute wäre, sich für höhere Aufgaben zu qualifizieren, aber ich sehe das eher als eine riesen große Demotivation, quer durch die gesamte Bevölkerung.

    Den Volkswirtschaftlichen Schaden den dies bewirkt sollte man nicht unterschätzen.

    3 Leserempfehlungen
  7. ...sich ständig in die Angelegenheiten anderer Menschen einzumischen. Wenn ein Unternehmen einer Person XY Millionen Euro bezahlen will, dann geht es weder Herrn Schieritz, Frau Wagenknecht, mich oder sonstwen etwas an. Jeder kann mit seinem Geld machen, was er will. Deswegen bin ich sehr dafür, dass die Aktionäre - um deren Geld es sich schließlich handelt - bestimmen, was ihr Management verdient. Die Höhe ist aber allein ihre Angelegenheit.

    Wer sich daran stört, dass andere soviel verdienen und er nicht, der schafft sich seine eigenen Probleme. Ich vergleiche mich nicht mit Herrn Schweinsteiger und ich habe kein Problem mit seinem Gehalt. Warum auch? Es hat keinen Einfluss auf mich.

    Herr Schieritz kann sich vorstellen, dass ein Manager das 40fache eines einfachen Arbeiters verdient aber nicht das 180fache. Das ist völlig willkürlich. Wo soll dort begründet die Grenze gezogen werden? Ich habe auch kein Problem mit 80 Mio. Boni. Warum auch? Wenn jemand seinem Unternehmen 100 Mio. Gewinn ermöglicht, soll er ruhig soviel kriegen. Was kümmert es mich? Ich habe nur ein Problem damit, wenn ich die Boni über Rettungspakete finanzieren muss.

    Zuviele Menschen machen sich zuviele Gelegenheit um das Leben anderer Leute. Die einen kümmern sich zu sehr um das Liebesleben anderer Leute, die andere zu sehr um die Gehälter anderer Leute. Lassen wir die anderen Menschen doch einfach ihr Leben leben und kümmern wir uns um unsere eigenen Angelegenheiten!

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    Einfluss auf sie, denn sie bezahlen es mit ob sie es wollen oder nicht.
    Genauso wie sie alle Managergehälter mit bezahlen, denn deren Kosten stecken in jedem Produkt.

    Im übrigen hört die Freiheit des einzelnen dort auf, wo sie die Freiheit des anderen beschneidet.

    Davor die Augen zu verschließen ist schon etwas derb. Es muss für alles Grenzen geben und es ist die Aufgabe der Gesellschaft sinnvolle Grenzen festzulegen.

    Es gibt keine offenen Systeme. Daher führt jedes ansammeln von Reichtum in wenigen Händen, ganz schnell zur Katastrophe. Ob in der Wirtschaft oder in der Natur, beides funktioniert auf Dauer, nur als Nullsummenspiel!

  8. Das Belohnungssystem müsste verändert werden. Für Fehlleistungen einen Malus setzen, für Spitzenleistungen Boni. Wenn dann diese Boni in einem vernünftigem Verhältnis zu bestimmten Parametern (Umsatz, Gewinn usw.) gesetzt werden, erst dann kann man vermutlich grosse Gehälter akzeptieren.

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    Sollten diese sich nicht an einem Mindestlohn (von dem man leben kann und auch die Rente ausrechend ist) richten? Z.Z. ist es so, das diese Boni sich immer an das Bestgeld der eigenen Sparte richtet ,die jeder dieser Eliten übertreffen will ! Nun was ist sozial? Unser Eliten treiben es noch zum Bürgerkrieg und Anschauungsbeispiele gibt es wohl genügend auf der Welt, wo das Volk diese Selbstherrlichkeit beendet!

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