Lehrerschelte ist böse! Darüber sind sich alle einig, Politiker wie Journalisten, Verbandsfunktionäre und die Lehrer selbstverständlich auch. Ob Imagekampagnen oder Lehrerpreise: Wenn wir über das Wirken unserer Pädagogen reden, dann bitte nur recht freundlich. Dazu passt sogar, dass Gerhard Schröders Spruch von den "faulen Säcken" in keinem Beitrag fehlen darf, als Pflege der Erinnerungskultur an das historische Unrecht, das dem Berufsstand widerfahren ist.

Betrachtet man die Reputationsrankings, ist die Botschaft in der Bevölkerung angekommen. Die meisten Bundesbürger sind längst der Meinung, dass Lehrer ihren nicht unanstrengenden Beruf recht gut erledigen. Tatsächlich gibt es keinen Hinweis darauf, dass unfähige Lehrer häufiger vorkommen als unfähige Bäckermeister, Manager oder Politiker.

Sie sind aber ein größeres Problem.

Denn ein Bäcker, der pappige Brötchen anbietet, geht pleite. Einen schlechten Politiker kann man abwählen, einen Manager entlassen. Ein schlechter Lehrer hingegen unterrichtet in der Regel unbehelligt bis zur Pension, zum Schaden der Schüler und zum Ärger ihrer Eltern.

Welchen großen Einfluss Lehrer auf das haben, was Schüler (nicht) lernen, zeigt der jüngste Jahresbericht der Hamburger Schulinspektion. Er enthält zwei Botschaften: 1. Je besser der Unterricht an einer Schule, desto besser die Noten der Schüler im Zentralabitur. 2. Die größten Unterschiede in der Unterrichtsqualität finden sich weder zwischen Schulformen noch zwischen Schulen, sondern zwischen einzelnen Lehrern. "Immer wieder erleben die Schulinspektoren in ein und derselben Schule von Klassentür zu Klassentür mal hervorragenden, mal schlechten Unterricht", sagt Hamburgs Schulsenator Ties Rabe.

Der Bericht bestätigt, was die Bildungswissenschaft allerspätestens seit der Megastudie des australischen Schulforschers John Hattie weiß ( ZEIT Nr. 2/13). Auf der Basis Zehntausender Evaluationsstudien kommt Hattie zu dem Schluss, dass äußere Einflussfaktoren (Schulform oder Klassengröße) die Schülerleistungen wenig beeinflussten. Entscheidend sei vielmehr das Können des einzelnen Pädagogen.

Hatties Lob des Lehrers hat man hierzulande gern vernommen, die darin versteckte Kritik weniger. Denn in dem Maße, wie der gute Lehrer ein Segen ist, muss der schlechte ein Problem sein. Auch darüber sollte man reden. Und: früher und direkter intervenieren.