Während in der Damenmode wild mit Schnitten und Mustern experimentiert wird, setzt man bei den Herren meist auf Bewährtes. Die Frauen werden Saison für Saison mit neuen It-Bags und Signature-Shoes konfrontiert, Männer finden stets dasselbe vor. Zum Beispiel das Sakko, den ewigen Klassiker der Herrengarderobe. Zwar ist es mal enger geschnitten, mal weiter, auch die Form des Revers mag variieren – aber die Grundform bleibt stets die gleiche.

Bei den Herrenmodenschauen für diesen Sommer war allerdings Ungewohntes zu sehen, und zwar Sakkos in knallbunten Legofarben. Es ist sozusagen playtime. Vertreten ist jede Farbe des Malkastens: Rot bei Balenciaga, Blau bei Jil Sander, Orange bei Dries Van Noten. Bei Gucci gab es gleich die ganze Palette, Grün, Gelb, Blau, Orange. Wer will, kann im Sommer jeden Wochentag mit einer anderen Farbe begrüßen.

Tatsächlich stehen kräftige Farben dem Mann keinesfalls besser als der Frau. Oder anders gesagt, können Männer mit zu viel Bunt genauso viel falsch machen wie Frauen. Wer in einem roten Sakko unterwegs ist, sagt damit nicht: "Ich trage ein rotes Sakko", sondern: "ICH! TRAGE! EIN! ROTES! SAKKO!" Man hebt sich von all den mausgrauen und graublauen Kollegen ab wie eine Leuchtreklame im Dunkeln. Wer so etwas tut, muss dieser Rolle auch gerecht werden.

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Nun sollte man nicht davon ausgehen, dass ein buntes Sakko seinen Träger zwangsläufig zum modischen Menschen macht. Mode ist eine innere Haltung, kein Kleidungsstück. Farbige Sakkos kommen oft dann zum Einsatz, wenn man solch eine Jacke zwar tragen, sich aber gleichzeitig von ihrem förmlichen Aspekt distanzieren möchte. So sendet das Sakko eine bestimmte Botschaft – und signalisiert gleichzeitig, dass man es doch gar nicht so meint. Das ist eine ungünstige Ausgangslage. In einem solchen Fall sollte man vielleicht gleich lieber einen Pulli statt eines Sakkos tragen. Oder aber man schafft sich eben doch eine Jacke in einer gedeckten Farbe an, die einen nicht sofort zum Mittelpunkt jedes Stehempfangs macht.

Blickfang möchte man in den meisten Fällen auch gar nicht sein. So gesehen ist das größte Geschenk der Mode an die Männer, dass sie nicht auffallen müssen.