Als ob der Mensch nicht schon genug auf seinen Schultern zu tragen hätte, setzt er sich jetzt noch einen tierischen Kopf auf. Man könnte auch Mütze dazu sagen. Aber es wäre fahrlässig, die wolligen Esel-, Löwen-, Bären-, Mäuse- oder Hundehäupter einfach in die große Klasse der Mützen einzuordnen. Warum der Mensch an kalten Tagen seinen Kopf in einen Tierkopf steckt, darüber kann man nur unken.

Was wird aufgesetzt? Amphibien nur selten. Kröten kriegen Warzen weg, aber keine Kälte; sind sie doch selber kalt. Allenfalls thront ein Frosch über den Häuptern und lässt seine Schenkel lasziv über die Ohren baumeln. Insekten werden auf Köpfen gar nicht gesichtet. Der Mensch hat seit je ein schwieriges Verhältnis zu ihnen, traut ihnen jedenfalls keine wärmespendende Wirkung zu. Zu viel Chitin. Dabei würde sich ein wolliger Weberknecht auf manchem Kopf gut ausnehmen.

Der Mensch hält den Säugetieren die Treue. Am liebsten setzt er sich Eisbären auf. Wahrscheinlich wäre er selbst gern einer: niedlich, flauschig und gefährlich. Man sieht kleine Kinder mit riesigen Eisbärköpfen. In der Neuen Deutschen Welle gab es mal eine Band, die hieß Grauzone und sang: »Eisbären müssen nie weinen.« Stimmt nicht. Löwen und Tiger sind im Raubtierkapitalismus auch sehr beliebt. Erstaunlich ist, wie viele sich freiwillig zum Esel machen. Man versuche einmal, mit so einem tierkopfgekrönten Haupt zu sprechen, es zum Beispiel nach der Uhrzeit zu fragen. In welches Gesicht soll man schauen? Im Selbstversuch einen waschbärköpfigen Mann gefragt, wie spät es sei. »Halb zehn«, sagte der Waschbär. Wie der Mann aussah – keine Ahnung. Neulich lief ein stattlicher Dachs mit einem Aktenkoffer über den Alexanderplatz. Frauen tragen auffallend gern Eulen auf dem Kopf. So manches Gesicht wirkt unter dem Vogel wie ein Ei, das bebrütet wird. Man sollte deshalb darauf achten, ein Tier zu tragen, das einem steht und nicht klüger aussieht als man selbst.

Zeige mir deine Mütze, und ich sage dir ... Ja, was? Wer du bist? Was du lieber wärst? Was du wirklich bist? Alle Erklärungen dieses Modetrends sind natürlich löchrig, aber mit Mütze und Mensch scheint es sich ähnlich zu verhalten wie mit Herr und Hund.

Manchmal sitzt man in der schaukelnden S-Bahn zwischen Raubkatzen, Mäusen, Hasen, Elchen, Fröschen. So, denkt man, muss es auf der Arche Noah gewesen sein. Wohin die Reise geht, weiß man bei der Berliner S-Bahn auch nicht immer. Und wie enttäuscht man ist, wenn sich plötzlich jemand den Löwenkopf vom Kopf nimmt. Und ganz sicher ist man: Kein Tier käme auf die Idee, sich einen Menschenkopf aufzusetzen.