KrimiZeit-BestenlisteDie zehn besten Krimis im März 2013

Jeden ersten Donnerstag im Monat geben Literaturkritiker und Krimispezialisten die Romane bekannt, die ihnen am besten gefallen haben. von Tobias Gohlis

1(1) Reginald Hill: Rache verjährt nicht
A. d. Engl. von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, Suhrkamp, 686 S., 19,95 €

London/Cumbria. Kinderschänder oder Hedgefondsmanager – welche Anklage wiegt schwerer? Wolf Hadda, nach Fluchtversuch zum Monster verkrüppelt, geht für beides in den Knast. Nach sechs Jahren wieder frei, sinnt er auf Rache. Posthumes Wunderwerk englischer Erzählkunst. Hill ist 2012 verstorben.

2(–) Joe R. Lansdale: Dunkle Gewässer
Aus dem Englischen von Hannes Riffel, Tropen, 320 S., 19,95 €

Ost-Texas, während der Großen Depression. Nachdem May Linns Leiche im Sabine River gefunden wurde, verbrennen ihre Freunde sie und transportieren die Asche den Fluss hinab. Fernziel: Hollywood. Die wilde Flucht der Jugendlichen erinnert an die von Huck Finn und Tom Sawyer, verläuft aber grotesker und brutaler als bei Mark Twain. Lansdale eben.

Anzeige

3(–) Elmore Leonard: Raylan
Aus dem Englischen von Kirsten Risselmann, Suhrkamp, 308 S., 19,95 €

Kentucky. Ob Nierenhandel, Umweltverbrechen oder Schusswechsel mit einer einarmigen Transe – US-Marshal Raylan Givens bleibt stets gelassen. Mit Gleichmut und schnellem Finger sorgt er für das, was er persönlich für Gerechtigkeit hält. Wie schon in der TV-Serie Justified, jedoch im Buch viel, viel abgefahrener.

4(8) Håkan Nesser: Am Abend des Mordes
Aus dem Schwedischen von Paul Berf, btb, 480 S., 19,99 €

Kymlinge. Gunnar Barbarottis Frau ist gestorben. Der trauernde Inspektor arbeitet sich ins Leben zurück. Er untersucht, ob Ellen, die vor Jahren ihren ersten Mann erschlug und zerstückelte, auch den zweiten beseitigt hat. Im letzten Barbarotti-Roman geht es um das weite Feld zwischen Tod und Leben, um Gott und ums Bessermachen.

Das Beste vom Besten

An jedem ersten Donnerstag des Monats wählen 18 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die zehn Kriminalromane, die ihnen am besten gefallen haben. Sie halten nach dem literarisch interessanten, thematisch ausgefallenen, besonderen Kriminalroman Ausschau. Die KrimiZeit-Bestenliste entsteht in Kooperation von DIE ZEIT und NordwestRadio. Die Jury besteht aus 18 Spezialisten für Kriminalliteratur, die aus der laufenden Produktion jeweils 4 Titel vorschlagen, die sie mit 7,5,3 oder 1 Punkt bewerten. Der so gefundene Punktwert pro Titel wird mit der Zahl der Stimmen multipliziert, die auf ihn entfallen sind. Daraus wird die monatliche Liste berechnet. Jedes Jurymitglied darf insgesamt drei Mal für den selben Titel votieren. Voten für Titel, an deren Entstehung oder Vorbereitung man beteiligt war, sind verboten. Die Titel dürfen nicht älter als 12 Monate sein und keine Wiederauflagen, Sammelbände oder Anthologien. Unterschiede zwischen Hardcover, Paperback und Taschenbuch werden nicht gemacht. Im Schnitt kommen 5 Titel neu auf die monatliche Liste. Die Ziffer in Klammern gibt den Rang des Vormonats an.

Die Jury

Tobias Gohlis, Kolumnist DIE ZEIT, Sprecher der Jury,
Volker Albers, "Hamburger Abendblatt",
Andreas Ammer, "Druckfrisch", Dlf, BR,
Gunter Blank, "Sonntagszeitung",
Thekla Dannenberg, "Perlentaucher"
Fritz Göttler, "Süddeutsche Zeitung",
Michaela Grom, SWR,
Hannes Hintermeier, "Frankfurter Allgemeine Zeitung",
Lore Kleinert, Radio Bremen,
Elmar Krekeler, "Die Welt",
Kolja Mensing, DRadioKultur,
Ulrich Noller, Deutsche Welle, WDR,
Jan Christian Schmidt, "Kaliber 38",
Margarete v. Schwarzkopf, Literaturkritikerin,
Ingeborg Sperl, "Der Standard",
Sylvia Staude, "Frankfurter Rundschau",
Jochen Vogt, NRZ, WAZ,
Hendrik Werner, "Weser-Kurier",
Thomas Wörtche, "Penser Pulp bei Diaphanes", "culturmag", DradioKultur

Die Jury der KrimiZEIT-Bestenliste erreichen Sie über
Krimibestenliste@zeit.de.

5(–) Madison Smartt Bell: Die Farbe der Nacht
Aus dem Englischen von U. Wasel und K. Timmermann, Liebeskind, 238 S., 18,90 €

Los Angeles, Las Vegas, New York. Manson-Mythos trifft 11. September. Die sexy blutigen Zeiten liegen 30 Jahre zurück. Mae, einzige Überlebende der Family, gibt Karten in Vegas. Als die Türme fallen, fällt die Todesgöttin zurück in antike Blutträume und Rachemuster. US-Gewalt-Metaphysik.

6(–) Steve Hamilton: Der Mann aus dem Safe
Aus dem Englischen von Karin Diemerling, Droemer, 460 S., 16,99 €

Ohio. Mike ist seit seinem achten Jahr stumm. Warum, verrät er zuletzt. Aus dem Knast erzählt er, wie er Safeknacker wurde, wie er als Empfindsamer unter Rohlinge kam, als Künstler unter die Gangster fiel. Schnörkellos, mit hoher Spannung erzählt. Das Schönste: die Liebesgeschichte unter Comiczeichnern.

7(4) Åsa Larsson: Denn die Gier wird euch verderben
Aus dem Schwedischen von Gabriele Haefs, C. Bertelsmann, 384 S., 19,99 €

Kiruna. Frans Usitaalos Hand wird im Magen eines Bären gefunden, seine Tochter ist mit zig Messerstichen ermordet worden, und sein Enkel wird beinahe erstickt. Rebecka Martinsson und Anna-Maria Mella ermitteln Familien- und Regionalgeschichte: Die Minenstadt Kiruna als Moloch, der Geld spuckt, wenn man ihm Kinder opfert.

8(10) Nicci French: Eisiger Dienstag
Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller, C. Bertelsmann, 528 S., 14,90 €

London. Psychotherapeutin Frieda Klein jagt mit seelsorgerisch- detektivischem Übereifer winzigsten Vermutungen hinterher und entdeckt echte Beweise. Der Mann, der, halb verwest und doch umsorgt, ihre Suchlust weckt, war von Friedas Art: einfühlsamer Zuhörer und Ziel von Mordgelüsten. Frieda Klein ist klasse.

9(–) Paolo Roversi: Milano Criminale
Aus dem Italienischen von Esther Hansen, Ullstein, 464 S., 19,99 €

Mailand 1958–1971. Vandelli (10) und Santi (14) sind zufällig Zeugen des sensationellen Raubüberfalls an der Via Osoppo. Der eine wird daraufhin Räuber, der andere Polizist. Nach dem Vorbild von Romanzo Criminale: die Geschichte Mailands als Kampf zwischen Staat und Verbrechern.

10(3) Mike Nicol: Killer Country
Aus dem Englischen von Mechthild Barth, btb, 512 S., 14,99 €

Kapstadt. Band 2 der "Rache-Trilogie". Mace und Pylon, ehemals Waffenhändler des ANC, jetzt Nobel-Security, wollen in Frieden ihr Erspartes investieren. Doch Ex-Politiker Ocho und Anwältin February spielen nicht ehrlich. An dickes Geld kommt man nur durch Mord. 20 Jahre Demokratie haben daran nichts geändert.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Kentucky | London | Los Angeles | Ohio
Service