In China sind zwischen 1980 und 1990 etwa 240 Millionen Menschen auf die Welt gekommen. Es ist eine Generation, die sich stark von den vorherigen unterscheidet. Um 1979 begann in China die Ein-Kind-Politik, und dort, wo sie wirklich griff – vor allem in den Städten – investierten die Eltern viel in die Bildung ihres einzigen Kindes. Die Folge: Von den in den 1980ern Geborenen besuchten 18 Prozent die Universität (von den in den fünfziger Jahren Geborenen waren es 1,71 Prozent). Eine große Zahl junger Chinesen hat heute ein Diplom, viele haben zudem auch im Ausland studiert. Allerdings sind unter ihnen auch viele, deren Diplom von einer Provinz-Uni stammt und in Deutschland kaum anerkannt würde.

Im Jahr 2011 veröffentlichte die renommierte Akademie für Sozialwissenschaften in China das Blaubuch der nach 1980 Geborenen. Ihr zufolge haben diese eine hohe Bildung und einen ausgeprägten Anspruch an ihren Arbeitsplatz. Im Gegensatz zu früheren Generationen seien sie weniger bereit, sich anzustrengen, und hielten weniger Härten und Bitterkeit aus. Man sollte die Studie allerdings im chinesischen Kontext lesen: Im Vergleich zu Europäern sind junge Chinesen noch immer an sehr viel längere Arbeitszeiten und weniger Ferien gewöhnt.

Die Jungen sind in einem China des sagenhaften wirtschaftlichen Aufstiegs aufgewachsen. Auch den gewaltigen sozialen Wandel haben sie am eigenen Leib erlebt und wechseln schneller ihren Job, Wohnort und Partner. Sie kommen in den Genuss einer enorm gewachsenen Freizeit- und Konsumkultur. Bei allem Hedonismus steht diese Generation aber auch unter enormem Druck. Heirat und Familie sind in China noch immer unangetastete Ideale, dazu gehört nach allgemeinem Verständnis eine eigene Wohnung, ein Auto – zur Finanzierung springen die Eltern ein. Die Kinder werden häufig von den Großeltern aufgezogen. Auf die folgenden Generationskonflikte darf man gespannt sein.