Generation YSie brauchen das Geld

Beruf, Familie, Freizeit: Was junge Frauen und Männer sich wirklich wünschen. Ein Gespräch mit der Soziologin Jutta Allmendinger von Anne Kunze

DIE ZEIT: Wird die Generation Y die Unternehmen und die Arbeitswelt verändern?

Jutta Allmendinger: Der demografische Wandel, global agierende Unternehmen, rechtliche Rahmenbedingungen und moderne Geschlechterrollen werden ein "weiter so" nicht möglich machen. Die Generation Y ist hier eine treibende Kraft, aber bei Weitem nicht die einzige.

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ZEIT: Ist die Generation Y mehr als nur eine Lebensphase?

Allmendinger: Diese Generation wird ein anderes Leben führen. Ermöglicht wird es auch von Älteren, die im Rückblick sehen, dass wir tief greifende Veränderungen brauchen. Die Jungen selbst klopfen auf gesellschaftlicher Ebene nur sachte an. Ein gutes Beispiel ist die Frauenquote, die viel stärker von meiner Generation als von der heutigen Generation Y gefordert wird. Als ich jung war, habe ich ja auch gedacht, dass sich diese Fragen von selbst lösen.

ZEIT: Wie möchten junge Menschen heute arbeiten?

Jutta Allmendinger

Jutta Allmendinger ist Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB).

Allmendinger: Erstens wird Arbeit in einem umfassenden Sinn verstanden, gemeint sind bezahlte wie unbezahlte Tätigkeiten. Zweitens steht Stabilität weit oben. "Finanzielle Sicherheit" und einen "sicheren Arbeitsplatz" wollen fast 100 Prozent der Befragten. Drittens soll die Erwerbsarbeit "ein eigenständiges Leben ermöglichen". Das sagen über 90 Prozent. Viertens soll die Erwerbsarbeit eine zeitliche Flexibilität ermöglichen. Auch dieser Wunsch nach Zeitsouveränität eint die allermeisten jungen Menschen, die Zustimmung liegt bei über 80 Prozent. Sicherheit, Geld und Zeit für ein Leben neben der Erwerbsarbeit zu haben, das sind die großen Themen.

ZEIT: Was ist den Mitgliedern der Generation Y im Leben besonders wichtig?

Allmendinger: Feste soziale Bindungen. Alle, wirklich alle halten Freunde für sehr wichtig, dicht gefolgt von Eltern und Geschwistern und einer festen Beziehung. Wir sehen: Im Erwerbsleben wie im Privaten strebt diese Generation sehr nach Sicherheit und Beständigkeit.

Leserkommentare
  1. Sieht Frau Almendinger das - oder wünscht sie sich das eher?

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  2. ... für Ältere ja fast ein Extremist wenn man trotz guter Ausbildung auf eine internationale Karriere verzichtet und sich für Familie entscheidet, zumindestens aus meiner subjektven Erfahrung heraus. Was musste ich mir als Kerl Alles anhören und mich rechtfertigen..... ich konnte sehr viel Unverständnis feststellen.

    Nun sind wir aber im Wohlstand aufgewachsen und müssen nicht den harten Platzhirsch markieren damit es für ein Häuschen und ein Auto reicht. Das war vor 30 Jahren vielleicht anders.

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    was will die Generation Y?
    Sie will also SIcherheit.
    Da passt es doch ins Bild , dass eine LEhramtsstudentin offe zugab nur Lehrerin werden zu wollen , " weil man da die gleichen ZEiten, wie die eigenen Kinder hat, gut bezahlt wird und sicher verbeamtet wird"..
    Tja..Verbeamtung waren noch vor 5 JAhren gar nicht sicher (abhängig von der Fächerkombination).
    Natürlich ist vor diesem Lebensmodell der Generation natürlich der Wunsch nach "mehr Staat" ,der alles finanziert nur durchaus verständlich. Im Notfall sind ja noch die "bösen Reichen" da, die diesen Lebensentwurf mittragen sollen. Ein bisschen SOlidarität können man ja vorraussetzen

    NUr: Wer finanziert das eigentlich alles?
    Ist es eigentlich zeigemäß sich diese Sicherheit von vielen Berufsgruppen zu leisten, während die anderen diesen WOhsltand ,der da an Staatsbedienstete verteilt wird, einfach so erwirtschaften. Oder ist das die neue Form des Asozialen, um mal Gabriels Worte zu entlehnen?

    "Nun sind wir aber im Wohlstand aufgewachsen und müssen nicht den harten Platzhirsch markieren damit es für ein Häuschen und ein Auto reicht. Das war vor 30 Jahren vielleicht anders."

    Vor dreissig Jahren konnte noch ein FACHARBEITER sich einiges leisten, wozu heute Abitur, Studium und akademischer Grad notwendig scheinen.

    Woran liegts?

    der moderne alimentierte C4 oder eher W3 Prof fährt mit Kindergespann am Rad durch die Ortschaft...man hat es ja...die Frage ist eben nur ,wer diese beamtenbezüge dann finanzieren soll ,wenn alle plötzlich als postmoderne bonvivants la dolce vita genießen, weil sie ja soooo immateriell sind...aber 5 K im Monat netto sollten halt schon irgendwie drin sein...die privat Kita und der Cayenne will ja finanziert sein

  3. Ich weiß nicht genau, wen die Autorin mit "junge Menschen" meint - also welche Altersgruppen das umfasst. Wahrscheinlich zähle ich dann nicht mehr dazu. Mir fällt bei meinen jüngeren Kollegen auf, dass es nicht die Frage nach Kind *oder* Arbeit gibt, sondern dass beides zusammen gedacht wird - ohne Arbeit kein Wohlstand für Kinder und ohne Kinder keine Akzeptanz im Beruf.

    Bin manchmal fast enttäuscht, wie "langweilig" viele diese jüngeren Menschen sind. Solche Träume wie Abenteuerreisen, eine Revolution anzuzetteln, auf eine Demo zu gehen, eine große Erfindung zu bewerkstelligen, auszusteigen und einen Kräutergarten auf dem Dach anzubauen - sowas kommt alles nicht mehr vor. Immer nur Kinder, Konsum, Karriere.

    14 Leserempfehlungen
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    Eine Generation entwickelt sich immer ganz gern entgegen der Generation der Eltern und will zudem was man nicht hat.

    Bei uns ist das nunmal leider die Sicherheit. Wir sehen nunmal was uns die Generation unserer Eltern hinterlassen hat und das ist ein Deutschland auf dem absteigendem Ast. Schwimmbäder und Theater schließen, unsere Schulen hatten alle zusammen undichte Dächer und schimmelnde Decken. Die Preise steigen, während unsere Löhne sinken und soetwas wie Loyalität des Arbeitgebers gegenüber seinen Mitarbeitern wird immer seltener. 50 Jahre im selben Unternehmen? Unvorstellbar.

    Überhaupt in einer Zeitspanne von 50 Jahren zu denken, unmöglich, 5 Jahre? Schon das ist eine zu große Zeitspanne. Was uns von den 70ern hinterlassen wurde ist nicht nur viel Gleichberechtigung und Freiheit für die wir dankbar sind, es ist auch die größte Wirtschaftskrise seit 1929.

    Wir wisse nichteinmal ob es die EU in 5 Jahren noch gibt. Kein Wunder dass man da etwas Sicherheit will.

    Aus Wikipedia: "Als Generation Y (kurz Gen Y) wird seitens Soziologen diejenige Bevölkerungskohorte genannt, deren Mitglieder um das Jahr 2000 herum zu den Teenagern zählten."

    Kinder rebellieren meist gegen ihre Eltern, weil sie hinterfragen, ob ihre Eltern alles "richtig" gemacht haben und dergleichen. Die Generation aus dem 2. Weltkrieg, sprich die Großeltern der Generation Y haben Deutschland aufgebaut, sich selbst Häuschen, Auto, Urlaub und haben unseren Eltern gesagt "Ihr sollt es mal besser haben als wir".
    Unsere Eltern sind dann 68 auf die Straße und haben gegen jeden Bockmist protestiert, Frauen haben ihre BHs verbrannt und so weiter. Unsere Generation, die Generation Y fasst sich an den Kopf und sagt "Mama, Papa, den Wohlstand eurer Eltern habt ihr verpulvert, eure BHs verbrannt, Sparen ist bei euch out... wisst ihr, ich werde lieber pflichtbewussst, arbeitsam, sparsam und rebelliere nicht permanent gegen Bockmist. Ich möchte lieber wie Oma sein."

    Und wenn man Verhaltensforscher fragt, die sich mit Generationen befassen, dann sagen diese, dass Generation Oma zur Generation Mama&Papa sagt "Ihr sollt es besser haben als wir", unsere Eltern haben unserer Generation dafür auferlegt "ihr werdet es nicht besser haben, ihr werdet besser SEIN" - was unsere Generation dann oft an den Rande des Wahnsinns treibt, weil "du hast doch alle Möglichkeiten, warum muss es denn jetzt ein Kind sein?" Antwort: Weil unsere Generation beides WILL!

    Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu wollen, dass ist ja kein falscher Lebensentwurf!

    Die Frage der "Langweiligkeit" der jungen Generation - so das stimmt - ist eine interessante Betrachtung. Eltern, Bezugspersonen und die Gesellschaft geben ihren Kindern mit, was sie für sich lernen und welche Vorstellungen sie für ihr zukünftiges Leben entwickeln können. Wo also wollen Sie die Schuld sehen für die von Ihnen beklagte Entwicklung?

    Es ist die Aufgabe von Politik und der Gesellschaft, der jungen Generation die Freude an einem spannenden Leben vorzuleben und es wäre sehr gut, wenn wir ihnen die Voraussetzungen dafür mitgeben könnten. Bestmögliche Bildung wäre das eine, Reduzierung der Ich-Bezogenheit und Streben nach Materialismus das andere - letzteres wendet sich nicht gegen Wohlstand.

  4. "Frauen wollen Erwerbstätigkeit und Familie. Geld und Zeit. Geben und Nehmen." Zu welchem Zeitpunkt wollen sie das? Eindeutig, bevor sie abschätzen können, was es bedeutet.
    Und einmal in der Tretmühle, sind da die Kinder, die einen mindestens 20 Jahre brauchen, das Haus, das abbezahlt werden will, Eltern, die einen brauchen, die Weiterqualifikation im Job, die regelmässig anklopft.
    Die Weichen dann umzustellen, ist es zu spät oder bedeutet einen hohen Preis.

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    • ach_ne
    • 16. April 2013 7:07 Uhr

    was wir brauchen: Konsumenten! Für was gibt ein Mensch schon mehr aus als für sein eigenes Kind? Für ein Haus, ja. Aber wer baut schon ein Haus, wenn er keine Kinder haben will?

  5. Ich bin bald mitte 40, somit gehöre ich wohl eher nicht mehr zur Generation Y. In den Grundbedürfnissen sehe ich aber keine großen Unterschiede zu den Bedürfnissen, die ich bzw. wir vor 20 oder 30 Jahren stillen wollten.

    Den größten Unterschied sehe ich, wie in Kommentar Nr. 3 von "schusswaffe", ebenfalls in der inspirationslosen, langweiligen, protestlosen Art der Generation Y. Freiwillige Sitzpinkler, ohne Frische und ohne die jugendlichen und unvernünftigen Spinnereien, wie ich sie aus meiner Jugend kenne.
    Die Einstellung der Generation Y spiegelt sich auch in deren ermüdender Musik wieder: Nix PunkRock, HeavyMetal, StonerRock und harte Riffs sondern sanfte Töne begleitet von mitleiderregendem Gesäusel und Gejammer.

    18 Leserempfehlungen
  6. Diese Thesen habe ich bereits auf einem Kongress 2010 (!) in München von unterschiedlichen Referenten gehört. Das sind jetzt drei Jahre her.
    Allerdings gelten die dort aufgestellten Thesen sicher auch noch heute.

  7. was will die Generation Y?
    Sie will also SIcherheit.
    Da passt es doch ins Bild , dass eine LEhramtsstudentin offe zugab nur Lehrerin werden zu wollen , " weil man da die gleichen ZEiten, wie die eigenen Kinder hat, gut bezahlt wird und sicher verbeamtet wird"..
    Tja..Verbeamtung waren noch vor 5 JAhren gar nicht sicher (abhängig von der Fächerkombination).
    Natürlich ist vor diesem Lebensmodell der Generation natürlich der Wunsch nach "mehr Staat" ,der alles finanziert nur durchaus verständlich. Im Notfall sind ja noch die "bösen Reichen" da, die diesen Lebensentwurf mittragen sollen. Ein bisschen SOlidarität können man ja vorraussetzen

    NUr: Wer finanziert das eigentlich alles?
    Ist es eigentlich zeigemäß sich diese Sicherheit von vielen Berufsgruppen zu leisten, während die anderen diesen WOhsltand ,der da an Staatsbedienstete verteilt wird, einfach so erwirtschaften. Oder ist das die neue Form des Asozialen, um mal Gabriels Worte zu entlehnen?

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    Antwort auf "Man ist..."
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    ... Ihnen denn das Rechnen beigebracht, und übrigens alles Andere was zu ihrer ersten erfolgreichen Bewerbung beigetragen hat? Es dauert gut 10 Jahre und ist mühsamste Kleinstarbeit Kindern beizubringen einen einfachen Brief zu schreiben der nicht gleich in die Tonnen getreten wird.

    Und Lehrer kann man von mir aus gerne dem Wettbewerb aussetzen. Kein Problem. Allerdings sollten Sie nicht unterschätzen das genau dieser Staat erst die Rahmenbedingungen für erfolgreiches Wirtschaften schafft. Es ist also eine gegenseitige Abhängigkeit.

    Eine Welt voller Grautöne, wie unangenehm, nicht wahr?

    sind "Peanuts" im vergleich zu den Summen, welche unsere Pfarrerstochter aus der Uckermark und ihr schwäbischer Schwarzgeldkoffervergesser gerade für die Bankenrettung¹ verpulvern!

    DA sollten wir fragen:

    Wer bezahlt das?
    Wer profitiert davon?

    Aber 'ne Neiddebatte anzetteln ist halt einfacher...

    ---

    ¹ zur Tarnung geren abwechselnd als Eurorettung, Griechenlandrettung, Zypernrettung etc. getarnt

    doch ersteinmal ein wenig informieren und nicht nur alte Stammtischparalen wiederholen. Solche Aussagen gewinnen leider nicht an richtigkeit, je häufiger sie wiederholt werden. Weitere Informationen finden Sie hier:
    http://www.welt.de/politi...

    und hier:

    www.dbb.de/fileadmin/pdfs...

    Sicherheit war bestimmt schon immer eins der höchsten Ziele aller Generationen. Wir sind an einen Punkt gekommen, an dem diese Sicherheit auch garantiert werden könnte, aber wir scheitern mal wieder an der Spezies Mensch, die zu den abartigsten Dingen fähig ist. Auf dem ganzen Planeten ist keine andere Art so brutal und rücksichtslos wie der Mensch(z.B. Menschenhandel, Krieg, ausbeute von Arbeitern in China, damit ein Konzern mit dem Apfel 100Mrd. Doller horten kann).

    Ich würde mich freuen, wenn die Generation Y wirklich etwas gelernt hat, aber ich weiß wie schwer es ist, den Verlockungen des Konsumlebens zu wiederstehen und dann arbeitet man doch wieder 50 oder 60 Stunden in der Woche, um das Haus abzubezahlen oder ein tolles Auto vor der Tür stehen zu haben.

    Sorry, fällt aus, wegen is nich !!

  8. ... Ihnen denn das Rechnen beigebracht, und übrigens alles Andere was zu ihrer ersten erfolgreichen Bewerbung beigetragen hat? Es dauert gut 10 Jahre und ist mühsamste Kleinstarbeit Kindern beizubringen einen einfachen Brief zu schreiben der nicht gleich in die Tonnen getreten wird.

    Und Lehrer kann man von mir aus gerne dem Wettbewerb aussetzen. Kein Problem. Allerdings sollten Sie nicht unterschätzen das genau dieser Staat erst die Rahmenbedingungen für erfolgreiches Wirtschaften schafft. Es ist also eine gegenseitige Abhängigkeit.

    Eine Welt voller Grautöne, wie unangenehm, nicht wahr?

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    naja 10 Jahre für einen Brief?
    Also deswegen 10 Lehrer für einen SChüler oder wie?
    Spaß beiseite..Sie sagen also Lehrer sollte man so exklusiv bezahlen und alimentieren , weil sie so tolle Leistung bringen? In keinem Land verdienen Lehrer zBsp mehr als hier...mir ist das eigentlich egal..ich werde es in Zukunft aber nicht mitfinanzieren..und deswegen brachte ich dsa Beispiel mit der ehemaligen Klassenkameradin..
    Es ist einfach eine Zumutung mit der Leistung von Lehrern deren Bezahlung zu rechtferitgen, wenn die Mehrzahl von ihnen einfach offen zugibt nur aus Sicherheit Beamter werden zu wollen und nach den KLindern nur 4 Stunden arbeiten willl..mit voller Pension..das ist einfach skandalös
    Angesichts einer von den Grünen monierten Unterfinanzierung des Staates , kann man ja durchaus mal die Ausgaben in den Fokus rücken.
    Und wenn eben jeder Klinikarzt verbeamtet ist, ist es nicht verwunderlich , dass die Generation Y plötzlich wieder das Medizinstudium einrennt, weil es eben Sicherheit und Geld kombinieren lässt..das Ansehen und ein bisschen Distinktion gibts on top...tolle Welt...

    Oder war das mit dem Brief eine , zugegeben, Anspielung auf meine Rsfehler?
    Falls ja: ich habe keinen Halbtagsjob und ncith so viel Zeit mich um das Schöngeistige zu kümmern. ich studier noch.

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