Alice Sara Ott: Tag und Nacht
Alice Sara Ott ein Tasten-Kätzchen zu nennen, wäre gemein. Ihr Mussorgsky-Album ist durchaus reizvoll. Es fehlt nur noch etwas Schwerkraft.
© Esther Haase/DG

Die Pianistin Alice Sara Ott
Der Begriff des »Geigen-Girlies« hat sich in Klassik-Kreisen längst eingebürgert und meint jene Nachfahrinnen von Vanessa Mae & Co., die erstens hübsch anzusehen sind und zweitens Schnecke und Frosch verlässlich zu unterscheiden wissen. Am Klavier findet sich dafür keine rechte Entsprechung: »Tasten-Girlie« oder »Piano-Maus«? Klingt beides doof, schon weil die Alliteration fehlt. »Flügel-Schätzchen«? »Saiten-Kätzchen«? Zu deutsch. Am Phänomen besteht dennoch kein Zweifel: Je größer, schwärzer, und »männlicher« das Instrument, desto fragiler die Frau daran – ein sicheres PR-Rezept.
Wie schnell man solchen Reflexen auf den Leim geht, zeigt die neue CD der japanisch-deutschen Pianistin Alice Sara Ott (einer Schülerin des 2012 verstorbenen Gurus Karl-Heinz Kämmerling). Zunächst erfüllt Ott alle Klischees: Mit 25 ist sie alt genug, um künstlerisch als voll zurechnungsfähig zu gelten, sie sieht entzückend aus, und ihre semi-exotische Herkunft ist fürs Marketing sicher auch kein Fehler. Klavier spielen kann sie natürlich, was nebst diversen Preisen und Stipendien seit 2008 ein Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon besiegelt. Drei Solo-Platten und eine mit Orchester hat Ott bisher veröffentlicht, Beethoven, Tschaikowsky, Liszt, Chopin, immer brav am Kanon der Komponisten-Jubiläen entlang, nicht das zartest besaitete Repertoire.
Pictures ist Otts fünfte Platte und ihr erster Live-Mitschnitt, vom St. Petersburger Festival Weiße Nächte 2012. Mussorgskis Bilder einer Ausstellung finden sich darauf und eine weniger bekannte Schubert-Sonate. Wobei der Mut, ausgerechnet ein klingendes Nationalheiligtum wie Mussorgskis Bilder in der Höhle des russischen Löwen zu spielen, Bewunderung verdient. Sollte Ott die gewaltige Diskografie des Zyklus kennen (von Horowitz bis Svjatoslav Richter), lässt sie sich davon nicht einschüchtern. Metallisch klingt der Flügel unter ihren Händen und ziemlich unrussisch, mehr auf Zehenspitzen als in gedankenschweren Schritten flaniert der Betrachter durch die Ausstellung. Reizlos, farblos ist das nicht, so unterm Licht der nördlichen Mitternachtssonne, und wenn einen nicht hin und wieder ein maßloser Hunger nach Schwerkraft packte, gerade in den wiederkehrenden Promenaden, könnte Alice Sara Ott glatt als die perfekte Pianistin der Gegenwart durchgehen.










"Alice Sara Ott ein Tasten-Kätzchen zu nennen, wäre geschmacklos" (Aufmacher auf der Hauptseite)
"Alice Sara Ott ein Tasten-Kätzchen zu nennen, wäre gemein."
(Aufmacher über dem Artikel auf dieser Seite)
Was denn nun, liebe Redaktion: "geschmacklos" oder "gemein"?
Ich entscheide mich für: geschmacklos.
Es ist schon eine Kunst, die Hälfte des Artikels alle Klischee-Register zu ziehen, die dann - NATÜRLICH - als unpassend verworfen werden.
Schade, wirklich schade, dass dadurch irgendwie auch nur die Hälfte für den eigentlichen Text übrig bleibt.
Etwas dünn, finde ich.
Wie wärs damit.
Wer Alice Sara spielen sieht wird entzückt sein über das was er sieht. So viel Hingabe und scheinbare Transzendenz von einer anmutigen jungen Frau, meistens in leuchtendem Rot gekleidet. Wer schlägt da schon gern die Augen nieder um "nur" der Musik zu lauschen. Wenn man viele solcher Star-Konzerte am Flügel oder auch an der Violine erlebt hat kommt die Frage auf, ob das Aussehen nicht doch die wichtigste Voraussetzung für Berühmtheit ist. Falls es so sein sollte, was, so frage ich mich, ist dann mit den anderen Stars, die sich rein auf ihr musikalisches Können stützen müssten und vielleicht so gar eine Frau Ott "überflügeln" würden?
Irgendwie komme ich mit dem Text nicht klar.Da fehlt doch ein Teil?
Auf den folgenden Satz:
"Wie schnell man solchen Reflexen auf den Leim geht, zeigt die neue CD der japanisch-deutschen Pianistin Alice Sara Ott (einer Schülerin des 2012 verstorbenen Gurus Karl-Heinz Kämmerling). ZUNÄCHST erfüllt Ott alle Klischees..."
Wird leider nicht mehr eingegangen. Das Wort "zunächst" bleibt somit einsam zurück und wird nicht mehr später im Text aufgelöst.
Der Text hat ja recht spannend begonnen, er bleibt dem Leser aber zum Schluss ein noch einmal bezugnehmendes auflösendes Fazit noch schuldig. Schade...
... beim Betrachten der Pianistin von der Musik abgelenkt, könnte ich ihm das nachfühlen. Aber was da unter Frauen an Gift verspritzt wird, das finde ich, ja wie eigentlich? Gemein? Geschmacklos? Hemmungslos? "Vulgär" könnte es treffen, wo die Autorin doch im Kulturfach tätig ist.
Die Frau ist Pianistin!
Was für ein unglaublich dünner und belangloser Text! Ich werde darüber informiert, dass 1.) Frau Ott sehr gut aussieht und 2.) fünf CDs veröffentlicht hat. Ich erfahre aber nicht, wie sich Frau Ott mit den "Bildern einer Ausstellung" auseinandergesetzt hat, was ihr dazu eingefallen ist, wo die Glanzpunkte und Schwächen ihrer Interpretation liegen, wie sie sich etwa zwischen den Pianisten-Heroen wie Richter oder Gilels positioniert. Stattdessen bekommt Ott eine plakative und nichtssagende Phrase aus der Werbeindustrie ("perfekte Pianistin") umgehängt.
Ist denn Schiff perfekter als Gould, Horowitz besser als Rubinstein? Es gibt keinen absoluten Maßstab, wohl aber verschiedene Interpretationsmöglichkeiten auf höchstem Niveau. Über die Musik von Frau Ott aber teilt dieser Artikel kaum etwas mit.
Ich verstehe einfach nicht wieso mir die Deutsche Grammophon immer noch radiohören auf CD verkaufen will.
Bild und Ton gehören zusammen, oder mache ich im Konzertsaal die Augen zu ?
Irgendwie lebt die Musikindustrie noch hinterm Mond .
Es gibt sehr viele Videoclips die man selbst für gutes Geld nicht kaufen kann.
Man muss sich dann mit mieser „Youtube“ Qualität abfinden .
Warum keine DVD ?
Es gibt durchaus viele, die die Augen schließen um sich ganz auf die Musik zu konzentrieren. Und DVDs mit klassischer Musik gibt es schließlich auch.
Es gibt durchaus viele, die die Augen schließen um sich ganz auf die Musik zu konzentrieren. Und DVDs mit klassischer Musik gibt es schließlich auch.
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