Cindy aus MarzahnFett im Geschäft

Cindy aus Marzahn, diese übergewichtige, berlinernde Arbeitslose im Jogginganzug, ist die beliebteste Komikerin Deutschlands. Ihre Tourneen sind ausverkauft, "Wetten, dass..?" adelt sie mit dem Job als Assistentin. Aber wie nutzt sie ihre Popularität? von Kilian Trotier

Ein Komiker will Menschen zum Lachen bringen. Schafft er das, ist er ein guter Komiker. Schafft er das nicht, ist er ein schlechter Komiker. Einfache Regel.

Nach dieser Regel ist Cindy aus Marzahn, diese übergewichtige Frau mit pinkfarbenem Frottee-Jogginganzug, silbernem Krönchen im Haar und greller Nuttenschminke im Gesicht, eine sehr gute Komikerin.

Anzeige

Es ist Dienstagabend, Ende Februar, in Magdeburg. Ein altes Kasernengelände. Die erste Show des neuen Programms Pink is bjutiful. Vor einer breiten Glastür stehen Großmütter mit ihren jugendlichen Enkeln, Eltern mit ihren pubertierenden Kindern, Paare Mitte zwanzig. Alles ist ruhig, niemand lacht. Als drinnen, in der Multifunktionshalle mit langen Klappstuhlreihen, eine halbe Stunde später das Licht ausgeht und die Show startet, ist es, als ob jemand die Leute angeknipst hätte. Ihr Lachen peitscht durch den Saal. Bei jedem Witz.

Cindy steht vorne, breitbeinig. Neben ihr ein riesiger Thron in Pink, Purpur, Gold. Es beginnen: zwei Stunden Vollprollshow.

»Meine beste Freundin Pritney wollte heiraten«, erzählt Cindy. »Eigentlich ja in unsa Lieblingskneipe. Aber da hattse seit Kurzem Hausverbot. Die hatte sich da nackich auf’n Tresen jelegt, den janzen Körper mit Mett bestrichen und jerufen: Fuck the Hack, fuck the Hack!«

Das Publikum kreischt.

»In Fachkreisen wird se seitdem auch ›die Fickadelle‹ jenannt.«

Noch mehr Kreischen.

»Neulich war ick im Solarium von meiner Freundin Britta. Da hatte ick mir so einen jezwitschert, dass ick unter dem Ding einjeschlafen bin. Danach hatte ick solche Hallus. Ick dachte, ick steh splitternackt unter der Dusche, der George Clooney kommt rein und fragt: Nespresso?«

Wie wurde eine arbeitslose, berlinernde Dicke zur erfolgreichsten Komikerin?

»Ick so: Nee, Latte bitte.«

Johlen.

»Ick geh ja jerne zum Arzt. Der einzige Arzt, wo ick nicht jerne hingehe, ist der Frauenarzt.

Ick schlurf da so rin, sag leise: Ick hab n Termin. Die Helferin: Bitte? Ick: Ick hab n Termiiiin. Sie: Bitte? Ick: Mann ey, meene Muschi muss zum Tüüüv!«

Das ist die Sprache, das ist der Witz, den die Leute hier lieben. Derbe, direkt, tabulos. Wenn Cindy, diese Asi-Braut aus dem Untergeschoss der Gesellschaft, sich auf ihren Thron wälzt, können sie nicht mehr vor Lachen. Wenn sie über die Bühne läuft, Hände in den Hosentaschen, und anfängt zu marschieren, jubeln sie. Cindy aus Marzahn ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Ihre Shows sind ausverkauft. Viermal in Folge hat sie den deutschen Comedypreis als beste Komikerin gewonnen. Sie hat eine eigene Fernsehshow auf RTL. Die öffentlich-rechtliche Familienshow Wetten, dass..? hat sie als feste Assistentin von Markus Lanz angestellt, und die New York Times schrieb kurz vor Weihnachten ein großes Porträt über die »übergewichtige 1,90-Walküre«.

Leserkommentare
  1. 1. Autsch

    "»Meine beste Freundin Pritney wollte heiraten«, erzählt Cindy. »Eigentlich ja in unsa Lieblingskneipe. Aber da hattse seit Kurzem Hausverbot. Die hatte sich da nackich auf’n Tresen jelegt, den janzen Körper mit Mett bestrichen und jerufen: Fuck the Hack, fuck the Hack!«

    Das Publikum kreischt."

    Ich weiß, Humor kennt Bandbreiten. Aber das ist so schlecht, das hat schon Qualitäten von The Big Bang Theory.

    10 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    leiden Sie vielleicht an Sheldonismus?

    Die Realität überholt, ohne einzuholen:
    http://www.fakeblog.de/20...

    Ah ich glaube ich hab es verstanden. Ironie?

  2. Behaupten Sie das einfach mal, um einen Aufhänger für die (langweilige) Story zu haben oder gibt es irgendwas, was diese Behauptung untermauert?

    14 Leserempfehlungen
  3. Andrea Berg ist der Star der schweigenden Mehrheit im Schlagersektor, Cindy aus Mahrzahn erfüllt diese Funktion für den Comedybereich. Beide Frauen haben Unzulänglichkeiten und verkörpern geschmackliche Ausfälle, doch sie haben - sogar riesigen - Erfolg. Dem kann man nur machtlos gegenüberstehen und die Ergüsse derart fremdartiger Identifikationsfiguren einfach so stehen lassen, dass ist die Realtität hier zu Lande, ob es einem passt oder nicht.

    16 Leserempfehlungen
  4. 4. aaaah

    fett im geschäft?

    weil die dame, zugegebenermaßen, beleibt ist?
    die zeit ist nichts mehr wert.

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    O Mann - es gibt Leute, die finden echt überall ein Haar in der Suppe. Ich fand den Titel witzig.

    Cindy aus Marzahn macht Geld damit, dass sie sich über fette, dumme und niveaulose Menschen lustig macht. Gut, sie ist selbst dick, aber das heißt ja noch lange nicht, dass ihre Sprüche dadurch weniger beleidigend wären. Dumm ist sie jedenfalls nicht, sonst könnte sie kein solches Programm auf die Beine stellen. Und niveaulos, tja, offenbar kennt sie sich gut genug aus, um gezielt diesen Mangel an Niveau anzusteuern, was heißt, dass sie selbst durchaus Niveau hätte, sie entscheidet sich nur bewusst dagegen, weil es sich auszahlt. Ich persönlich schwanke zwischen bodenloser Verachtung dafür, dass sie sich über dicke, doofe und niveaulose lustig macht, und peinlicher Hochachtung dafür, dass sie es schafft, regelmäßig ganze Arenen voller Leute dabei vorzuführen, dass sie es eigentlich total toll finden, wenn sich jemand über dicke, doofe und niveaulose lustig macht.

    Wie dem auch sei: über so eine Nummer einen Titel wie "Fett im Geschäft" zu schreiben, finde ich mehr als angemessen.

  5. Naja, auch Angela Merkel(!), Wolfgang Schäuble(!!) und Ursula v.d. Leyen(!!1!) sind, möchte man diversen Umfragen glauben, sehr "beliebt".
    Steinbrück und Guttenberg waren es mal. Bevor für jeden offensichtlich wurde, dass der eine ein eitler Blender und der andere ein schnöseliger, adeliger Kompetenzsimulant war.
    Denn wenn derartiges "Spitzenpersonal" nur oft genug in den Massenmedien vorkommt und oft genug wiederholt wird, wie beliebt, wie kompetent, wie lustig diese sind, glaubt das die doofe Masse irgendwann auch.

    10 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Und was sagt uns das?
    Die Bekloppten und Bescheuerten sind eindeutig in der Mehrheit.
    Keine guten Aussichten für die Zukunft...

    ... "adeliger Kompetenzsimulant" gefällt mir ausnehmend gut, ich amüsiere mich gerade köstlich ...

  6. O Mann - es gibt Leute, die finden echt überall ein Haar in der Suppe. Ich fand den Titel witzig.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "aaaah"
  7. leiden Sie vielleicht an Sheldonismus?

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Autsch"
  8. Das zeigt doch nur die Dekadenz unserer Gesellschaft.

    2 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Comedy | Kabarett | Komik | Fernsehen
Service