Shell"Wir tun nur, was beherrschbar ist"

Shell-Vorstand Matthias Bichsel über die deutsche Energiewende, Fracking und das Ende des fossilen Zeitalters.

DIE ZEIT: Ist der Klimawandel real?

Matthias Bichsel: Ja. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Kohlendioxidemissionen zur Erwärmung der Erde beitragen. Zahllose wissenschaftliche Studien zeigen das.

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ZEIT: Und ist der Mensch verantwortlich?

Bichsel: Ich glaube schon, ja.

ZEIT: Also ist es auch am Menschen, den Klimawandel aufzuhalten?

Bichsel: An wem denn sonst? Die Kohlendioxidemissionen sind seit Beginn der Industrialisierung stark gestiegen. Dafür sind die Menschen verantwortlich. Also müssen wir etwas tun, um diesen Anstieg zu bremsen.

Fracking in Deutschland: Die Suche nach Gas

Erdgas wird in Deutschland seit Jahrzehnten gefördert. Nun aber wollen Konzerne eine neue Technologie anwenden: Beim Fracking pressen sie unter hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter Tage. Dieses bricht die Gesteinsschichten auf und löst das Erdgas heraus. Das Umweltbundesamt schätzt, dass sich 1,3 Billionen Kubikmeter Gas in deutschem Schiefergestein erschließen lassen. Das würde Deutschlands Bedarf für 13 Jahre decken. Zahlreiche Bürgerinitiativen fürchten, dass die Chemikalien das Grundwasser verschmutzen und die Bohrungen Erdbeben auslösen. Bislang hat in Deutschland nur ExxonMobil im Jahr 2008 im niedersächsischen Damme nach Schiefergas gefrackt. Noch gibt es in Deutschland keine gesetzliche Grundlage für Fracking.

Der Schutz der Umwelt

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) wollen Fracking grundsätzlich erlauben, allerdings mit zwei entscheidenden Auflagen: nicht in Trinkwasserschutzgebieten und nur nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Die UVP ist ein aufwendiger Check, und es wäre das erste Mal, dass eine solche Prüfung in das für die Gasförderung bisher entscheidende Bergrecht aufgenommen würde. Die Gaskonzerne müssten ihre Chemikalienliste offenlegen und nachweisen, dass der Fracking-Cocktail das Grundwasser nicht belastet. Außerdem müssten sie das Recycling der Flüssigkeiten gewährleisten. Bevor es allerdings einen Standort für ein erstes Fracking-Pilotprojekt gibt, muss noch der Bundesrat den Plänen der Bundesregierung zustimmen.

ZEIT: Warum steckt Shell dann nach wie vor jährlich Milliarden in die Suche nach und die Ausbeutung von Öl, einem der klimaschädlichsten Stoffe überhaupt?

Bichsel: Die Menschheit benötigt immer mehr Energie, und wir liefern diese Energie. Aber wir sind uns unserer Verantwortung bewusst. Darum treiben wir ganz bewusst den Gebrauch von Gas gegenüber Öl oder Kohle voran. Wir produzieren inzwischen mehr Gas als Öl und investieren den größten Etat unserer Branche in die Entwicklung neuer Technologien.

ZEIT: Mit Verlaub: Allein 2011 hat Shell fünf Milliarden für die Öl- und Gasexploration ausgegeben. Für die Entwicklung und Erforschung von CO2-freien Energien wenden Sie dagegen nur ein paar Hundert Millionen auf.

Bichsel: Wir sind eine Öl- und Gasgesellschaft.

ZEIT: Aus dem Solargeschäft hat sich Shell völlig zurückgezogen. Also ist Shell kein Vorreiter im Kampf gegen den Klimawandel.

Bichsel: Ich behaupte auch nicht, dass wir Vorreiter sind – sondern, dass der Klimawandel uns als Unternehmen eben auch betrifft. Wir haben aber festgestellt, dass Solar nicht zu unserer Kernkompetenz passt; wir engagieren uns im Bereich Biokraftstoffe. Für die Stromerzeugung setzen wir auf Erdgas als die ideale Ergänzung zu erneuerbaren Energien.

Matthias Bichsel

Der Manager Matthias Bichsel ist Vorstandsmitglied bei Shell und zuständig für den Bereich Technologie-Projekte.

ZEIT: Warum sucht Shell dann selbst in der Arktis und in der Tiefsee nach Öl, also in Gebieten, in denen riesige Gefahren für die Umwelt drohen?

Bichsel: Als private Öl- und Gasgesellschaft müssen wir Rohstoffe in Gebieten suchen, in denen wir Lizenzen dafür bekommen. Unsere Technologie erlaubt uns, in schwerer zugänglichen Gebieten zu operieren – sicher und ohne Umweltbelastung.

ZEIT: Vor Alaska ist gerade eine Bohrinsel auf Grund gelaufen. Und da reden Sie von Sicherheit?

Bichsel: Es ist verständlich, dass sich die Menschen Sorgen machen. Wir nehmen unsere Verantwortung sehr ernst. Sie können sicher sein, dass wir nur tun, was beherrschbar ist.

ZEIT: Geht es Ihnen nicht vor allem darum, das traditionelle Geschäftsmodell ihres Unternehmens so lange wie möglich aufrechtzuerhalten – koste es, was es wolle?

Bichsel: Nein. Wir sind eine Öl- und Gasfirma, wir suchen nach Öl und Gas, die wir fördern können. Aber gleichzeitig forschen wir an Alternativen wie zum Beispiel Wasserstoff, auch in Deutschland. Irgendwann hört das fossile Energiezeitalter auf, weil ein neues, anderes Zeitalter kommt.

ZEIT: Und das bricht jetzt an?

Bichsel: Ja, der Übergang beginnt jetzt.

Leser-Kommentare
  1. "Irgendwann hört das fossile Energiezeitalter auf, weil ein neues, anderes Zeitalter kommt." Betonung auf IRGENDWANN

    Klar, wenn ich auf einer Goldmiene sitze schreie ich auch nicht in die Welt, hey Leute hier ist noch genug für 500 Jahre drin, dann würde ich auch behaupten das ding ist tod und ich "beschäftige" mich mit "Aufräumarbeiten".

    Mann, wenn das Öl alle wär würden diese Leute im Dreieck springen und Elektroautos verscherbeln oder Windparks inden hunderttausenden aus dem Bodenstampfen.

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  2. ... und das Geschrei der deutschen "Warmisten" wird immer schriller. Aber bloß nicht zugeben, dass sie Unrecht hatten.

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    • 15thMD
    • 24.03.2013 um 20:39 Uhr

    Bichsel ist doch auch wieder nur ein Lobbyist von Greepeace, der uns hier irgendwelche Lügen erzählen will.

    Zum Artikel: Wenn sogar Shell Herrn Rösler sagt, dass er die Zahl der CO2 Zertifikate reduzieren soll, dann macht er glaube ich was falsch, wenn er dies nicht tut.
    CO2 Zertifikate sind an sich ein Eingriff in den Markt, also müsste er sie konsequenterweise ganz abschaffen (bzw. sich dafür einsetzen). Aber dann würde der Unsinn zu sehr auffallen.

    • 15thMD
    • 24.03.2013 um 20:39 Uhr

    Bichsel ist doch auch wieder nur ein Lobbyist von Greepeace, der uns hier irgendwelche Lügen erzählen will.

    Zum Artikel: Wenn sogar Shell Herrn Rösler sagt, dass er die Zahl der CO2 Zertifikate reduzieren soll, dann macht er glaube ich was falsch, wenn er dies nicht tut.
    CO2 Zertifikate sind an sich ein Eingriff in den Markt, also müsste er sie konsequenterweise ganz abschaffen (bzw. sich dafür einsetzen). Aber dann würde der Unsinn zu sehr auffallen.

    • 15thMD
    • 24.03.2013 um 20:39 Uhr

    Bichsel ist doch auch wieder nur ein Lobbyist von Greepeace, der uns hier irgendwelche Lügen erzählen will.

    Zum Artikel: Wenn sogar Shell Herrn Rösler sagt, dass er die Zahl der CO2 Zertifikate reduzieren soll, dann macht er glaube ich was falsch, wenn er dies nicht tut.
    CO2 Zertifikate sind an sich ein Eingriff in den Markt, also müsste er sie konsequenterweise ganz abschaffen (bzw. sich dafür einsetzen). Aber dann würde der Unsinn zu sehr auffallen.

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  3. "Sie können sicher sein, dass wir nur tun, was beherrschbar ist."

    extrem lächerlich.

    zur den Pannen von Shell und dazu, warum Shell in der Arktis überhaupt nicht nach Öl bohren sollte, siehe z.B. http://www.savethearctic....

    dass Shell in der ZEIT überhaupt eine Plattform geboten wird, ist ja sehr interessant.

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    • 15thMD
    • 24.03.2013 um 21:08 Uhr

    Das nennt man auch Journalismus. Interviews sind jetzt ja wirklich nichts neues und ich finde es gut, dass hier beide Seiten beleuchtet werden. Man kann Shell ja nicht einfach ignorieren.

    • 15thMD
    • 24.03.2013 um 21:08 Uhr

    Das nennt man auch Journalismus. Interviews sind jetzt ja wirklich nichts neues und ich finde es gut, dass hier beide Seiten beleuchtet werden. Man kann Shell ja nicht einfach ignorieren.

    • 15thMD
    • 24.03.2013 um 21:08 Uhr

    Das nennt man auch Journalismus. Interviews sind jetzt ja wirklich nichts neues und ich finde es gut, dass hier beide Seiten beleuchtet werden. Man kann Shell ja nicht einfach ignorieren.

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  4. Bichsel: "Wir haben unsere Standards, wie wir ein Loch bohren, wie viel Wasser wir brauchen, wie wir mit Gemeinden kommunizieren. Die gelten überall, ob in der Ukraine oder sonst wo."" Wir haben außerdem festgeschrieben, wie gefrackt wird. Seien Sie sich sicher: Das passiert nur unter den höchsten Sicherheitsstandards. Und zwar überall!"

    Das ist schon eine ziemlich heftige Aussage wenn man zum Beispiel nur mal an das Nigerdelta denkt...

    http://de.wikipedia.org/w...

    http://www.google.de/sear...

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  5. genau wie Fracking nichts anderes als ein Trick ein neuse Schneebalsystem
    ins Leben zu rufen. Fakt ist: Öl ist genug da, Klimawandel gibt es nicht.

    Das ist schiere Ablenkung für Ausbeutung der Ressourcen und den Profit weniger. Für die Kriege um Ressourcen, wobei Menschen sterben und die Zerstörung der Umwelt.

    Wen interessiert schon ein Krieg, tote tausende Tote Menschen und dass die Ölmultie nochein paar "Restjahre" vom Öl alleine profitieren, wenn DAS KLIMA SICH ERWÄRMT (huuhuuuuhuuuuu) oder OIL PEAK ehbald da ist (na,dann). Nonsense keiner nimmt alternative Antriebe ernst, das ist nur ein trick.

    3 Leser-Empfehlungen
    • hairy
    • 24.03.2013 um 21:41 Uhr

    dass Sie uns so oft hinweisen, dass Shell eine Öl- und Gasfirma ist...

    Ernstlich: Diese Antworten von dem Typ sind einfach der Gipfel der Plattheit. Wann werden uns endlich solche Leute und solche Firmen mit ihren Praktiken erspart?

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