Sind Moocs nur abgefilmte Vorlesungen?

Vorlesungsmitschnitte im Netz gibt es schon länger – ein Mooc aber ist mehr. Er besteht aus einer Kette von Videoschnipseln, in denen der Kursleiter etwas erzählt oder erklärt, unterbrochen von kleinen Tests, die ein Computer sofort bewertet. Dazu kommen je nach Fach noch weitere Unterrichtsmaterialien, die man herunterladen kann. In den Videos steht der Kursleiter auch nicht zwangsläufig im Hörsaal, er sitzt oft am Schreibtisch oder tritt gar nicht in Erscheinung – man hört nur seine Stimme, während die Inhalte in Grafiken oder Animationen vermittelt werden. Die Videos haben auch nur selten Vorlesungslänge, meist sind sie nicht länger als eine Viertelstunde. Es hat sich gezeigt, dass kürzere Einheiten dem Lern- und Surfverhalten vieler Teilnehmer entgegenkommen.

Sind Moocs nur für naturwissenschaftliche Fächer geeignet?

Auch wenn die ersten Moocs von Computerwissenschaftlern ins Netz gestellt wurden – grundsätzlich ist die Form für alle Fächer geeignet. Inzwischen werden Kurse mit einem breiten Spektrum angeboten, angefangen von "Organischer Chemie" über "Die Zukunft der Menschheit" und "Ägyptologie" bis hin zu "Songwriting", auch wenn Kurse zu Informatik, Internet und Computertechnik immer noch dominieren. Sie haben den Vorteil, dass sich die Inhalte besser standardisiert abfragen lassen als beispielsweise die Motive der Protagonisten in Shakespeares Macbeth.

Bestehen die Prüfungen nur aus Multiple-Choice-Tests?

Ein Professor, der 50.000 Studierende hat, kann nicht alle Tests selber korrigieren, deshalb suchen die Mooc-Veranstalter nach Testmethoden, die sich automatisieren lassen. Der edX-Chef Anant Agarwal, der selber über künstliche Intelligenz forscht, verspricht zwar, dass Computer bald auch frei verfasste Aufsätze korrigieren können, aber noch ist es nicht so weit. Deshalb sind Multiple-Choice-Fragen immer noch die verbreitetste Prüfungsform in Moocs – zumal auch an normalen Universitäten in vielen Fächern auf diese Weise geprüft wird. Bei geisteswissenschaftlichen Fächern wie Literatur oder Philosophie müssen auch Mooc-Studenten Essays schreiben. Dort wird oft die Methode des "Peer Gradings" angewandt: Die Studierenden benoten sich gegenseitig, jeder bewertet mehrere Essays und erhält selbst mehrere Bewertungen. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Durchschnittsnoten, die so zustande kommen, ganz nahe bei jenen Zensuren liegen, die auch die Professoren für die betreffenden Texte vergeben hätten.

Kann man am Computer nicht unbegrenzt schummeln?

Abgesehen davon, dass auch im wirklichen Leben viel betrogen wird: Die Veranstalter mühen sich, für die kostenpflichtigen zertifizierten Prüfungen betrugssichere Lösungen zu finden: So geht der Prüfling beispielsweise in ein Testcenter in seiner Nähe, wo er unter Aufsicht an einem Computer sitzt. Die Firma Coursera bietet auch Prüfungen für zu Hause an: Der Student identifiziert sich über seine Computerkamera mit einem Ausweis plus Foto, und per Software können die Tester feststellen, ob er etwa nebenbei noch ein Wikipedia- oder Google-Fenster geöffnet hat.