Kommt drauf an. Ein beglaubigtes Zertifikat, für das man einen Identitätsnachweis erbracht hat, ist mehr wert als eines, für das man sich nur online registriert hat. Doch letztlich kommt es auf den Kurs an. Grundlegende Einführungsvorlesungen werden inzwischen von einigen amerikanischen Universitäten schon als Anfänger-Credit anerkannt – so kann sich der Student ein teures Semester am College sparen. In der Computerbranche sind die Inhalte so schnelllebig, dass ein Online-Zertifikat für eine neue Programmiersprache, die an der Universität noch gar nicht gelehrt wird, den Ausschlag bei der Bewerbung auf eine Stelle geben kann.

Gibt es wirklich so etwas wie eine globale Lerngemeinschaft?

Von Nowosibirsk in Russland bis Buenos Aires in Argentinien: Die Teilnehmer der Kurse verteilen sich tatsächlich über die ganze Welt, auch wenn die Mehrzahl, etwa 40 Prozent, aus den USA kommt. Ein Gemeinschaftsgefühl entsteht nicht nur dadurch, dass alle zur gleichen Zeit den Kurs machen. In Foren tauschen sich die Teilnehmer auch untereinander über den Lernstoff aus, je nach Kurs schwankt die Beteiligung allerdings stark. Manchmal gründen sich auch lokale Lerngruppen, sogenannte Meetups, in denen sich die Teilnehmer persönlich treffen. Das funktioniert allerdings nur in größeren Städten.

Kann man schon ein komplettes Studium im Netz absolvieren?

Im Moment hat keiner der Mooc-Anbieter den Anspruch, ein vollständiges Hochschulstudium zu ersetzen. Auch wenn die Zahl der Kurse eindrucksvoll klingt, es ist doch immer nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Angebot einer Universität. Am weitesten kommt man noch in der Informatik, da kursieren inzwischen Listen, mit denen man sich die Inhalte des gesamten Grundstudiums aus dem Netz holen kann. Aber auch die neuen Bildungsfirmen geben zu, dass Studieren mehr ist als das Ansammeln von Wissen. In ihren Augen spielen die Moocs eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung des Studiums, beim lebenslangen Lernen nach dem Abschluss – und dort, wo der eigene Professor die Materie nicht so gut erklären kann wie die Koryphäen im Netz.

Gibt es Moocs auch in Deutschland?

Zwei deutsche Universitäten bieten bereits Kurse auf ihren eigenen Seiten an: Das Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam lehrt im Bereich Internet und Informatik, nach drei englischen Kursen kommt im April jetzt der ersten deutsche. An der Leuphana-Universität in Lüneburg entwerfen Onlinestudenten zusammen mit dem Architekten Daniel Libeskind die ideale Stadt des 21. Jahrhunderts. Seit ein paar Wochen sind die Technische Universität und die Ludwig-Maximilians-Universität in München mit Kursen beim Anbieter Coursera vertreten, weitere Universitäten dürften bald folgen. Auch eine neue Ausschreibung des Portals Iversity und des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft zeigt, dass man hierzulande so schnell wie möglich aufholen will: Seit Montag dieser Woche können sich Professoren, die innovative Onlinekurse entwickeln wollen, um Produktionshilfe bewerben – zehn Ausgewählte sollen je 25.000 Euro erhalten.