ManagementAnreiz zur Lässigkeit

Um Spitzenmanager anzulocken, ist Freiheit manchmal wichtiger als das Spitzengehalt. von Sophie Crocoll

Wie bekommt man bloß einen guten Manager? Einen tollen Chef für einen Betrieb? Einen, der das Ruder eines Unternehmens herumreißen kann und es zu neuen Profiten führt?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Allen voran und klassischerweise: eine ausgezeichnete Bezahlung. In den vergangenen Jahren haben viele Konzerne ihren Führungsleuten Boni gewährt, wenn sie ein bestimmtes Ergebnis erreichten. So erhielt der damalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff knapp 2,3 Millionen Euro als Sonderbonus – leider offenbar zu Unrecht. Denn die Zahlung kam sechs Monate bevor der Konzern pleite war. Und selbst Boni, die auf guter Leistung beruhen, scheinen oft unverhältnismäßig hoch zu sein.

Anzeige

Kürzlich hat Martin Winterkorn sogar gefordert, sein eigenes Gehalt zu begrenzen. Er hatte den VW-Konzern 2011 zu einem Betriebsgewinn von 11,3 Milliarden Euro gebracht und über 17 Millionen Euro verdient (davon fast zwei Drittel als Bonus). Der Aufsichtsrat von VW hat das Vergütungssystem für seine Manager jetzt geändert. Und allgemein hat ein großes Nachdenken eingesetzt: Wenn Geld die einzige Währung ist, um gute Manager zu motivieren, kann es für die Firmen teuer werden. Dann müssen sie ihren Topkräften so viel bezahlen, dass unterm Strich für die Aktionäre zu wenig übrig bleibt.

Aber was kann man sonst tun, wenn qualifizierte Manager rar sind? Viral Acharya (New York University), Marc Gabarro (Erasmus University) und Paolo Volpin (London Business School) haben das kürzlich einmal genauer untersucht, und sie sind auf einen erstaunlichen Zusammenhang gestoßen: Nein, Geld ist tatsächlich nicht die einzige Währung. Manche Konzerne weichen stattdessen die Aufsicht ihrer Manager auf, so die Erkenntnisse. Sie regulieren nicht so streng, was diese Manager machen dürfen und was nicht. Sie setzen darauf, dass diese größere Freiheit selber schon ein Anreiz ist. Die Wissenschaftler haben entdeckt, dass sich besonders größere Konzerne so verhalten.

Statt das lauthals zu beklagen, widersprechen die drei Wissenschaftler allerdings der landläufigen Vermutung, dass das alles schlecht sei. Nein, es sei nicht automatisch so, dass Manager die laxeren Regeln ausnutzten, um sich zu bereichern oder um sonst wie zweifelhafte Unternehmensentscheidungen zu treffen. Weil es ja gerade die besseren, talentierteren Manager seien, die das Angebot zu laxerer Aufsicht erhielten – und weil bessere Manager so etwas auch zu schätzen wüssten –, sei das Ergebnis häufig ziemlich gut.

Okay: Das ist eine gewagte Aussage. Aber die Forscher haben zumindest versucht, sie statistisch nachzuweisen. Das Talent eines Managers – ja, wie stellt man das fest? In dieser Studie wurde die Kapitalrentabilität der Unternehmen verglichen mit der, die andere Führungsleute in der gleichen Branche erwirtschaften konnten. Nach dem Motto: besserer Manager – bessere Rentabilität. Und das ist ein Problem mit solchen Studien. Es könnte auch zu einfach sein. Gerade die strengeren Regeln, die manche Unternehmen sich selbst erlassen, können ja auch der Grund dafür sein, dass eine Firma die besseren Entscheidungen trifft.

Ein paar Zusammenhänge aber sind offenbar ziemlich eindeutig nachzuweisen. Zum Beispiel der, dass viele Regeln und eine starke Aufsicht über die Manager die Chancen zumindest reduzieren, wirklich gute Manager einzustellen zu können – wenn sie nicht zugleich ein höheres Gehalt oder höhere Boni bekommen, sozusagen als Schmerzensgeld für die viele Überwachung. Und umgekehrt gilt offenbar auch, dass etliche gute Manager bei niedriger Bezahlung bereit sind, Spitzenleistungen zu bringen – wenn man sie nur ein bisschen mehr in Ruhe lässt.

Im Extremfall, so die Schlussfolgerung in der Studie, kommt ein ganz schön überraschender Effekt zustande: Je stärker Konzerne um qualifizierte Manager konkurrieren, desto deutlicher schwächen sie Regeln guter Unternehmensführung – oder wenn sie das nicht wollen, dann wird die Managerbezahlung in die Höhe schnellen. Ein interessanter Zusammenhang allemal. Auch wenn er womöglich nicht so ganz allgemeingültig ist.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. ... diejenige, auf Profite zu verzichten, gehört in aller Regel nicht dazu.

  2. und das erzeugt wiederum mehr stree

    Eine Leserempfehlung
    • UP
    • 26. März 2013 20:09 Uhr

    Es gibt gute Manager, die über Geldanreize funktionieren (müssen):

    Erziehung bis 18. Lebensjahr
    - 100.000 Euro

    (Internationale) Ausbildung bis 25. Lebensjahr
    - 100.000 Euro

    Haushalt plus Mobilität bis 30. Lebensjahr
    - 100.000 Euro

    30. bis 60. Lebensjahr Haushalt, Ehe, 2 Kinder bis zum 18. Lebensjahr, Partnerausfall Beruf für 10 Jahre,
    - 600.000 Euro

    BU- + Altervorsorge 30. bis 60. Lebensjahr
    - 300.000 Euro

    Alles Nettowerte! Ohne Inflation!

    = Kumulierte Ausgaben
    - 1.200.000 Euro in 35 Jahren

    ...

    via ZEIT ONLINE plus App

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Demo4
    • 26. März 2013 21:42 Uhr

    "30. bis 60. Lebensjahr Haushalt, Ehe, 2 Kinder bis zum 18. Lebensjahr, Partnerausfall Beruf für 10 Jahre,
    - 600.000 Euro"

    600.000 für 30 Jahre, also 20.000 Ausgaben im Jahr?
    mit Kindern, 'Partnerausfall Beruf' und was nicht alles dazu?

    sofort Herrn Wulff anrufen und Sold kürzen,
    soviel bekommt der ja in zwei Monaten
    (tolle Strafe dann auch vor Gericht)

    • UP
    • 26. März 2013 20:10 Uhr

    Jetzt die Einnahmen:
    25 - 30. Jahr
    + 150.000 Euro netto
    31. bis 40. Lebensjahr
    + 450.000 Euro netto
    41. bis 50. Lebensjahr
    + 600.000 Euro netto
    51. bis 60. Lebensjahr
    + 1.200.000 Euro

    Kumulierte Einnahmen 25. bis 60. Lebensjahr
    + 2.400.000 Euro

    = Überschuss
    + 1.200.000 Euro

    Verteilt auf die letzten 20 Jahre
    sind das
    60.000 Euro pro Jahr
    oder
    5.000 Euro pro Monat

    Hierfür muss eine stetige Karriere, ohne Brüche, erfolgen. Ich, Jg. 1965, entsprechende Ausbildung und Verantwortung, kenne "ganz wenige", die das bisher geschafft haben, ohne Schaden an der Seele und/oder Tabletten zu nehmen.

    Gute Manager sollten in jedem Fall gut bezahlt werden. UND Vertrauen in Form von Freiraum für Kreativität erhalten. Die wissen selbst, warum es worauf ankommt. Und handeln entsprechend. Wenn Sie es denn in Konzernen und Familiengesellschaften zum Wohle aller dürfen.

    Warum sollte denn jemand sonst Verantwortung übernehmen und seine Zeit einsetzen???

    Alles andere sind Neiddebatten und Scheingefechte. Oder etwa nicht?

    via ZEIT ONLINE plus App

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    oder glauben sie echt ein "guter" Manager arbeitet irgendwo unter 200.000 Euro Jahresgehalt??

    • UP
    • 26. März 2013 20:21 Uhr

    1. Indem man Personalabteilungen und/oder Personalberater bereits die Vorauswahl treffen lässt, die selbst keine Ergebnisverantwortung tragen.

    2. Indem man als Inhaber oder angestellter Geschäftsführer auf sein eigenes Urteil verzichtet und auf Andere / bereits Genannte hört.

    3. Indem man immer nur bisher "Erfolgreiche" einstellt, die die Arbeit anderer immer nur fortsetzen.

    4. Indem man aus PR-Gründen einfach akuell in Mode befindliche Quoten erfüllt.

    5. Indem man schlecht zahlt. Und ausserdem auch noch Freiräume verwehrt.

    Freue mich über Ergänzungen...

    via ZEIT ONLINE plus App

    Eine Leserempfehlung
    • UP
    • 26. März 2013 20:25 Uhr

    1. Indem man in kurzer Zeit viele Vorgänger produziert. Zur Abwechslung zwischendrin auch Weibliche.

    2. Und sich auch noch damit brüstet, genug Geld dafür und das Recht dazu zu haben.

    Freue mich über Fortsetzungen.

    via ZEIT ONLINE plus App

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    @up: Bei Ihren Argumenten ist eigentlich nichts wegzunehmen und nichts hinzuzufügen. Es ist genau so, wie Sie schreiben. Ich selbst, Jahrgang 1940, selbständig Erwerbender, bin noch immer deshalb geschäftlich tätig, weil ich absolut frei entscheiden kann. Die Kundenwünsche und die Bedingungen der Märkte sind meine "Zuchtmeister". Der Spassfaktor ist absolut gewährleistet.

    Meine Herkunft ist alles andere als "gehoben". Man kann, wenn man will, sehr viel erreichen. Natürlich müssen die natürlichen Ressourcen vorhanden sein. Geist kommt vor dem Geld. Wenn der Erfolg kommt, kommt auch das Geld. Doch was macht man am Ende seiner Berufslebens damit? Soll es der Staat nehmen und damit (teilweise) Sinnloses finanzieren? Oder sollen die Kinder erben und vielleicht etwas Sinnvolles weiter entwickeln, mit dem Risiko, zu scheitern? Meine Arbeitstage umfassten früher 12-16 Stunden, heute 8-10. Wochenenden? Im Durchschnitt früher jedes zweite.

    Mein Sohn, Mitglied der Konzernleitung eines grossen US-Konzerns in Europa, verantwortlich für 250 Millionen Euro Umsatz als Verkaufs- und Vertriebsvorstand in drei Ländern, verdient nicht wenig, arbeitet aber extrem viel. Keine Familie. Er ist mit der Firma verheiratet. Anders ist dieser Job nicht zu machen. Leider ist der gesunde Menschenverstand längst unter die Räder gekommen und ist einer sortenreinen Neidkultur gewichen, wenn es um Gehälter geht. Die Leistung, die in vielen Fällen dahinter steht, interessiert nicht. Ignoranz pur!

    • Demo4
    • 26. März 2013 21:42 Uhr

    "30. bis 60. Lebensjahr Haushalt, Ehe, 2 Kinder bis zum 18. Lebensjahr, Partnerausfall Beruf für 10 Jahre,
    - 600.000 Euro"

    600.000 für 30 Jahre, also 20.000 Ausgaben im Jahr?
    mit Kindern, 'Partnerausfall Beruf' und was nicht alles dazu?

    sofort Herrn Wulff anrufen und Sold kürzen,
    soviel bekommt der ja in zwei Monaten
    (tolle Strafe dann auch vor Gericht)

  3. Autonomie und Selbstbestimmung bei der Arbeit sind in der Arbeitswissenschaft seit dem bahnbrechenden "Lehrbuch der Arbeitswissenschaft" von Otto Lipmann aus dem Jahre 1932 gut untersuchte, zentrale Motivationsfaktoren der Arbeitstätigkeit.

    Für die wohl bekanntesten Arbeitswissenschaftler, Hackman und Oldham, ist Autonomie/Selbstbestimmung einer der 2 Faktoren, die für das Entstehen hoher intrinsischer Motivation unabdingbar ist.
    Erst wenn man bei der Ausführung der Arbeitstätigkeit eine gewisse Selbstbestimmung empfindet, kann aus der Tätigkeit selbst eine Motivation entstehen.

    Dieser Zusammenhang verträgt sich grundsätzlich nicht mit Kontrolle und engen Regeln und Vorgaben. Wer trotz engem Korsett gute Manager haben will, muss deshalb mehr Geld in die Waagschale werfen.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...banale Küchenpsychologie auf ZO erscheinen kann. Natürlich wollen wir alle Autonomie, ich mache da keine Ausnahme.

    Es sollte sich nur vermehrt durchsetzen, daß unter jedes Fahrzeug Räder gehören, wenn es rollen soll.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Management | Managergehälter | Unternehmen
Service