Management : Anreiz zur Lässigkeit

Um Spitzenmanager anzulocken, ist Freiheit manchmal wichtiger als das Spitzengehalt.

Wie bekommt man bloß einen guten Manager? Einen tollen Chef für einen Betrieb? Einen, der das Ruder eines Unternehmens herumreißen kann und es zu neuen Profiten führt?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Allen voran und klassischerweise: eine ausgezeichnete Bezahlung. In den vergangenen Jahren haben viele Konzerne ihren Führungsleuten Boni gewährt, wenn sie ein bestimmtes Ergebnis erreichten. So erhielt der damalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff knapp 2,3 Millionen Euro als Sonderbonus – leider offenbar zu Unrecht. Denn die Zahlung kam sechs Monate bevor der Konzern pleite war. Und selbst Boni, die auf guter Leistung beruhen, scheinen oft unverhältnismäßig hoch zu sein.

Kürzlich hat Martin Winterkorn sogar gefordert, sein eigenes Gehalt zu begrenzen. Er hatte den VW-Konzern 2011 zu einem Betriebsgewinn von 11,3 Milliarden Euro gebracht und über 17 Millionen Euro verdient (davon fast zwei Drittel als Bonus). Der Aufsichtsrat von VW hat das Vergütungssystem für seine Manager jetzt geändert. Und allgemein hat ein großes Nachdenken eingesetzt: Wenn Geld die einzige Währung ist, um gute Manager zu motivieren, kann es für die Firmen teuer werden. Dann müssen sie ihren Topkräften so viel bezahlen, dass unterm Strich für die Aktionäre zu wenig übrig bleibt.

Aber was kann man sonst tun, wenn qualifizierte Manager rar sind? Viral Acharya (New York University), Marc Gabarro (Erasmus University) und Paolo Volpin (London Business School) haben das kürzlich einmal genauer untersucht, und sie sind auf einen erstaunlichen Zusammenhang gestoßen: Nein, Geld ist tatsächlich nicht die einzige Währung. Manche Konzerne weichen stattdessen die Aufsicht ihrer Manager auf, so die Erkenntnisse. Sie regulieren nicht so streng, was diese Manager machen dürfen und was nicht. Sie setzen darauf, dass diese größere Freiheit selber schon ein Anreiz ist. Die Wissenschaftler haben entdeckt, dass sich besonders größere Konzerne so verhalten.

Statt das lauthals zu beklagen, widersprechen die drei Wissenschaftler allerdings der landläufigen Vermutung, dass das alles schlecht sei. Nein, es sei nicht automatisch so, dass Manager die laxeren Regeln ausnutzten, um sich zu bereichern oder um sonst wie zweifelhafte Unternehmensentscheidungen zu treffen. Weil es ja gerade die besseren, talentierteren Manager seien, die das Angebot zu laxerer Aufsicht erhielten – und weil bessere Manager so etwas auch zu schätzen wüssten –, sei das Ergebnis häufig ziemlich gut.

Okay: Das ist eine gewagte Aussage. Aber die Forscher haben zumindest versucht, sie statistisch nachzuweisen. Das Talent eines Managers – ja, wie stellt man das fest? In dieser Studie wurde die Kapitalrentabilität der Unternehmen verglichen mit der, die andere Führungsleute in der gleichen Branche erwirtschaften konnten. Nach dem Motto: besserer Manager – bessere Rentabilität. Und das ist ein Problem mit solchen Studien. Es könnte auch zu einfach sein. Gerade die strengeren Regeln, die manche Unternehmen sich selbst erlassen, können ja auch der Grund dafür sein, dass eine Firma die besseren Entscheidungen trifft.

Ein paar Zusammenhänge aber sind offenbar ziemlich eindeutig nachzuweisen. Zum Beispiel der, dass viele Regeln und eine starke Aufsicht über die Manager die Chancen zumindest reduzieren, wirklich gute Manager einzustellen zu können – wenn sie nicht zugleich ein höheres Gehalt oder höhere Boni bekommen, sozusagen als Schmerzensgeld für die viele Überwachung. Und umgekehrt gilt offenbar auch, dass etliche gute Manager bei niedriger Bezahlung bereit sind, Spitzenleistungen zu bringen – wenn man sie nur ein bisschen mehr in Ruhe lässt.

Im Extremfall, so die Schlussfolgerung in der Studie, kommt ein ganz schön überraschender Effekt zustande: Je stärker Konzerne um qualifizierte Manager konkurrieren, desto deutlicher schwächen sie Regeln guter Unternehmensführung – oder wenn sie das nicht wollen, dann wird die Managerbezahlung in die Höhe schnellen. Ein interessanter Zusammenhang allemal. Auch wenn er womöglich nicht so ganz allgemeingültig ist.

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Gute Manager sollten in jedem Fall gut bezahlt werden I

Es gibt gute Manager, die über Geldanreize funktionieren (müssen):

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