Bisher beruht fast alles Wirtschaften auf Eigentum. Ohne Eigentum kein Genuss, das ist die Philosophie der Marktwirtschaft, wie wir sie kennen. Doch gehört Eigentum wirklich zum Wesen des Menschen? Oder wäre auch eine Leasing-Gesellschaft vorstellbar? Eine, die Marktmechanismen nutzt, um die Kosten für umweltschädliche Produkte zu erhöhen und für nachhaltige Produkte zu senken?

Ein übler Verdacht mag den ein oder anderen beschleichen. Leasing-Gesellschaft, das soll wohl die jüngste Variante eines grün angestrichenen Sozialismus werden, oder? Falsch! Weder fördert das Leasing-Modell den Kapitalismus, noch untergräbt es diesen. Es steuert ihn. Leasing erkennt zwar die scheinbare Sucht an, immer neue Ressourcen anzuzapfen, um in schneller Abfolge kurzlebige Produkte auf den Markt zu bringen – aber es läuft darauf hinaus, mit dieser schlechten Gewohnheit zu brechen.

In einer Leasing-Gesellschaft konzentrieren sich die Produzenten darauf, einen bestimmten Nutzen bereitzustellen, anstatt nur ein Produkt herzustellen. Dahinter steht die Erkenntnis, dass wir ein Produkt eigentlich nicht erwerben, um es zu besitzen, sondern um es zu nutzen. Wir genießen nicht den Fernseher an sich, sondern die Möglichkeit, fernzusehen. In einer Leasing-Gesellschaft zahlen die Konsumenten nur noch für diesen Nutzen, indem sie eine Gebühr entrichten. Das Produkt bleibt über seine gesamte Lebensdauer Eigentum des Herstellers, der somit letztendlich auch für die Entsorgung zuständig ist.

Die Hersteller müssen sich deshalb schon vor der Markteinführung überlegen, was mit dem Produkt passiert, wenn es eines Tages wieder zurückkommt. Dadurch haben sie nicht nur ein ökonomisches Interesse daran, ihre Waren so zu entwerfen, dass sie langlebiger werden; sie müssen auch dafür sorgen, dass die im Produkt enthaltenen Rohstoffe kosteneffizient und einfach wiederzuverwenden sind. Denn je weniger sie wiederverwerten kann, desto mehr neue Ressourcen muss eine Firma kaufen, wodurch ihre Kosten steigen und die Gewinnmarge sinkt.

Obendrein entfällt der Anreiz, in kurzen Abständen immer neue Produkte auf den Markt bringen zu müssen, die sich von ihren Vorgängermodellen kaum unterscheiden. Da die Hersteller regelmäßig Gebühren für ihr Produkt erhalten, haben sie vielmehr einen Wettbewerbsvorteil, wenn ihre Produkte robust und langlebig sind. Der Effekt: Wir konsumieren weniger Ressourcen, ohne Abstriche beim Nutzen machen zu müssen.

In diesem Sinne kann die Leasing-Gesellschaft als ein ökonomisches Modell angesehen werden, das sich die Kreisläufe der Natur zum Vorbild nimmt. In einer Leasing-Gesellschaft setzen sich Firmen aus ihrem eigenen ökonomischen Interesse dafür ein, dass Notebooks, Mobiltelefone oder Fernseher nicht einfach ausrangiert werden und ein nutzloses Dasein fristen. Auch der Konsument profitiert. Anstatt sich darum kümmern zu müssen, was mit dem ein Jahr alten Gerät geschieht, das zwar voll funktionsfähig ist, aber schon veraltet, da die 2.0-Version angeboten wird, mieten sich die Konsumenten ein Gerät, das kontinuierlich verbessert wird. Innovation findet primär im Softwarebereich statt, aber auch Teile, die besonders von Verschleiß betroffen sind oder bei denen am ehesten Innovationen zu erwarten sind, lassen sich so gestalten, dass sie leicht ersetzt werden können.

Sollte sich eine Innovation nicht in das Gerät integrieren lassen, so kann dieses durch ein neueres Modell ersetzt werden. Das Altgerät geht dann zurück an den Hersteller, der die darin enthaltenen Ressourcen zur Produktion der neueren Modelle wiederverwendet. Um einen Menschen ein Leben lang mit einem top-aktuellen Gerät zu versorgen, werden so nur noch die Ressourcen benötigt, die zur Herstellung eines einzigen Gerätes gebraucht werden. Damit würde dem Irrwitz ein Riegel vorgeschoben, dass wir einerseits unter immer größerer Ressourcenknappheit leiden, andererseits aber unsere Schubladen und Schränke bis obenhin mit Ressourcen in Form von Altgeräten gefüllt sind.

Aus europäischer Sicht sind Modelle für eine Kreislaufwirtschaft besonders vielversprechend. Wir haben kaum eigene Ressourcen – während Länder wie China, aber auch viele afrikanische Länder, ihre eigenen Ressourcen zunehmend mit protektionistischen Maßnahmen vor dem Zugriff durch Drittstaaten absichern. Dies deutet darauf hin, dass sich die Ära der leicht verfügbaren Ressourcen dem Ende zuneigt.

Die EU hat eine Reihe wichtiger Maßnahmen beschlossen, um für den Wettlauf um knapper werdende Ressourcen gewappnet zu sein, zum Beispiel eine umfassende Rohstoffstrategie. Gleichzeitig ist seit geraumer Zeit ein interessanter Trend hin zu einer Entmaterialisierung der Wertschöpfung zu beobachten. So sind Anrufbeantworter heute meist in die Telefone integriert, Musik wird nicht mehr als CD gekauft, sondern aus dem Internet heruntergeladen, und Weltkonzerne wie Google machen den größten Teil ihrer Umsätze mit immateriellen Produkten. Was uns fehlt, ist ein umfassendes ökonomisches Modell, in dem der tatsächliche Nutzwert der verwendeten Ressourcen abgebildet wird.

Die Leasing-Gesellschaft könnte ein solches Modell darstellen. Damit es Wirklichkeit werden kann müssen mindestens drei zentrale Maßnahmen ergriffen werden: Erstens müssen die Anforderungen an das Produktdesign erhöht werden, um das Recycling zu erleichtern. Zweitens muss der Export, die Deponierung und Verbrennung von wertvollem »Müll« verboten werden. Und drittens muss das Steuersystem so angepasst werden, dass die Produktion von Gütern mit neuen Rohstoffen verteuert und die Attraktivität des nachhaltigen Konsums erhöht wird. Dies wird uns in der Tat einige Anstrengungen abverlangen. Doch bei Industrie, Verbrauchern und Politik setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass sich Europas Wohlstand nur durch ressourcenschonendes Wirtschaften sichern lässt.

Die Niederländerin Judith Merkies (oben) gehört wie der Deutsche Jo Leinen der sozialdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament an