ZEITmagazin: Frau Böttinger, Sie sind als Fernsehmoderatorin bekannt geworden. Heute sind Sie Chefin Ihrer eigenen Produktionsfirma und beschäftigen 25 Mitarbeiter. Worauf kommt es an, wenn man Menschen führt?

Bettina Böttinger: Vor allem auf das Vertrauen der Mitarbeiter mir gegenüber, gepaart mit Respekt für meine Professionalität als Journalistin. Und mein Team weiß: Egal, was passiert, ich stehe auf seiner Seite.

ZEITmagazin: Wem gegenüber?

Böttinger: Gegenüber den Sendern, für die wir verschiedene Formate produzieren. Mein Team und ich wissen, dass wir uns auch in schwierigen Situationen aufeinander verlassen können, das ist unser Leitbild. Flexible Arbeitszeiten, wenn es um Kinderbetreuung geht, freie Tage bei Krankheits- oder Todesfällen, das gehört alles dazu. Gerade in schwierigen Zeiten habe ich erfahren, dass das Team auf meiner Seite ist.

ZEITmagazin: Sie beziehen sich auf die schweren menschlichen Verluste, die Sie erlitten haben?

Böttinger: Ja, meine Mutter ist im Mai 2010 mit 82 Jahren gestorben. Ein sehr hohes Alter, sie wurde zusehends schwächer, ihr Tod kam nicht überraschend, und sie ist sehr friedlich gegangen. Dennoch hat es mich umgehauen.

ZEITmagazin: Was bedeutet umgehauen?

Böttinger: Die brutale Endgültigkeit des Todes hat mich in eine Art Stummheit verfallen lassen. Ich kann mir als Journalistin ja keine Sprachlosigkeit erlauben, doch der Tod hat einfach das letzte Wort. Ich fühlte mich innen komplett leer, wie umgeben von einer Hülle, die mich befähigte, die Äußerlichkeiten, also meine Sendungen, zu bewältigen. Zur gleichen Zeit musste ich mich auch noch um eine weitere Sterbende kümmern: Eine enge Freundin aus der Studienzeit hatte Krebs. Ich konnte mich der Trauer nach dem Tod meiner Mutter überhaupt nicht widmen – ich musste professionell funktionieren und zugleich meine sterbende Freundin begleiten. Der Druck war gewaltig.