RoboterUnheimliche Helfer

Eine neue Generation von Robotern soll den Alltag verändern. Eindrücke von der Mensch-Roboter-Konferenz in Tokio von 

Roboter Actroid

Unternehmen wie Kokoro bauen menschenähnliche Roboter wie dieses Modell "Actroid".  |  © Yoshikazu Tsuno/AFP/Getty Images

Ein Plastikmännchen tanzt gerade den Moonwalk von Michael Jackson, da kommt ein Papierkorb angefahren. Die Vertreter aus Forschung, Gesundheitswesen und Industrie sehen ihn überrascht an. »Wozu soll das denn gut sein – ein Mülleimer, der sich fortbewegt?«, fragt einer. »Ganz einfach«, antwortet der Ingenieur Okada Michio. »Er visiert mit eingebauten Kameras Menschen an, um zu ihnen zu fahren. Steht er erst vor ihnen, ist es wahrscheinlicher, dass sie ihren Abfall in den Korb werfen.«

So landet der Müll nicht auf der Straße – und die Menschen verlieren keine Zeit bei der Suche nach einem Eimer. Sociable Trash Box heißt die Idee an der Technischen Universität Toyohashi, der freundliche Mülleimer. In gut zwei Jahren könnten selbstständige Papierkörbe auf öffentlichen Plätzen, in Kindergärten oder Altersheimen herumfahren. Dafür müssten sie allerdings noch ein wenig billiger werden. Bislang kostet allein die Herstellung etwa 400 Euro, und das ist viel zu teuer für den Massenmarkt.

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Dabei ist der generelle Trend klar: Roboter werden nicht nur tendenziell nützlicher, sondern auch immer billiger. Auf der jährlichen Human Robot Interaction-Konferenz in Tokio präsentierten Erfinder kürzlich alles, was es derzeit so gibt: Neben fahrenden Mülleimern und tanzenden Robotern wurden beispielsweise auch feuerlöschende Humanoide vorgeführt oder ein sich selbst steuernder Rollstuhl. »Wir wollen möglichst gute Assistenten für die Menschen schaffen«, sagt der Veranstalter Takayuki Kanda von der Universität Kyoto.

Das kann manchmal bedeuten, die Roboter mit möglichst vielen menschlichen Eigenschaften auszustatten. »So verstehen wir uns einfach besser«, glaubt Kanda. Einer der Ingenieure auf der Konferenz ist besonders überzeugt davon: Hiroshi Ishiguro von der Universität Osaka. Sein Ziel ist es, einen dem Menschen zum Verwechseln ähnlichen Roboter zu schaffen. »Jede Komponente soll bis ins Detail menschlich sein«, sagt er: Haut, Haare und Verhaltensweisen. Sonst blieben Roboter den Menschen nämlich unheimlich, meint er.

Die Maschine beherrscht Mimik und Gestik ihres Schöpfers

Ishiguro ist eine Art Superstar der Szene, seit er vor sechs Jahren eine Kopie von sich selbst entwickelt hat. »Geminoid HI-1« heißt das Modell, es kann sprechen und beherrscht sogar Mimik und Gestik seines Schöpfers. Vor Kurzem hielt die Maschine sogar einen Vortrag in Zürich, für den eigentlich Ishiguro eingeladen worden war. »Ich hab denen gesagt, sie müssen sich entscheiden, wen sie lieber wollen: Mich oder meine Kopie. Sie haben die Kopie genommen«, sagt er und lacht. Den Vortragstext hat Ishiguro seinem Geminoid einprogrammiert und ihn mit seinem Assistenten in die Schweiz geschickt. »So können Sie sich sprichwörtlich teilen, verstehen Sie?«

Beinahe jedenfalls: Der Geminoid bewegt sich langsamer und steifer als ein Mensch, kann bisher nicht laufen und hat vor allem dann Schwierigkeiten, wenn Menschen komplizierte Fragen stellen oder mehr als ein Gesprächspartner vorhanden ist – was bei Vorträgen schon mal passieren kann. Es sei nur eine Frage der Zeit und der gründlichen Arbeit, bis auch diese Probleme gelöst seien, meint der Erfinder: »Alles, was wir wirklich verstehen, können wir auch nachbilden.«

Nicht jeder Erfinder will Menschen kopieren; aber die Frage, wie Roboter menschliches Verhalten verstehen können, treibt die Disziplin um. Doppeldeutigkeiten, je nach Stimmung variierende Augenbewegungen und gute Manieren etwa. »Es ist nicht nett, auf etwas mit dem Finger zu zeigen« heißt der Titel einer Präsentation von Mitarbeitern der Universität Osaka. Die Analysen darin haben ergeben, dass Menschen unterschiedliche Zeigetechniken haben, je nachdem, auf worauf sie deuten. Geht es um Gegenstände, wird der Arm meistens ganz ausgestreckt. Bezieht man sich aber auf einen Menschen, »wäre das viel zu aggressiv«, sagt Phoebe Liu. »Warum das wichtig ist? Weil wir dadurch wissen, wie wir einen höflichen Roboter programmieren können, damit sich auch Kunden in Kaufhäusern von ihm helfen lassen.«

Denn die Arbeit an Robotern dient keineswegs nur der Automatisierung von Produktionsprozessen oder der Unterhaltungsindustrie. Gerade Japans rasant alternde Bevölkerung von derzeit 127 Millionen Menschen könnte bald immer mehr auf Maschinen angewiesen sein. Schon heute ist jeder vierte Japaner älter als 65 Jahre. Wegen der niedrigen Geburtenrate und steigenden Lebenserwartung wird dieser Anteil bis 2050 auf 40 Prozent steigen. In Deutschland und anderen Ländern ist der Trend ein ähnlicher. Deswegen arbeiten Universitäten, Unternehmen und Forschungsinstitute mit Hochdruck an Pflege-Robotern.

Leserkommentare
  1. Als Ingenieurstudent bin ich grundsätzlich von der Technik begeistert und bin mir der Vorteile der Automatisierung des Alltags durchaus bewusst, aber die Entwicklung empfinde ich als besorgnisseregend.

    Sobald Roboter einen Menschen ersetzen fällt eine menschliche Interaktion aus, eine von den wenigen die heut zu Tage noch übrig geblieben sind.
    Es beginnt bei der Automatischen Kasse in Supermärkten oder IKEA filialen, man muss es selbst einscannen, bezahlen usw.. Das Hallo sagen der Kassiererin ist weg, sowie ihr Job. Es gäbe viele Beispiele in denen ein Automat, sein menschlichen Vorgänger abgelöst hat.
    Mir ist durchaus bewusst, die Alterung der Menschheit stellt ein großes Problem dar und Roboter können uns dabei helfen die Betreuung zu gewährleisten, aber die Betreuung eines Roboters und die Betreuung eines (fürsorglichen) Menschen kann man meiner Ansicht nach nicht vergleichen auch wenn der Roboter noch so Menschenähnlich ist, er ist eben nur Ähnlich, eine Kopie. Diese Entwicklung sollte man etwas Kritischer betrachten.

    Was den intelligenten Mülleimer betrifft, dass die Faulheit des Menschen so unterstützt wird finde ich Traurig, wenn man den Menschen nicht einmal mehr dazu erziehen kann seinen Müll in einen Fixen Mülleimer zu werfen, dann hilft alle Technik der Welt nicht mehr uns zu retten.

    2 Leserempfehlungen
  2. jetzt noch schwimm-, oder besser noch hochseetauglich machen, könnte man eine Armada davon auf den Ozeanen zum Einsatz bringen, um zunächst die Weltmeere vom dorthin entsorgten Wohlstandsmüll zu befreien und sie dann gleich darauf programmieren, sich selbsttätig Schiffen zu näheren, sich dabei anzubieten deren Abfall in Empfang zu nehmen und auf diese Weise einer erneuten Vermüllung der Umwelt auf See entgegen zu wirken!

    Eine Leserempfehlung
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    Das wäre tatsächlich ein toller Anwendungsbereich. Man baut ein paar zehntausende davon, schickt sie auf die Meere und lässt sie beständig alles einsammeln, was sie finden. Schwierig könnte es werden, wenn sie ausfallen und selbst zum Müll werden oder gutartige Fremdkörper 'angreifen', z.B. wissenschaftliche Sonden.

    Und wie schon Kommentator Nr. 1 erwähnt hat, wenn wir wissen, dass jemand es wegräumen wird, schmeißen wir vl. noch mehr Zeug in die Ozeane.

  3. 3. Genial

    Das wäre tatsächlich ein toller Anwendungsbereich. Man baut ein paar zehntausende davon, schickt sie auf die Meere und lässt sie beständig alles einsammeln, was sie finden. Schwierig könnte es werden, wenn sie ausfallen und selbst zum Müll werden oder gutartige Fremdkörper 'angreifen', z.B. wissenschaftliche Sonden.

    Und wie schon Kommentator Nr. 1 erwähnt hat, wenn wir wissen, dass jemand es wegräumen wird, schmeißen wir vl. noch mehr Zeug in die Ozeane.

  4. Der Roboter wird immer nur eine Maschine sein und ist vom Menschen abhängig. Um Tätigkeiten auszuführen, muss er für diese programmiert werden. Dem Roboter menschliche Eigenschaften zuzusprechen ist einfach Humbug.

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    Woher nehmen Sie Ihr Wissen, was in der Zukunft möglich sein wird und was nicht? Haben Sie eine Quelle?

  5. 5. Warum?

    Woher nehmen Sie Ihr Wissen, was in der Zukunft möglich sein wird und was nicht? Haben Sie eine Quelle?

    Antwort auf "Eigenschaften"
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    Führen Sie sich den Unterschied von WISSEN und GLAUBEN vor Augen. Ich gehöre nicht zu denen, die es für möglich halten, alles zu wissen und auch nicht zu denen, die annehmen, dass alles zu Wissen wird und wir irgend einmal über ALLES Bescheid wissen.
    Das schließt nicht aus, dass auch ich wissen will, andererseits aber anerkenne, dass ich ohne Annahmen (glauben) nicht auskommen kann.
    Das hier beschriebene erklärt auch schon, warum Roboter, die ja nichts anderes als Maschinen sind, niemals menschliche Fähigkeiten eigenständig erwerben können. Der Mensch hat ein Gehirn, der Roboter nichts vergleichbares. Und deshalb ist auch der Roboter, wie alle übrigen Maschinen, vom Menschen abhängig. Roboter können mir deshalb auch nicht unheimlich erscheinen.
    Meine Sichtweise hat mich nicht gehindert, viele Maschinen/Roboter "zum laufen zu bringen".

  6. Führen Sie sich den Unterschied von WISSEN und GLAUBEN vor Augen. Ich gehöre nicht zu denen, die es für möglich halten, alles zu wissen und auch nicht zu denen, die annehmen, dass alles zu Wissen wird und wir irgend einmal über ALLES Bescheid wissen.
    Das schließt nicht aus, dass auch ich wissen will, andererseits aber anerkenne, dass ich ohne Annahmen (glauben) nicht auskommen kann.
    Das hier beschriebene erklärt auch schon, warum Roboter, die ja nichts anderes als Maschinen sind, niemals menschliche Fähigkeiten eigenständig erwerben können. Der Mensch hat ein Gehirn, der Roboter nichts vergleichbares. Und deshalb ist auch der Roboter, wie alle übrigen Maschinen, vom Menschen abhängig. Roboter können mir deshalb auch nicht unheimlich erscheinen.
    Meine Sichtweise hat mich nicht gehindert, viele Maschinen/Roboter "zum laufen zu bringen".

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Warum?"
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    • Rend
    • 15. März 2013 16:20 Uhr

    Muss gerade an das Ende von Blade Runner denken, was ruft der andere Mann Harrison Ford nach, "Ein Jammer, dass sie nie wirklich leben wird".
    Jedenfalls schöner Beitrag von ihnen. Maschinen bewegen sich nicht ausserhalb ihrer programmierten Parameter. Menschen schon.

    "Der Mensch hat ein Gehirn, der Roboter nichts vergleichbares."

    Ich fürchte, ich muss sie enttäuschen. Schaut man sich das Gehirn an, so besteht dieses aus Neuronen. Diese Neuronen bestehen aus Dendriten, Zellkörper mit Zellkern und Axomen. Dendriten nehmen Erregungen von anderen Neuronen aus u. leiten diese an den Zellkern weiter. Die Erregung der Zelle wird dann über Axome an andere Zellen weiter gereicht. Der Übergang von den Axomen zu den Dendriten erledigen dann die Synapsen. Zusammen ergeben diese ein neuronales Netz, unser Gehirn.
    Im Prinzip handelt es sich bei Neuronen um Schalter, die Eingänge und einen Ausgang besitzen und je nach Eingabe geschaltet werden (und deren Verbindungen untereinander auf- u. abgebaut werden). Die Gesamtheit dieser Schaltungen produziert dann beispielsweise einen Gedanken o. Erinnerungen usw.

    Solche neuronalen Netze gibt es auch in der Informatik im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Natürlich sind diese auch (noch) nicht so leistungsfähig wie das menschliche Gehirn. Man muss sich die Entwicklung des Ganzen eher wie Evolution vorstellen.

    Sowas lernt heute bereits jeder Informatikstudent spätestens im Masterstudium. Es geht dabei aber weniger um Maschinen ala Terminator o. Blade Runner, sondern ist eher ein trockener Stoff wie Muster- u. Zeichenerkennung o. lernende Netze. Trotzdem scheint, je nach Rechenleistung, noch einiges möglich.

    • Rend
    • 15. März 2013 16:20 Uhr

    Muss gerade an das Ende von Blade Runner denken, was ruft der andere Mann Harrison Ford nach, "Ein Jammer, dass sie nie wirklich leben wird".
    Jedenfalls schöner Beitrag von ihnen. Maschinen bewegen sich nicht ausserhalb ihrer programmierten Parameter. Menschen schon.

    Antwort auf "Einstellung"
  7. "Der Mensch hat ein Gehirn, der Roboter nichts vergleichbares."

    Ich fürchte, ich muss sie enttäuschen. Schaut man sich das Gehirn an, so besteht dieses aus Neuronen. Diese Neuronen bestehen aus Dendriten, Zellkörper mit Zellkern und Axomen. Dendriten nehmen Erregungen von anderen Neuronen aus u. leiten diese an den Zellkern weiter. Die Erregung der Zelle wird dann über Axome an andere Zellen weiter gereicht. Der Übergang von den Axomen zu den Dendriten erledigen dann die Synapsen. Zusammen ergeben diese ein neuronales Netz, unser Gehirn.
    Im Prinzip handelt es sich bei Neuronen um Schalter, die Eingänge und einen Ausgang besitzen und je nach Eingabe geschaltet werden (und deren Verbindungen untereinander auf- u. abgebaut werden). Die Gesamtheit dieser Schaltungen produziert dann beispielsweise einen Gedanken o. Erinnerungen usw.

    Solche neuronalen Netze gibt es auch in der Informatik im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Natürlich sind diese auch (noch) nicht so leistungsfähig wie das menschliche Gehirn. Man muss sich die Entwicklung des Ganzen eher wie Evolution vorstellen.

    Sowas lernt heute bereits jeder Informatikstudent spätestens im Masterstudium. Es geht dabei aber weniger um Maschinen ala Terminator o. Blade Runner, sondern ist eher ein trockener Stoff wie Muster- u. Zeichenerkennung o. lernende Netze. Trotzdem scheint, je nach Rechenleistung, noch einiges möglich.

    Antwort auf "Einstellung"
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    • Rend
    • 16. März 2013 7:21 Uhr

    "Künstliche neuronale Netze" Ja, wusste dass das jetzt kommt, darüber erwartet mich im kommenden Semester auch passenderweise eine Klausur. Trotzdem wage ich zu bezweifeln, dass eine Maschine ihr "Gehirn" je so nutzen wird, wie der Mensch es vermag. Ja ich weiss, es gibt lernfähige Programme, aber das wird trotzdem nie so funktionieren, wie beim Menschen.

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