StilkolumneBermudas für alle

Eine Stil-Kritik von Tillman Prüfer

Eine weiße Bermuda-Hose von Jil Sander – für 590 Euro

Das neue Bermuda-Dreieck, hier von Jil Sander – für 590 Euro  |  © Peter Langer

Wenn man dem Kalender glaubt, geht nächste Woche der Winter zu Ende, der einer der trübsten seit Jahrzehnten war. Und bald wird wieder die Frage im Raum stehen, welche Beinkleidung man bei großer Hitze wählt. Die vergangenen Sommer waren bei den Frauen von Hotpants geprägt – Hosen, die kurz unter dem Hintern enden und so viel Bein wie möglich zeigen.

Diesen Sommer könnte der Grad der Entblößung rückläufig sein, jedenfalls wenn man die aktuellen Kollektionen zum Maßstab nimmt: Wesentlicher Bestandteil der Frühjahrs- und Sommermode sind Bermudas. Diese Hosen enden knapp ober- oder unterhalb des Knies, sodass die Umwelt nur den Unterschenkel zu Gesicht bekommt. Man darf das Wissen um die Form des eigenen Oberschenkels also vorerst wieder für sich behalten.

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Ihren Namen haben diese Shorts von den britischen Bermudainseln, wo sie zur Alltagskleidung gehören. Es wird vermutet, dass sich die Bevölkerung der Bermudas Passform und Schnitt dieser kurzen Hose Anfang des vorigen Jahrhunderts bei der Royal Navy abgeguckt hat. Dort sind Bermudas bis heute Teil der Uniform für Einsätze in den Tropen. Weltweit bekannt wurden die Bermudashorts durch europäische und amerikanische Touristen. Die staksten in der knielangen Hose, kombiniert mit einem Tropenhut, durch südliche Gefilde. Die Farben ihrer Bermudas waren gedeckt: unauffälliges Crème beispielsweise oder langweiliges Safari-Beige.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick   |  © Peter Langer

Die Zeit der Unauffälligkeit ist jetzt vorbei – endlich gibt es modische Bermudas. Mit metallisch glänzendem Karomuster bei Dries Van Noten, als Jeans im Baggy-Look bei DKNY, in schlichtem Weiß bei Jil Sander, Bermudas aus schwarzem Leder bei Alexander Wang oder auch aus Seide mit grafischem Muster bei Rag & Bone. Es gibt keine Entschuldigung mehr dafür, als Tourist hässlich auszusehen.

Natürlich kann man sie auch zu Hause anziehen. Genauer: an einem der fünf Sommertage, die in Deutschland zu erwarten sind. Übrigens verkürzen Bermudas optisch leider das Bein. Weshalb davon auszugehen ist, dass die Bermuda-Mode mit hohen Absätzen einhergehen wird. Der Sommer der längeren kurzen Hosen wird nicht der Sommer der bequemen flachen Schuhe sein. Man kann nicht alles haben.

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Leserkommentare
  1. Ja, leider.... frau kann nicht alles haben. Um ein bißchen an Beinlänge optisch zu gewinnen, hilft auch die gute alte Bügelfalte oder Längsstreifen. Aber High Heels sind natürlich unschlagbar.

    • ztc77
    • 25. März 2013 18:24 Uhr

    Also was den kommenden Sommer angeht, cremefarbene Bermudas mit beigefarbenen Nähten geht gar nicht, noch weniger geht cremefarbene Bermudas mit cremefarbenen Nähten, und beigefarbene Bermudas mit beigefarbenen Nähten, da sag ich nur o Gottchen, das must-have sind nur beigefarbene Bermudas mit cremefarbenen Nähten.

    sagte mir gestern karlchen lafergeld.

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  • Serie Stilkolumne
  • Schlagworte Jeans | Jil Sander | Umwelt | Winter
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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