Ende Januar erschien in der Zeitschrift Nature Communications eine viel beachtete Studie. Sie versuchte zu schätzen, wie viele Vögel und andere Kleintiere weltweit jährlich von Hauskatzen getötet werden. Ergebnis: die unvorstellbar große Zahl von 1,4 bis 3,7 Milliarden Vögeln.

In Deutschland gibt es etwa 8,4 Millionen Hauskatzen. Legt man die von den US-Forschern errechneten Zahlenwerte zugrunde, dann liegt man tatsächlich bei etwa 200 Millionen getöteten Vögeln in Deutschland.

Es ist unbestreitbar, dass frei laufende Katzen eine große Gefahr für die Vogelbestände darstellen. Die wenigsten von ihnen sind reine "Stubentiger". Auch satte, gut gefütterte Hauskatzen mit Auslauf gehen ihrem Jagdtrieb nach. Sie töten alles, was kleiner ist als sie, auch wenn sie die Beute dann liegen lassen. Das Problem ist seit Langem bekannt, wird aber kaum diskutiert – vielleicht weil die Katzen eine mindestens so starke Lobby haben wie die Vögel.

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Trotzdem muss man die aus der amerikanischen Studie abgeleitete Zahl mit ein paar Fragezeichen versehen. So schätzt der Naturschutzbund Nabu den gesamten Vogelbestand in Deutschland auf 400 Millionen – da müssten die Katzen jedes zweite Individuum töten. Das klingt doch arg hoch gegriffen, zumal Katzen nur in den Siedlungsräumen ihr Unwesen treiben.

Trotzdem – wir haben eigentlich zu viele Katzen. Insbesondere die zwei Millionen verwilderten Tiere, die sich ihre Nahrung selbst beschaffen müssen, sind ein Problem. Jeder Katzenbesitzer kann aber seinem Haustier zum Schutz der Vögel ein Glöckchen um den Hals hängen. Und in der Brutzeit von Mitte Mai bis Mitte Juli sollte man die Katze in den Morgenstunden im Haus behalten, denn dann bekommen die frisch geschlüpften Vogelküken Flugunterricht.

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