SeeumrundungStarke Waden am Schlachtensee

Ralph Geisenhanslüke umrundet in schweren Stiefeln den Berliner Schlachtensee

Fester Tritt: Der Hanwag Räven II

Fester Tritt: Der Hanwag Räven II

Der Uferweg des Schlachtensees ist eine der beliebtesten Fitness-Autobahnen Berlins. Gäbe es im Radio Verkehrsdurchsagen für Laufstrecken, würden diese fünfeinhalb Kilometer etwa so häufig genannt wie das Dreieck Funkturm. Zur Primetime ist es zwischen dem ganzjährig geöffneten Restaurant Fischerhütte und den Villengärten am Südufer nahezu unmöglich, spazieren zu gehen. Zum Beispiel an diesem Sonntagnachmittag, an dem der allmählich tauende Boden unter den Schritten Hunderter Läufer schmatzt. Immer wieder gibt es große Pfützen und noch gefrorene Stellen, vor denen die Läufer sich stauen. Dazwischen Familien und Paare. Hunde apportieren. Enten watscheln.

Von A nach B
Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

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Es ist die sechste Jahreszeit, die Zeit der noch nicht ganz aufgegebenen Vorsätze. Pulsuhren piepen an Handgelenken. Bunte Thermolaufkleidung leuchtet vor grauem Himmel. Manchmal bilden sich Verfolgerfelder. Jeder will in seinem Tempo bleiben, Kraft oder Platz aber reichen für ein zügiges Überholen nicht aus. Wenn zwei solcher Rudel aufeinandertreffen, muss die Vorfahrtsregel jedes Mal neu geklärt werden.

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Der Stiefel Hanwag Räven II ist das ideale Gegenmittel zum Stressprogramm überambitionierter Freizeitsportler. Hanwag, ein Firmenname wie adidas: Hans Wagner aus dem oberbayerischen Vierkirchen war ein in der Berg-und-Tal-Szene legendärer Schuhmacher. Der Räven II ist ein zwiegenähter Winterstiefel, Schaft aus Filz, bullerwarm, lammfellgefüttert. Sollte das Leder knarren, empfiehlt der Hersteller eine Behandlung mit Hirschtalg. Besonders Jäger seien da empfindlich. Für uns Flachlandtiroler passt das schon, auch die "Ice-Grip"-Sohle mit eingearbeiteten Glaspartikeln werden wir wohl selten an ihre physikalischen Grenzen bringen. Wie beim Auto zählen auch hier die Leistungsreserven. Der Räven II hat etwas von einem Luxus-Jeep, Unebenheiten übergeht er. Und sein Träger hat den Blick frei, um Eichhörnchen und Spechte zu beobachten oder auf das Eis in der Seemitte zu schauen, von dem die Polizei Massen von Leichtsinnigen kürzlich per Hubschrauber herunterbitten musste. Bald wird es geschmolzen sein. Nicht mehr lang, dann werden die Welse am Ufer laichen. Kinderlachen wird wieder übers Wasser schallen. Nicht mehr lang, dann ist zum Glück auch die sechste Jahreszeit vorbei.

Technische Daten

Bauart: Zwiegenähter Schlupfstiefel
Obermaterial: gewachstes Nubukleder
Gewicht: 1700 g/Paar (Größe 41)
Schafthöhe: 34 cm
Preis: 300 Euro

Ralph Geisenhanslüke ist ZEIT-Autor

 
Leser-Kommentare
  1. ... doch jetzt mal was Vernünftiges. Der Schuh hält bei ordentlicher Pflege nach Menschenmaß gemessen ewig. Das Design ist zeitlos. Solche Dinger gab´s schon vor 200 Jahren.

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  • Serie Von A nach B
  • Quelle ZEITmagazin, 14.3.2013 Nr. 12
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